Nr. 157.- 1914.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts Sonnabend, 15. Jugut.

Frauen helft!

Freiwillige vor, ihr Arbeitsfrau'n, Die große Not zu lindern,

Die Not, die schon die Krallen streckt Nach Euch und Euren Kindern. Kein schenverstecktes Einzelleid, Kein Jammern und kein Klagen; In stolzer, starker Einigkeit, So wollen wir es tragen.

Es hat der Krieg von unsrer Hand Jetzt Mann und Sohn getrieben, und arbeitslos im ganzen Land Sind, die zurückgeblieben.

Und enger noch um Mutters Schoß Die Kinder sich vereinen.

The Arbeitsfrau'n, seid stark und groß, Seid tapfer auch im kleinen.

Vereinigt Euch zum starken Schuh In diesen schweren Tagen. Wo Einer unterliegen muß,

Die Menge wird es tragen. Nichts Höh'res, als um fremdes Leid Die eignen Schmerzen hindern. So seid die Helden Eurer Zeit, Ein Vorbild Euren Kindern!

E. D.

Erzählungen aus Finnland

von Juhani Aho ( Helsingfors ).*) Der Bote eines Jahrs des Todes. Weißer Schnee im grünen Raub fündet vieler Menschen Tod, so sagen die Alten. Und worauf gründen sie diesen Glauben?

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Die deutschen Truppen in Polen .

Sund und Meer in Schlaf zu hüllen, daß er dadurch alle Klagen zum Schweigen gebracht und alle Augen geschlossen hat er glaubt, wenn alles, was noch jüngst gligernd in der Sonne gelegen und sich Feldpostbriefe deutscher Soldaten, die in der Nordd. Allgem. im Winde geregt und gerührt hat, jetzt aber unbeweglich und gelähmt daliegt, daß er dieses für alle Zeiten unter seine Gewalt gebracht 3tg." veröffentlicht werden, schildern das Vorrücken in Polen also: Kriegerische Taten haben wir bislang nicht verrichtet, doch soll hat. Und so begräbt er den Verschiedenen, breitet eine Sargdecke es, wie uns gesagt wird, bald an den Feind gehen. Wir brennen aus Schnee über die Wellen und Wogen, und wenn er dies voll- schon alle fürchterlich darauf, denn dieses augenblickliche Verharren bracht hat, so zieht er, der Triumphator, hierhin und dorthin, von im Nichtstun ist uns längst lästig. Daß unsere Truppen schon sehr einem Strand zu dem andern. Und dann läßt er scharfe Hufe, schöne Erfolge hier an der Ditgrenze zu verzeichnen hatten, werdet eisenbeschlagene Schlitten mit unsagbar schweren Lasten darüber hin Ihr wohl wissen. Die russischen Soldaten laufen uns nahezu alle und her fahren, über die Landspitzen, über die schmalen Sunde oder als Freiwillige zuvor hunger". Einem Erschossenen haben über die Flüsse." Fahre, schlage, stampte, belaſte, drücke feine unsere Aerzte den Magen nachgesehen; der arme Sterl hatte nur Gefahr, die Brücke, die ich einmal geschlagen, die hält stand! Ich, Roggen-, Weizen- und Gerstenkörner im Magen. So ist es um die Ernährungsweise der russischen Truppen bestellt. Im Gegensatz hier­der ich die Macht habe, alles in Fesseln zu schlagen!" zu ist unsere Soft ausgezeichnet, so daß wir des Lobes voll sind.

So spricht der Winter ohne zu wissen, daß jetzt irgend wo da draußen, vielleicht versteckt im Gebirge, vielleicht in einem Sumpf­wasser, das zwischen Felswände eingeklemmt ist oder tief unter dem Moose sich irgend eine Quelle findet, die niemals zufriert. In irgend einer Felskluft, die niemand gesehen, in irgend einer quillenden Rinne, die niemand murmeln gehört hat. Und nun rinnt diese Quelle durch das Innere des Berges, durch das Geäder der Felsen, fließt unter Wiesen und Täler, beißt sich durch Ton und Geröll und eisenhaltiges Gestein füllt auf seinem Wege Brunnen und Teiche, schlingt sich dahin an jedem Hindernis vorbei wie eine Schlange, gräbt und wühlt sich durch Felsen und Mauern und fällt dann endlich von einer steilen Klippe nieder auf die Eisdecke des tiefsten Wassers.

