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Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 36.
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Gyldholm.
Freitag, den 20. Februar.
Eine Landarbeitergeschichte von J. Stjoldborg. Daß sie ihn auslachen, ist ihm ganz gleichgültig. Es iſt, als sähe und höre er nicht, einerlei, ob sie weinen oder lachen. Er sitzt, als wäre er der einzige Mann im ganzen Zimmer.
Dann flappt wieder der Deckel des Bierfrugs; man flopft auf den Nand der geleerten Schüsseln, und das Küchenmädchen erscheint mit einer neuen Auflage.
Mit ihr zugleich schlüpft ein kleiner Junge in die Leutestube. Er scheint hier wohlbekannt zu sein und gewohnt, bald hier, bald dorthin zu gehen, wie es ihm beliebt gleich Hunden und Kagen. Mit seinen rauben Händen, seinen geflidten Kleidern und seinem Brotbeutel, den er wie die Erwachsenen in einem Schulterriemen trägt, fieht der kleine Kerl genau so aus, wie die verkleinerte Ausgabe eines Gyldholmer Häuslers , der von seiner Arbeit kommt. Bumal wenn er mit vernünftigem Gesicht schwerfällig und ungeschickt mit eingefnickten Knien in seinen großen Holzschuhen über die Diele schreitet.
Das ist Klein- Eiler vom Schneckenhaus. Er hat schon angefangen, allerlei Verrichtungen auf dem Gut auszuführen, wo sein Vater und seine Mutter ihr Leben lang gearbeitet haben.
Eiler legt die Arme auf den Tischrand und stellt den rechten Fuß auf den linken Holzschuh, um besser die Figur betrachten zu können, die der eine Knecht in die Tischplatte schnitt. Er steht und schaut mit bewundernden Augen zu.
Dann fragt der Knecht: Wo ist denn Dein Vater in dieser Zeit?"
,, Er trinkt in diesen Tagen... Soll das Schiff nicht auch noch ein Segel haben?" Eiler zeigt mit seinem furzen, dicken Finger, dessen Nagel ganz im Schmus vergraben ist, auf die Schniẞerei.
,, Was sagt nu Deine Mutter, wenn er trinkt?" ,, Das weiß ich nicht-"
,, Haut er?"
,, Nur, wenn er wütend ist... Kannst Du auch einen Mann ausschneiden?"
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Was für'n feines Messer Du hast!" Eiler wischt sich die Nase und schnüffelt und beobachtet mit großen Augen den blanken auf dem Horngriff eingelegten Messinganker.
Nach einer Weile fragt der Knecht grinsend:„ Ist es wahr, daß der Verwalter kommt und bei Deiner Mutter liegt?"
,, Das weiß ich nicht." Eiler trabt still nach dem anderen Ende des Tisches, wo zwei Knechte sich gegenseitig von der Bank zu schieben suchen. Jeßt, wo sie mit der Mahlzeit fertig sind, beginnen sie nämlich zu spielen.
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1914
„ Na- sollst Du nun die Brust haben!" bemerkt einer
lachend.
Doch Eiler folgt schnell dem Küchenmädchen. ,, Sollen wir denn jeßt zu den Mädchen raufgehen?" sagt Per Holt, zieht die Hose hoch und wiegt die Schultern.
In diesem Augenblick tauchen ein paar Knechte aus Falling auf. Sie möchten gern mit hineinschlüpfen. Sie haben Branntwein in der Tasche, denn sie wissen ganz gut, was es einen Fremden fostet, in die Gyldholmer Spinnstube hineinzugelangen.
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In der Spinnstube, wo schon die Ofenwärme eine gewisse Gemütlichkeit erzeugt, lassen die Mägde ihr Mundwerk laufen. Sie schwagen und fichern. Trotzdem siten sie nicht fest auf dem Plage und lauschen gespannt als erwarteten sie, die Schritte der Knechte auf der Treppe zu hören. Und als die vielen Holzschuhe wirklich zu donnern beginnen, verpflanzt sich der Schall weiter, wie ein elektrischer Schlag. Eine ganze Anzahl junger Knechte mit kräftigen Gliedmaßen schlüpft durch die Tiir, was auf die Mädchen ungefähr ebenso wirkt, als figele sie jemand unterm Sinn.
Ras Buus ist auch darunter. Er setzt sich an den Ofen und schaut mit seinen unruhig hin und her flackernden Augen nach Sophie.
