Kr. 258.- 1914.
Unterhaltungsblatt öes vorwärts
lreitag, 18. Dezember.
RuPsche Staöt.
Vou Armin T. Wegner , zurzeit als Krmikenpfleger im Felde. Eines Morgens tauchte sie au-Z der Ebene auf. Sie ist eine von vielen. Grau und lrostlos liegt sie in der ungeheuren Weite, die vor uns in das Endlose zerfliegt. Die Augen der Uebermüdeten, die nach nächtelangen Eisenbahnfahrten, aus den hölzernen Boden der Wagen gepackt, über» und untereinander schlafend, ihre schwer- zenden Glieder erheben, schauen gleichgültig auf die Einsame hinab. Zögernd erbebt sich der Nebel auS den grauen S tragen, von dem steinernen Hügelland des geschwollenen Pflaster?, über die reizlose Menge nüchterner Fabrikgebäude streichend wie das kalte Laken, daS man vom Antlitz eines Sterbenden zieht. Vor dem Bahnhofsgebäude drängt sich das schmutzige Bolh das uns in allen Städten Polens empfängt, jüdische Knaben, zerlumpte Frauen, die„Herbala" rufen und in ihren ungewaschenen Hände» eine trockene Backware würgen. Auf dem freien Platz sammeln fich die Mannschaften, die Aerzte, die SanitätS- lruppen. Wir marschieren in die Trostlose hinein. In einer ver- lassenen Weberei liegen unsere Quartiere. Feuchte, moderartige Luft strömt uns auS den weiten Fabrikhallen entgegen, in denen Hunderte von Webstühlen in der Kälte des Todes erstarrt find, von den Schatten Tausender von Arbeitern belebt, die nun in der Enge licht- loser Wohnungen einer brotlosen Zukunft entgegensehen oder namen- los aus den Schlachtfeldern Polens verbluten. Die kalten, unbeweg- lichen Glieder der Maschinen, die eingeschlafenen Gelenke, die leeren Bauchwände der Kühllefiel, die tausend im Krampf geöffneten Finger der Strickstühle, die in eine graue, herzlose Leere greifen, erwecken in deni dumpfen Licht de» Herbsttages eilten unsagbar traurigen Eindruck. Zwischen den Webstühlen liegt etwas fahles, staubiges Ätroh ausgebreitet, in dem die Rotten fich paaren, das von Papier, von Eierschalen und menschlichen Exkrementen untermischt ist. Auf dies zerfallene, von Verwesung erfüllte Lager, auf dein der Körper Tausender ruhte, die vor unS kamen, um irgendwo in diese graue. unbekannte Ferne zu ziehen oder zu sterben, sinken die Leiber der Uebermüdeten nieder, von einem tiefen, ohnmächtigen Schlaf be- sangen. Roch ein paar Stunden aber erwachen sie plötzlich mit der traurigen Stimmung von Menschen, die einen Augenblick lang den Zusammenhang ihres Lebens vergasten: die. losgelöst von aller Gegenwart, in einem tiefen wtd bodenlosen Räume schwebten, um sich nur mühsam zurückzufinden in die Wege diese? fremden. Wechsel vollen Alltags und in die Umstände, die sie in diese sellsame Ilm grbung führten. Eine Stunde vor Abend aber, der früh und traurig hereinbricht, wandern wir noch einmal in die einsamen Gasse» dieser schwer- urütigen Stadt, zwischen kleinen tiefgiebligen Hütten, unter kahlen. von Kall unbeworfenen Mauern, die wie wundes, der Haut cnt- olösttes Fleisch in der Kühle des Abends zu frösteln scheinen. Eine 'chwarzumränderte Tafel hängt an der hölzernen Tür eines HaufeS: w dorn u tem panvije chorobo Tyfus . Der Schatten eines KaftanS schwankt vorüber. Wir schreilett bis vor die Stadt hinaus. Ein dunkler Schweif fjwht fich die von den Wagenrädern endloser Bagagezüge zermarterte «tröste mit ihren spärlichen gelben Pappelbäumen vor un« in die verschwimmende Ferne, über die blassen, rinderbedeckten Weiden unter °«r unfastbaren Mutlosigkeit des Himmels fort. Einsam erhebt