Nr. 93.- 1916.

Unterhaltungsblatt des Vorwärts Mittwed, 10. April.

Die Lebenswinde.

Der Gaul, der ein hochbepacktes Wägelchen müde und langsam fchleppte, fab aus, als ob man ihn einst beim Uebergang zum Auto­betrieb in einen Winkel gestellt und dort vergessen hätte, bis man, im Striegsmangel an Autos, ihn nebst dem alten Wagen wieder entdeckt und hervorgeholt. Sein Fell war struppig und glanzlos, seine Augen suchten traurig umber; nur das Gerippe war noch aus gezeichnet erhalten, das konnte man allzu deutlich sehen. Aber die Beine schienen sich bei jedem Schritt tastend zu überlegen, ob die Pflastersteine nicht eigentlich ein gefährlich tiefes Wasser seien, vor dem man sich hüten müsse. Es traf sich gut, duß die gepflasterte Straße aufhörte und in eine asphaltierte einmündete, deren glatte Fläche durch den kalt rieselnden Regen schlüpfrig geworden war. Das ist eine schöne Ge­legenheit, dachte der Gaul, Ruhe zu bekommen; niemand wird unter so glaublichen und offenkundigen Umständen eine Arglist dahinter vers muten. Und der alte Gaul legte sich blizschnell, nachdem er ein wenig mit den Hufen vorwärts geglitten, um den Anstand zu wahren, auf den Boden nieder, fest entschlossen, durch keine Macht der Erde sich zum Aufstehen zwingen zu lassen. Er lag wie tot, nur das schwere ängstliche Atmen und die traurigen schwarzen Augen verrieten, daß noch Leben in ihm war. Ein paar Peitschen hiebe sausten herab, das Tier zuckte zufammen, wieberte leise, daß es faft wie ein Seufzen klang, regte sich aber sonst nicht. Es hatte bald ein großes Publikum um sich versammelt. Die meisten tausch ten ihre Meinungen über die Ursachen des Falles aus und über den Schaden, den der Gaul sich getan haben mochte. Einige versuchten aber zu helfen, fie rissen werktätig und eifrig das Pferd an den Zügeln, brachten auch den Kopf ein wenig empor, der jedoch sofort wieder auf die Straße zurückfiel, wenn sie losließen.

Nun stieg der Fuhrmann, ein ruhiger, erfahrener grauhaariger Mann, herunter, schirrte das Tier aus und legte ihm eine Decke unter die Füße, daß es nicht hinglitt beim Aufrichten. Er sprach dem Pferde freundlich aufmunternd zu, streichelte es, und zog mit Macht. Nach einigen vergeblichen Verfuchen, den schweren Körper auf die Beine zu bringen, gab er die Arbeit auf, bei der das Pferd selbst seinerseits jede Mitwirkung verweigerte.

Das Publikum war sich jetzt einig, daß der Gaul am Stre­daß der Gaul pieren sei. In diesem Augenblick schritt ein Schuhmann gebietend durch die Neihen. Die Welt begehrt und braucht Taten, worunter man zumeist Fäuste versteht, und auch ein gestürztes Pferd ist ein Teil dieser Welt und muß danach behandelt werden. Also packte er das Tier mit gewaltigen Fäusten an, hob es auch richtig ein Stüd empor. Der Gaul aber war nicht gesonnen, sich durch die bewaffnete Macht von seinem zwar feuchten und harten, aber immerhin wagerechten Lager drängen zu lassen, und mit dem Auf­wand letzter Kraft stieß er die Hufe so heftig in den Bauch des Schußmannes, daß er taumelte, bewußtlos niederbrach und in dem legten Auto, das einsam auf dem nahen Rathausplaz barrte, in die Alinit verbracht werden mußte. Darauf wich das Publikum ein wenig in respektvolle Entfernung zurüd. Der Kutscher aber bat einen Stollegen, nach der Feuerwehr zu telephonieren. Denn nun war das Tier zweifellos ein gemeingefährliches Verkehrshindernis. Nach einer Weile kam ein bligblantes Laftauto der Feuerwehr. Sechs beherzte, behelmte Männer stiegen herunter und schleppten an den Ort der Tat ein merkwürdiges Gerüst, das aus drei in spizem Winkel zulaufenden Stahlröhren bestand. Sie stellten es über dem reglos liegenden Pferde auf. Im Winkel oben befand sich eine Winde. Die Männer nahmen einen breiten und festen Gurt, schoben ihn unter den Leib des Tieres, büllten es ringsum ein und schnürten den Panzer fest zu. In ihm aber befand sich eine Dese, in die ein Haken griff. Es war die Straßenimprovisation eines Hebewerts. Hierauf zogen drei Männer an dem über die Rolle laufenden Seil-ächzend, sich gegenseitig ermunternd, nicht ohne Atempausen und Gedankenaustausch, langsam, sicher, unwider­stehlich.

