Anterhaltungsblatt des vorwärts Nr. 163. Freitage den 23. August. 1912 Wlachdruli wtBoten.1 2] pelle der Gröberer. Von M. AndersenNexö. Uebersetzt von Mathilde Mann . Natürlich kommt man wieder dahin, wenn man erst einmal da gewesen is, und das nächste Mal komm ich also ins Zuchthaus nach Holsens! Die Schweinerei is bloß, daß die Strafe mit jedem Mal schärfer wird: ein Kerl wie ich kann fünf Jahr für einen Einbruch von fünf Kronen kriegen. daS is doch'ne Gemeinheit. Denn kann man doch lieber gleich sehen, daß man was tut. was hinlangt. Ich pfeif' auf das Ganze, wen« man die ganze Blase mal ordentlich gefaßt kriegen könnte! Siehst Du, was schert mich das nu. seit Mutter krepiert is? Da weint ein Gör. aber ich kann nichts dafiir. Glaubst Du. daß sich eine Menschenseele die Augen aus deni Kopf weinen wird, wenn Ferdinand seinen Hals auf den Block legen müßt? Sie würden angerannt kommen und glotzen, das würden sie tun. und denn kam' man doch wenigstens mal ordentlich in die Zeitung." ,Schlecht, jawohl, schlecht bin ich! Manchmal kommt man sich vor wie ein fressendes großes Geschwür und kriegt Lust, ihnen die ganze Bescherung gerade ins Gesicht zu spritzen. Warme Hände gibt es nicht: das sind ausgestunkene Lügen! Folglich schuldet man gottlob niemand was. Ich Hab es mehrmals, während ich da in dem Kasten saß. darauf angelegt, den Aufseher totzuschlagen, bloß um auf etwas los- zudreschen: denn er hatte mir ja nichts getan. Aber dann dachte ich. daß es doch dumm sei. Soll Ferdinand den Kopf auf den Block legen, meinetwegen gern: es ist doch immer amüsanter zur Veränderung, als sein ganzes Leben zu sitzen. Aber dann will ich erst mal so au-holen, daß die ganze Be- scherung ins Wackeln gerät! So, nu weißt Du Bescheid mit mir!" Sie trabten schnell dahin, das Gesicht auf den Rauch- nebel der Stadt weit vor ihnen gerichtet. Ferdinand kaute im Qschen auf seinem Priem, und spie alle Augenblick einen großen Strahl auf den Weg hin: sein verhärtetes Bullen- beißergesicht mit den blutunterlaufenen Augen drückte gar nichts aus. jetzt, wo er schwieg. Ein Bauernbursche kam. aus vollem Halse singend, auf sie zu. Er mochte wohl zwölf bis vierzehn Jahre alt sein. Warum bist Du so vergnügt, Bengel?" fragte Ferdinand und hielt ihn an. Ich Hab eine Kuh in die Stadt getrieben und dafür Hab' ich zwei Kronen gekriegt," antwortete der Junge und lachte über das ganze Gesicht. Dann bist Du auch früh auf den Beinen gewesen, mein Freund." sagte Pelle. Ja. ich bin über nacht um drei von Haus fortgegangen. Aber nu Hab' ich auch meinen Tagelohn verdient und Hab' den ganzen übrigen Tag frei," antwortete der Junge, warf das Zweikronenstiick in die Luft und fing es wieder. Gib Du acht, daß es Dir nich wegkommt." murmelte Ferdinand und folgte der Münze mit gierigen Augen. Ach was!" Der Junge lachte ausgelassen. Laß mal sehen, ob es auch echt ist. Auf dem Viehmarkt gibt es ganz mörderliche Spitzbuben." Der Junge reichte ihm das Geldstück.Ei, sich doch. das ist ja so eins, das man durchbrechen kann, so daß zwei daraus werden," jagte Ferdinand und machte allerlei Taschen- spielerkunststücke.Das eine schenkst Du mir doch wohl?" Sein Ausdruck war ganz lebhaft geworden: er blinzelte Pelle boshaft zu..»md stand da und spielte mit der Münze, so daß es auss«chp»lt seien es zwei..Lier. da hast Du Dein Zwei- kronenstück!" sagte er und drückte das Geldstück fest in die Hand des Jungen,paß nur gut auf, sonst kriegst Du Schelte fcflAjPchttern!" T$Tmgc öffnete verwundert die leere Hand.Gib meine zwei Kronen!" sagte er und lächelte unsicher. ISZum Teufel auch, die hast Du ja schon gekriegt!" Ferdinand stieß ihn brutal von sich und fing an zu gehen. Der Junge folgte ihm und verlangte hartnäckig sein Geld. Dann sing er an zu weinen. Nu fängt die Geschichte an, langweilig zu werden: gib ihm jetzt sein Geld!" sagte Pelle finster. Langweilig?" Ferdinand