Sophie ist zierlich gebaut, eigentlich hübsch, mit regelmäßigen Zügen, hellblond und mit guten Augen, die einen zärtlichen Ausdruck haben, als wandere fie fortgesetzt im Liebesrausch. Ihre Bewegungen sind weich, und entweder ist sie träge oder auch sie bewegt sich so, weil sie augenblicklich schwanger ist.
Sophie gehört Per Holt, und sie verkehren miteinander wie Mann und Frau.
Doch Ras fann seine Augen nicht von ihr wenden. Spricht sie mit ihm oder schaut sie ihn nur an, dann fahren seine Augen wie wild umher, was sowohl fie, als auch alle anderen amüsiert. Und darum tut sie es nicht so selten.
Erst sind die Knechte unruhig, trippeln, stehen bald auf dem einen, bald auf dem anderen Bein, heben sich auf die Fußspißen, schlagen ein Bein übers andere.
Und namentlich die Pfeifenschläuche frümmen und drehen sie über Gebühr.
Sie wiegen sich in den Hüften, wippen mit den Knien und halten die Waden straff.
Dann beginnen die Augen zu blizen und Knechte und Mägde stoßen und puffen sich gegenseitig.
Und nach und nach tönt aus den Winkeln der Spinnstube ein Flüstern und Tuscheln und Schwaßen und Richern mit einzelnen kleinen Schreien untermengt, bis die Luft warm genug ist, um allerlei Worte zuzulassen.
„ Hör', Annakatrin!" sagt ein blondhaariger Knecht zu einer kleinen, lachenden, stumpfnasigen Dirn. Willst Du mir nicht diesen Knopf hier festnähen sonst helfe ich Dir ein andermal auch nicht."
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Doch Per Holt sagt und jeder muß es hören, wenn er spricht, denn er hat eine durchdringende Stimme: Ich könnte Sie lacht, daß ihr ganzes Zahnfleisch sichtbar wird. Er meiner Seel' noch Krug und Schüssel mit auffressen, so hung- figelt sie am Halse, während sie näht, und sie sticht ihn dafür rig bin ich!" mit der Nadel.
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Dann nur immerzu!" fommt es trocken und ganz lang. sam aus dem Mund des Schweinehirten, der endlich den legten Bissen geschluckt hat und sich nun den Mund wischt.
Was bist Du noch lebendig, Michel!" lacht Per. Anders beißt ein Stück Kantabak ab und wirst da zwischen:„ Du kannst Dir ja ein Schweineohr hinterher leisten."
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Pfui Teufel!" Per spudt, als hätte er eine Kröte im Munde.
Einer der jungen Knechte, der schlaff und schlaftrunken dagesessen, wird plöglich lebendig und fragt, wer ein Schweinsohr mit einer Kartoffel treffen kann.
Und nun wird geworfen. Schlag auf Schlag und Schlag auf Schlag flatschen die Kartoffeln gegen die Wand, die nach und nach mit Kartoffelmehl überklebt wird, während die Neste nach allen Seiten herabriefeln.
Darüber lacht Klein- Eiler.
Das Küchenmädchen öffnet die Tür und ruft ihn.
Annakatrin ist immer in Bewegung. Sie kneift Per Holt in den großen Zeh. Er packt sie mit seinen starken Armen und blickt sie mit den schwarzen, unter zusammengewachsenen Brauen funkelnden Augen an. Sie läßt es ruhig geschehen, und doch sitt Sophie daneben und stopft Per Holts Strümpfe.
Dann läuft Annakatrin hin und setzt sich auf Ras Buus Schoß. Doch er stößt sie fort:„ Du, laß das! Du, laß das!" ,, Willst Du gefälligst meinen Liebsten in Ruhe lassen, Annafatrin!" scherzt Sophie.
Die Lente amüsieren sich darüber.
..Nun sollst Du meiner Treu die Kate greifen, Ras!" ruft Per.
Ras schaut stumpfsinnig auf und sagt nur in einem fort: Du, laß das! Du, laß das!"
Und die ganze Spinnstube will sich ausschütten vor Rachen.
Doch Stine Kolds scharfgeschnittenes, herbes Antlitz ist „ Kannst Du hierher kommen zu mir, Klein- Eiler?" sagt ohne Lächeln. Sie ist da. als sei sie eingehillt in unnahbare
sie freundlich.
Keuschheit.
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