Da liegt es nun hier wie eine Robbe in ihrer Höhlung mit dem Kopf tief unter der Wasserdecke verborgen und wühlt sich durch das Eis und wie der Frost auch immer drückt und preßt, diese ge­heime Quelle aus der Ferne gräbt nun dem Winter das Grab. Eine dunkle Unwettersnacht. Ein eisenbeschlagenes Fahrzeug draußen am Sund, ein schlafender Fuhrmann, den Wind im Rücken. Der vorgebahnte Weg ist im Schneetreiben verschwunden.... Ein Laut, wie plögliches Bersten. Die Pferde zögern. Ein kurzes Schnauben..

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Du hast dich zu stark gewähnt, du alles erstickender Winter. Du bist nicht einmal Selbstherrscher dort. wo du stets die Macht gehabt hast. Nicht einmal den Erebus hast du erlöschen können, obwohl du durch hunderttausend Jahre Schnee und Eis in seinen rauchenden Krater geworfen.

Der Alpenbach.

Rein und klar fließt der Alpenbach dahin und durchsichtig und blank liegt der Bergsee zwischen den Schneegipfeln. Aber trübe sind die Bäche meines Landes, und schmutziggrau schlagen die Wogen meiner tausend Seen gegen seichte Strände.

Weshalb ist der Bach der Alpen so rein? Und weshalb die Wasser meines Finnlands so trübe?

*

*

Am 7. August trafen wir, über Lublinik und Herby über die Grenze vorgeschoben, nach einem Dreimeilenmarsch auf der schlechten polnischen Chaussee in Czenstochau ein und lösten andere Truppen ab. Czenstochau exponierter Posten. Von Feinde fluchtartig ver­lassen; der öffnete aber vor Abzug die Gefängnisse und ließ die Bestien auf die Menschheit los, diesmal auf die deutsche. Auch russische Kosaken, die ihre Pferde lieber verkauften und zurückblieben, versteckt in der Stadt, ohne Uniform. Das ist das Gesindel, das, bewaffnet von ehemaligen russischen Offizieren und Unteroffizieren, unter dem Schutze der Dunkelheit hier Kleinkrieg treibt. Außerhalb der Stadt finden sie Versteck in den großen Wäldern des Großfürsten Michael Alexandrowitsch, in der Stadt in den berüchtigten Vor­städten der Wallfahrtsstadt. Nach dem Abzuge der Russen haben die Rußland unabhängig und unterstützen offen und kräftig das deutsche Polen sich hier behördlich selbst organisiert, betrachten sich als von Heer. Polnische Arbeiterkolommen arbeiten an der Wiederherstellung zerstörter Brücken und an der Wiederinbetriebsegung der Eisenbahn. Man hilft den Deutschen , wo man kann.