witz der Menschen. Die Hufe standen nicht auf dem Asphalt, ratur. Als deren Erstling darf man die 1859 erschienenen aus­sie hingen nur schlaff pendelnd, und sobald das Seil bersuchs- gewählten Dichtungen Schinassi Effendis bezeichnen. Der alten türkischen Literatur, die in einer überschweng­halber gelockert wurde, janten die Beine alsbald wieder in flassischen sich zusammen. Niemand soll den Gaul zwingen, so dachte er, zu lichen, schwülstigen, mit arabischen und persischen Fremd­geschrieben und daher stehen und weiter die schwere Last über die schlüpfrige Straße zu wörtern start durchsetzten Sprache zichen! dem Volke gänzlich unverständlich geblieben war, wurde damit Die sechs Feuerwehrleute famen endlich nach gründlicher Be- das Todesurteil gesprochen. Denn Echinafsi Effendi, der den alten ratung zu dem übereinstimmenden Beschluß, daß dem Tiere nicht Verstand Asiens mit dem jungfräulichen Geiste Europas vermählte", mehr zu helfen sei und dem Fuhrmann auch nicht. Mit vieler verpflanzte in sie westlichen, d. h. zunächst französischen, Geist. Der Mühe wurde hiernach der Pferdeförper in das Auto neben dem bedeutendste Schüler Schinassis war der geniale Dichter Kemal Bey, stählernen Gerüst verladen. In den Augen des Gaules leuchtete es der die neue Literaturform mit den Verhältnissen der neuen Zeit in wie geheimer Triumph; er hatte seinen Willen durchgesetzt, dafür Einklang brachte. Er gilt bei den Türken als der erste Dichter der wurde er jetzt selber bequem gefahren. Er verstand offenbar die Freiheit. Auf die Lyrik wandte die neuen Grundsäße, zugleich aber Sprache des Menschen nicht, der unter dem Gelächter der Menge auch die westeuropäischen Versformen zuerst der noch lebende Abdul rief: Morgen gibt es billiges Fleisch! Ein anderer aber bemerkte, Hatt Hamid an, von dessen Kunst als Probe eine Stelle aus halb mitleidig, halb gehässig, jedenfalls den ganzen Vorgang end einem Corneilles Cid" nachgebildeten Drama Rastera" wieder­gültig und bestimmt abschließend: Die Sache ist, daß das Tier kein gegeben sei. Fressen in den Därmen hat!

Da spricht der an der Spitze seiner Truppen siegreich heim Das Feuerwehrauto flingelte davon. Das Publikum verlief sich. fehrende Brinz Chosrew, das Lob bescheiden abwehrend: Ich habe mir aber folgten die Augen des Pferdes den ganzen Tag, die meinem Volke keinen Dienst geleistet. Das Heer hat mich geführt. ſtarren Augen, die sich über die tückischen Maschinen der Menschen Chosrew ist kein Held, er ist ein Stlave seines Heeres. Die Krieger Was man vom einzelnen erwartet, ist entsegten, über die Maschinen, die jeden Willen zur Ruhe brechen. haben den Sieg errungen. Erst die Allgemeinheit führt den einzelnen zur und es war mir, als ob ich selber wie alle anderen insgeheim in der gute Wille. solche Gurte eingeschnürt sei, an denen man uns emporwindet, wenn Tat. Heil dem Heere! Das Heer allein leistet wahre Dienste, wir uns friedlich ausruhen möchten, diese Lebenswinde der gesell- rettet das Baterland. Ich bin nur sein Führer. Das Heer hat Es leistet alle Arbeit. Es tötet und läßt schaftlichen Organisation und der über uns gewachsenen Technik, die Mut und Tapferkeit. stärker sind und zwingender als unsere jämmerlichste Müdigkeit und leben. Wer nicht Krieger ist, ist nur leere Waffe. Zerstörungs­unser sehnsüchtigstes Ruhebedürfnis. Wir müssen uns emporwinden fraft, Gestaltungskraft, der Schutz des Waterlandes, Ghafi- und lassen und wieder stehen, oder Schehidtum sind Sache der Krieger. Weil es Feinde gibt, gibt es Krieger. Das Heer ist nötig in Krieg und Frieden. Ich liebe das Heer und nicht den Krieg. Ich liebe den Krieger um des Friedens willen. Bölfer, Regierungen, Länder, Untertanen, Religionen be­stehen nur durch das Heer. Es zieht in den Krieg, um drohendes Unheil abzuwenden, behütet Frieden und Wohlstand. Der Krieger läßt den Ruhm des Vaterlandes erglänzen und opfert dafür seine Seele. Der einzelne, mag er noch so tüchtig sein, zählt nicht. Meine ganze Liebe gehört jetzt dem Heere..."

