Nr. 259.- 1914.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts Sounabend, 19. Dezember,

Zivilisierte.

Bon Juhani A ho Helsingfors.

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Wir sind in Verona , dem Vorzimmer Italiens , dessen Natur­schönheit und Kunst, man hier zum ersten Male begegnet. Dort findet sich der Piazza dell'Erbe mit seinen uralten Palästen und

Die Herrschaften haben inzwischen eine fulinarische Konversation Messungen kontrolliert. Neuerdings hat man auch sogenannte Ba= geführt, um zu ergründen, welches diefer kleinen Vögelchen am ledersten sei: und man ist sich sehr rasch klar darüber und ist voll­ständig einig: die Vögelchen, die am schönsten fingen, ichmedten auch am besten die Nachtigall und die Lerche. ( Deutsch von C. Morburger.)

jeinen perlenden Brunnen, ein Obitmarkt mit Hunderten weißen Wie man die Geschwindigkeit eines

Riesenschirmen, die über den Früchtetischen und den Gemüsekörben aufgespannt find. Ein unaufhörliches Gewirre von melodischen Stimmen und Vogelsang.

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Ich batte irgendwo gelesen, daß der Vogelsang im Süden felten zu hören sei und eilte daher, angenehm überrascht, nach der Stelle, von der der Gesang erscholl. Ich stieß bald auf einen Marktstand, wo Käfig neben Käfig stand, Buchfinken, Lerchen, Gimpel, Nachtigallen und alle blind. und man belehrte mich, daß sie durch beharrliches Bohren mit einer glühenden Nadel geblendet wurden, um schöner zu singen. Ein sehender Bogel singt mehr oder minder, singt, wann er eben Luft hat, aber ein blinder, lichthungriger Sänger fingt gleich, da er die Sonne fühlt, singt vor Sehnsucht, sie zu sehen und die Seinen zu sich zu locken.

Es war nämlich gerade Jagdzeit und diese käfigumschlossenen, blinden Vögel werden an Jäger und Sportsleute als lebender Köder verkauft. ch frage nach dem Preise von fünf, zehn bis fünfzehn Lire das Stüd! So teuer?" Ja, fehen Sie, diese Operation überleben nicht alle; so biele, so sehr viele sterben daran."

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Auf dieser selben Piazza dell'Erbe, diesem alten forum romanum, von welchem Bädecker fagt, er sei einer der malerischsten Pläge Jtaliens" steht ein uralter Marmorbrunnen, von Pfählen umringt. Auf einem dieser Pfähle befindet sich in Manneshöhe von der Erde ein rostiger Eisenring. Es ist ein Schandpfahl, an dem Uebeltäter aller Art zur Schau gestellt wurden. Wenn ich die Macht hätte, oh ich wüßte schon, wen ich an diesen Pfahl schmieden

würde...

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Schiffes mißt.

Wenn es heißt, das schnellste Schiff der Welt, ein von einer deutschen Werft im vorigen Jahre für die russische Marine gelieferter Torpedobootszerstörer, besiße eine Geschwindigkeit von 37 Knoten, jo wissen die meisten mit dieser Angabe wenig anzufangen. Daß es ein bestimmtes Maß bedeutet, ist wohl sofort verständlich. Aber worauf Und bezieht sich die Zahlenangabe, auf Sekunden oder Stunden? dann möchten wir sie auch gern in Meter und Kilometer umrechnen, um sie mit anderen uns geläufigeren Geschwindigkeiten, z. B. eines Eisenbahnzuges oder dergleichen, zu vergleichen. Woher rührt ferner die eigentümliche Bezeichnung? Alles dies sind Fragen, bei denen sich der Landbewohner meist feinen Rat weiß. Das Wort hängt mit dem gewöhnlichen Worte Knoten zusammen und rührt von der Art her, wie man die Geschwindigkeit eines Schiffes von altersher mißt. Das Meer hat bekanntlich keine Balken, und ebensowenig lassen sich dort Kilometersteine oder sonstige Marken an= bringen, an denen man beim Vorbeifahren den in einer bestimmten Zeit zurüdgelegten Weg feststellen kann. Die Seeleute müssen daher versuchen, auf andere Weise sich selbst Marken zu verschaffen, mit deren Hilfe sie die Geschwindigkeit ermitteln können. Es genügt, wenn man einen Gegenstand ins Wasser wirft, der dort schwimmen bleibt und so einen festen Punkt bildet. Verbindet man den Schwimmer mit einer Schnur, die man vom Schiffe aus abrollen läßt, so ist die nach einer bestimmten Zeit abgelaufene Länge gleich dem Wege, den das Schiff inzwischen zurüdgelegt hat. Die gemessene Länge, durch die Beit geteilt, ergibt also die Geschwindigkeit.

