Zlnterhaltungsblatt des Vorwärts Nr. 47. Donnerstag den 7. Marz� 1912 tStachdruck vervoua.) 47} pelle der Gröberer. Der grohe Kampf. Koman von Martin AndersenNexo. Aus dem dritten Stockwerk kam eine Frau heraus- geschlichen und brach ein wenig von dem Holzwerk ab; sie nickte ihm zu.Für einen Schluck Kaffee." sagte sie,und Gott segne den Kaffee! Man kann ihn so dünn machen, wie man will, wenn er bloß gut warm ist." Die Wohnung stand leer, Lasse war nicht da. Pelle er- kundigte sich auf dem langen Gang. Er erfuhr, daß er im Keller bei der Trödlerin hause. Mehrere magere graue Ge- sichtcr kamen einen Augenblick in den Türen zum Vorschein und starrten ihn an, dann verschwanden sie lautlos. Der Keller der Trödlerin war mit Gegenständen über- häuft, der Winter wehte die Habseligkeiten der Armen hier hinab. Lasse saß in einem Winkel und stickte an einer Ma- tratze, er war allein hier unten.Sie ist ausgegangen, um sich was anzusehen," sagte er,in dieser Zeit hat ihr Geld viel zu tun! Nein, ich will nicht mit Dir gehen und Euer Brot aufessen. Ich habe mein Essen und Trinken hier, dafür helfe ich ihr. Wieviele andere können wohl sagen, daß sie in diesem Winter ihr Auskommen gesichert haben? Und eine Ecke, wo rch liegen kann, habe ich auch. Aber kannst Du mir nicht sagen, was aus Peter geworden ist? Eines Tages war er da oben aus dem Zimmer weg, und seitdem habe ich nichts wieder von ihm gesehen." Dann ist er wohl mit seiner Braut zusammengezogen." erwiderte Pelle.Ich will mal sehen, ob ich es nicht erfahren kann." Ach ja, wenn Du das wolltest. Es waren so gute Kinder die drei, es wäre ein Jammer, wenn einem von ihnen etwas zustoßen sollte." Pelle wollte den Vater nicht aus einem sicheren Verdienst herausreißen.Wir wissen ja selbst nicht mal, was wir Dir dafür bieten können. Vergiß aber nicht, daß Du uns immer willkommen bist, Ellen selbst hat mich hierher geschickt." *Ja, ja, dank ihr vi�smals dafür! Nun geh Du jetzt nur, ehe die Alte wiederkommt," sagte Lasse ängstlich.Sie mag es nicht, wenn hier jemand ist, sie ist bange für ihr Geld." Das erste, was draufgehen mußte, war Pelles Winter- Überzieher. Er versetzte ihn eines Tages, ohne daß Ellen es wußte, und kam nach Hause und überraschte sie mit dem Geld, das er froh auf den Tisch warf, Krone für Krone.Wie das singt!" sagte er zu Klein-Lasse. Der Junge sprang und wollte das Geld zuni Spielen liaben. Was soll ich mit einem Winterüberzieher?" entgegnete er auf Ellens freundliche Vorwürfe. Mich friert nicht und er hängt hier ja nur herum. Nun habe ich mich den ganzen Sommer damit herumgeschlagen. Ach, wie der wärmt!" sagte er zu dem Jungen, als Ellen Feuerung geholt hatte. Das war wirklich ein guter Winterüberzieher, den Vater ge- habt hat! Der kann Mutter und Schwester und Klein-Lasse wärmen." Der Junge legte die Hände auf seine Knie und guckte in das Feuer hin nach Vaters Ueberzieher. Das Feuer entzündete Flammen in seinen großen Kinderaugen und spielte auf den roten Wangen.Ein schöner Ueberzieher!" sagte er und lachte über das ganze Gesicht. Von den Hausbewohnern sahen sie nicht viel und von der Familie auch nicht. Die Leute lebten still und kämpften in ihren vier Wänden jeder mit seiner eigenen Not. Des Sonn- tags setzten sie den Kleinen bei einem von den Nachbarn ein, gingen in die Stadt und standen eine Stunde vor irgend- einem Konzertlokal und froren, während sie der Musik lauschten. Dann gingen sie wieder nach Hause, saßen da und fingen Grillen, ohne Licht anzuzünden beim Schein des Ofens. Eines Sonntags sah es schlimm aus.Die Kohlen reichen nur noch bis heute mittag," sagte Ellen.Wir müssen aus- gehen." Essen haben wir auch nicht mehr. Aber vielleicht können wir zu den Alten gehen, dann laden sie uns am Ende zu Abend ein." Als sie gehen wollten, kam Ellens Bruder Otto mit seiner Frau und zwei Kindern zu ihnen