sich °os letzte HauS an der Dorsstraste, als wäre eS die letzte Hütte der �elt. Ich must an einen BerS von Ntlke denken. Alz es ganz schwarz geworden ist. wandern wir in die Stadt Zurück. Weiber und Kinder mit schwankenden Reisigbündeln stolpern barsüstig vorüber. Aus den Läden der Juden bricht ein gelber Licht- schein auf die Straßen. Lachen dringt durch die Fenster der Tee- stuben. lieber das hüglige Pflaster der Bütgersteige aber schlendert »t der fallenden Dunkelheit die müstige. zerstreute Masse all jener, vre eine unbekannte und übergeordnete Macht, die sie fast mit der «rast eines Mythos empfinden, durch das weite Hinterland der Etappe dem Ungewissen Ort ihrer nächsten Bestimmung zuführ». � jener, die brausten lagen an den letzten Klippen der Front, die wge- und nächtelang an dem feuchten Leibe der Erde schliefen. lener. deren Hände mit mir blutig wurden auf den Fleisch. bönken der Lazarette, die die unheilvollen Tage de« Leiden« schauten, in deren Seelen die Augen der Toten und der Sterbenden und und die dumpf und wortlos da« Wissen de« Krieges in sich wogen. Und in dieser Stunde, da die finkende Ra»t all« Wehmut der setzten Herbsttage aus un« herabdrängt, obgleich ein Teil von ihnen 1«b. V...'..__.•. � /T!.. r. I U m« C iS* v r« vm a �
Leben«. Man hat fie nach einer wochenlangen übermenschlichen. alle Kräfte zerbrechenden und seelentötenden Arbeit aus irgendeiner Stadt unten im Osten zurückgezogen, man hat sie, in enge und regenfeuchte Güterwagen gepfercht, auf endlosen Umwegen hierher- geworfen, ein willenloses Ding, das seine Arbeit getan hat und beiseite gestellt im Winkel stehen und warten must, bis eS zu neuer Arbeit gebraucht wird. Hier verbringen sie die kurzen, untätigen Tage, an denen die schlaffen, nach der un- geheuren Anstrengung ausgespannten Muskeln zum erstenmal die ganz« Last der Müdigkeit empfinden, bi« die Selbstverständlichkeit de» rollenden Rades sie wieder ihrem nüchternen Handwerk zurück- führt. In der ungewohnten Ruhe aber erwacht plötzlich da« Denken von neuem in ihnen, das lange erloschen war, daS unterging unter der Sucht des Hungers und des Schlafes, unter der Atemlossgkeit einer unerbittlichen, alles Blut aussaugenden Arbeit. Sie begreifen die unaufhaltsam schnelle Formung des TageS. die die kaum ver- lebte Stunde schon zur historischen wandelt, und sie fühlen, wie traurig eS ist, in diesen schmutzigen und finstern Judenvierteln umherzuirren, losgelöst von aller Heimat... Dunkelheit vermauert die Slrasten. Wir wandern in unsere Quartiere zurück. An einem haushohen hölzernen Pfahl hängt un- erreichbar, von tiefer Finsternis umgeben, eine einzelne Laterne, die in ihrer unendlichen Verlassenheit an die einsame Tragik Nietzsches erinnert. Endlos dehnen fich die Plätze, Meere von Dunkelheit, über die unsichtbar das Rattern der Wagen zieht, an dessen Ufern, aus- geworfen wie faulendes Seegras, ein schmutziges und gestikulierendes Volk fich berumdrängt. Das Gelächter der Abschiednehmenden tönt durch die Slrasten. Die Wenigen aber, denen e« glückte, in einem verlassenen Hause ein Bett zu finden, gehen zu ihm mit einer stillen Verliebtheit wie zu einer Frau. Eine nie gekannte Zärtlichkeit zu der mädchenhasten Keuschheil der Kissen erwachr in ihnen, und stunun entsühn sie der Schlaf, die Mastlostgkeit dieses Landes noch immer in ihrer Seele. das weite Gefühl der Ebene, das fie nie mehr verlassen will, und auf denen unsere Sehnsucht in das Uferlose zerfließt.