blieb jäh stehen und sah ihn an. wie aus den Wolken gefallen vor Verwunderung,meinst Du. daß ich um kleines Geld spiele? Was geht der Bengek mich an. er kann sehen,, daß er sich trollt, ich bin doch fein' Vater nicht!" Pelle sah ihn einen Augenblick an. che er begriff: dann zog er ein Papier mit etwas kleinem Geld aus der Westen- tasche und gab dem Jungen zwei Kronen. Der Bursche stand anfänglich wie aus den Wolken gefallen da, riß dann hastig das Geld an sich und lief davon, so schnell er konnte. Ferdinand brummte wütend vor sich hin und zwinkerte mit den Augen.Das will ich Dir doch für die Zukunft sagen," rief er plötzlich und blieb stehen,wenn Du es nich wärst und weil man sich nu mal nich gern diesen Xag- ruinieren will, dann häti' ich Dir den Schädel eingeschlagen. Denn so was hat mir weiß Gott noch keiner geboten. Hast Du mich verstanden?" Er blieb von neuem stehen und schüttelte seine dicke Stirn dicht vor Pelles Gesicht. Schnell wie der Blitz packte ihn Pelle an den Kragen und in die Hosen und schlug ihn schwer in einen Chaussccstein� Haufen nieder.Das ist heute das zweite Mal, daß Du mir damit drohst, mir den Schädel einzuschlagen," sagte er ver­bittert und drückte Ferdinands Kopf in die Steine nieder. Eine Weile hielt er ihn fest nieder, half ihm dann aber wieder auf die Beine. Ferdinand war blaurot, er stand da und taumelte, bereit, sich auf Pelle zu stürzen, während der Blick. nach einer Waffe suchend, umherschweifte. Tann zog er widerstrebend das Ziveikronenstück aus der Tasche und lieferte es ab als Zeichen der Unterwerfung. Behalt' es nur," sagte Pelle herablassend. Ferdinand steckte es schnell wieder in die Tasche und machte sich daran, sich den Schmutz abzubiirsten.Die Graupensuppe da drinnen hat scheinbar nicht weiter an Deinen Kräften gezehrt," sagte er und schüttelte sich gemüt- lich, indem sie weiter gingen.Dir sitzt noch'ne nieder- trächtige Faust am Leibe. Ich begreif' bloß nich, warum Du Dich für einen so flaumbärtigen Windhund ins Zeug legst, der kommt, weiß Gott , ohne uns durch die Welt." Du legtest Dich ja auch mal für einen kleinen Burschen ins Zeug, als man ihm sein Geld wegnehmen wollt'. Nicht wahr?" Ach so, den kleinen Burschen aus derArche", meinst Du. der Medizin für die Mutter holen sollt'? Das is schon so lange her!" Du gerietest seinetwegen in Karambolage mit der Polizei! Das war das erste Mal, daß Du mit der Obrigkeit in Berührung kamst, so viel ich weiß." Ja, denn der Junge hatte ja nichts getan, ich hatt' eS selbst gesehen. Da gab ich dem Polypen, der mit ihm ab» schleppen wollt','ne Kopfnuß. Na ja, seine Mutter war krank, und meine eigene Alte lebte noch. Und ich war damals noch ein großes Rindvieh! Du wirst auch noch sehen, daß Du nicht weit kommst mit übertriebener Barmherzigkeit. Schulden wir den andern vielleiclst was?" Ja. i ch schulde ihnen was," sagte Pelle und erhob Plötz- lich das Gesicht zum Licht empor!Aber Tu hast wohl keinem was Rechtes zu verdanken!" Solch verdammter Blödsinn!" rief Ferdinand aus und glotzte ihn an.Sind sie gut gegen Dich gewesen, wie? Auch als sie Dich ins Gefängnis warfen? Tu spielst wohl das feine Fräulein, was? Ne, das laß man s�in. Damit mußt Du weiter aufs Land hinaus. Tu hätt'st also Deine Zeit Bcsserungshaus verdient, während unsereins bloß dasaß und bitteres Unrecht litt? Unsinn! Sic wissen wohl, tvas sie tun, wenn sie Ferdinand die.Haare kurz abscheren: aber Dich hätten sie ruhig laufen lassen können. Tu brachtest fünfzig Tausend Manu auf die Beine, und tvas habt Ihr denn groß getan? Nich soviel Störung habt Ihr verursacht, wie'ne Maus in 'ner Tamcnhose! Die Großbürger haben viel mehr Angst vor Ferdinand als vor Dir und all Deinen Pappenheimern zu- sammen. Unrecht getan, ne, komm mir damit nich! Tu hast ja noch Sabbcl auf Deinem Latz, Krischan! Man gibt keinem Pardon, und denn nimmt man auch keinen an: das is das