zu Besuch. Ellen wechselte einen verzweifelten Blick mit Pelle. Der Winter hatte auch ihnen ihr Gepräge aufgedrückt: ihre Gesichter waren schmal und ernst. Aber warme Kleider hatten sie doch noch.Ihr müßt Eure Mäntel anbehalten," sagte Ellen,denn ich habe keine Feuerung mehr: ich hatte gestern so viel zu tun und mußte es bis heute aufschieben, und da will das Unglück, daß beim Kohlenhändler keiner zu Hause ist." Wenn die Kleinen nur nicht frieren," sagte Pelle,wir Erwachsenen können uns schon warm halten." Na, solange ihnen keine Eiszapfen unter der Nase hängen, schadet es ihnen auch nicht!" sagte Otto Stolpe mit einem Anflug von seinem allen Humor. Sie trippelten unruhig in der Stube hin und her und sprachen von den schlechten Zeiten und der wachsenden Not. Ja, es ist schrecklich, daß es nicht genug für alle Menschen gibt," sagte Ottos Frau.Aber nun macht der strenge Winter der Not ein Ende und dann wird es wieder gut!" Du meinst, daß der Winter uns zuerst den Garaus machen wird?" sagte Otto und lachte verzweifelt. Nein, nicht uns dem Elend natürlich. Ach, Du weist wohl recht gut, was ich meine. Aber so ist er immer," wandte sie sich an Pelle. Sonderbar, daß Ihr Frauenzimmer noch immer in dem alten frommen Glauben umhergehen könnt, daß es nicht genug von allem gibt," sagte Pelle.Ter Hafen liegt doch voll von Kohlenhaufen, und in den Läden fehlt es nicht an Eßwaren. Im Gegenteil, da ist viel mebr als sonst, weil so viele ent- lehren müssen. Das kannst Du auch daraus sehen, daß in der Stadt jetzt alles billiger ist. Aber was kann das nützen, wenn man kein Geld hat? Mit der Verteilung ist es schlecht bestellt." Ja, Du hast ganz Recht!" sagte Otto Stolpe.Es ist auch wirklich verteufelt, daß man nicht den Mut hat, zuzu» greifen!" Pelle'hörte Ellen durch die.Küchentür gehen, und nach einer Weile kam sie mit Feuerung in der Schürze zurück, sie hatte etwas Holz geliehen.Ich habe doch noch ein bißchen zu- sammengeschabt." sagte sie und legte sich vor dem Osen auf die Knie.Es ist auf alle Fälle genug, um eine Tasse Kaffee wärmen zu können." Der Bruder und seine Frau baten sie eindringlich, sich doch keine Mühe zu machen: sie hatten eben Kaffee getrunken. ehe sie von Hause weggegangen waren, nach einem soliden Frühstück.Des Sonntags essen wir immer ein solides Früh- stück," sagte die junge Madam Stolpe,das tut so gut!" Während sie sprach, verfolgten ihre Augen mechanisch jede von Ellens Bewegungen, als ob etwas in ihr rechnete, wie schnell der Kaffee wohl fertig werden könne. Und Ellen redete, während sie anzündete. Ja, natürlich, aber eine Tasse Kaffee tollten sie haben. Trockenen Mundes dürften sie nicht weggehen. Pelle faß da und lauschte ihnen verwundert und traurig, ihre unschuldigen Prahlereien beleuchteten ihm das Elend nur noch greller. Er konnte es Ellen ansehen, daß sie sich in einer schrecklichen Verlegenheit defand und folgte ihr in die Küche. Pelle, Pelle!" sagte sie ganz verzweifelt.Sie haben darauf gerechnet, daß sie heute bei uns zu abend essen können, und ich habe keinen Bissen: was sollen wir nur machen?" Sagen, wie es ist. natürlich!" Das kann man doch nicht! Und sie haben heute auch nichts zu essen bekommen kannst Tu ihnen das nicht an- sehen?" Sie brach in Tränen aus. Na. laß mich die Sache nur ordnen." sagte er tröstend. Aber was willst Tu uns denn zum Kaffee geben?" Das weiß ich nicht! Ich habe nichts als Schwarzbrot und etwas Butter!" Großer Gott! So f." kleines Schäfchen!" sagte er lachend und nahm ihren Kovf in seine Hände,und dann stehst Du da und jammerst, willst Du wohl nwchen, daß Du das Butterbrot streichft!" Ellen machte sich zögernd an die Arbeit. Ehe sie aber die Bewirtung hereintrug, hörten sie sie lärmend mit der Haupt- tür klappen und die Treppe hinablausen. Nach einer Weile kam sie wieder herein.Nun Hat, weiß Gott , der Bäcker alles