Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 217.
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Mittwoch den 8. November.
Nachdrud berboten.
Vor dem Sturm.
Roman von M. E. Selle Grazie Zunächst lassen wir die Wiener losgeh'n," erwiderte Graf Bernau.„ Ungarn hat schon gesprochen und geht mit Feuereifer voran. Nur noch einige Tage und ein großer, ein vielleicht unblutiger Erfolg der Hauptstädte sagt auch den Provinzen, was ihnen zu tun übrig bleibt. Wir aber mußten wissen, ob Ihr einig seid."
War nit schlecht," lachte einer auf ,,, wonn m'r irkt no nit einig war'n!"
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' s is nur"-meinte der Ortsrichter. Er hatte sich schon eine Weile herumgedrückt... nun mußte er doch endlich an den Brei heran.
Wos is?" rief Hilmer herüber.
" Für den Foll, ols' s bei uns a losgeht, oder oder Iosgeh'n funnt
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Eid?"
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" Los geht!" riefen die anderen einhellig. Mein'tweg'n. Do fonn i enk do nit einspier'n, Monna!" No sei so guat!" rief Hilmer entrüstet. Wonn i ober meine Paragraph' hob' und mein' Woaßt was?" brach jetzt Süry los.„ Renn glei auf Bnoam oder zu der Herrschoft und zoag's on." " Ihr hr müßt Eure Stelle als bisheriger Ortsrichter natürlich niederlegen," erklärte Graf Bernau.„ Obwohl es dann vielleicht keine Regierung mehr gibt. Wenigstens die nicht, der Ihr den Eid geschworen. Und wenn das neue Gemeinwesen Euch wiederwählt--"
„ Runnt uns einfoll'n!" murrten die Bauern durcheinnader.„ Wonn er irkt schon mit'n Manderin moch'n onfongt!" Das kann doch eine Gewissenssache sein, nicht?" warf Graf Bernau ruhig ein.
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Wohr is!" gaben einige kleinlaut zu. " Woaßt wos?" lachte Hilmer, nochher hau'n m'r die glei am ersten Tog außa. Dem Stöd'n mit'n faiserlichen Ddler braucht jo deßtweg'n nig g'scheh'n."
Dös hob i wiff'n woll'n!" entgegnete der Ortsrichter. Er war wieder völlig beruhigt.
Wer hätt dös ober denkt, Monna!" rief plöglich der alte Zöllner dazwischen. Wos denn?"
1911
Menschen nähere, ihm Stärkung und Haltung zu geben. Um sonst. Fürys Schmerz war und blieb ein unversöhnlicher, So kam zu dem Leid, das ihm widerfahren, noch ein andere hinzu: die Erkenntnis, daß er und der Bruder sich im Inner ften fremd geworden. Hannes hatte es längst gefühlt, abe gerade in diesem Schicksalsschlag einen Fingerzeig des Herrn gesehen, sich dem so geliebten Bruder wieder zu nähern. Nus zu bald erkannte er, daß Jürys Empfindung sich noch weiter von ihm entfernt hatte. Und als er gar merkte, daß sein Bu spruch dem Bruder nicht bloß fein Trost war, ihm vielmehr nur noch tiefer in den Trog wider Gottes Fügung hinein führte, blieb er aus. Er war in der besten, der christlichsten Absicht gekommen, hatte wochenlang dem Unmut Fürys stand gehalten, der sich zuletzt immer wieder gegen Gott selbst kehrte, Aber dies alles noch länger anzuhören, durch sein Erscheinen sozusagen noch heraufzubeschwören, wäre ihm als eine große Sünde erschienen. So war er endlich ausgeblieben.
Als Füry bei dem Bruder eintrat, fand er die ganze Familie beisammen. Hannes wirtschaftete mit seinem Schwiegersohn, während seine Söhne auf den Höfen saßen, die sie mit ihren Frauen erheiratet hatten.
Hannes Lieblingsfind aber war seine einzige Tochter, Annamarie. Fromm wie der Vater, still und geduldig wie die Mutter, waltete sie im Haus, hatte für jeden ein liebes Wort, ein freundliches Lächeln, forgte und mühte sich, auch wo es nicht nötig war. Auch Annamarie hatte einen Erdberger zum Mann und der Bater selbst hatte ihr den Gatten ausgesucht. Denn der Mann, dem er seine„ Annamir!" geben wollte, mußte auch„ donoch" sein. Hannes hatte in seiner Sorge eine gute Wahl getroffen, vielleicht die beste ringsum. Der junge Mallner war ein ernster, frommer Bursch gewesen, dazu ein ganzer Mann. So gab es eine glückliche Ehe, deren Friede wie ein immerwährender Sonnenschein aus den großen blauen Kinderaugen der Annamarie zu strömen schien. Denn alles liebte sie allen wußte sie Mutter zu sein. Nie kam ein böses Wort von ihren Lippen, selbst unter der Not der schversten Arbeit fand sie noch ein heiteres Lächeln, einen freundlichen Gruß. Frühmorgens die erste auf den Beinen, die letzte, wenn es zur Ruhe ging, hielt sie wohl und Wehe und Blühen und Gedeihen des Hauses warm und sorglich in ihren festen, treuen Händen.
