03.04.1914
Unterhaltungsblatt des Vorwärts
Nr. 66.
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Freitag, den 2. April.
Sie scheint in die Breite zu wachsen, wie sie so da sizzt, mit einem Rind in jedem Arm. Ihre hübschen dunklen Augenbrauen zeichnen sich so scharf ab gegen die feine Stirn. Eine große Schönheit und Stärke und ein eigenartiger Glanz liegt über ihr in diesem Augenblick.
Das kommt daher, weil ihr Herz froh und stolz ist, weil sie spürt, wie der warme Strom des Lebens durch ihre Brust rinnt.
Es ist als strahle ein Licht aus einer anderen Welt über diese kleine Gruppe.
Dann fragt der kleine Ber wiederum ungeduldig, ob sie jetzt nicht bald etwas zu essen bekommen.
Sofort waren die Schatten wieder da, der Glanz verschwunden.Sophie trug still das Essen auf den Tisch. Es bestand aus einem Stüd Brot, einer Kanne Wasser, einem Teller dampfender Kartoffeln und Mehltunke.
Es macht kein Vergnügen, auf diese Weise den Tisch zu deden.
Noch dazu in der Weihnachtszeit.
Es ist so armselig so still im Zimmer, während sie essen.
Die herrlichen Kartoffeln verschwinden schnell vom Teller. Und es dauert auch gar nicht lange, dann sind nur noch das Brot und das Wasser übrig.
"
Ach Du lieber Simmel!" ruft Sophie. Dort tommt der Pastor? Ist das nicht der Pastor?"
Per blidt hinaus. Ja, allerdings, das ist er." Sophie fährt in die Höhe und streicht mit den Fingern glättend über das Haar. Sie weiß faum, was sie anfangen soll.
,, Set Du Dich nur ganz ruhig hin!" sagt Ber . Wir brauchen keine Geschichten zu machen, weil folch einer ankommt!"
Guten Tag!" sagt der Pastor.
Es war ein jüngerer Mann ohne Bart.
„ Ein recht frohes Weihnachtsfest wünsche ich Euch." Der Pastor gibt Per und Sophie die Hand und den Kindern ebenfalls.
Sophie ergreift den solidesten Stuhl, den sie einen schnellen Wischer mit der Schürze gibt.
Der Pastor setzt sich vorsichtig nieder. Er räuspert sich. Er nimmt die Brille ab und trocknet die Gläser mit seinem Taschentuch.
Hm- nun ja!" beginnt er. Hm- ja, ich bin gerade dabei, einen Gang durch meine Gemeinde au tun. Wie steht es denn, Ber Solt?"
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Der Pastor starrt ihn über seine Brillengläser hinweg an. ,, Ach, danke schön," antwortet Per. An Wasser und Brot leiden wir keinen Mangelwenigstens vorläufig." „ Hm- sagen Sie mir einmal warum sind Sie so bitter, Ver?"
"
Weil das die Wirklichkeit ist. Reden. Worte, Lügen und Humbug, davon habe ich nun genug gehabt."
Der Pastor räuspert sich; er antwortet ruhig und überTegen:
Was reden Sie da; Sie wissen ja sanz genau, daß es hier feinen gibt, der wirklich Not leidet!"
" 1
Gibt es nicht?"
„ Nein. Nicht hier in unserem Lande!"
Du lieber Himmel! Wie wenig Sie die wirklichen Verhältnisse kennen, Herr Pastor! Wie können Sie es wagen, vom Leben zu reden!"
Der Pastor hebt die Stimme:
Das Leben, von dem ich spreche, das ist das Leben in
" Ist denn das ein Leben, das mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat?"
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mes gibt ja etwas, das die geistige Wirklichkeit heißt, mein bester Mann, die Wirklichkeit der Seele, das weiß ich!"
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Ja, aber ich weiß, das es hier im Lande qute Leute gibt die hungern, daß die Schwarte knackt." Der Pastor schüttelt den Kopf.
„ Na, na."
