Nr. 34.- 1915.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts Mittwod, 10. Febrüer.

In der Kriegszündholzfabrik.

Von Alwin Rath.

Berge von Briefen liegen da- grüne, rote, weiße, schwefel­gelbe dem Kontoristen wird ganz schwefelig zu Mute, seine Feder schwitzt schon schwarze Galle. Bestellungen über Bestellungen. Silagen über Klagen. Das Telephon gibt mannigmal einen Ton ab, einen flirrenden Seufzer es ist an der Klingelwut erkrankt es ist für die nächsten Striegswochen beurlaubt.

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macht. Heute aber erfegen leicht entzündbare Fette, wie Stearin und die blaue Winde vom Gartenzaun langt nach ihr, und alles, und ähnliches den bösen Schwefel, den Stänker! Und chlorsaures was dazu gehörte. Sie paßte ernsthaft auf und sagte, es wäre recht Kali, das gänzlich ungefährliche, hat den gefürchteten Phosphor an gut. Und als ich ihr erzählte, daß ich hungrig sei, da tat sie den die Wand gedrückt. Ja, womit gurgelt man sich neuerdings auch Deckel von ihrem Korb und holte mir ein Stüd Brot heraus. Als den Hals mit aus? ist es nicht sowas wie chlorsaures Stali? ich da hineinbiz und dazu tüchtig weitermarschierte, sagte sie aber: Demnach Man muß nicht im Laufen essen. Eins nach dem andern." Und Nur still es lommt noch etwas dazu! Und was für ein wir sehten uns ins Gras und ich mein Brot und sie schlang die Alchimistengebrodel! Dextrin, Braunstein, Glaspulver, Schwefel- braunen Hände um ihre Knie und fah mir zu. antimon... und noch einiges. Wo aber ist der gefürchtete Phosphor, der dennoch unentbehrliche, hin verschwunden? Ich sagte es schon: an die Wand hat er sich drüden lassen müssen- an die Wand des Streichholzkästchens, an die Wand der Neitfläche.

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Willst Du mir noch etwas singen?" fragte sie dann, als ich fertig war. " Ich will schon. Was soll es sein?"

" Von einem Mädchen, dem ist sein Schahz davongelaufen und es ist traurig."

Drinnen aber in den phosphorsauren Sälen hat alles die Arbeits­tout bekommen. In den Fabrikräumen, in denen oben in den Fenstern Mädchenstimmen! Was man für eine Schwäche dafür hat, die messingblizenden Ventilatoren rafen, in den mit äzenden Dünsten selbst hier: " Nein, das kann ich nicht. Ich weiß ja nicht wie das ist, und trotzdem durchschwängerten, freischenden und pfeifenden, feuergefähr­,, Utan svafel och fosfor!" Aus einem ganz kleinen Bildchen, so man soll nicht so traurig sein. Ich soll immer nur artige und liebens­lichen Räumen haben die Maschinen, haben die Menschen, die roten groß wie eine Streichholzdose, plaudern sie hervor. Oben über der würdige Lieder vortragen, hat mein Vater gesagt. Ich singe Dir vom Schwefelbecken, die Salpeterkiſten, die Leimtöpfe, die Streichholzrahmen, angelehnten braunen Tür steht denn auch in mädchenhaft schiefen Kuckuckvogel oder vom Schmetterling." die blauen Dosenpapierchen da drinnen hat alles die Arbeitswut be- Rotstiftlettern an die weißgetünchte Wand geschrieben: Streichholz- Und ich sang ihr vom kleinen blauen Schmetterling, der in der tommen. Wie in fnirschendem Born, wie in Ohnmacht, daß sie nicht döschen". Rote Blusen leuchten da. Flinke Finger bedienen da Sonne mit den Flügeln schlägt, und wenn er müde wird, dann fist gleich Hunderte solcher runden, glattrunden Holzwalzen hervor- fleine Maschinen, tochende und strömende Leimtöpfe, bunte und er auf der schönsten Blume und tut die blauen Flügel zu wie zivei schleudern kann, ſtöhnt und ächst eine ſtablblante Maschine, ächst funterbunte Reklamezettelchen und dünne, papierdünne Holzplättchen. Augen. Brigitte lachte dazu und sah unter dem Schattenhut mit mit einem ganz fomplizierten Gebiß von Messern an einem Baum- Ein Stoß von allerhand flinken, firen Weiberpfötchen und braunen Augen zu mir her. ganze stamm herum, an einem mächtigen log, den all das wüten des Quadratmeter sind mit Streichhölzern bebedt, ganze Rubikmeter " Und von der Liebe weißt Du gar nichts?" fragte sie dann. eisernen Fressers nichts schiert. Tatsächlich wie runde Walzen, wie damit angefüllt. Das Telephon braucht sich nur einmal zu ver­ Von der Liebe? O doch, das ist ja das allerschönste." bligiau bere Säulen fommt es aus den sägenden, aus den schneiden- schlucken und die Stimme eines Kunden durch seine flingelwütige Msbald fing ich an und sang von dem Sonnenstrahl, der die den und schabenden Messern, aus diesem Gebisse, allmählich hervor- Gurgel durchschlüpfen zu lassen: gleich find die ganzen feuergefähr roten Wohnblumen lieb hat, und wie er mit ihnen spielt und volle. geglitten, in der ganzen Klarheit und Sauberkeit frisch geteilten lichen Stubikmeter auf und davon. Holzes.

Andere Meffer fahren von oben in gleichen Zwischenräumen auf die helle Holzsäule herab und im Nu sind viele einzelne gleich große Stüde daraus geschnitten jedes so in Format und Größe an einen flachen runden, ziemlich respektablen Camembert- Käse erinnernd. Was erst Holzklog ivar, plumper maffiger, kaum zu bewegender

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Märchen.

Von Hermann Hesse .

" Hier", sagte mein Vater, und übergab mir eine kleine, beinerne

Freude ist. Und vom Finkenweibchen, wenn es auf den Finken wartet, und wenn er kommt, dann fliegt es weg und tut erschrocken. Und sang weiter von dem Mädchen mit den braunen Augen und von dem Jüngling, der daherkommt und singt und ein Brot dafür geschenkt bekommt; aber nun will er kein Brot mehr haben, er will einen Kuß von der Jungfer und will in ihre braunen Augen sehen und er singt so lange fort und hört nicht auf, bis sie anfängt zu Da neigte sich Brigitte herüber und schloß mir den Mund mit ihren Lippen und tat die Augen zu, und tat sie wieder auf und ich fah in die nahen braungoldenen Sterne, darin war ich selber ge­ipiegelt und ein paar weiße Wiesenblumen.

Klozz, ist wenige Sekunden später unter der zauberischen Firigkeit löte, nimmt das und vergiß deinen alten Vater nicht, wenn Du in lacheln und bis sie ihm den Mund mit ihren Lippen schließt. dieser kriegswütigen Maschinen in hölzerne Spiralen verwandelt, als wären wir nicht in einer hypermodernen Streichholzfabrit, fernen Ländern die Leute mit deinem Spiel erfreut. Es ist jetzt fondern in einer Uhrenfabrik allerältesten Stalibers. Jählings aber hohe Zeit, daß Du die Welt siehst und etwas lernst. Ich habe Dir dieje Flöte machen lassen, weil Du doch keine andere Arbeit tun und faßt sie eine andere hypermoderne Maschine beim Schlaffittchen. immer nur fingen magjt. Nur dente auch daran, daß Du immer Was hat sie vor? Wie ein flinker, Hackepeter" fabrizierender hübsche und liebenswürdige Lieder vorträgst, sonst wäre es schade um Destillenwirt säbelt sie mit fleinen Hademessern auf die auseinander gezogenen Holzbänder dieser Spiralen nieder, hackt die ganzen langen, flachen Holzichlangen in einem summenden, schnurren den Nu in schmale Schnitzel zusammen, in schmale Streifen: Streich Hölzer!

Aus dem unbeweglichen, maffigen, dicken Baumklog sind etwas über Stridnadeldünne dide Wingigkeiten geworden. Richtige Streichhölzchen- da sind sie fertig. Nur ohne die Hauptfache: das tleme Hizköpfchen, der rote Feuerwerker obenauf der fehlt noch.

Aber vorher hat das im Werdeprozeß hin- und hergeschleuderte Streichhölzchen noch eine Taufe durchzumachen. In flüssige Paraffin­masse macht es einen Kopfsprung und ſaugt die an ihm kleben bleibende Masse mit allen Holzporen tief in sich hinein. Es ist das Brennmaterial, das Brennmittel, das das an sich nicht so leicht zum Flammen gelangende Hölzchen zum rascheren Feuerfassen und gleich mäßigen, sicheren Abbrennen zivingt.

Je höher die Vervollkommnung, um so schlimmer die Prozeduren. Jezt gehts in den Schraubstock. In die Zwangsjade! Da jind viele leine Marterbretter für das aus der Laufe zu hebende Streichölzchen übereinander gestapelt. Mit dünnen, vierkantigen Rillen, dünn und fantig wie Streichhölzer, sind sie obenauf gerillt. In jeder Rille plaziert sich unter dem wuchtigen, sicher zupackenden Eiſenband der Maschine ein fleines Streichholz. Fünfzig solcher liegen plöglich flach nebeneinander wie die schußfertigen Schüßen draußen in Welschlands Boden, wenn es heißt sprungweise vor". Glatt wie eine

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solche Schüzenlinie liegen sie da, in einer Reihe. Haben sich zwanzig der Brettchen in dem Wirrwarr der Eisenbänder und Eiſenarme im Handumdrehen gefüllt, schieben sie sich aufeinander, schieben sie sich in einen fest zusammenschließenden Rahmen. Und nun gehts sprung weise vor, sprungweise hinunter in die Schwefellauge, kopfüber tausend Streichholzanwärter.

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die Gabe, die Gott Dir verliehen hat."

lehrter war; er dachte, ich brauche nur in das hübsche Flötchen zu Mein lieber Vater verstand wenig von der Musik, da er ein Ge­blasen, so werde es schon gut sein. Ich wollte ihm seinen Glauben Abschied. nicht nehmen, darum bedankte ich mich, steckte die Flöte ein und nahm Unser Tal war mir bis zur großen Hofmühle bekannt; dahinter fing denn also die Welt an, und sie gefiel mir sehr wohl. Eine müd­geflogene Biene hatte sich auf meinen Aermel gesetzt, die trug ich Boten habe, um Grüße in die Heimat zurück zu senden. mit mir fort, damit ich später bei meiner ersten Rast gleich einen Wälder und Wiesen begleiteten meinen Weg und der Fluß lief rustig mit; ich sah, die Welt war von der Heimat wenig verschieden. Die Bäume und Blumen, die Kornähren und Haſelbüsche sprachen mich an, ich sang ihre Lieder mit, und sie verstanden mich, gerade wie daheim; darüber wachte auch meine Biene wieder auf, fie troch langsam bis auf meine Schulter, flog ab und umkreiste mich zivei. mal mit ihrem tiefen, süßen Gebrumme, dann steuerte sie geradeaus rückwärts, der Heimat zu.

habt. Jetzt will ich Dir aber tragen helfen, daß wir zu Deinen Die Welt ist sehr schön," sagte ich, mein Vater hat recht ge­Leuten kommen."

Ich nahm ihren Korb und wir gingen weiter, ihr Schritt flang mit meinem Schritt und ihre Fröhlichkeit mit der meinen gut zu­jammen und der Wald sprach fein und fühl vom Berge herunter; ich war noch niemals so vergnügt gewandert. Eine ganze Weile sang ich munter zu, bis ich aufhören mußte vor lauter Fülle; es war allzu vieles, was vom Tale und vom Berg und aus Gras und Laub und Fluß und Gebüschen zusammen rauschte und erzählte. Da mußte ich denken: wenn ich alle diese tausend Lieder der Welt zugleich verstehen und singen könnte, von Gräsern und Blu­men und Menschen, vom Laubwald und vom Föhrenwald und auch von allen Tieren und dazu noch alle Lieder der fernen Meere und Gebirge, und die der Sterne und Wolfen, wenn das alles zugleic in mir flingen und tönen könnte, dann wäre ich der liebe Goft und jedes neue Lied müßte als ein neuer Stern am Himmel stehen. Aber wie ich eben so dachte und davon ganz still und wunder­lich wurde, weil mir das früher noch nie in den Sinn gekommen war, da blieb Brigitte stehen und hielt mich an dem Korbhenkel

fest. Da kam aus dem Walde hervor ein junges Mädchen gegangen, das trug einen Korb am Arme und einen breiten, schattigen Stroh hut auf dem blonden Kopf.

"

Grüß Gott," sagte ich zu ihr, wo willst denn Du hin?" " Ich muß den Schnittern das Gffen bringen," fagte sie und ging neben mir. Und wo willst Du heut noch hinaus?"

folle den Leuten auf der Flöte vorblasen; aber das kann ich noch " Ich gehe in die Welt, mein Vater hat mich geschickt. Er meint, nicht richtig, ich muß es erst lernen."

ich

" So, so. Ja, und was kannst Du den eigentlich? Etwas muß man doch fönnen?"

Ch, nichts Besonderes. Ich kann nur Lieder singen." " Was für Lieder denn?"

" Allerhand Lieder, weißt Du, für den Morgen und für den bend und für alle Bäume und Tiere und Blumen. Jetzt könnte ich z. B. ein hübsches Lied singen von einem jungen Mädchen, das fommt aus dem Wald heraus und bringt den Schnitteru ihr Essen." Kannst Du das? Dann sing's einmal!"

Aber was sage ich? Schwefel? De Kamellen! Damit zündete man sich zu Großvaters Zeiten den Hosenboden an. Utan svafel och fosfor!" Ohne Schwefel und Phosphor prunft es stolz bewußt auf den" echten" Schweden den echten Deutschen ! Das sind diese Schweden " im Grunde. Auch hier ist der jetzt von England mit Krieg überzogene deutsche Erfindergeist legterdings be teiligt oder vielmehr ersterdings! Der Schweden !" phosphor- und schwefelfreie Erfindung" wurde in dem schiefligen Jahre 1848 von Dent deutschen Chemiker Böttcher, einem Frankfurter , ge- hut

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Ueberfluß.

Von Martin Andersen Nexö .

Er lächelte. Da war schon wieder der Vorbehalt; in feiner Angit, enttäuscht zu werden, erweiterte er den Umfang feines Geschmads. Er liebte ja das leppige gerade nicht! Warum dann nicht gleich behaupten, daß er alte, zahnlose Weiber bevorzuge? Dann war er vor jeder Ueberrumpelung ficher­

Und doch war der Strauß schön, ungeschickt, aber schön; es war etwas Kindliches, Naives daran. Dieses Unbeholfene fonnte er so gut leiden, es deutete auf unberührtheit. Wann würde der Absender sich wohl enthüllen?

Stelldichein! Heimliche Zusammenkünfte im Walde oder in dem kleinen Gebüsch jenseits des Kirchhofs! Schöne Ver­stecke im Laub, die nur den beiden bekannt waren! Und Glüd, wundersames Glück, das durch ihre Furcht, entdeckt zu werden, gesteigert wurde. Denn sie war ja nicht unabhängig. Und im Winter! Das gefährlichste Spiel mit den nächtlichen Besuchen, wo man über den Speicher und die Treppe hinab­schlich, die Schuhe in der Hand, und wo sie sich den Mund zuhalten mußte, um vor Lachen nicht herauszuplazen. Bon all bem hatte er nichts gekannt; er war zu frank ge­wesen und hatte auch niemanden gehabt. Aber jetzt, jest wollte er die Jugend auskosten, die so schön war, und die er aus demselben Grunde gering geschätzt hatte, aus dem der Fuchs die Trauben verschmäht. Es wogte rhythmisch in seinem Blut, sein ganzes Wesen sang.

" Ja, aber wie heißt Du eigentlich?" Brigitte."

"

Da sang ich das Lied von der hübschen Brigitte mit dem Stroh­und was sie im Storbe hat und wie die Blumen ihr nachschauen

Domborg, 8. September 1892. Werter Herr Bauder!

Sie dürfen sich nichts einbilden, weil ich diesen Brief an Sie schreibe. Das tue ich nur, damit Sie nicht auf mich herabsehen sollen, wie alle anderen. Denn Sie sind neu hierher gekommen, und da meine ich, es wäre nicht richtig für Sie, wenn die anderen auch Sie in ihre Gewalt befämen.

Seitdem Sie hier waren, habe ich jeden Tag an Sie schreiben und mich Ihnen erklären wollen, denn ich weiß recht gut, daß ich mich an jenem Abend nicht richtig benommen habe; und ich konnte Ihnen ansehen, daß Sie eine schlechte Meinung von mir gewannen. Aber die Verhältnisse haben das aus mir gemacht. Sie würden mich wohl entschuldigen, wenn Sie wüßten, was ich gelitten habe.

Leute im Feld. Und Du, wo gehst Du jezt hin? Kommst Du " Jekt muß ich da hinauf," sagte sie, da droben find unsere

mit?"

und immer weiter. Schönen Dank für das Brot, Brigitte und für den Kuß; ich will an Dich denken."

Nein, mitkommen kann ich nicht. Ich muß das Tal hinunter

Augen im braunen Schatten noch einmal zu mir, und ihre Lippen Sie nahm ihren Ezforb und über dem Korbe neigten sich ihre hingen an meinen und ihr Kuß war so gut und lieb, daß mir vor lauter Wohlsein beinahe traurig werden wollte. Da rief ich schnell Lebwohl und marschierte eilig die Straße hinab.

Das Mädchen stieg langsam den Berg hinan und unter dem herabhängenden Buchenlaub am Waldrande blieb sie stehen und fah herunter und mir nach, und als ich ihr winkte und den Hut überm Kopfe schwang, da nickte sie noch einmal und verschwand still wie ein Bild in den Buchenschatten hinein.

Ich aber ging meine Straße und war in Gedanken, bis der Weg um eine Ecke bog.

Da stand eine Mühle und bei der Mühle lag ein Schiff auf dem Wasser, darin saß ein Mann allein und schien auf mich zu warten, denn als ich den Hut zog und zu ihm in das Schiff hin­

Sarl bebte vor Erbitterung, als er den Brief gelesen hatte. Das also war der Ursprung der Sträuße. Seine erste Eingebung war, nach Hause zu laufen und die Blumen ans dent Fenster zu werfen. Doch dann wurde er krampfhaft lustig: gerade so mußte ja das große Glück zu ihm kommen, verzerrt, entstellt war er je an etwas anderes gewöhnt ge­wesen? Es ist bloß so, wie es sein soll," wiederholte er höhnisch.

