Anterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 170.
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Ein Mann.
Dienstag, den 2. September.
Die Kleine maß sie mit haßerfüllten Blicken, die Botschaft, die sie hergeführt, war vergessen.xsd m
Während dem Ehepaare Duc nichts aufgefallen war, hatte sie mit ihrem kleinen, wilden Kinderherzen wohl erraten, weshalb der Bursche ein so seltener Gast in der Hütte geworden war. Eine Stimme in ihrem Innern verriet ihr die Rivalität einer mächtigen Freundin, die ihn stärker zu fesseln vermochte, als sie alle drei zusammen. Und von Anfang an hatte sie die Unbekannte gehaßt. Mehr denn einmal war sie Cachaprès heimlich nachgeschlichen und ihm mit der qualvollen Erwartung in den Wald gefolgt, ein lachendes Mädchenantlig aus dem Dickicht hervortreten zu sehen. Oh! um den Preis, sie kennen zu lernen, wäre sie, wenn es nicht anders ging, barfuß über Glasscherben gelaufen. Aber vergebens! die grünen Gewölbe hatten ihr Geheimnis nicht preisgegeben. Sie mußte die zornigen Tränen heimlich in sich eintrinken. Und endlich, endlich kam sie ihr unter die Augen, diese elende Kreatur, die sie mit ihren Zähnen hätte beißen mögen. Und als sie die feine, zarte, goldig über hauchte Haut der Nebenbuhlerin vor sich sah, verzerrte sich ihre fleine Fraße ganz fürchterlich. Warum hatte jene nicht auch solch eine schwarze, rissige Haut, einen flachen Leib und rotgeränderte Augen wie die Duc? Statt dessen war sie von hoher, üppiger Gestalt; und sie mußte an ein Erlebnis, das sie einstmals im Walde gehabt, denken.
Eines Tages, da sie im Forste Laub sammelte, war eine Dame in einem Samtkleid, reichverbrämt mit weißen Spiken, die wie Eisblumen über dem schimmernden Samte lagen, langsam an ihr vorübergeschritten. Es war an einem der letzten Tage des Herbstes, die Dame wandelte in einem breiten Sonnenstreifen, und von ihrer ganzen Erscheinung ging ein Leuchten und Funkeln aus wie von der Statue der heiligen Jungfrau in der Waldkapelle eine Meile von der Hütte der Ducs.
Die Kleine" war mit ausgebreiteten Armen stehengeblieben und hatte der Vorüberschreitenden nachgeschaut, fest überzeugt, die heilige Jungfrau in Person vor sich zu haben. Ein Wagen mit goldbetreßten Lakaien folgte nach, und sachte, sachte verloren sich Wagen und Dame in den Tiefen des Waldes, mit den langsamen Schritten einer Vision.
Ihr wollte es scheinen, als ob Germaine mit iener schönen Dame einige Aehnlichkeit habe. Wütend, mit zornfunkelnden Blicken mußte sie sie dennoch bewundern. Germaine begann die Geduld zu verlieren.
"
Was soll das? Wer bist Du?"
Der Wildling stammelte einige unverständliche Worte ohne das Tuch aus den Zähnen zu lassen.
hätte.
Was fagit Du?" fragte Germaine, den Kopf neigend. Es schien ihr, als ob sie einen bekannten Namen gehört
Nun begann die Kleine, diesmal sehr deutlich, sich ihres Auftrages zu entledigen: sie sagte, daß sie von Cachaprès gefandt sei, der sich im Walde aufhalte und sie unverzüglich zu sprechen wünsche. Und während sie so redete, schleuderte sie unter ihren buschigen Brauen messerscharfe Blicke auf Germaine hervor.
Diese zuckte nur verdrießlich die Achseln und antwortete nach einer kleinen Ueberlegung:
Sag' ihm, daß ich nicht kommen kann. Nein, ich kann nicht, es tut mir sehr leid. Ein andermal!"
"
Aus Furcht vor Ueberraschung vorsichtig nach allen Seiten spähend, sprach sie mit leiser Stimme, den Kopf ein wenig borgeneigt. Plöglich sab sie die bösen, schwarzen Augen wie zwei feurige Kohlen aufflammen, mit einem unbeschreiblichen Gemisch von Zorn und Freude darin. Betroffen prallte sie vor dieser seltsamen, Feindseligkeit verratenden Erscheinung zurück.
