Nr. 24.
Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin : Bierteljährlich 3,30 Mart, monat= lich 1,10 Mart, wöchentlich 28 Pfg. fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit bem ,, Sonntags= Blatt" 10 Bfg. Post- Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Unter Kreuzband : Für Deutschlandu.Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Eingetragen in der Post Beitungs- Preisliste für 1891 unter Nr. 6469.
Vorwärts
8. Jahrg.
Infertions- Gebühr beträgt für bie fünfgespaltene Betttzeile oder beren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3 bis 7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet.
Fernsprecher: Amt 6, Nr. 4106.
Redaktion: Beuth- Straße 2.
Das
Bildungsmonopol.
Donnerstag, den 29. Januar 1891.
"
•
Expedition: Beuth- Straße 3.
Der ev.- theol.
Fak. 30 pCt. 30
kath.- theol. jurist. mediz. philos. Fat. 18 pct.
Fat. Fat. Fat.
24
"
"
19,5"
33,3"
5 pCt. 25 pCt. 22 pet. 2,7, 40,6
2,7" 2,8"
2,8, 41,6"
weit günstiger erscheinen, als den Thatsachen entspricht. einträglichen Pastorensißen, ihre Töchter mit glattWenn die Söhne von Arbeitern allein verzeichnet worden gescheitelten, Bäffchen tragenden Gatten zu versorgen weiß, wären, so müßte das Ergebniß noch weit dunkler gefärbt immer neue Gottesmänner aussendet, zeigt auch die neueste sein. Man bedenke, daß auch der Direktor einer Aktien- Feststellung des Herrn Petersilie. Unter 100 Söhnen von Die Thatsache der Klaffenherrschaft kommt deutlich gesellschaft, der Leiter eines Hüttenwerkes, einer Stein- Geistlichen hatten sich 56,5 pct. der evangeliſch- theologischen genug zum Ausdruck in dem Bildungsmonopol der Be- kohlengrube, daß der Buchhalter eines großen Bankhauses, Fakultät zugewendet, um im Weinberg des Herrn wirken sitzenden. Diese haben das Monopol auf den wissenschaft der Prokurist einer Weltfirma, ebensogut unter die An- und die böse Sozialdemokratie auf den Synoden, in der lichen Unterricht, ihnen steht die Laufbahn, welche durch die gestellten, Gehilfen, Arbeiter" eingereiht wird, wie der Presse und in der Kirche bekämpfen zu können. 7,5fpCt. höheren Unterrichtsanstalten zur Hochschule führt, offen. Mann, der von seiner Hände Arbeit lebt, der im härtesten hatten sich der Rechtswissenschaft zugewendet, 20 pCt. Eine andere Frage, die uns hier freilich nicht beschäftigt, Kampf ums Dasein für sich und die Seinen zu sorgen waren Mediziner geworden, 35,5 pCt. waren von der ist es, wie dieses Monopol ausgenützt wird. hat. Ganz abgesehen davon, daß die im öffentlichen philosophischen Fakultät aufgenommen worden, um später Uns kommt es darauf an, einmal mit Hilfe amtlicher Dienst und freiem Beruf" Stehenden Minister wie als Gymnasiallehrer u. f. w. thätig zu sein. Gewährsmänner zu zeigen, daß die Behauptung bürger- Kanzleidiener, Generalstabschefs so gut wie Portiers sein Was wurden die Söhne von Bauern, was die von licher Sophisten, dem strebsamen" Proletarier, dem Sohn können. Arbeitern und niederen Bediensteten? Es hatten sich zukleiner Leute stünden gleichfalls die Wege zur Universitäts - Trotzdem springt der Vorzug der Besitzenden gegen- gewendet die Söhne von Ausbildung offen, sich zahlenmäßig als Humbug erweisen über der Arbeiterklasse immer noch klar genug ins Auge, läßt. Die beliebte Manier, einzelne Treffer unter Millionen um in seiner sozialpolitischen Bedeutung gewürdigt werden Nieten als einen Erfolg auszuposaunen und die Aus- zu können. Die Sonderstellung, welche die Bourgeoisie Arbeitern Bauern nahme als die Regel hinzustellen, ist noch immer im einnimmt, mag sie in der Landwirthschaft oder in Handel Niederen Bed.. Schwange, trotzdem schon vor vielen Jahren F. A. Lange und Wandel die Vortheile des Kapitalismus für sich ein- Der Klerus, der katholische, wie der evangelische, für ein anderes Gebiet die Hinfälligkeit dieser Bourgeois- heimsen, geht auch aus den offiziellen Angaben des Herrn absorbirt den größten Prozentsatz dieser jungen Leute, die theorie schlagend nachgewiesen