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" Und es eristiert vielleicht nicht eine einzige Hütte in unserer eigenen Gemeinde, in der nicht die Not herrscht." Ist es da nicht die Schuld der Leute selber?" Ja, Sie können es sich ja selber ausrechnen; Sie wissen, was wir verdienen für das Winterhalbjahr gibt es überhaupt nichts zu rechnen. Aber solche Leute wie Niels Rask vom Hoibyhofe, wie unser eigener Gemeindevastor auch und andere große Herren hier, die mitten zwischen uns wohnen, die kennen nicht einmal unsere Situation sei es nun, daß sie es nicht wollen ober daß sie es nicht können.... Wir sind zwei Sorten Menschen, Herr Bastor!
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Zwei Sorten Menschen, die Tür an Tür wohnen, in demselben Lande, in derselben Gemeinde. Das ist die Wahrheit!" Der Pastor räuspert sich. Er will sich beherrschen. Er will ruhig bleiben trop Pers aufreizender Worte.
Sind Sie dessen sicher, was Sie sagen, Ber? Forschen Sie einmal in Ihrem Herzen; glauben Sie nicht, daß es Neid und Haß sind, die aus Ihnen reden?" Per steht auf.
" Ja, sehen Sie, Herr Pastor. Meine Frau könnte ein genau so nette Dame sein wie Ihre Frau, und meine Kinder fönnten wohl ebenso gut zur Schule gehen und unterrichtete Menschen werden, wenn wir in besseren Verhältnissen lebben. Nennen Sie es, wie sie wollen; aber sehen Sie: wenn ich über all diese Dinge zu viel und zu oft nachdenke, dann kann ich des Nachts nicht schlafen!"
Der Pastor sitzt ganz still da.
Und er horcht auf jedes Wort, das per sagt.
" Ja, aber was wollen Sie denn eigentlich, das ein Pastor tun soll. Verlangen Sie wirklich, daß er alles hingeben soll, was sein ist... Nun ja, selbst wenn ich alles fortgeben wollte, was mein ist, wie wenig würde das helfen!"
"
Nein... Pastor Petersen" Pers Stimme wird plöglich weich und einschmeichelnd, fast flehend. Pastor Petersen, wenn Sie wirklich etwas tun wollen, dann seßen Sie sich an die Spiße von uns armen Leuten, damit uns unser Recht werde in der Gesellschaft."
Und mit flammendem Blick fügt er hinzu: ,, Wir werden Ihnen folgen!"
Es entsteht eine kleine Pause.
Per beobachtet gespannt den Pastor, der dafikt, als dächte er angestrengt nach, als sähe er im Geiste eine Lichtung vor fich, und er blinzelt mit den Augen.
Darauf seufzt er und sagt, indem er kaum merklich die Schultern hochzieht:
" Ich bin doch kein Landarbeiter!"
Per seufzt: Ja, ich habe es mir wohl gedacht! Ich habe es mir wohl gedacht!" wiederholte er enttäuscht, halb für sich. Ja, aber-" der Pastor machte eine heftige Bewegung mit der Hand," Sie können doch wohl begreifen, daß ich als Pastor. was würden die anderen in der Gemeinde
sagen?
„ Ja, der Hoibykönig zum Beispiel- hahaha!" Pers Stimmung wechselte abermals; er lachte den Pastor höhnisch an.
Pastor Petersen bückt sich und frigelt mit dem Stock auf der Lehmdiele.
Nein, Sie sind ein armer Wicht, Herr Pastor, und haben bei uns eigentlich gar nichts zu suchen.'"
Plötzlich wandte sich der Pastor Sophie zu: ,, Was sagen Sie denn eigentlich dazu, gute Frau. Wir Männer fassen die Dinge häufig so verquer an."
Sophie wußte nicht, was sie antworten sollte.
Der Pastor lächelte den Kindern zu, die rings umher standen und ihn mit großen unschuldigen Augen ansahen; er sprach in ungewöhnlich freundlicher Weise mit ihnen. Dann wandte er sich wieder Sophie zu.
„ Es sind kräftige Kinder, die Sie haben!" " Haben Sie mehr gehabt?" fragte er.
Aber er merkte es Sophie an, daß er hier auf einen