Nnterhaltungsblatt des Horwärts Nr. 154. Sonnabend, den IQ- August. 1912 il�achdruS battocetu 80] Der Alittiber. Von Ludwig Thoma . „Dös sagst d' jetzt aus Zorn: und wann i wos o'band'l '(einfädle), nacha mogscht Wieda nimma." „Ja no. dös paßt mir gar it. daß i ganz öffatli auf d' Brautschau geh': do bin i z' alt dazua und mog aa den Krach dahoam it. Dös müaßt oiwei staad geh und it auffällig, und bal i oane sehg'n that, de mir guat o'stand, und de do her passet, na sag' i net na, aba'r aa net so g'schwind ja." „Geh mit mir umi auf Arnzell!" „So mach ma de Eichicht nimma. I müaßt unta da Hand dafrag'n, wia's mit'n Geld steht und ob s' a Haus- wes'n führ'n kunnt: und bal's do koa Ausstellung it gab (nichts daran auszusetzen ist), nacha kunnt i s' amal o'- schaug'n, aba alloa, und so, daß koa Mensch nix dabei denk'n müaßt." „De Auskunft bring i dir schnell gnua her." „Laß da Zeit! Vor da Urschula ihra Hozet(Hochzeit) Hot 's jetzt koan Wert it, und nacha möcht i aa dös mit dera Dirn z'erscht in Ordnung Hamm ." „Ja so, de gang da sinscht im Weg um?" „Mir?" „I will di it ausfrag'n. Obwoi daß's bessa waar, wann i a bissel wos inne wurd. Weil i nacha do leichta mit de Leut in Olching red'n kunnt." „Du fragscht, ob s' a richtige Person brauch'n kinna, und vo mir sagst d' gar nix." „Dös that i a so net: abä bal nacha dös auftrifst(ein- tritt)?" „Wos?" „No, dös sell halt!" „Ah so! Dös werd it auftreffa, und für den Fall, daß also... a... für den Fall is ander Leut aa'r it bessa ganga, und du ko'scht hintadrei sag'n, du hoscht dös it schmecka (riechen) kinna." „Is recht. I wer mei möglich's thoa. Und vo Arnzell, do bring i dir a ganz a g'naue Beschreibung." „Dös sehg'n ma nacha scho." „Es muaß dir ernscht sei, Schormoar!" „Jetzt is mir ernscht: aba bal i morg'n änderst g'sinnt bi, nacha heireth i dir z'liab it, dös ko'scht glaab'n." „Dös laßt si denga: aba entschadinga müaßt d' mi für meine Gäng." „I mog nix umasonst. Und jetzt pfüad di Good, und halt's Mäu." „Is scho recht. Adjä! Und paß auf, i schaug dei Viech a wengl o. Hoscht d' nix zum vokaffa?" „ A paar Kaibln stenga do. Schaug da s' o und mach an Preis!" Das hatte nun der Schormayer zu wenig bedacht, daß im Stall drüben die Zenzi war. Der Tretter musterte alles Vieh und fand auch Gefallen an den Kälbern, mehr aber noch an dem stattlichen Weibs- bild, das sie ihm zeigte. Weil aber in ihm sogleich ein Verdacht aufstieg, wollte er sich Gewißheit holen. Er fing damit an. die Zenzi ausbündig zu loben. „Du hoscht dein Stall sauber beinand, g'rad sauba. Ma siecht it viel solchene. Bischt d' g'wiß scho lang aus'n Hof?" „Na. Erscht seit'n Juli." „Mit dir is oana aufg'richt'. Du haltst dei Viech, wia 's a si g'hört." „Mi thuat halt sei Arbet." „A jede vasteht's it a so: mit'n Arbet'n alloa is it g'- macht. Wann's d' amal nimma do bleib'n mogscht. na laßt d' ma's wiss'n. Für di hätt i an ausnehmend guat'n Plötz." „Hoscht du a größer's Sach(Gut)?" „Es waar it bei mir. Aba no, du werft da so schnell it geh'." „Wo waar denn nacha dös?" „Bei Bruck umanand. Aba i möcht d sei ja it wegred'n: dös that i scho net z'weg'n an Schormoar." „Um dös brauchscht di it kümmern: an Baua waar's W ganz recht." „Bal du wegkimmscht?" „Ja, weil a halt a Hauserin her thuat, und übahaupts.'