hat. Petersilie hervor. Man betrachte nun die zwei sprechenden im Dienste der kirchlichen Interessen verwendet werden; Ein bekanntes Mitglied des kgl. preußischen statistischen Ziffern der Gruppe: landwirthschaftliche Berufe! Auf daß der Heerbann der katholischen Kirche seine starrnackigsten Bureaus, Professor Dr. Petersilie, hat vor einiger Zeit eine 695 Selbständige bereits kommt ein Studirender, während und eifrigsten Soldaten aus den Arbeiter- und Bauernsehr interessante Schrift über die Statistik der preußischen erst auf 36 130 Angestellte, Gehilfen, Arbeiter derselben freisen holt, ist bekannt. Die Kaplansdemagogie mit ihrem Landesuniversitäten auf Grund amtlicher Erhebungen ver- Kategorie ein Student entfällt! öffentlicht. Und es ist belehrend zu sehen, welche ErgebPseudoradikalismus beruht auf den Hilfskräften, welche Daß unter den Vätern, welche in öffentlichem Dienst das Proletariat liefert, da diese das Volt, seine Leiden niffe dies offizielle preußische Quellenwerk mit Rücksicht und freiem Berufe thätig sind, die bourgeoisen Elemente und Schmerzen aus eigener Anschauung und Erfahrung auf die soziale Seite der ganzen Frage zu Tage ge- überwiegen, versteht sich am Stande. Stammen doch allein kennen und ihre Agitation danach einzurichten wissen. fördert hat. Welchen Berufsgruppen, welchen gesell- akademischer Bildung! 51 pCt. der Söhne aus dieser Gruppe von Vätern mit Wer die rheinisch- westfälischen Zustände kennt, wird uns schaftlichen Schichten gehören die Studirenden beistimmen. Das heißt also, daß diese Kreise aus sich vermöge ihrer Väter an? Petersilie, der den für das heraus in erster Reihe für den Universitätsnachwuchs sie versorgt den Staat mit Lehrern und dergleichen. Die Die philosophische Fakultät kommt in zweiter Reihe, Studienjahr Michaelis 1886-87 gesammelten Zahlenstoff sorgen, daß kraft der Familienüberlieferung, will sagen armen Teufel, die mit Freitischen, Stipendien und anderen zur Verfügung hatte, kommt zu einem Resultat, das die einer künstlichen Klasseninzucht die Bureaukratie und die Unterstützungen es glücklich bis zum Examen bringen, stets von uns vertretene Auffassung träftigst unterstützt. anderen Beamtenkategorien ihre Sprößlinge in die alt- kommen vorwärts, wenn und weil sie biegsam wie Wachs Es kam je ein Studirender auf Haupt- Berufsthätige, gewohnte Karrière hineinbringen. Unter 100 Studirenden, find. Ohne Strebsamkeit kein Erfolg.
und zwar:
aus den landwirthschaft
schnittlich
auf
Selbständige
auf Angestellte, und Arbeiter
Gehilfen durch
welche Söhne von Staats- und Gemeindebeamten mit akademischer Bildung waren, hatten sich zugewendet:
der evangelisch- theologischen Fakultät.
9
"
fatholisch- theologischen
1
lichen Berufen
695
36 130
aus den geiderblichen
Berufen
516
14 275
2461 1484
"
juristischen
44
"
"
medizinischen
23
" philosophischen
" "
23
aus den Handels- oder
Verkehrsberufen
164
aus öffentlichem Dienst
und freiem Beruf
1345 14 680
603
aus Rentnerkreisen
321 14 680 603
Die Zusammenfassung der Gruppe: Angestellte, Gehilfen und Arbeiter läßt die Ziffern für die Besitzlosen
Feuilleton.
Nachdruck verboten.]
Bei Mama.
und
( 24
Die drei letztgenannten Fakultäten, die vor Allem das Beamtenmaterial liefern, unter ihnen in hervorragender Weise wieder die juristische, sind es, welchen die Sprößlinge der Bureaukratie zumeist sich zuwenden.
Daß die evangelische Geistlichkeit, welche die guten Pfründen gar wohl zu schäßen und ihre Söhne mit
nahm beim Tische vor dem Sopha Plaz und fing an zu effen. Lea setzte sich ihr gegenüber aufs Sopha. " Du, Du wächst start", sagte sie.
" Oja. Mama behauptet, ich werde eine Riesin." " Hm... ist auch wohl wie eine Riesin, was?" Lea lächelte ein wenig, Fanny biß kräftig in ihr Butterbrot. " Nun, wir werden sehen..."
Sicher aber ist, daß für die Arbeiter als Klasse die Universitätsbildung durchaus unzugänglich ist. Unsere Sache ist es, dafür zu kämpfen, daß die wissenschaftliche Schulung kein Privileg bevorrechteter Gruppen bleibt.
