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Unterhaltungsblatt des Vorwärts

Nr. 73.

16]

Im Bauernland.

Donnerstag, den 16. April.

Von Johan Skjoldborg .

Eines Tages, als die Söhne daheim waren, trug der kleine Per, oder der junge Per, wie er jetzt genannt wurde, einen neuen Cheviotanzug. Die kleineren Kinder, die nie etwas anderes gekannt hatten als geflickte und gestopfte und verwaschene Kleider, standen bewundernd um ihn herum und fanden, daß er geradezu wie ein feiner Herr aussehe.

Sophie strich mit den Fingern über den Stoff, dann faltete sie die Hände unter der Schürze und überließ sich eben­falls ihren stillen Betrachtungen.

Per sagte zum Sohne:

Zum Mai soll Mads ja auch dienen. Ihr müßt ver­suchen, ihm einen guten Platz im Süden zu verschaffen, wo Ihr beide seid; denn ich kann wohl merken, daß dort bessere Verhältnisse sind: es herrscht dort ein regeres Leben. Dort ist es besser für die Jugend- natürlich muß es bei guten Leuten sein, denn er ist ja noch so flein," fügte er in weichem Ton hinzu.

Aber hört, Ihr Jungens," rief Sophie, Ihr habt gewiß Zeug, daß Ihr abgesetzt habt und nicht mehr braucht, das fann Mads dann bekommen, so daß er einigermaßen nett aussieht, wenn er seine Stellung antritt."

,, Wir wollen wohl dafür sorgen, daß er nett ausgerüstet ist," sagte Jens lächelnd und umschlang freundschaftlich Mads Schulter.

Die Mutter blickte zu Jens hinauf und lachte:

Ja, Du sparst Dir Geld zusammen. Gott mag wissen, wieviel Du schon im Kasten hast, ha ha ha!"

Welches Ziel hast Du Dir eigentlich geſtedt, Jens?" fragte der Vater.

Ich will mein eigener Herr werden," antwortete der Sohn fest.

,, Das ist ja ganz gut, aber äh- wie steht es eigentlich souſt?" Per wendete sich im Bette den beiden Söhnen zu. Seid Ihr auch mit dabei, bei den Dingen im Süden. Seid Ihr Mitglieder der Sozialdemokratie? Des Häuslerverbandes?

Oder des Landarbeiterverbandes?"

Die Söhne blickten einander an, aber sie antworteten nicht so recht. Sie schüttelten nur ein wenig den Kopf. Denn es fommt jetzt anders, es ist eine neue Zeit ange­brochen.

Ihr schlaft doch wohl nicht etwa?" rief Ber plötzlich laut. Wo verkehrt Ihr, welche Gesellschaft sucht Ihr auf?" Per wollte nun von allem Bescheid wissen. Die Söhne saßen halbverlegen da, das sei nicht so in aller Eile zu beantworten, meinten sie.

Wo wollt Ihr zum Beispiel heute abend hin?" Zum Ball."

Wo?"

Im Krug."

Seid Ihr Abstinenzler?"

Nein."

" Ist nicht sonst noch irgendwo Ball?"

,, Doch, im neuen Versammlungshause."

Kommt Ihr dort hin?"

,, Nein." Jens sprach es zögernd. Dort gehen sozusagen

nur die feineren hin."

,, Seid Ihr denn grob?"

" Wir sind ja doch nur

-

Knechte."

Aber da richtete Per Holt sich in seinem Bette auf; seine Augen funkelten.

..Seid Ihr nicht gut genug! Das ist doch des Teufels! Ich glaubte nicht, daß meine Söhne solche Gedanken hätten!" Die Söhne wurden ganz verlegen.

Per legte sich hastig ins Bett zurüd und wurde ganz schweigsam. Aus seiner Brust drangen pfeifende Töne; er war nach dieser Krankheit so furzatmig geworden. Bald darauf mußten die Söhne fort.

..Nun, ja, ja, Kinder!"

Per war wieder freundlich zu ihnen.

1914

Wir werden bald wiederkommen und Euch besuchen," sagten sie.