� „So... so?" „Hab i di!" dachte sich der Tretter.„Also, de is? Nö, da G'schmack waar gar it so schlecht!" Und laut sagte er: „Nacha sollt' i dir an guat'n Deanst varath'n?" „Waar ma scho recht." „Du muaßt ma halt a wengl schö thoa: du Fackei (Ferkelchen), du mollet's(weiches)!" „Geah, wos hoscht denn!" Sie wich den derben Händen des Tretter aus „Thua no it so! I reiß da nix oba vom Fleisch." „Wos fallt dir denn ei?" „Unseroana werd aa'r amal was saubcr's o'rllhr'u derf'n?" „I mag dös it." „Hot bloß da�Schormar's Recht dazua?" „Wos red'st denn du daher?" „Geh, hör auf, du Sukei(Schweinchen), du g'schmach's (nettes)! Bal an oa'schichtiga(alleinstehender) Mensch so was mollet's in Haus Hot, na woaß ma's scho." „Du bischt guat trofsa!" „Herrschaftseit'n überanand, bal i di no bei mir ei'stell'n kunnt, mi vastand'n ins bald." „Glaab dös it! I mag so was net." „Gar net?" „Na!" „Da waar i Wieda änderst." Er griff noch einmal unzart nach ihr, aber sie kam ihm mit einer schnellen Wendung aus. Und sie war nicht dazu auf- gelegt, mit dem wüsten Menschen einen Spaß zu haben. Ueberhaupt war sie nicht lustig gestimmt. Ihr Zustand und die Ungewißheit, und auch, daß der Holzweber Simmer gar nicht dergleichen tat, und alles mit- sammcn machte ihr zuwidere Tage. „Hör de Sach'n auf!" sagte sie unwirsch.„I bi koa Hand* tu ach, wo dir du d' Händ' o'putz'n loscht." „Deifi überanand! So stolz! Vielleicht gibst du's billiga, wann i di auf den sell'n Plötz bring." „I brauch di net dazua." „Selm suacha werd da halt oiwei härta o'kemma." „I vasteh di net: und jetzt geh amal zua!" „Adjä, schönes Mädichen, und grüaß ma'r an Jungfern-. bund: und bal's d' in dem Jahr no an Schnulla brauchscht, schick i da'r oan." „Gel, du mogscht it so frech sei?;' Aber der Tretter war schon lachend zur Türe hinaus und schlenkUte pfeifend über den Hof. Er suchte den Bauern auf. „Was kost'n de Kaibln?" „Wos willst d' geb'n?" „Fufzgi, wia da Preis is." „S' Pfund gilt jetzt oansafufz'g Hot ma g'hört." „Da hoscht falsch g'hört." „Also nimm s' um fufzgi!" sagte der Schormayer.„Es gilt na für des ander aa." Der Tretter gab den Handschlag, und listig blinzelnd sagte er: „A Kalbin hoscht in dein Stall, a recht a foaschte(feiste).'- „Da is mir nix bekannt." „No de sell, de wo i auf Olching umi treib'n soll." „Geh, laß de G'spaß? Dös stimmt gar it." „Net? No, nacha sag i halt pfüat Good: de Kaibln laß i hol'n, und den Knecht schick i her." Auf der Straße blieb der Tretter noch öfter stehen und lachte vor sich hin. „Mi möcht' a o'drahn(anführen)! O du Bauern- spitzbua!" Vierzehntes Kapitel. Aus den Fenstern des Hirtlbacher Wirtshauses klangen Bombardon und Klarinette, einmal tief hinunter und einmal hoch hinauf, und lockten immer neue Gäste herein zur Hoch- zeit des Kaspar Prückl.
Ausgabe
29 (10.8.1912) 154
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten