Nr. 297.- 1915.
Unterhaltungsblatt des Vorwärts Freitag, 24. Dezember.
Weihnachtsfeier im Schützengraben. einiger Zeit gehört, bevor sie sich entschloffen haben, mich zu rufen.
Aus der Geschichte des künstlichen Kautschuks.
aus weiter Ferne, denn unsere Jäger haben ihn schon während Wer ist wohl dieser Mann, der die Mission haben muß, die ganze Es scheint, daß der Weltkrieg nicht nur in der politischen Ge Front betend abzuschreiten, und den jede deutsche Kompagnie zu feichte, sondern auch in der der Entdeckungen und der Technik eine erwarten scheint, um mit ihm zu beten? Ein Pfarrer jedenfalls, bedeutende Rolle zu spielen berufen ist. Die Nachricht, daß es einer der den Kämpfenden die Heiligkeit dieser Nacht und den Ernst der deutschen Fabrik gelungen ist, die ersten vollkommen brauchbaren Autoreifen aus fünstlichem Gummi herzustellen, bedeutet einen neuen Stunde ins Gedächtnis rufen will. Jest dringt die Stimme aus den uns direkt gegenüberliegenden großen Erfolg der deutschen Wissenschaft und Technit, der wohl durch Gräben. Trok der Helle der Nacht können wir den Sänger nicht die Bedürfnisse des Krieges beschleunigt worden sein wird, der sich aber unterscheiden; denn die beiden Linien sind hier wenigstens 400 freilich zuletzt doch nur als die Krönung einer langen Stette systematischer, Stimme käme nicht so deutlich zu uns, wenn er in den Tiefen der erster Linie unt die Wissenschaft vom fünstlichen Kautschuk verdient Meter weit entfernt. Aber er versteckt sich sicher nicht, denn seine strenger Arbeit darstellt. Die beiden deutichen Foricher, die sich in Gräben sänge. Sie verstummt wieder. Und nun nehmen unsere gemacht haben, sind Professor Harries in Kiel und Dr. F. Hofmann unmittelbaren Gegner ruhig den Refrain des Chorals mit den ge- in Elberfeld . Wissenschaftlich liegt die Frage der Kautschukſyntheſe heimnisvollen und sanften Worten auf, die Soldaten, die den uns heut klar. Man weiß, daß sich Kautschuk aus Jiopren bildet. einer gegenüberliegenden Graben verteidigen, diese Männer, die wir Verbindung von Kohlenstoff und Wasserstoff, die als leicht bewegliche, morden müssen, wenn sie erscheinen, und die uns erschießen müssen, farblose Flüssigkeit von niedrigem Siedepunkt( 35 Grad) z. B. beim sobald wir uns zeigen. Sie auch sind über den Rand des Grabens Erhißen von Kautschuf selbst oder von Terpentinöl erhalten wird. Wie emporgekrochen und stimmen dort, uns gegenüber, ihre Hymne an; zuer Hofmann gezeigt hat, entstehen fautschutähnliche Körper auch aus anderen Verbindungen von Kohlenstoff und Wasserstoff, als denn ihr Gesang tönt klar und deutlich zu uns herüber.