Weihnachten in Kriegszeiten. Der deutsche Boden ist frei vom Feind. Doch hat unser Land auch Zeiten erlebt, da deutsche Städte und deutsche Länder von stemden Truppen besetzt waren. Da konnte man nicht daran denken, den im Feld weilenden Angehörigen eine WeihnachtSsreude zu be- reiten, sondern hatte genug mit den eigenen Sorgen und dem eigenen Jammer zu tun. Eines der schrecklichsten Weihnachtsfeste erlebte wohl Hamburg im Jahre 1813. als die in der Stadt� weilenden Franzosen sich zur Belagerung durch die nach der Völkerschlacht bei Leipzig immer weiter ostwärts vordringenden Verbündeten rüsteten. Am Abend des 13. Dezember waren alle an der Alster stehenden Sommerhäuser abgebrannt worden; und am 20. erhielten die Be- wohner des Hamburger Berges den Befehl, innerhalb vier Tagen, also bis zum Weihnachtsabend, ihre Häuser zu räumen. Wie konnte da AeihnachlSstimmung aufkommen! Bus der Feder der Hamburgerin Marianne Prell, die jene SchreckenStage als Kind durchmachte, ist uns eine lebhafte Schilderung dieses traurigen Festes erhalten. «Am Mittag des 24. Dezember erhielt mein Vater einen Brief vom Bürgermeister, dost er unweigerlich sich diesen Abend beim Militärkommandanten einfinden solle. Gleich nach Tisch ging also unser Vater und verabredete mit Mutter, falls er um 7 Uhr nicht wieder da sei, so möge sie allein uns die kleinen Weihnachtsgeschenke teben. Trotz oller trüben Zeiten hatte Mutter doch einen lleiilen Tannenbaum für uns aufgeputzt, freilich nicht mit Konfekt, aber doch mit Aepfeln, Rüssen und Lichtern. Als Vater nun um 7 Uhr, auch um>/z8 Uhr nicht kam, da zündete Mutter die Lichter an, klingelte, und fröhlich wie früher stürzten die kleinen Geschwister ins Zimmer: ich erinnere mich, dost es mir aber doch sehr traurig war, Bater nicht dabei zu wissen. Desto lebhafter war unsere Freude. als bald darauf die HauStür geöffnet wurde und Mutter und ich gleich Baters Tritt und Stimme erkannten. Er kam aber nicht allein: ein französischer Adjutant begleitete»hn. Er freute sich, dast Mutter auch ohne ihn die WeihnachtSbeicherung angefangen und er- zählte ihr, dast er gleich wieder fort müsse. Dieser Herr, der Ad- jutant, habe nur die Gefälligkeit gehabt, ihn auf einige Augenblicke zu seiner Familie zu begleiten. Mutter machte nun geschwind Tee, ich mutzte einige braune Kuchen auf einen Teller legen und dann dem Adjutanten, welcher sich dickt an den Ofen gesetzt halte. Tee und Kuchen präsentieren. Als ich nun so mir dem kleinen Tee- brett vor ihm stand, bemerkte ich. dast er weinte. Natürlich flüsterte ich da» gleich ganz leise meiner Mutter zu. welche fich nun in ein
längeres Gespräch mit ihm einliest. Da erzählte er denn, er sei Italiener : seit acht Jahren habe er keine Weihnachtsfeier mehr gesehen und diese Lichter erinnerten ihn an seine Kindheit. Doch nach einer Biertelstunde ging er und Vater schon wieder weg." Gc- rneinsam mit sechs anderen Hamburger Bürgern mutzte der Senator Prell m der Weihnachlsnacht nun alle diejenigen armen Fa- Milien, die sich nickt rechtzeitig mit Proviant für die bevorstehende Belagerung hatten versorgen können, zürn Verlassen ihrer Wohnung und ihrer Heimat auffordern. Gegen Mtternacht erschien er mit dem italienischen Adjutanten und 33 Soldaten vor der Wohnung eines Tabakarbeiters. „Als er Baters Stimme erkannte— berichtet unsere Chronistin — kam er gleich: doch wie erschrak er, als er die vielen Soldaten sah. Er zitterte so sehr, dast er daS Licht kaum halten konnte. Während dessen war auch die Frau herbeigekommen. Bater und der Adjutant gingen mm hinauf: da wachten auch die Kinder in der Kainmer aus, erschraken und fingen an zu weinen.