tentlogs, die die Geschwindigkeit selbsttätig aufzeichnen. Sie werden an einer Leine vom Schiffe ständig nachgeschleppt. Dabei dreht sich eine Flügelschraube, die auf ein Räderwerf einwirkt. Letzteres re­gistriert ähnlich wie die Tarameter unserer Droschten selbsttätig den zurückgelegten Weg. Es wird nur bei Kursänderung und zum Zwede der Eintragung in das Schiffstagebuch eingezogen.

Linienschiffe laufen 17-20 Anoten, oder 33-37 Kilometer in der Stunde, die Panzerfreuzer und kleinen Kreuzer 19-30 Knoten oder 35-56 Kilometer; die schnellsten Schiffe, die Torpedoboote, fahren meist über 30 Knoten oder 56 Kilometer in der Stunde. Ein modernes Torpedo hat eine Laufgeschwindigkeit von 30-40 Knoten oder 56-74 Kilometer in der Stunde oder 15-20 Meter in der Sekunde. Ein Unterseeboot kann sich über Wasser mit 15 Knoten oder 28 Kilometer, unter Wasser dagegen nur mit 10 Knoten oder 19 Kilometer pro Stunde fortbewegen. Der Riesendampfer Jmperator" entwickelt nur 23 Seemeilen oder 43 Stilometer. Unsere meisten Passagierdampfer fahren jedoch langjamer.

Zum Vergleich sei angeführt, daß der schnellste Zug Deutschlands 100 Stilometer fährt. In England erreichen einige Züge streckenweise fogar 130 Kilometer, also nahezu das Doppelte des einleitend an­geführten schnellsten Schiffes der Welt mit 37 Knoten oder 70 Stilo­meter in der Stunde. Unsere Schnellzugslokomotiven können im Not­falle sogar 150 Kilometer zurücklegen. Flugzeuge erreichen über 150, ja selbst bis 200 Kilometer. Ein Luftschiff fliegt dagegen nur 80 Kilo­meter in der Stunde.

Der Genosse im Felde.

Ein. österreichischer Genosse, der als Feuerwerker bei dem Festungsartillerieregiment Nr. 2( Ballonabteilung) dient, sendet dem " Ditrauer Volksblatt" folgenden Feldpoſtbrief:

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Werte Genossen! Endlich komme ich dazu, Euch ein paar Aber ich weiß wirklich nicht, worüber ich Zeilen zu schreiben. zuerst schreiben soll. Ich finde nicht den richtigen Anfang für diesen Brief. Man erlebt hier so viel und vielerlei, daß man Das als Schwimmer benutzte Werkzeug bezeichnet der Seemann tagelang sehr fleißig beim Schreibtisch arbeiten müßte, um das Erlebte bewältigen zu können... Sechs Wochen ununterbrochen Am nächsten Tage ich zu Mittag in dem alten Schloffe, das als Log. Es ist dies ein Holzbrettchen in Form eines Kreisaus- im Felde, tagelang in der Frontlinie na, liebe Genossen, da ver­in eine Hotel- Benfion verwandelt wurde. Die gute Gesellschaft von Wie oft habe ich ihm, dent Florenz hat sie als Sommerfrische erforen, um sich hier dem Ge- schnittes, deffen Bogen mit Blei beschwert ist. Ins Waffer geworfen lernt man die Furcht vor dem Tode. nusse der herrlichen Luft, der guten Mahlzeiten, jaftiger Früchte und stellt sich das Brettchen infolge des Bleigewichtes mit der Spize fent­sich auch daran. Ja, es fehlt einem das Gedröhne der Geschütze gewählter Weine hinzugeben. Der Tisch war auf einer Terrasse, die recht nach oben und bietet dadurch dem Wasser durch seine breite Fläche Beherrscher des Schlachtfeldes, ins Antlig geschaut! Man gewöhnt einen ziemlichen Widerstand, so daß es durch die Meßschnur nicht all- und das Gefnatter und Gepraffel des Gewehrfeuers, wenn man Ein reicher Bankier bon Akazien beschattet wurde, gedeckt. mit Gemahlin, eine verwitwete Gräfin mit Tochter und zu weit geschleppt wird, sondern im Wasser nahezu auf ein und demselben sich wieder einmal einige Tage hindurch außerhalb der Schlacht­Buntt still stehen bleibt. Den ersten Teil der Schnur, etwa 30-50 linie befindet. Die Ruhe nach all ben Anstrengungen einer Enfelin, durchwegs Italiener , gebildete, mit feinen Manieren, Meter, läßt man ungemessen ablaufen, damit das Log inzwischen aus mörderischen, wochenlangen Schlacht wirkt geradezu beklemmend. alte Kultur, alte Raffe. Jede Mahlzeit ein Festmahl mit dem Kielwasser und zur Ruhe kommt. Das Ende des Vorläufers Gerichten von carne" und" pesci"," piselli" und" fageoli" und wird durch ein Läppchen bezeichnet, das um die Schnur gewickelt ist. Die Nerven, die ganz außerordentlichen Belastungsproben ausgefeßt " dolce" und wie dies alles nur heißen mag, das so wohl mundet Zum Loggen sind zwei Mann erforderlich, von denen einer die Leine und die draußen im Felde wie Stahlsaiten gespannt sind, können sich durch die Hand abrollen läßt, während der andere eine kleine Sand- nicht so rasch der wohltuenden Ruhe anpassen. Es tritt geistige und Die Herrschaften essen und schwatzen, naschen hier und kosten uhr, das Logglas, trägt. Sobald das Läppchen am Ende des Vor- physische Schlaffheit ein. Ich habe dies erst fürzlich überstanden. dort, geraten manchmal in Verzückung, bald ziehen sie eine Grimasse läufers durch die Hand des Matrosen gleitet, ruft dieser Null " oder aber seit fünf Tagen haben wir wieder das gewohnte Konzert: Bum, und lassen die Schüssel weiter wandern bis zu dem Finnländer, Törn"( Kehr), und der Uhrhalter dreht die Sanduhr um. Sobald bum, bum! Tt- if- tf- terr, trrr! Schwere Geschütze, Feldkanonen, der sich alles wohl ichmecken läßt. Plötzlich wird die Tür aufge- lettere abgelaufen ist, rüft der letztere Stopp!"( Halt), und der Maschinen- und Infanteriegewehre, das Pfauchen und Pfeifen der Granaten und Schrapnells. Ein Höllenkonzert! schlagen, und der Hotelbefizer in eigener Perion tritt mit elegantem zweite Matrose hält die Leine fest. Mißt man jetzt das Stück, das schläft dabei, als ob nichts los wäre, als ob man im weichen Schwung und eine Silberichüffel auf dem Stopfe tragend, ein. von dem Läppchen gerechnet abgelaufen ist, und teilt es durch die be= Daunenbett liegen würde. Fast vier Monate sind seit dem Singvogelbraten, meine Herrschaften!" tannte Zeit, die zum Ablaufen der Sanduhr erforderlich ist, so hat man Wie rasch doch die Zeit " Oh, oh! Ucceli! Uccellini !" die Geschwindigkeit des Schiffes. Um das jedesmalige Ausmessen der ersten Mobilmachungstage verflossen. Leine zu ersparen, ist dieselbe nach folgenden Grundsäßen mit Marken schwindet! Vieles habe ich schon hinter mir; schwere Stunden, manche Gefahren überstanden. Wie lange wird es noch dauern? versehen. Man fönnte beinab zaghaft werden. Aber man muß ausharren, diese schwere Zeit mannhaft durchhalten.

mit Chiantiwein!

