Anterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 24.

24]

Sonnabend den 3. Februar.

( Nachdruck berboten.)

Pelle der Eroberer.

Der große Kampf.

Noman von Martin Andersen Nero.

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1912

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Ihm die Füße unter dem Leib abzuschlagen, das ließ sich nun freilich nicht machen. Er trieb im Gegenteil die schwächeren Mitglieder aus dem Verein hinaus und hatte immer Arbeiter genug zum Teil Schweden , die er sich ver­schrieben hatte und denen er einen hohen Arbeitslohn zahlen mußte. Die Heimarbeit machte es ihm unmöglich, ihm so Es tat ihm so innerlich wohl, in ihrem Heim aufgenom- recht zu Leibe zu kommen. Pelle und der Vorsigende patroul men zu werden, wo sich hinter dem robusten Kopenhagener lierten abwechselnd vor dem Lager zu der Zeit, wo die Arbeit Humor ganz patriarchalische Zustände versteckten. Alles be- abgeliefert wurde, um auszufundschaften, wer bei ihm ar­rubte auf Ordnung in Ehrerbietung gegen die Eltern, nament- beitete. Es gelang ihnen auch, ihm einige wegzuschnappen lich gegen den Vater, der das entscheidende Wort in allen und sie zur Vernunft zu bringen oder ihre Namen im Ar­Fragen hatte und seinen eigenen Platz, auf den sich niemand beiter" zu veröffentlichen. Aber dann schickten die Gesellen anders sette. Wenn er von seiner Arbeit heimkehrte, wett- ihre Frauen und Kinder mit der Arbeit hin. Da war nichts eiferten die erwachsenen Söhne noch immer, wer ihm seine Rechtes anzufangen. Es kostete Meyer große Summen, das Pantoffeln bringen sollte, und die Frau hatte stets einen Geschäft im Gang zu behalten, aber der Fachverein litt doch Ertrabissen für ihn. Der jüngste Sohn Frederik, der bald am meisten. Er war noch nicht stark in seinen Fugen; und ausgelernt hatte, freute sich wie ein Kind auf den Tag, wo er mitglieder des Fahvereins nicht beschäftigen, so lange die die kleinen Meister Scharten sich um Meyer und wollten die Geselle wurde und Brüderschaft mit dem Alten trinken konnte. Sperre währte. So wurde sie denn aufgehoben. Sie bewohnten eine neue, geräumige Dreizimmer­wohnung mit Mädchenstube; für Belle, der daran gewöhnt war, seine Kameraden hier drüben in einem. Zimmer mit Küche hausen zu sehen, war dies ein gewisses Erlebnis. Die Zusammenhalten war noch nicht ausreichend gewesen. Es Söhne bekamen zu Hause Kost und Logis, sie schliefen in der mußte geredet, agitiert, es mußten Versammlungen abgehalten werden! Der Trieb zu dem Neuen veranlaßte sie wohl, sich Mädchenstube. Die Häuslichkeit war mit gemeinsamen Kräften aufgebaut und zusammen gehalten. Wenn sich die zusammen zu scharen, aber ihr Ehrbegriff war noch nicht ent­Familie unbedingt vor dem Hausherrn beugte, so geschah dies widelt. Der geringste Widerstand zerstreute sie. nicht aus Unterwürfigkeit, fie taten nur dasselbe wie alle anderen. Stolpe war in seinem Fach der erste Mann, ein an­gesehener Arbeiter, der Veteran der Bewegung. Seine Worte blieben von selbst stehen.

Ellen war die einzige, die seine Oberherrlichkeit nicht respektierte, sondern ihn mutig abspeiste, oft ohne irgendeinen anderen Zweck, als um ihm zu widersprechen. Sie war das einzige Mädel in der Familie und das Nestküchlein, das machte sie sich zunuzen. Zuweilen sah es aus, als werde Stolpe zum äußersten gebracht, als wolle er sie in seinem Born zermalmen; aber er unterwarf sich ihr stets.

Ueber Belle war er sehr froh. Er bewunderte im ge­heimen die Tochter nur um so mehr. Da siehst Du, daß was an dem Mädel dran ist, Mutter! Sie versteht es, sich einen Mann zu wählen," konnte er begeistert ausrufen.

Ja, ich habe auch gar nichts dagegen," erwiderte Frau Stolpe. Ein bißchen bäuerisch ist er ja noch immer, aber das läuft er sich wohl noch ab."

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Bäuerisch der? Nein, Du kannst mir glauben, er weiß, was er will. Da hat sie wahrhaftig ihren Herrn ge­funden!" sagte Stolpe triumphierend.

In den beiden Brüdern fand Belle ein paar treue Kame­raden, die nicht umhinkonnten, zu ihm aufzusehen.

Mit der Sperre ging es so lala. Hofschuhmacher Meyer antwortete damit, daß er die Meister zu einer Versammlung zusammenberief, um einen Meisterverein zu bilden, der den Mitgliedern des Gewerkschaftsvereins die Arbeit verweigern sollte. Dann wäre die Sache ja mit einem Schlage tot ge­wesen.

So weit fam es jedoch nicht. Die kleinen Meister fürchteten sich, daß die Gesellen sich dann niederlassen und ihnen Konkurrenz machen würden. Instinktiv fürchteten sie auch die großen Meister mehr als die Gesellen und scheuten fich, mit ihnen in den Verein einzutreten. Die Bewegung innerhalb der Industrie schlug die Richtung ein, alles auf wenige Hände zu vereinen und die kleinen Geschäfte tot zu machen. Die kleinen Meister hatten noch ein Hühnchen mit Meyer zu pflücken, der das Geschäft auf ihre Kosten in die Höhe gebracht hatte.

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dabei gelernt! Der Stärkste trug den Sieg davon und ihr Das war eine Niederlage; aber etwas hatte Pelle doch

Er verlor den Mut nicht; es mußte fast wieder von neuem angefangen werden; das war das Ganze.

Am Morgen, nachdem die Niederlage eine Tatsache ge­worden, war er schon frühe auf. In den Beschluß, mit dop­pelter Straft darauf loszugehen, hatte er sich sozusagen hinein­geschlafen, der saß ihm im Körper und legte Nachdruck in seine Hammerschläge! Er pfiff, während ihm die Arbeit schnell von der Hand ging. Das Fenster stand offen, damit die nächt­lichen Dünfte herausschlüpfen konnten, auf den Dächern lag Meif, die Sterne schimmerten oben an dem kalten Himmel. Aber Pelle fror nicht! Er hatte eben die Familie" geweckt und hörte sie da drinnen rumoren. Draußen auf dem Gang fing man an, schlaftrunken herumzutaumeln. Belle pfiff den Marsch, gestern Abend hatte er den letzten Abtrag seiner Schuld an Sort geschickt und gleichzeitig an Vater Lasse ganz bestimmt geschrieben, daß er jetzt fommen solle, jegt tage es!

Marie kam und reichte ihm den Kaffee durch die Tür. Guten Morgen," rief sie munter durch die Türspalte. Heute friegen wir schönes Wetter, Belle!" Sie war noch nicht ganz angekleidet und ließ sich nicht sehen. Die Jungen nickten ihm Guten Morgen zu, ehe sie fortliefen. Karl hatte die Weste und Jacke unter dem Arm. Diese Kleidungsstücke pflegte er immer anzuziehen, wenn er die Treppe hinabging.

Als es Tag geworden war, fam Marie herein und brachte das Zimme: in Ordnung. Sie unterhielt ihn, während sie scheuerte.

Hör mal, Marie!" rief Belle plöglich aus. Ellen ist ja gestern hier gewesen und hat Dich gebeten, mir einen Bescheid zu überbringen, wenn ich nach Hause käme. Das hast Du ja gar nicht getan."

Maries Geficht wurde hart, aber sie antwortete nicht. ,, Es war mun ein reiner Zufall, daß ich ihr gestern be­gegnete, sonst hätten wir uns verfehlt."

Dann werde ich es wohl vergessen haben," erwiderte Marie mürrisch.

Ja, vergessen hast Du es freilich. Aber das ist nun schon das zweite Mal in dieser Woche, Du bist wohl verliebt?" fügte er lachend hinzu.

Marie wandte ihm den Rücken zu. Ich habe nichts mit ihr zu schaffen ich schulde ihr nichts!" rief fie plöblich trogig aus. Und ich will auch nicht Deine Stube länger rein machen, laß sie das doch tun!" Sie nahm den Scheuereimer und den Schrupper und lief in ihre eigene Stube hinein. Nach einer Weile ertönte ihre Stimme da drinnen; er glaubte erst, fie trällerte eine Melodie vor sich hin, aber dann war es Schluchzen.

Durch Meister Beck erfuhr Pelle, was sich zwischen den Meistern zutrug. Meyer hatte auch verlangt, daß Bed Belle verabschieden folle, aber dem wollte er sich nicht unterwerfen. Ich kann ja eigentlich nicht über Sie flagen," sagte er. Thr Fachvereinswesen mag ich nicht das sollten Sie lieber nachlassen. Aber mit Ihrer Arbeit bin ich wohl zufrieden. Ich habe mich immer bemüht, Gerechtigkeit nach allen Seiten zu erweisen. Wenn Sie dem Hofschuhmachermeister die Füße Er eilte hinein, fie lag auf ihrem Bett und weinte, biß in unter dem Leib wegschlagen, dann wollen wir kleinen Meister das Kopfkissen und schlug mit den rauhen Händen wütend nach alle Ihrem Verein dankbar sein. Der frißt uns auf." ihm. Ihr magerer Körper brannte wie im Fieber.