Bum zweiten Male werden unsexe Arieger das Weihnachtsfest in Feindesland, im Schüßengraben begehen, zum zweiten Male werden unsere schönen Lieder von Weihnachtsfreude und Weihnachtsglück im Angesichte des Feindes ertönen. So war es bereits vor Jahresfrist, und auf manchen unserer Gegner hat damals, was er in der Christnacht von der deutschen Seite hörte und, wenn nicht sah, so doch ahnte, einen tiefen Gindrud gemacht. Ein geradezu ergreifendes Zeugnis hierfür befizen wir in einem Briefe des Kavallerieoffiziers Marcel Dupont, der int„ Correspondant" erschienen und von Eduard Behrens in seinem interessanten Buche " Das friegerische Frankreich "( Rosenlaui- Verlag in München ) mitgeteilt worden ist. Die heilige Nacht ist angebrochen. Die Schüßengrabenwacht der Franzosen hat den Alarm gegeben. Ich springe auf die Erdstufe. Wirklich, an drei verschiedenen Orten, weit weg von uns, scheinen Lichter. Während ich aufmerksam hinsehe, errate ich den Grund dieser ungewöhnlichen Beleuchtung. Es sind enorme Tannen, die man im Schuß der Nacht dorthin geschafft hat Ich sehe nach unserer Seite. Alle Mannschaften find wach dem Jiopren, die aber in ähnlicher Weise wie dieses aufgebaut sein und die wunderbar erleuchter find. Mit dem Feldstecher kann ich und aufgestanden. Alle sind auf die Erdstufe gestiegen, einige haben müssen. Hierher gehört z. B. der Kohlenwasserstoff Butadien. Die sie genau unterscheiden, ich sehe sogar die Schatten, die darum den Graben verlassen und sind auf dem Feld, das Ohr dem uner- Umwandlung derartiger Verbindungen in Kautschut kann durch eintanzen. Ein Murmeln und ferne Freudenrufe dringen bis zu uns. warteten Konzert hingeneigt. Steiner ärgert sich und feiner spottet. faches Erhizen unter Drud mit und ohne Zusatz von anderen Wie das alles gut vorbereitet ist! Sie haben fogar elektrisches Es ist eher ein Gefühl des Bedauerns, das sich im Gesicht und in Stoffen( Hofmann) oder z. B. durch kleine Mengen metallischen Licht in den Zweigen der Weihnachtsbäume, um zu vermeiden, daß der Haltung der mir zunächst stehenden ausdrückt. Und doch wäre Natriums( Harries) erfolgen, doch haben die erhaltenen Produkte je unsere Artillerie sie als bequemen Zielpunkt benitze. Wirklich es so einfach, dieser Szene ein Ende zu machen: eine Salve von nach der Art des Ausgangsmaterials und den Umwandlungs verlöschen auch von Zeit zu Zeit alle Lichter derselben Tanne un dieser Abteilung hier und alles wäre still, alles würde in die Ruhe bedingungen durchaus verschiedene Eigenschaften. vermutet und entzünden sich erst wieder nach einigen Minuten. der anderen Nächte versinken. Aber niemand denkt daran. Nicht Aber wir erzittern, als plöglich über der gewaltigen Ebene ein ein einziger unserer Jäger würde das Feuern auf diese betenden ernster und melodischer Gesang ertönt. Unsere Grinnerung an Soldaten nicht als Entweihung empfinden. Wir fühlen, daß es ähnliche Chöre, die wir in Birschoote in tragischen Momenten ge- Stunden gibt, in denen man vergessen kann, daß man hier ist, um hört haben, sind noch ganz neu. Das sind dieselben reinen und zu töten. Das würde uns nicht verhindern, im nächsten Augenblick harmonischen Stimmen, die jetzt einen Choral fingen und im unsere Pflicht zu tun. Die Stimme entfernt sich; sie nähert sich Norden, vor dem Hurra des Sturmangriffs, in Vaterlandslieder ruhig majestätisch möchte man sagen den Gräben, wo sich ausbrachen. Aber hier fürchten wir nichts dergleichen. Man hat die beiden Linien auf 50 Meter Distanz gegenüber liegen. Wieviel den Eindruck, daß das Gebet nicht nur hier, unserem Graben gegen- ergreifender mag dieses Schauspiel dort unten sein! über, psalmodiert wird, sondern daß es sich unendlich weit über Päng! Ein Schuß ist gefallen. unsere besezten Provinzen ausdehnt, über unsere Champagne, unser Lothringen , unsere Picardie und daß es von der Nordsee bis
Der Schüßengraben hat sich geräuschlos belebt. Die Mann schaften find wortlos aus ihren Deckungen aufgetaucht und jetzt stehen sie alle auf der erhöhten Erdbank. Was für ein Schweigen bei uns, wie jeder verlegen ist, ja fast eifersüchtig auf den Vorgang da drüben! Und jetzt erklingen, wie auf Befehl, auf der Linie der deutschen Schüßengräben neue Chorale, die einander zu antworten scheinen. Ganz nah bei uns, in den Gräben, fern, bei den Weihnachtsbäumen, rechts, links, ertönen Gesänge, durch die Entfernung gedämpft. Wie großartig, ergreifend sind diese Hymnen, deren tiefe Akkorde über die weite Totenebene schweben.... Was wären in anderen Zeiten für derbe Wize, für Anrempelungen den Sängern zuteil geworden! Aber das ist alles anders geworden. Ich fühle bei unseren Braven eine Art Bedauern, daß sie nicht an einem ähnlichen Fest teilnehmen können. Haben wir nicht Weihnachtsabend? Sie sprechen nicht, unsere Mannschaften, aber ihre Gedanken vereinen sich hier über dem Schüßengraben zu einer gemeinsamen Melancholie.... Nach und nach sind die Gesänge verstummt und das lautlose Schweigen sinkt wieder auf die Ebene.