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Zwischen Gewürzen und wohlriechenden Blättern liegen sie aus­gestreckt, diese fümmetlichen, fleinen Körper, wie einbalsamierte Mumien; Nachtigallen, Buchfinken, Lerchen, gebraten ganz und gar, mit Schnabel und Knochen. ,, Nein, dante!"

Wie, fein gebratenes Singvögelchen gefällig?" Ich ziehe vor, fie fingen zu hören."

Das machte auf diefe noblen Damen und Herren, die ihr Lieb­lingsgericht faben, feinen Eindrud. Einen schwachen Widerklang er wedt es, da ich erzähle, daß in einem Land, das Finnland heißt, es geseglich verboten ist, fleine Vögel zu töten.

Der Seemann rechnet nach altem Brauche nach Seemeilen. Die deutsche Seemeile, die übrigens bis auf die letzte Ziffer mit der eng­lischen übereinstimmt, beträgt 1852 Meter. Die üblichen Sanduhren laufen in 14 Sekunden ab. Läuft ein Schiff in einer Stunde 1 See­meile oder 1852 Meter, so macht es in einer Setunde den 3600. Teil oder 0,514, und in 14 Gefunden 7,20 Meter. Man verringert diese Bahl aber noch um ein Zivangigitel auf 6,84, weil das Logbrettchen etwa um diesen Betrag mitgeschleppt wird.

Aber man

Vor dem Kriege hat man uns vaterlandsloie Gefellen genannt. und heute sind es gerade diefe baterlandelosen Gefellen, über deren Lippen nie ein Wort der Zaghaftigkeit kommt, die auf ihre Stameraden Ich habe den Krieg mit allen aufmunternd, anfeuernd wirken.... seinen Furchtbarkeiten fennen gelernt und wenn ich was ich erboffe nach Haufe tomme, werde ich Euch ausführlich erzählen, Die so erhaltene Bänge trägt man vom Ende des Vorlaufes an was so ein moderner Strieg alles mit sich bringt. Wir geht es trob An Strapazen und andere Aber da tommt man ja gar nicht zu Krammetsbögel!" ruft gerechnet wiederholt auf der Logleine ab und bezeichnet die gefundenen alledem nicht schlecht. Speise und Trant haben wir, wenn auch nicht der Banfier erstaunt. Bunfte durch Marken. Dieses sind um die Leine gewickelte Läppchen, immer regelmäßig, so doch genug. in die man Knoten bindet, und zwar in der ersten Marke 1, in der Dinge, die der Krieg eben mit sich bringt, bin ich gewöhnt. ift für uns jett eine Kleinigkeit, brei bis vier " Da muß man ja mit Huhn und Fasan vorlieb nehmen!" aweiten 2 Anoten usw. Die Hälfte und eventuell die Viertel der Ge Wenn's nicht anders geht, wenn's brr! Die find so fett!" Das ruft die Tochter der Gräfin, die hier eine Abmagerungs- notenabstände werden außerdem noch durch einfachere Läppchen oder Nächte nicht zu schlafen. Wenn nur der Winter noch auf sich fur durchmacht; für sie ist Singvogelbraten eine hygienische An- Lederstreifen markiert. Fährt das Schiff nun eine Seemeile, so wird vor allem die Zeit erlaubt, so schläft man halb stehend, irgendwo drei bis fünf gelegenheit. Sie läßt sich alles, auch die Haut, wohl munden. bis zum Ablauf des Logglases die Leine nur bis zur ersten Marke an einen Trainwagen gelehnt. Erst saugt sie daran, und dann zernagt sie es mit ihren weißen, mit einem Knoten abrollen, läuft das Schiff aber doppelt so schnell, warten ließe. Heute ist es schon empfindlich falt.. Seit drei Stunden ist spizigen Zähnen, nur die harten Schnabel bleiben auf dem Teller so gleitet auch die zweite Marke ab usw. Bruchteile des Knotens Grad unter Null und dabei Schneefall. Gar nicht angenehm für zurüd. Aber vor meinem Auge ersteht eine alte Fresfomalerei werden an den Zwischenmarken abgelesen oder einfach geschäßt. Etwa die arme Infanterie im Schüßengraben. Es fällt tein Schuß. Aber es wird keine halbe Stunde bom Campo Santo in Pisa : ein einäugiger Teufel wird von alle Stunden oder in fürzeren Fristen wird auf diese Weise die Ge- Ruhe. fliegenden Zwergteufelchen mit Kinderleibern und Menschenseelen geschwindigkeit des Schiffes gemessen und das Ergebnis des Loggens dauern und das Konzert beginnt neuerdings. Ich fize im Pfarrhaus im behaglichen Lehnstuhl des Priesters, Ach, wie das den müden füttert. Und ich fann da einen boshaften Wunsch nicht unterdrücken: nebst dem Kurse auf Logtafeln und in das Schiffsbuch eingetragen. Mittels dieser Angaben kann dann der zurückgelegte Weg auf der beim warmen altmodischen Kachelofen. wenn nur in jedem Vogelförperchen eine verborgene Zauberkraft wäre, die Euch so did und fett macht, daß Ihr Euch ohne Rollstuhl Karte verfolgt werden, so daß man jederzeit weiß, an welchem Ort Knochen wohltut! Bin anderthalb Stunden in eisiger Luft, 615 Meter sich das Schiff befindet. Durch astronomische Messungen werden diese I hoch, im Ballon gewesen. Da wird man ordentlich ausgelüftet und nicht vom Blaze bewegen könntet.