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Mit boshafter Freude dachte er sich in die Rolle des Liebhabers einer betagten hysterischen Frau hinein; mit bluti­ger Selbstironie nahm er den Gedanken an heimliche Stell­Sichein auf; den ganzen Stimumungsglanz der Liebe beschwor er in verzerrter Form herauf. Das Leben zu nehmen, wie es war sich seiner zu erfreuen, wie es war, das war das Ziel. Aber das weiß kein Mensch. Und ich will mich gar Wieder las er den Brief, und diesmal tat ihm die nicht selbst entschuldigen, denn ich sehe sehr wohl ein, daß die Schreiberin leid. Mußte er, der selber so viel gelitten hatte, anderen in allem, was sie sagen, recht haben. Ich sehe die nicht der letzte sein, der eine Unglückliche verhöhnte, selbst Dinge bloß anders an als die anderen, und das muß mir wenn sie den Bersuch machte, ihn mit auf den Grund zu ziehen? gestattet sein. Die anderen leben ja auch nicht mitten drin. Er mußte doch diese Blumen beschirmen, um der Zer­Als ich Sie sah, hab ich mir gedacht, daß Sie viel ge- fnirschung und des verzweifelten Lebensdranges willen, der litten hätten und in der Lage sein müßten, das, was die sie ans Licht trieb, um des Todesangstschreis willen, der von anderen Hysterie nennen, zu verstehen. Und als ich Sie ihnen ausging! sprechen hörte, da wurde ich meiner Sache ganz sicher Sic Aber hiernach zu Aage gehen... Das konnte er beim glichen so ganz und gar nicht meinem Mann, dem Kandidaten besten Willen nicht. Wie war es, wenn er den Kandidaten und den anderen hier in der Stadt. Aber jetzt haben die besuchte, der sich offenbar aus Scham von ihm fernhielt- anderen Sie wohl auch mit Beschlag belegt, da Sie nie mehr als ob man auf dieser wunderbaren Erde überhaupt einen herkommen? Und so muß es auch sein. Es betrübt mich Vorwand hätte, sich zu schämen. Da konnte er dann im nicht, weil ich beschlossen habe, mich durch nichts mehr betrüben voraus den erbaulichen Anblic eines Liebesverhältnisses zu lassen. Aber wenn Sie eine gelbe Blume am Wege sehen, zwischen einer bejahrten Frau und einem verhältnismäßig so denten Sie an diejenigen, die unter dem Unrecht zugrunde jungen Manne genießen. gehen müssen.

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Und doch, war es nicht lächerlich: eine Liebe ganz ins Die gelbe Blume ist vom lieben Gott dazu bestimmt, Als Bauder die Treppe hinaufgestiegen war und an der Blaue hinein, ohne Gegenstand? Denn er hatte ja nicht ein- niedergetreten zu werden, und so geht es auch den Frauen; Tür des Kandidaten klingeln wollte, hörte er im Entree eine mal eine Ahnung davon, wer es war. Und er mit seiner Ver- ihr Glück liegt unter der Ferse des Mannes. Und Mann zu tiefe Männerstimme ein paarmal laut auffahren und wieder achtung der Frau und seinen nüchternen Theorien über das sein, ist gleichbedeutend damit, brutal auf allem Schönen schweigen, während eine jammernde Frauenstimme ant­Verhältnis der beiden Geschlechter!-Rein, es lag bloß daran, herumzutrampeln; aber Weib zu sein, bedeutet, sich in den wortete, anscheinend tiefer aus der Wohnung her. Er über­daß hinter Verachtung und Theorien auch in ihm ein Mensch Staub treten zu lassen, ohne zu mucken. Ich will auch ganz legte einen Augenblick, bevor er an dem Schellenstrang zog. wohnte, der menschlich fühlte und namentlich menschlich ha n- Weib sein und nicht klagen; aber Sie sind nicht wie andere Der Kandidat öffnete selbst, er hatte einen feuerroten delte. Es gab doch etwas, was nicht Tradition war, nicht Männer, Sie sind feiner und schwächer, darum habe ich an Sie Kopf und blinzelte mit den Augen. tote Ueberlieferung, sondern ursprünglich, urmenschlich!

Er summte vor sich hin, während er in den Weg einbog, um lage zu besuchen. Ein Ende weiter begegnete er dem Postboten, der ihm einen Brief reichte. Er öffnete ihn, sah auf die Unterschrift und stuzte. Dann sette er sich auf den Grabenrand, um in Ruhe zu lesen:

geschrieben.

Ob Sie wohl auf diesen Brief treten werden? Wenn nicht, will ich Ihnen einmal mein ganzes Leben erzählen; es handelt von einer schönen Blume, die auf einen Misthaufen umgepflanzt wird. Freundlichen Gruß Laura Sörensen.

Ei, sieh da! Sind Sie es!" rief er aufgeräumt. Kommen Sie herein." Freundschaftlich legte er den Arm um Bauders Schulter, führte ihn in die Stube und nötigte ihn auf einen Lehnstuhl." Anina!" rief er dann. Anina! Willst Du nicht einem lieben Freund guten Tag fagen?"

( Forts. folgt.)