Die plötzliche Auflösung des Reichsrathes hat nahme suchen sich die Sache hinterher mühsam zurecht zu legen alle Parteien gleichmäßig überrascht und alle Parteien ohne Aus und Gründe dafür zu finden. Von allen Hypothesen ist eine
,, Ach ja,... ein bischen."
" Hat sie es Dich nicht ordentlich gelehrt?" Nein.... Es liegt Mama nicht so viel dran, daß ich dergleichen kann. Eine so schlechte Partie werde ich wohl nicht machen, sagt sie." „ Par. Lea sperrte die Augen auf. Hm, hört mir einmal diesen Grasaffen an!... Ja, das scheint mir Lea begann ohue Uebergang von Thorseng zu sprechen. aber merkwürdig von Mama! Nun, so wird es Dir nicht Er war so gut. Er war allzu gut, er vermochte nicht schaden, wenn Du hier etwas lernst. Du kannst mit der Thorsengs rundes, sanftes Gesicht färbte sich röthlich. nein zu sagen; er war im Stande sich zu ruiniren, wenn Küche anfangen; da giebt es Allerlei zu thun; ich werde mit Nein, nein, ich soll ja nie etwas für Dich thun, ich weiß er glaubte, er könne.. jemand... eine Freude damit der Köchin darüber reden; und dann kannst Du auch dem schon; aber... Nun, wie Du willst, Lea! Ich habe Fanny machen." Ich sage Dir das, damit es Dir nicht einfällt Stubenmädchen in diesem oder jenem helfen; Du bist doch hierhergenommen und hier bleibt sie!" hinzugehen und ihn um etwas zu bitten;- wenn Du rasch und willig? nun, und hernach wollen wir sehen. Es Plöglich ganz weiß im Gesicht machte er Rehrtum glaubst, daß Dir etwas mangelt, so kommst Du zu mir, thut Dir gewiß gut, ein bischen fortzukommen; es taugt nicht für ging hinaus; er schlug die Thür hinter sich hörst Du?" so ein Mädchen, wie Du es bist, immer bei der Mama zu Laut zu. " Ja." stecken!" Lea wanderte im Zimmer auf und ab und sah rathlos" Er hat genug mit. Du begreifft, er soll nicht...-Fanny wurde Dienstmagd. Sie wusch der Köchin aus; dann entdeckte sie Fanny. Er könnte bald finden, daß wir ihm zur Last fallen das Geschirr ab und fegte dem Stubenmädchen die Zimmer; " Ah so.... Du bleibst hier.... das ist sehr Ich besaß ja nichts; ich verursachte ihm blos Auslagen... man verwendete sie auch zu Botengängen und zum Holzfreundlich." weißt Du, das könnte ihm bald zu viel werden Er tragen. Ueber ihr Alltagskleid bekam sie eine steife, grobe Sie schellte dem Mädchen und gebot ihr, Kaffee zu ist nicht so reich, wie Ihr meint. Ich gehe nur so Küchenschürze. Ihre Hände und Arme wurden roth und bringen." Du bist doch wohl nicht hungrig?" fragte sie herum und bin kränklich, brauche Köchin und Stuben- sprangen auf. Jetzt hätte Kadett Horn sie sehen sollen! mädchen, und auch noch das dazu; es wird wahrhaftig Alles, was sie beim vierten Gebot gelernt hatte, brauchte fie, zu viel um sich in ihre neue Stellung zu finden. Lea versuchte ihr Lea saß und sprach mit sich selbst; Fanny war mit auch am Essen abzufargen. Allein, das that nicht viel; zu ihrem Butterbrot fertig. Mittag hatte Fanny ja Thorseng, an den sie sich halten " Ja, ja," fuhr Lea fort, wir werden sehen; Du konnte, und so speiste sie sich denn unter der Nase der Schwester gründlich satt. Das war ein Hauptspaß; Gott, wie ärgerte sich Lea.
Fanny.
Nein, ja, doch!" versetzte diese. Bist Du hungrig? Ja, hast Du denn nicht zu Hause Raffee und zu essen bekommen 2"
θα
"
...
eine Butterbemme. Eine Bemme, verstehst Du?"
Nun also " Ja, gnädige Frau."
"
...
Ja, Mally; bringe meinetwegen auch bist ja groß und start; Du bist förmlich erwachsen; Du fannst Dich schon nüßlich machen... Dabei lernst Du etwas; das kommt mit in den Kauf... Mama hat Dich wohl auch allerlei gelehrt, nehme ich an?"
Und hierauf begann Lea wieder auf und ab zu geben
und die Hände zu ringen.
Der Kaffee kam und nur ein Stück Butterbrot. Fanny
D, ein wenig.
" Du kannst doch nähen?"
" JB, Fanny!" sagte Thorseng.
" Ja, danke!" sagte Fanny; sie nahm sich, als ob sie daheim wäre.
" Hm hm!" räusperte sich Lea.