Diese Nacht scheint mir alle möglichen Ueberraschungen bringen zu wollen, doch diese lehte übertrifft alles, was ich erwarten konnte. Ich möchte den ganz ungewöhnlichen Eindruc mitteilen können, den ich empfand, aber man mußte diese Nacht dabei gewesen sein, um ihn nachfühlen zu können. Ueber dieser weiten, stillen Ebene, wo jetzt alles zu schlafen scheint, wo kein anderes Geräusch zu vernehmen ist, ertönen plöblich von weither Laute, welche trotz der Entfernung bis zu uns hinzittern. Welch unvergleichlicher Augenblick! Dieser Gesang, der durch die Unendlich feit der Nacht hinzieht, macht unser Herz flopfen und ergreift uns mehr als das beste, von den berühmtesten Künstlern gegebene Konzert.
Es ist wieder ein unbekannter Choral, der von links, von den entferntesten deutschen Schüßengräben, zu uns dringt. Der Sänger muß auf den Feldern am Ende der Linie stehen; er muß gegen uns zu marschieren, während er langsam die feindlichen Stellungen entlang geht; denn seine Stimme nähert sich unmerflich und wird stärker. Von Zeit zu Zeit hält sie an, und dann antworten Hunderte von Stimmen im Chor einige Säße, welche den Refrain der Hymne bilden. Dann nimmt der Solist seinen Gesang wieder auf und kommt näher. Woher kommt er? Jedenfalls
Die Schicksalsmaus.
Eine Erzählung von Tieren und Menschen. 87] Von Harald Tandrup.
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O, die unvernünftige Kugel, die die Luft zerschnitten und viel leicht ihr Biel erreicht hat! Sofort ist alles verstummt. Kein Schrei, tein Fluch, feine Klage. Jemand da unten glaubte ein gutes Werk zu tun, indem er auf diesen Mann zielte. Wie schade! wir werden nichts dadurch gewinnen, daß wir sie verhindert haben, Weihnachten auf ihre Art zu feiern, und es wäre edler gewesen, unsere Schüsse zu sparen."
Kleines Feuilleton.
Duftende Zweige...
Sieh, nun duftet es wieder nach grünen Zweigen aus dem harzigen Nadelwald.
and fo mannigfalt
wollen uns wieder die Wünsche empor aus dem Herzen Iteigen.
Sanken wohl taufend und taufendmal vernichtet zufammen;
leben, leben doch und recken fich hoch, Streben nach oben in ewig unlöfchbaren flammen.
Streben fehnlüchtig hinaus in die ungeborene ferne nach dem Erlöfergeficht.
Schauen das ftrablende Licht:
Ueber den Hütten der Arbeit die friedlichen Sterne.
Hch, nicht der Tod, der bleiche, blinde Vernichter wird fie uns zünden.