«Da» hilft alles nicht— sagte mein Vater— machen Sie sich nur geschwinde fertig. Sie müssen zur Stadt hinaus!"«Aber mein Gott, mitten in der Nacht Mit all den Kindern Z Und bei dieser Kälte?* Und man kann sich das Jammergeschrei denken! Selbst dem Adjutanten war eS zu viel; er stürzte zum Zimmer hinaus, winkte mein«» Vater, fiel diesem aus dem Vorplatz mn den HalZ:«Um GotteS willen! Seien Sie doch nicht so hart gegen diese armen Leute, ich bin ja kein Barbar. Ich muh leider meine Order vollziehen." Nachdem die Kinder noch ivarmen Tee getrunken hatten, mutzte die Familie aber dock ihr Heim Verlasien. So wurden die ganze Weihnacht-?- nacht hindurch die armen Hamburger hinaus in Kälte und Schnee gejagt; viele von ihnen sahen, durch Angst. Hunger und Kälte aufgerieben, ihre Heimat nicht wieder. Am 27. Dezember aber war der Himmel am Abend wieder ganz rot; die Häuser des Hamburger Berges wurden von den Franzosen in Brand gesteckt. DaS war da? letzte Weihnachtsfest, das feindliche Truppen auf deutscher Erde sah. 1873 feierten dagegen unsere Soldaten, ebenso wie jetzt, Weihnachten in Feindesland und die Angehörigen in der Heimat hatten ihrer nur dankbar zu gedenke», indem fie ihnen reichlich Geschenke schickten.
billige Gerichte.
Ein alter Koch, der in der billigen Küche erfahre» ist, sendet ims eine Reihe von praktischen Kochaniveisungen, die wir zu Nutz und Frommen unserer Leser verössentlichen. seitens der Heeresverwaltung werden täglich graste Mengen von schierem Fleisch zu Gulasch, Rindfleisch in Brühe und Schmor- braten als Konserven benötigt, die Folge davon ist, dast Rinder« knochen, Köpse, Leber. Lungen, Herz, Euter, Kaldaunen in solchen Massen aus den Martt geworfen werden, dast findige Unternehmer in allen Stadtteilen leerstehende Läden gemietet haben. In manchen Läden bekommt man schon 2 Pfund Rinder knochen für 13 Pf. Der.Vorwärts" wies nun jüngst darauf hin. dast man wohl eine ganz erträgliche Fleischbrühe davon herstellen könne, aber als .Knochenfleisch" seien die Knochen nicht zu bewerten, weil eben fast gar kein Fleuch vorhanden sei. In den Arbeiterfamilien begnüg» man sich nun. diese Knochen nur einmal zu kochen, dann wandern sie in den Mülleimer. Setzt man aber die Knochen nochmals mit frischem Wasser auf. unter Zu- satz von Salz, etwa» Suppengrünes und einer halben Zwiebel, so lästl sich daraus nach l'/j— 2 Stunden Kochen noch eine gute Brühe gewinnen, die man zu dicken Suppen von Gries, Graupen, Erbsen, Kartoffeln verwenden kann. In der jetzigen Jahreszeit kann man die Knochen im Keller. Boden ambewahren: Hai man genug Leüammen, verkauft man sie an die Produtten- Händler. Ebenso lassen sich die faserigen Teile der Kohlslrünke von Wirsing -, Weist- oder Blumenkohl abziehen, kleinschneiden und mit zur Verlängerung des Gemüses oder zur Suppe verwenden. Wenn auch Holland das Ausfuhrverbot wieder ausgehoben hat, so kommt eS doch durch die Fracht ziemlich so leuer wie unser Gemüse. Wenig bekannl dürste sein, dast man im Hause selbst Mohr« rüben, die man geputzt, gerieben und mu Zucker(ein Diiltel ihres Gewicht«) vermengt hat. auf dem Herd zu einer schmackhaften Marmelode einkochen kann. Sie werden als Ersatz von teurer Fruchtmarmelad« von den Kindern gern zu Schrippen und aufs Brot gegessen. Ebensogut lassen sich die schwarzen Hollunderbeeren mit etwas Zitronensaft oder Weinsteinsäure verschärft als Mus ein- kochen. Auf erfrorene Glieder gestrichen(besonders für unsere An- gehörigen im Felde sei das betont), zieht eS den Frost sofort aus, auch schwellen die Glieder nicht an. Man sollte auch die Kartoffelschalen nicht in den Müll- eimer Wersen, kann man sie nicht zum Füttern verwenden, so sollte