Schon am 7. August waren wir in den Vorpostenstellungen von Czenstochau. Zwar hatten die Truppen vor uns schon mehrere Frei­schärler und Banditen standrechtlich erschossen, doch waren die Schießereten immer wenig wirkend gewesen. Der 7. August sah den Platz vor dem alten Paulaner Kloster der schwarzen Madonna von Czenstochau als ein Striegslager; Gewehrpyramiden, Feldtüchen, Wagenparks und buntes Gewimmel der Soldaten. Der heiße Tag hatte müde gemacht und um 9 Uhr 30 Minuten abends lag hier alles schon in Ruhe, als von dem elektrisch beleuchteten minarett ähnlichen Turm des Paulaner Klosters die Glocken halb zehn schlugen, da detonierte plöglich am Ostende der Klösterlichen Barfaniagen eine Bombe und wie auf Kommando fielen von den Dächern und aus Fenstern der gegenüberliegenden Häuserreihe nun Schuß um Schuß gegen das biwafierende Bataillon, welches, sofort alarmiert, das Feuer erwiderte und die feige Meuchelmördergesellschaft zum Schweigen brachte. Nun ging es ans Gefangenenmachen. lleber 600 Subjekte sind heute schon auf dem Weg nach Neisse . Zur Statuierung sofortigen Exempels wurden zwei Subjekte an der Klostermauer in Gegenwart der übrigen Gefangenen, meist Bassermannschen Gestalten, standrecht­lich erschossen. Der Landrat von Lublinis orientierte Czenstochaus Besatzung, daß so die Art des russischen Kleinfrieges sei, und man auf weiteres gefaßt sein müßte. Die Gefangennahme von über 600 Subjekten, die rigoros durchgeführten Zwangsmaßregeln gegen die Stadt, ſtrengste Bewachung, vor allen Dingen aber das nächtliche Standrecht, scheinen doch etwas geholfen zu haben. Auch die polnische Bürgerschaft, empört über die Art russischer Kriegführung, hat mite gewirkt, Verdächtige zu internieren, Waffendepots ausfindig zu machen und durch Maueranschläge vor Wiederholung zu schrecken. Aber Finnlands Urquell liegt getrübt in der Wildmart, trübe So blieb es denn, abgesehen von einzelnen Vorpostenschießereien, find die Quellen seiner Waldbäche und die Sonne, die Sonne scheint auch nachher ruhig. Ein Vorpostengürtel umgibt den frommen niemals nieder durch dieses Felsengehänge und Walddickicht. Und Wallfahrtsort, Patrouillen durchstreifen dauernd Stadt und Gegend, das Wasser wird unter seiner langsamen Fahrt durch schwarze, und ein Bataillon liegt in einer nahe dem Kloster und einem vers fumpfige Aecker so trübe; wohl wirbelt es einmal auf zu einem lassenen Gutshof geschaffenen und die Stadt von seiner Höhe bes kleinen Wasserfall, aber ermattet bald wieder und schlummert herrschenden Zitadelle. von neuem ein. Deshalb sind unsere Flüsse so trübe und deshalb färben sie das Meer bei ihrer Mündung so grau, wie sie selbst sind. Wann wird das Blut in deinen Adern, o Finnland , rein werden? Wann wirst du zum Leben erwachen, wann wirst du dich zum raschen Lauf aufraffen? Wann werdet ihr klar werden, ihr Lebens­ströme meiner Heimat, Kymmene und Saimen?

Noch gestern war das Meer klar und blau, der Wald auf der Landspite grün und warm und die Wiesen zeigten nicht die geringste Spur von irgendwelchem Nachtfrost. Nur hie und da sah man ein gelbes Blatt hoch oben auf dem Gipfel einer alten Birke, einen röt­lichen Zweig einer Eberesche und von einzelnen wenigen Aesten waren die zitternden Blätter abgefallen. Aber die Weiden und Eichen, die Ulmen und Erlen standen noch in voller Sommerpracht, und in den Vom Himmel her kommen die Sturzbäche Tirols. Da schäumen Gärten breiteten sich die Blumenbeete so warm blühend wie im sie nieder, weil sie in der Quelle des Ewig- Schaffenden ihren Ur­Sommer. Und alles schien einen warmen Herbst zu versprechen und sprung haben. Und über das Schneefeld kommen sie tanzend hinab, ein langes Leben für all dies Gewächs. Aber so kommt plöglich durch eisige Rinnen gleiten sie eilig über blank gewaschene Felsen, eine Wolke von Osten. Erst beginnt der Regen herabzuschütten, dann springen sie jubelnd immer in Bewegung, immer plätschernd, immer geht er über in ein leichtes Hageln und zum Schluß in ein Schnee- ihr Wasser in der Sonne badend. Ja, sie saugen die Sonne treiben. Der Schnee legt sich über Wiesen und Wälder, lastet auf auf deshalb ist der Bach der Alpen so rein, deshalb sind die den Zweigen und hängt sich auf der Windseite fest auf die Baum- Bergseen so far. stämme. Dann verzieht sich die Wolke, aber ein beißender Nordwest verwandelt den Schnee in einen eisigen Wintermantel, der sich weit­faltig hüllt über den Sommer von gestern. Und das Meer liegt da wie ein schwarzes Bahrtuch unter dem Sarge. Und der gelblich grüne unheimliche Garten ist wie ein Gestorbener, auf der Bahre ausgestreckt, leblos und hilflos und die Schneedecke umhüllt ihn wie ein Gespensterleinen.

Und ich begreife, weshalb den Alten der Schnee im grünen Laub als der Vote eines Jahres des Todes gilt.

Der Sehend Blinde.

Er glaubt, der alles erstickende Winter, da es ihm glückte, die Sonne zu verscheuchen und durch der Frostnächte grimme Macht

*) Diese dem letzten Werke des bedeutendsten finnischen Dichters entnommenen Erzählungen drücken die Volksstimmung des abermals fo brutal russifizierten Finnlands deutlich aus, und die erste dieser Stizzen zeigt wieder den Dichter als Propheten.