Cief aus den Gründen
Ichaffenden Dafeins Iteigt das Deer der fröhlichen Lichter! Duftende Zweige... Wie leile fingen die Kinder... Die Väter sterben. Sie aber erben
heiliges Wollen fieggläubiger Ueberwinder.
Ernft Preczang.
das ehrwürdige Haupt, nahm das Dfenrohr unter den Arm und ging zur Tür.
,, Sie sind ein komischer Mensch, Christensen," sagte Lars Larsen bewundernd ,,, aber Sie haben ein gutes Werk getan. Sie verdienten-."
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,, Ich begehre weder Dant noch Lohn", unterbrach ihn der „ Die Polizei sagt es. Ich dachte, sie sollten ihn laufen Philosoph. Ich habe einen psychologischen Versuch angestellt, lassen, wenn er das Geld zurückbezahlen würde; aber sie sind der mich interessiert hat er ist geglüdt; eine größere Freude so wütend auf ihn, daß sie ihn um feinen Preis loslassen fönnen weder Sie noch andere mir bereiten!" wollen. Sie sagen, er halte sie zum Narren; selbst dem Richter Der Weihnachts abend.
zugetraut?"
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Um die so erhaltenen Ergebnisse praktisch verwendbar zu machen, galt es vor allem das Jiopren in größeren Mengen herzustellen. Das war eine äußerst schwierige Aufgabe, die erst nach mehrjähriger Arbeit gelöst werden konnte. Als Ausgangs punkt wurde die Steinkohle erwählt und von 50 Wegen, die ursprünglich als möglich erschienen, erwies sich nur einer als gangs bar. Doch gelang es im März 1909 Hofmann und Coutelle, zum erstenmal einige Liter reinen fynthetischen Jioprens darzustellen. Nicht minder schwierig war es, das flüssige Jiopren in den zähen, nervigen Kautschut überzuführen. Im August 1909 hatte Hofmann auch dieses Ziel erreicht der erste synthetische Kautschut war gewonnen. Doch warnte Hofmann selbst noch im Jahre 1912 bor Ueberichäzung dieser Ergebnisse in praktischer Beziehung. Die eigentlichen Schwierig feiten fingen nämlich nun erst an. Die Ausbeute von reinem Jiopren ist nach dem gewonnenen Verfahren so gering, daß die Beseitigung oder Verwertung der dabei in ungeheueren Mengen auftretenden Nebenprodukte in technischer und wirtschaftlicher Bea ziehung ein noch schwierigeres Problem darstellt als die Synthese des Kautschuks selbst. Viel optimistischer als der vor. fichtige Deutsche trat Professor Berfin in England mit seinem neuen Verfahren auf. Professor Perkin ging von der Stärfe aus, aus der er nach dem Verfahren von Professor Fernbach vom Institute Pasteur in Paris die aus Rohmaterial für Kautschuf erforderlichen Koblenwasserstoffe gewinnen sollte. Es wurde alsbald eine Gesellschaft mit 10 Millionen Aktienkapital gegründet, in deren Vorstand u. a. auch Sir William Ramiah eintrat; aber das mit so viel Hoffnungen begründete Unternehmen hat nichts wieder von sich hören laffen. Es hat auch wenig Aussicht. Von der Stärke ist nämlich nach dem Pertinichen Verfahren nur 1 Proz, Ausbeute zu gewinnen, während volle 99 Proz. in Nebenprodukte übergehen. Zur Ges winnung einer dem Weltverbrauche entsprechenden Menge synthetischen Kautschuks müßten daher geradezu ungeheure Flächen mit Kartoffeln
bebaut werden.