Lanüjkurm-Tagebuch. Der Bevölkerung ist es, erläutert treffellt» ein freundlicher tadtrat, als sei sie im eigenen Lande gefangen. Wer nach >t Uhr abend auf der Strasse einer Patrouille in die Mnger tat. wird unbarmherzig eingesperrt. Wer auf emen Stein- lrf weit die Stadt verlassen will, bedarf eines Paftagwr. eins. Wer Kaffee. Salz oder Petroleum einhandeln mochte. ne Erlaubnisschein der Kommandmitur darf ihm kein Hand- von den gelichteten Vorräten auch nur ein Lot verkaufen. e Kommandantur ist mit der Allmacht umkleidet, die d,e 'lische Geschichte dem Herrn Zebaoth zuschreibt. Wie ne ' Zeit gebieten kann- sie hat die Turmuhr des gothtachen lthaufes um eine Stunde vorrucken, d. h. nach deutscher it stellen lassen— so ordnet, regelt und bestimmt sre alles Leben der Einwohner. daS Trosse wre das Kleine, da-, lchtige wie das Unbedeutende. � � c, Gefangene im eigenen Lande— mancher brave--Press- rger. der um die Dämmerzeit zum Kaffee wandelt, vor den len Assichen der Kommandantur an der nächsten Mauerecke iss ein wenig verschnauft und seinem gepressten Herzen durch himpsen Luft macht, sieht sich plötzlich zahneklappernd aus ' Gauptwache unter Feldaraiten und aufg�slanzten �lten- vehren und versckftvindet, statt zum Abendschoppen zu fom- >ta hastdunichtgesehen bis zum anderen Morgen m einer Aberdas ist schliesslich geringe Tragik. Wer sich'.�verer rgehen gegen die grausamen Gesetze des Kn�es södtallng cht. den karrt eines Nachmittags ein Wagelchen mmilttel- ' von der Kriegsgerichtssitzung nach der Kaseme des trän - tachen Llnieninfanteriereglnrents. das m FrledenSzelten r in Garnison lag. Ter begleitendeOftlzierrun drei Mn von der Wache herber, rn ernem kleinen, schauerliwen fchen, das von hohen, schmutzigen Backsteinmauern de- !nzt. so recht einer Hinrichwngsstätte aus dem � Roman, schwindet die Gruppe, der Verurteilte wird ,n ein altes, nzösisches Schilderhaus gestellt, das mit Strohlacken aus- 'vlstert ist. die drei Mann treten mit schussserngem lse - hr ein paar Schritte davor... Trotz alledem ist die Bevölkerung nicht in blindem Haß, !en die Eindringlinge verhärtet. Man sieht nicht nur!
finstere Gesichter, denn die Leute beobachten, wissen Unter- schiede zu machen und überzeugen sich bald, dass die Legende von den Barbaren, mag auch allerhand Unerfreuliches sich er- eignen, im ganzen doch eine Legende ist. Ein Teil der besser gestellten Einwohner hat. noch ehe die erste deutsche Reiterpatrouille mit schnell eni Huf über das Straßenpflaster klapperte, die Stadt Hals über Kopf verlassen. Die jetzt leerstehenden Häufer geben treffliche Quartiere für die Invasion. Uns erschließt sich eine Villa, in der zu Friedcnszeiten Monsieur Goitrguechon. ein reichgewordener Viel, Händler, sein Pfeifchen raucht und sich freut, daß er sein Schäfchen ins Trockene gebracht hat. Ohne viel Federlesens nehmen wir von dem Häuschen Besitz und richten uns wohn lich ein. Mehr: wir setzen die Leute in der Nachbarschaft in Nahrung: Madame Carrion ist glücklich, uns die Wasche besorgen zu können, der Ofensetzer versiebt den Ofen mit einem neuen Robr und ist wahrhaftig nicht billig, die Gas- lampen werden in Ordnung gebracht, und damit auch der Glaser als Ehrenmann nicht zu kurz kommt, zerschlage ich aus Versehen eine Fensterscheibe. Nichts in dem Hause wird angetastet, ausser dem iinum- gänglich Notwendigen. Ueber meinem Bett hängt, schier in Lebensgröße, Herr Raymond Poincare . Mag er hängen!