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Jus und Recht.

Roman von Fred B. Hardt. Staatsanwalt Diestel saß sehr gerade auf seinem Stuhl und das Publikum leckte sich den Mund. Wird auf die weiteren Zeugen verzichtet, die Wirt­schafterin Diebe und den Oberfellner Morit?"

Ja," antwortete Staatsanwalt Diestel schnell. ,, Durchaus nicht," sagte Dr. Renker.

Der Kriminalschuhmann trat zurück und nahm auf einem Stuhl vor den Bänken Platz. Dann trat der Oberfellner Moritz vor.

Was wissen Sie über Beziehungen des Angeklagten und einer Frau Blinker?"

Der Zeuge blickte verlegen nach Dr. Werner hin. Vorsitzende bemerkte dies und sagte:

Der

Sie haben die lautere Wahrheit zu sagen, nichts hinzu­zusetzen und auch nichts wegzulassen." Ich weiß gar nichts davon." Der Zenge schwitzte und wischte sich das Gesicht mit einem Taschentuch.

Sie sollen sich aber ganz anders gegen den Kriminal­

schutzmann Trenkler ausgesprochen haben.

Europa in Waffen.

Von diesem Kriege, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat, muß man sich erst eine Vorstellung verschaffen, wenn man seine Einzig­artigkeit begreifen will. Werfen wir zunächst einen Blick auf das und Desterreich- Ungarn , deren Gebiet 1216 919 Quadratkilometer Kriegsgebiet. Auf der einen Seite stehen das Deutsche Reich umfaßt. Deutschland hat 540 858, Desterreich- Ungarn 676 061 aber Quadratkilometer. Das Ländergebiet der gemeinsamen Feinde be­trägt dagegen, wenn man nur das russische Reich in Europa berücksichtigt, 7 512 502 Quadratkilometer, wenn man ganz Rußland

Nicht ehe eine ungeheure unterirdische Kraft deine niederen Hügel zu Bergen auftürmt, deine Sümpfe gegen die Wolken hebt und deine öden Flächen hoch in die Höhen reckt! Dann ja nicht früher.

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( Uebersetzt von Karl Morburger.)

Ja. Und da meinte der Kriminale, ich sollte nur mit der Sprache herausrücken, ich wisse doch sicher, daß die beiden ein Verhältnis miteinander hätten. Da habe ich geantwortet, daß ich das nicht wüßte und daß es mich auch gar nichts anginge. Wehr habe ich nicht gesagt."

" Zeuge Trenkler, treten Sie noch einmal vor. Sie haben gehört, was der Zeuge Moritz ausgesagt hat. Was fagen Sie

dazu?"

" Ich bleibe bei meiner beschworenen Aussage, Herr Prä­sident. Auf den Wortlaut kann ich mich nicht mehr genau be­finnen, aber der Kellner hat mich dabei verständnisvoll an­gelächelt. Und das sagte mir mehr als seine Worte." " Ich habe gar nicht gelächelt."

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,, Das ist erstunken und erlogen!" die kleine Frau bebte vor Erregung und drehte sich nach dem Zeugen Trenkler um. ,, Was habe ich gesagt? Kommen Sie mal her und sehen Sie mir in die Augen."

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wie

Im Publikum lächelte man. Es wurde doch sehr amüsant. Ich ermahne die Zeugin zur Ruhe. Solche Bemerkungen, erlogen, sind unstatthaft."

,, Aber wenn's erlogen ist!"

,, Ruhe- Zeuge Trenkler, treten Sie noch einmal vor." Was soll ich gesagt haben?" rief ganz unbekümmert um Ermahnungen des Vorsitzenden Frau Dieße und knüpfte erregt die Bänder unter ihrem Hut zusanimen.

die

Wenn die Zeugin sich nicht mäßigt, muß ich sie in Strafe

-

,, Sie sind nicht gefragt! Also aus dem Lächeln haben nehmen. Sie kommen schon noch zu Worte" und dann zum Sie den Schluß gezogen?"