,, Ach ja, tut das, Ihr Kinder!" Sophie legte die Hand auf ihren Anzug und strich darüber hin, um sich zu vera gewissern, daß alles in Ordnung sei.

,, Laßt mich nun sehen, daß Ihr niemals die Sache ver loren gebt, Jungens!" Das war das letzte, was Per sagte, bevor sie gingen.

Als die Söhne draußen waren, sagte der junge Per: Es ist doch schön, mal so nach Hause zu kommen, zu den Alten!"

" sa, aber er will uns, weiß Gott , mitunter examinieren," fagte Sens lächelnd. Ich glaube wohl, daß er selber in seinen jungen Tagen überall mit dabei war."

.Das glaube ich auch."

Neugierig und start interessiert schob der junge Ber seinen Kopf ganz dicht an den des älteren Bruders. Aber es steckt viel Ueberzeugungsmut in ihm!"

der

Ja, sein Nacken ist nicht so leicht zu beugen," antwortete junge Per froh und stolz.

Sie waren jekt am Wege angelangt und winkten mit der Hand zurück, wie sie es stets zu tun pflegten.

Und als sie weiter schritten, bemerkte Jens: Ja, wenn unser Vater nicht armt gewesen wäre.... aber er ist trotzdem ein figer Sterl!"

Das ist er," antwortete der junge Per.

Sophie schaute zum Fenster hinaus, solange sie noch irgend etwas von ihnen zu erblicken vermochte.

Darauf verlor sich der freudige Ausdruck in ihrem Antlik, wie eine glühende Kohle, die erlischt.

Sie sank wieder zurück in ihre frühere Apathie.

14.

Der Mittagstisch steht so, wie sie ihn verlassen haben; die Tassen sind so leer, daß nicht ein einziger Tropfen mehr drin zurückgeblieben ist. Es ist überhaupt nichts nachgelassen, nicht eine Brotfrume, nicht soviel, daß eine Maus es zwischen ihre Zähne nehmen könnte.

Die Kinder fehen blaß aus; das tun sie immer zum Schluß des Winters. Stalt und verfroren gehen sie drinnen umher. Selbst das Spiel vermag sie nicht mehr recht zit fesseln.

Es ist einer jener eiskalten Wintertage, wo die Kälte so leicht durch das undichte Haus des armen Mannes und durch die dünnen Kleider dringt, als sei er völlig ohne Schulz und Schirm,

Per sigt am Fenster. Er sieht auch sehr blaß aus, namentlich jetzt nach der Krankheit. Das Atmen wird ihm etwas schwer.

Er preßt seine Lippen zusammen, und an den Bewe­gungen der Schläfen sieht man, daß er dann und wann die Zähne aufeinanderbeißt.

Er sizzt da, ganz in seine eigenen Gedanken versunken. Niemand spricht ein Wort.

Es ist ein scharfer Ausdruck in Pers Antlig gekommen in der letzten Zeit.

Sein Antlitz zeigt, daß das, woran er ständig denkt, sein Gemüt mehr und mehr verbittert hat.

Jett, mitten am Tage, ist die Sonne zum Durchbruch gekommen, und sie leuchtet draußen auf dem Schnee, daß es in die Augen schneidet.

Dann und wann fährt draußen ein Müllerwagen, ein Milchwagen oder sonst ein anderes Gefährt vorbei.

Da plötzlich funkelt es in einem feinen nensilbernen Ge­schirr, und ein paar blanke, braune, runde Pferde tauchen auf. Es sizzen vier dicke in Pelz gekleidete Personen in dent Schlitten.

Die Schlittenglocken läuten, so daß die ganze Holt Familie ans Fenster eilt. Aber, du lieber Himmel, was soll das bedeuten?" ruft

Sophie.

PP

..Er hat heute Geburtstag!" antwortet Ber . Wer?"

"

Wir haben doch nur einen ,, er" in der Gemeinde." Der Schlitten, der gleich darauf folgt, hat auch Glocken. ..So, das ist er, der fleine Norre von Katholm; er ist der