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Landsturm- Tagebuch.

( Schluß.)

In der Ferne rollt es dumpf, als fnirrrte dort drüben ein gereiztes untier. Es tnurrt dort ein gereiztes Un­tier: die große Schlacht. Die Luft zittert von Erschütterun­gen, und Schlag auf Schlag vernimmt man die Sprache des schweren Geschüßes, Stunde um Stunde, Tag für Tag. Und jeder dieser Schläge lockert die französische Erde für neue Gräber, und jeder dieser Schläge läßt am Rhein und wo die Weinhänge von Bordeaux leuchten, Frauen in fassungslosem Schmerz zusammenbrechen.

Und hier sitt man im Café, ruft: Garcon!, raucht Pfeife, schváßt und hört, gleichgültig geworden, nicht mehr hin auf das ununterbrochene Rollen in der Ferne. Es rollt und rollt und rollt: Mit Menschenköpfen spielt der Tod Kegel.

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Die Einwohner stehen am Bürgersteig und staunen. Ein französischer Tragoner, den Kopf einbandagiert bis zur Unkenntlichkeit, stützt beim Gehen einen Infanteristen vom 140. Regiment, der trok der Hilfe seines Kameraden und eines Stockes sich nur mühsam, schmerzlich humpelnd vorwärts bewegt. Dahinter zwei Feldgraue mit aufgepflanztem Seiten gewehr, Schritt für Schritt sich dem überlangsamen Tempo der Verwundeten anpassend, und ein Häufchen Bevölkerung, aus dem heraus Damen den Feldgrauen für die unglücklichen Landsleute kleine Geschenke zuſteden.

Mittags, als gerade das Glockenspiel 12 verkündet, bilden sich auf dem Rathausplat fleine Gruppen, Hälse recken sich in die Luft... dort oben, über dem Turm der Kathedrale, dicht unter den grauen Herbstwolfen, freuzt ein französischer Flieger über der Stadt. In stolzen Kurven zieht er langsam dahin... Plöglich hebt sich ein wenig rechts von ihm ein lichteres Wölfchen von dem dunklen Hintergrund ab und zer­fließt... ein zweites über ihm, ein drittes... andere noch, Autos fegen auf dem Rathausplatz an, Offiziere stürzen Wölfchen um Wölfchen... platende Schranvells find das, der heraus, das Gesicht von einer Schmutzkruste bedeckt, ver- deutschen Ballonabwehrgeschütze, die dem Kühnen auf Autos schwinden eilends in der Kommandantur, springen wieder nachrafen. Menschenjagd in den Lüften aber unbeirrt Und auf dem langweiligen streicht der Blériot über den Türmen und Häusern der Stadt auf ihr Gefährt, tosen davon.. Bahnhof kommen Verwundetenzüge durch, fahrende Kranken- dahin.. Wenn die Züge Mehr als drei Zivilpersonen dürfen nicht beisammen­Strenger Kommandanturbefehl! stuben, fabrende Operationszimmer... Die Einwohner halten, flimmen die Leichtverwundeten auf den Bahnsteig stehen. herab und erzählen Aufhorchenden, wie bunt es da vorn, an wagen deshalb kaum, zu dem Flieger aufzusehen, aber man der Front, zugeht. Dumme Fragen fordern Münchhauseniche lieft es von den Gesichtern ab: Aller Herzen fliegen zu ihm empor, der Grüße von dort bringt, wo die Trikolore noch trobig im Winde weht.