,, Und aus dem, was mir Frau Dieze gesagt hat." ,, Nun, wir werden gleich hören. Frau Dieze!" Frau Dieze trat vor, sie zog hastig den dunklen Zwirn­handschuh von der rechten Hand. Der Vorsitzende sah die Zeugin durchdringend an. Er neigte etwas den Kopf, als ob er sagen wollte, an der ist kein Falsch.

"

Was wissen Sie von intimen Beziehungen zwischen dem Angeklagten und der Frau Blinker. Sie fannten doch Frau Blinker?"

Ja, sie fam oft zu Herrn Rechtsanwalt auf die Kanzlei, aber eine Liebelei war da nicht."

,, Woher wissen Sie das so genau?"

Ich bin eine verheiratete Frau und habe eine große

,, Das ist nicht wahr. Ich weiß gar nichts." Wissen Sie überhaupt, wer Frau Blinker war?" " Nein, ich kenne sie nicht. Aber dann sagte mir der Kriminale, daß es die Dame sei, die schwarz angezogen und| abends zu Herrn Rechtsanwalt käme. Da habe ich gesagt, daß ich zwei- oder dreimal dem Herrn Rechtsanwalt in der Tochter. Da hat man doch für so etwas ein Auge." Bibliothek kalte Küche für zwei Personen serviert und dabei| auch einmal eine Dame gesehen habe, die schwarz angezogen am war und rotblonde Haare hatte. Da sagte mir der Kriminale, das wäre die Frau Blinker."

merft?"

Haben Sie irgendeine Intimität zwischen den beiden be­Nein, der Herr Rechtsanwalt sagte einmal, kommen Sie, gnädige Frau, ein Bissen wird Ihnen gut tun nach der langen

Konferenz."

"

War das spät am Abend?"

Es mag nach elf Uhr gewesen sein."

-

Zeugen Trenkler gewendet ,, Hat Ihnen die Zeugin Dieße gesagt, daß sie jedesmal, wenn Frau Blinker spät den An­geklagten besuchte, fortgeschickt worden sei?"

" Ja."

" So eine dreiste Lüge!"

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,, Ruhe! Ich ermahne Sie jetzt zum letzten Male. Wann und wo hat sie Ihnen das gesagt?"

Als ich sie in Ihrer Wohnung aufsuchte, auf dem Treppenabsaz."

Staatsanwalt Diestel schnellte auf. Er ging vor sittlicher Entrüstung ganz aus den Fugen und rief, ehe noch die Zeugin geantwortet hatte:" Ich mache die Zeugin darauf aufmerk­sam, daß ich sie sofort verhaften lasse, wenn sie einen Meineid leistet."

Der Vorsitzende sah mit hochgezogenen Augenbrauen auf. Doch da sagte schon Justizrat Losso und legte die Hand auf den Arm des Rechtsanwalts Dr. Renker, der aufspringen

Nun, nun, Ist Frau Blinker nicht auch öfters spät Abend oder nachts beim Angeklagten gewesen?" ,, Das weiß ich nicht. Aber einmal sagte mir Herr Rechts- wollte: anwalt, Frau Blinker käme noch, ich sollte den Teetisch in der Bibliothek zurecht machen. Da waren die Leute schon aus der

Kanzlei fort."

,, Und dann sind Sie fortgeschickt worden?" ,, Nein, fortgeschickt nicht, ich gehe immer abends, wenn ich aufgeräumt habe, in meine Wohnung. Ich wohne nämlich oben in der vierten Etage mit meinem Mann." Sie sollen dem Kriminalschüßmann Trenkler gefagt Frau Blinker erwartete."

Haben Sie das alles so, wie Sie uns das jetzt darstellen, haben, der Angeklagte habe Sie immer fortgeschickt, wenn er

dem Kriminalschuhmann erzählt?"

Ich bitte den Herrn Vorsitzenden, die Zeugin Dieze gegen den Einschüchterungsversuch der Königlichen Staats­anwaltschaft in Schuß zu nehmen. Es liegt nicht der mindeste Anlaß vor, zu vermuten, daß die Zeugin eine falsche Aussage gemacht hat. Nachdem, was wir über die rege Phantasie des Beugen Trenkler gehört haben, ist die Möglichkeit eines, ich will mich sehr vorsichtig aussprechen, Mißverständnisses auf feiner Seite nicht ausgeschlossen, eines Mißverständnisses, das sich vielleicht noch aufklären- läßt. Aber derartige Drohungen mit sofortiger Verhaftung sind nicht dazu angetan, eine