Was den Fortschritt des Problems der Gewinnung des fünstlichen Kautschuts hemmte, war besonders die Frage der Rentabilität. Jm Frühjahr 1910 standen die Kautschufpreise auf 28 M. per Kilogramm, im Jahre 1912 nur noch auf etwa 10 M. Da war es denn freilich sehr zweifelhaft, ob die Herstellung fünstlichen Kautschuts sich überhaupt je bezahlt machen könne. Dazu fam, daß die Kautschukindustrie, in der natürlich Millionen angelegt find, die Aussicht, daß eines Tages etwa ein künstlicher Kautschut zu sehr geringem Preise auf den Markt geworfen werden könnte, natürlich nicht mit freundlichen Augen betrachtete. Nun ist die Lage durch den Weltkrieg so ganz verändert worden. Gummi ist für uns von höchstem Werte geworden, und die deutsche Gummis industrie bat gegenwärtig alle Ursache, die Herstellung des künst lichen Kautschuks zu befördern. Aber nicht nur für den Krieg ist es ein großer, vielversprechender Erfolg, der jegt erzielt worden ist; beläuft sich doch in Friedenszeiten der jährliche Verbrauch an Kautschukwaren auf mehr als drei Milliarden Mart, und so ist das Kautschulproblem, was den Geldwert anbetrifft, das weitaus größte, das die chemisch- technische Welt je beschäftigt hat.
Unsern Herrgott erzürnt das nicht, denn er hat gesunde Freude lieber als trante Anbetung. Und so beschloß er auch diesmal, auf seine Weise zum Schmuck des Tages beizutragen.
Am Vormittag war der Himmel flar gewesen; aber mittags schien es, als würde eine leichte Flordecke darüber gezogen. Diese verdichtete sich mit der Zeit immer mehr, und gegen Abend begann es zu schneien.
Die Stadt hatte am Morgen fohlschwarz ausgesehen, weil der Himmel leuchtend grauweiß gewesen war. Jetzt
gegenüber soll er so Komödie spielen, daß die Zeugen ganz Nach einer endlos langen Nacht wurde es Morgen. Un- wechselten sie die Farben, und als die Leute Licht machten, entsetzt sind. Wer hätte dem anständigen Andersen so etwas ählige Kinder erwachten, je nachdem der Tag über den Erd - war der Himmel schwarz und die Stadt weiß. - " Ich glaube trotzdem, es geschieht dem armen Burschen ball herauftrabbelte alle mit demselben Gedanken: Heute Rand der rußigen Schornsteine. Wenn man in die graue Luft Der Schnee legte sich auf die roten Dächer und auf den hinaufsah, schaute man in lauter Flocken, die unaufhörlich wie Lärm flang ferner, als seien die Gassen mit Filz belegt. Flaumfedern herabwirbelten. Sie dämpften das emsige Leben in den Straßen. Der
„ Es heißt, er habe den Assessor zum besten. Er will nichts gestehen, sagen sie, geschweige denn verraten, wo das Geld ist."
unrecht," sagte Christensen; aber er ist ja nicht der erste, der Es wurde wie immer ein Tag voller Arbeit und ErJuristen sind wie die Dachse, die nicht zu beißen aufhören, daheim getan werden mußte- Dinge, die seit Tagen hätten unschuldig in die Stampfmaschine des Gesetzes gerät. Die wartung, der alles mögliche brachte, was im Geschäft und ehe sie merken, daß die Knochen krachen. Darum gibt es erledigt sein sollen, aber nicht ausgeführt worden waren, weil durchtriebene Kerle, denen, bildlich gesprochen, das Herz in diese fieberhafte Geschäftigkeit im legten Augenblick unbedingt Wohl hatte die Sonne längst das Spiel aufgegeben, aber die Schuhe fällt, wenn sie aufs Gericht sollen- Andersen hingegen wandert treuherzig in den offenen Rachen des Raub- zu Weihnachten gehört. Denn der Weihnachtsabend ist immer trotzdem wollte die Dunkelheit nicht kommen. Das bißchen Licht, das noch in der Luft lag, irrte ruhelos im Raum umtiers und wird gefressen, wenn es dem lieben