Antworten heraus.

Und dazu rollt der Geschüßdonner und rollt und rollt.

Straßenbilder: In die Schatten des Abends ist der Rat­hausplak gebettet. Das Gewinsel des Glockenspiels auf dem Rathausturm wird übertönt von Coldatenjang. Eine mar schierende Kompagnie, wader ausschreitend singt:

O Köln am Rhein , du schönes Städtchen, O Köln am Rhein , du schöne Stadt.

Darinnen muß ich lassen

Meinen herzallerliebsten Schah.

haben keine feindliche Kugel im Fleisch, sondern feindliche Bakterien im Darm. Aber gerade weil es der großen Er­regung, des großen Erlebnisses ermangelt, nimmt dieses ein­förmige Leben mit und ist kein Ausruhen auf weichen Feder­betten. Jede zweite oder dritte Nacht auf schlechtem Stroh die andern auf befferm Stroh!- liegen, in den Kleidern, umgeschnallt, gewärtig, auf den leisesten Wink mit der stets geladenen Flinte hervorzuspringen, alle vier Stunden, die Finger flamm vor Frost, seine hundertzwanzig Minuten, lange Minuten, Posten herunterreißen... das Menschenleben hat Dinge, die köstlicher sind und wertvoller. Aber es muß sein, und wenn auch redlich auf dies oder jenes geschimpft wird, das helle Lachen über die lustigen Kleinigkeiten der großen ernsten Sache Krieg siegt doch. Auch in aller Wehmut dieser Verbannung hat man es nicht verlernt.

Nebel steigen aus den zahlreichen Sümpfen der Gegend auf. Schon am Tag sieht man keine zehn Schritt weit und bei Nacht durchdringt der Strahl der elektrischen Lampe am Säbelkoppel kaum die allernächste Umgebung. In solchen Nächten heißt es, wie ein Indianer lauern und spähen, alle Sinne scharf angespannt, aber es heißt auch die Nerven zu­sammenhalten, um nicht einen Alarmschuß loszufeuern, wenn irgendwo am Bahndamm ein harmloses Steinchen bergab follert.

Manchmal kommt auch nach düstern Nebeltagen eine

flare Winternacht, in der der ganze Himmel voller lichter Sterne steht. Dann tritt man wohl um Mitternacht vor das Wachtlokal, eine wurmstichige Scheune, und schaut sich um... Die Pappeln an der Zuckerfabrik scheinen in einen festlichen, silbernen Glanz getaucht, die Silhouette des Postens hebt sich scharf vom Bahndamm ab, ein rebellischer Hund Wir sind keine Helden, wir vom Landsturm. Für uns fläfft irgendwo... und man späht und forscht den ganzen

th

wachsen keine eifernen Streuze, denn wir rennen weder durch Simmel durch, ob er nicht doch aufgehen will, der Stern, von vernichtenden Bleihagel, tollfühn gegen feindliche Schützen- dem die Weihnachtsmär fündet, der Stern von Bethlehem, stellungen an, noch liegen wir stundenlang geduldig im Gra- der Stern, des Name ist: Friede auf Erden! natenregen. Wir sichern nur den Heeren, die vorne kämpfen Man forscht und spät... aber nur die alten Sterne und bluten, die Zufuhrstraßen, Chausseen und Schienen- glitern gleichgültig auf das große Würgen herab, dessen ftränge. Wenns hoch kommt, verknattern wir ein paar Rahmen Donner zu uns beriberballt, lauter und unheimlicher als am Patronen auf einen feindlichen Flieger oder es gibt eine Tag, und Züge rollen zur Front, dumpf, schwer, gefüllt mit Streife auf versprengte Engländer. Unsere Lazarettkranken I menschlicher Fracht.