Noch immer stand die kleine Wilde auf dem rechten Beine, mit dem linken langsam an dem schmutzigen Schienbein hinauf- und hinabstreichend, und machte nicht die geringsten Anstalten, abzuziehen. Germaine preßte die Zähne
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aufeinander; auch sie fühlte, wie in ihr der Zorn gegen dieses fleine, bösartige Tierchen aufwallte.
Geh fort, ich hab' Dir doch schon gesagt, daß ich nicht kann," sprach sie.
Das Kind schüttelte den Kopf.
,, Er hat mir aufgetragen.
Und beharrlich, wie eine Schildwache, wiederholte sie ihren Auftrag. Eine unbändige Freude wühlte in ihr, da fie sah, wie wenig Zuneigung Germaine für Cachaprès empfand. Ihr sagte der Instinkt, daß Liebe sich anders gebärden
würde.
schöne Mädchen zu beunruhigen. Sie faßte einen Entschluß. Schließlich begann diese hartnäckige Belauerung das Also, sag' ihm, in drei Stunden bei der Cougnole." Die Kleine entfernte sich lautlos. Germaine sah ihrer mageren, dürftigen Gestalt verwundert nach. Plötzlich wandte fith die Kleine um und schleuderte ihr einen letzten, haßerfüllten Blick aus ihren schwarzen Augen zu. Da kamen ihr wieder Cachaprès Erzählungen von einem kleinen Waldmädchen, das er„ Gadelette" genannt hatte, in den Sinn. Sie zuckte belustigt die Achseln: eine solche Nebenbuhlerin erschien ihr drollig.
Kaum die kleine Wildkaze zum Softor hinaus war, zeigte sie dem Pachthof ihre drohend geballten Fäuste und rannte dann, aus vollem Halse lachend, querfeldein. Sie war plößlich so lustig geworden, wie die Elster im Hochwald.
Von Ungeduld verzehrt, Seufzer in der Rehle, wartete Cachaprès auf sie. Kaum hatte er sie von weitem erblickt,
als er auf sie zustürzte.
,, Also was ist mit ihr? Erzähl'!"
Sie schüttelte den Kopf und sah ihn spöttisch an, absichtlich ihr boshaftes Schweigen verlängernd. Da fühlte sie feine Hand auf ihrem Nacken, und sie mit den Blicken durchbohrend, zischte er:
,, Sag', was sie gesagt hat, oder ich..."
Sie empfand eine grausame Freude dabei, ihn noch länger schmachten zu lassen, und hielt mutig seinen Blicken stand, während aus ihren Augen eine heimliche Schadenfreude leuchtete.
Immer schwerer wurde der Druck der auf ihrer Schulter lastenden Männerhand, bis sie endlich zusammenknickte. Sie schrie laut auf vor Zorn und Schmerz.
,, Sie kommt nicht," kreischte sie.
Die Hände ließen von ihr ab. Als sie ihn wie von einem Felsblock niedergeschmettert sah, begann sie noch weiter in seiner Bunde zu wühlen. Langsam, stockend, mit Bausen und Wiederholungen berichtete sie, wie das Fräulein die Achseln gezuckt und hartnäckig nein gesagt habe. Erst bis sie ihn genugsam gefoltert hatte, schien sie sich plötzlich zu befinnen, daß Germaine in drei Stunden bei der Cougnole sein würde.
Beinahe hätte er sie jest umgebracht; aber schon in der nächsten Sekunde war sein Zorn wieder verraucht, und er hob das Kind zu seinen Lippen empor. Schaudernd machte sich die ,, Kleine" von ihm los, von seinem Kusse einen köstlichen, brennenden Schmerz auf der Haut fühlend, und entfloh gehekt wie ein von einer Bremse gestochenes Tier. Noch nie hatte sie Aehnliches empfunden, obgleich er sie schon öfter gefüßt; während er vergebens nach ihr rief, froch sie ins tiefite Gestrüpp hinein, ihren Schmerz und ihre Wolluft zu verbergen.
27.
Zwei Stunden nach der angegebenen Zeit traf Germaine mit verdrießlicher Miene bei der Cougnole ein. ,, Weshalb hast du mich rufen lassen?"
,, Um dich zu sehen."
Und in flagendem Tone fügte er hinzu, daß er sie seit fünf Tagen nicht mehr gesehen habe.
Sie rechnete nach: erst seit vier Tagen.
,, Also, meinetwegen vier Tage. Ist das nicht lange genug?"
Er lächelte, um sie versöhnlicher zu stimmen. Sie hob die Schultern. Hatte sie denn nicht auch ihre Beschäftigungen? Ob er meine, daß sie ein Freifräulein sei? Das könne nur er sich gestatten, den ganzen lieben Tag