Gott nicht ein- da, ehe man sich's versieht. Die ganze Stadt roch nach Braten und Badwert. Alle her wo es hinkam, stieß es auf weiße Flächen, die es nicht zugreifen behagt." Menschen trugen Patete; es war eine große Geheimnis- aufnehmen wollten. främerei unter den Leuten, und hinter verschlossenen Türen Und gerade heute sehnten sich doch alle danach, daß es gingen die merkwürdigsten Dinge vor. Der Wald hatte die dunkel wurde. Die Kinder versicherten, sie tönnten feine Hand Stadt erobert wie in jener alten Sage; sämtliche Häuser mehr vor den Augen sehen, es müsse Licht angezündet werden. „ Der Assessor weiß ihn wohl nicht recht zu behandeln," dufteten wie Fichtenpflanzungen nach einem Regen. Der Weihnachtsbaum wartete ja. erwiderte Christensen, die Polizei ist gewohnt, mit Typen Weihnachten ist Jesu Geburtstag und wird von den zu arbeiten. Sie fennt den verstockten Gauner, der prin- Menschen auf die bequeme Weise gefeiert, daß sie sich gegenChristensen hatte es in seiner Mansarde mit dem Anzünden zipiell leugnet, die Spitzbuben, die an den Paragraphen feitig beschenken. Das Fest der Erinnerung an den, der nichts nicht so eilig. Er stand am Fenster und schaute über die herumschnüffeln, wie alte Ratten an einer Falle, den arm- hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, ist zum Familienfest Nachbardächer hin. seligen Wicht, der Gewissensbisse hat wie andere Magen- geworden. An diesem Abend sind wir eifrig bestrebt, uns Hier und dort wurden die ärmlichen Lampen anderer schmerzen, den Großsprecher, der mit seiner Geschicklichkeit gegenseitig Freude zu bereiten, aber wir denken vielleicht zu Mansardenwohnungen angezündet. Sie leuchteten gelb hinter prahlt. Ja, die fennt sie alle in- und auswendig. Aber wenig an das Geburtstagsfind. fadenscheinigen Laken, die vor die Fenster gehängt waren- Andersen ist ein schlichter, braver Mensch, und darauf versteht Wenn man sich's recht überlegt, hat Weihnachten eigent- weiter weg, viele Straßen von dem Haus des Philosophen sie sich nicht." lich etwas Wehmütiges durch den Unterschied zwischen unserer entfernt, erblickte man Fenster mit blendendem elektrischen Licht, " So müssen wir eben abwarten, wie es wird," meinte geräuschvollen Weihnachtsfreude und dem einsamen Stern hoch die vor Festlichkeit strahlten. Lars Larsen, es heißt doch, das Recht behalte zulegt stets broben am Nachthimmel, der in der heiligen Nacht den Weg Auf einmal begannen die Glocken zu läuten. den Sieg. Man muß nur Ausdauer haben." zur Strippe wotes. Aber am Weihnachtsabend müssen sich Christensen öffnete das Fenster und lauschte, Durch die Merten Sie sich das ja, Lars Larsen. Suchen Sie an alle ernſten Gedanken fernhalten, denn wir sind Kinder, und schwere Schneeluft wurden die Töne zur Erde zurückgeworfen, dem Guten festzuhalten, das in Ihnen erwacht ist. Freuen dieser Abend ist der Kindlichkeit geweiht. Es geht wie bei als sei der Himmel ein Holzdeckel. Die Luft zitterte von Sie sich des Lebens, gebrauchen Sie Ihr Geld mit Vernunft den Begräbnissen, wo der große Leichenschmaus keinen Ge- den Schallwellen, aus weiter Ferne antworteten andere und halten sie sich bereit, Andersen Genugtuung zu geben, danken an den Kummer aufkommen läßt- aus Freude Kirchtürme; brummende Erzbässe mischten sich mit feinen wenn es sich zeigt, daß er unschuldig ist."- über die vielen fleinen Lichter am Baum vergessen wir das Messingdiskanten.
Bei diesen Worten sette Christensen seinen hohen Hut auf große Licht.
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( Forts. folgt.)