Ter Krieg ist in allein ein Rückfall in überwundene Kul- turstufen. Jetzt wird hier Ware gegen Ware getauscht. Der Küchenunteroffizier der ersten Kompagnie läßt verkünden, dass Kaffee oder Salz erhält, wer ihm Suppengemuse bringt. Und schon strömen die Weiber mit grossen Körben herbei....
Ansang November. Der dritte Zug sichert die Bahnstrecke von...... bis ....... Infolgedessen guartieren wir uns auf dem Vor- werk L. B. ein. Mit echt französischer Gastlichkeit empfängt uns Monsitzur Touai. das Urbild eines Gutsbesitzers, wie ihn MaupassantS Griffel gezeichnet: fehnig und knochig steht er seine sieben Fuss in den Stiefeln, hat bei den S. Kürassieren in Paris , einem feudalen Regiment, sein Jahr abgedient und haust, verwitwet und einsam, auf seinem Gut mit einer un- verheirateten Tochter, einem ruhigen und kaum wahr nehm- baren späten Mädchen. Desto munterer sind die beiden Terrriers Quick und Lutine.
Noch nachdem wir spät abends nach stolperndem Gang über dunkle Stoppelfelder vom Revidieren der Posten in den GutShof zurückgekehrt find, sitzen wir bis nach Mitternacht bei Wein und Pfeife beieinander und reden Politik. Mon- sieur Douai ist als Agrarier klerikal und Monarchist, für die gegeuwärtigeu Machthaber der Republik hat er mir ein verächtliches Achselzucken, aber er läßt sich die Ueberzeugung. nicht nehmen, daß Wilhelm il. an dem Kriege schuld sei. Allen Einwänden bört er geduldig zu, tut dann einen Zug aus der Pfeife und beginnt wieder gelassen: Mtais Guillaurnc Deux... Aber schließlich stößt er doch mit uns au: A la paix* Auf den Frieden? >. Letzte wundersame Spatherbsitage. Unter blauem Him- mel flammen die Bäume wie Fackeln, und welke Blätter tau- meln im langsamen Sterbeflug zu Boden. Wir schunkeln im Milchwägelchen des Monsieur Butin dahin, die entferntesten unserer Posten zu besichtigen. Das Schicksal von Monsieur Butin gibt im Ausschnitt das ganze Elend des Krieges wie- der. Ju demselben Hause war er Kutscher, in dem seine Frau als Köchin wirkte. Jean sparte, Louison sparte, und als sie genug gespart, heirateten sie und kauften das Estamlnet (Kneipe) in L. B.. dessen erster Besitzer�durch die ständige Arbeiterkuildschast aus der nahen grossen Spinnerei sich einen netten Batzen aus die hohe Kante hatte legen können. Aber kamn stand Monsieur Butin hinter dem Schanktisch, als au allen Straßenecken die Mobilmachungsplakate auftauchten: die Fabrik leerte sich, die Kundschaft zerstob, das Ersparte ging zum Teufel, und als zum lleberfluss Madame Louison am Tage der Schlacht Milch zur Stadt fahren wollte, geriet sie ins Feuer. Eine Kugel streifte den Hals, eine zweite zerschmetterte die instinktw zur Abwehr erhobene rechte Hand. Die Hand fiel dann unter dem Messer des Arztes. Ein Menschenschicksal, ein Kriegsschicksal, und wenn der, den es grausam traf, mit alter Schrofflinte hinter der nach- sten Pappel stände und auf uns. als die Urheber seines Elends. anlegte, wer könnte es ihm menschlich verargen! Statt dessen laßt er munter sein nervöses Schimmelcheu, Papillou ge- heissen. vor unserem WagLN traben, berichtete ohne Wehleidigkeit von dem, was ihm der Völkerkrieg zugefügt und deutet leidenschaftslos mit dem Peitschenstiel auf die Kugel- locher in der Plane, HSchluss folgtZ