Jüry wußte, daß Annamarie mit ihrem ersten Kinde schwanger ging. Drum war es ihm nicht angenehm, den Hannes im Kreis der Seinen zu finden. Was er mit dem Bruder zu besprechen hatte, taugte nicht für Weiberohren,
" No, daß' n Hilmer sein Student solchene Briaf zuletzt für die frommen der Annamarie. schreib'n funnt!"
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Aber da saßen sie alle beisammen, wie es eben so Brauch war um diese Zeit. Die Annamarie spann, Hannes schmauchte seine Pfeife, der Schwiegerjohn saß am Tisch und las aus der Legende" vor. Die alte Bäuerin aber stichelte an einem Kinderhemdchen herum. Sie ließ es sich nicht nehmen, die Wäsche des künftigen Enfels selbst vorzubereiten.
3'weg'n we war' r denn in der Studi?" " Dös schon! Ober der Briaf.. Der alte Hilmer strahlte. Nit wohr? Der Briaf! Wonn si der Bua auf d' Konzl stellert- i moan der haut's a' n Pforrer obi...?" ,, Natürli haut'' rs eahm obi," nickte Zöllner überzeugt. " Guat'n Obend," sagte Jüry, als er eintrat. Und da war nicht einer, der ihm nicht recht gegeben Jessas, der Jüry!" rief die alte Bäuerin erstaunt. hätte. Wie eine große Ruhe kam es über die Väter, die auch Hannes fuhr mit einem jähen Rud empor. Seine Freude, Söhne hatten und darunter Studenten. Wie war man sonst den Bruder wieder bei sich zu sehen, war groß und echt. In um jeden Rat zum Pfarrer gelaufen, hatte gefragt und ge- der Kirche konnte man ja nicht viel reden miteinander, und forscht und zuletzt doch nie zu handeln gewagt! Nun hatte im Winter kam man so wenig hinaus; traf sich nicht wie sonst der Herr die Jugend des Volkes berufen und auf ihre Lippen auf Wegen und Stegen. Nun war der Bruder selbst gedas Wort gelegt, das das Volk befreien sollte. Grafen halfen kommen! Vielleicht doch wieder der Alte! den Bauern Jünglinge taten, was schon lange den Mit offenen Armen ging ihm Hannes entgegen:„ Dob Männern zugekommen wäre und doch keiner all dieser D' nur wieder amol do bist!" Männer gewagt.
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Der alte Glück hatte recht: es war eine gewaltige Zeit, die nun anbrach!
Jüry sah den Bruder an, ließ den Blick über die Weibs. leute und den Schwiegersohn geh'n.„ Drei san zuviel do," dachte er. Aber er fonnte ja wenigstens eine Stichprobe Als Jüry heimfam, fiel es ihm erst auf, daß er seinen machen. Hilmers Hof lag dem seines Bruders näher als Bruder Hannes nicht auch beim Hilmer getroffen. Trauten Jürys Haus.. Das gab eine gute Einleitung. ihm die anderen nicht oder hielt er sich absichtlich ferne? bin an Sprung beim Hilmer d'rent g'west," begann " Wieder Einerlei. Jürn wollte dahinter kommen. So nahm er nach Süry langsam, do wollt' i nit vorübergeh'n. dem Abendbrot wieder einmal den Weg zu Hannes. Nach glitt sein Blick über Hannes und seiner Schwiegersohn, forlanger, langer Zeit zum erstenmal. Nach dem Tod der Anna- schend, leise fragend. So, sc, beim H.Imer," sagte Hannes liese war Hannes fast jeden Abend bei ihm erschienen, hatte gleichgültig. 3weg'n we denn?" versucht, ihn durch seinen Zuspruch aufzurichten, durch den Also wußte er nichts! Und Annamaries Mann, der dort Hinweis auf die göttliche Gnade, die seiner Meinung nach, eben so ehrfürchtig die Legende" zuklappte.... Nein, auch er sich gerade in solchen Prüfungen" am meisten der Seele des hatte keine Ahnung!