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Kleines Feuilleton.

Das dritte Weingartner- Konzert.

K. E.

Wie zubor, war auch am Montag, trop der Sonntags vorauf­gegangenen Hauptprobe, der große Saal der Philharmonie Platz für Blaz beiegt. Kein Zweifel: Weingartner hat seine treue, zusehends anschwellende Gemeinde. Es ist wie ein neues Aufleben und inten­fives Erleben ungewohnter, wenigstens doch lange Zeit nicht wieder in solcher Stärke gewonnener Musilwirkungen um ihr her. Und dessen vermag sich niemand zu entziehen. Was an Klängen und Tonfarben sowohl den vorgetragenen Werfen als dem Instrumentalförper des Philharmonischen Orchesters innewohnt, weiß Felix Weingartner hervorzulocken. Das war diesmal so bei Johannes Brahms pracht voller D- Dur- Sinfonie und in noch höherem Maße bei Beethovens Leonoren- Ouvertüre Nr. 3 und seiner Sinfonie in A- Dur Nr. 7. Wem wird die Duvertüre und mag man sie noch so oft hören sich nicht siets wieder als einzig geartetes Wunderwert offenbaren? Oder wem wird dabei Beethovens einzige Oper selbst nicht als ein Symbol der Menschenliebe und Menschheitsbefreiung wieder vor die Seele treten? Das Trompetenfignal hinter der Szene lündigt ja die nahende Rettung an. Und dann bricht in den Geigen wie allen übrigen Streich- und Blasinstrumenten ein himmel­stürmender Jubel aus. Freude und Frobeit von anderer, persön licher Art ist in die A- Dur- Sinfonie gebannt. Selten wird sie wohl hier so herrlich zum Erflingen gekommen sein, als unter Weingartners Händen. Für Beethoven zeugt er mit besonderer Inbrunst und Berehrung. Das Motivische, die unzähligen Schönheiten, die darein gewoben sind, die titanische Wucht, im Schlußstück zumal: alles steigt da empor in vollkommenster Plastik und Klarbeit.

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Weingartner lebt wirklich, wie in Beethoven , so in allen Ton­schöpfungen, die er dirigiert. Alles dirigiert er ohne Partitur. Eigentlich sah ich ihn nie anders; und das ist doch schon an die zwanzig Jahre. Aber so wuchs er in die jeweiligen Werke mit allen Sträften hinein; und so nur gelang es ihm auch, ihr inneres Wesen dem Hörer zu Herzen zu führen.

Als die größten Dichter der Dsmanen in neuester Zeit sind der fürzlich als noch nicht Fünfzigjähriger verstorbene Tewfit Fikret und Nehmed Emin zu bezeichnen, die beide ihre Stoffe größtenteils aus dem Leben des fleinen Mannes schöpfen. Dem Begründer der nationalistischen Bewegung in der Türkei Sia Gok Alp verdankt die moderne türkische Literatur eine lange nationale Dichtung disil Elma"( Der rote Apfel), in der sich das folgende schöne Frühlings­gedicht findet:

Frühling war ins Land gezogen, Hatte seine Blumenwogen, Die dem Paradies entsproffen, Ueber Berg und Tal gegossen. Mit der jungen Sonnenwende Bog der Friede durchs Gelände, Stiller Wehmut Feierzug. Wohlig süße Düfte trug Leises Wehen durch das Tal. sisin Jugend, Farbe, Leben blühte. Schluchzend schlug die Nachtigall, Und mit trunkenem Gemüte

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Jubelte das frohe All.

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Dieses Glückes Biderhalsigo Klang bis in das letzte Herz,

Ließ es schlagen himmelwärts. Liebesrätsel tourden klar,

Lebensrätsel offenbar."

Bon deutscher Kultur besonders beeinflußt und als Vermittler Goethefcher Dichtung tätig war Hassan Fehmi, der als Kriegsdichter start hervorgetreten ist; sein Tod wurde vor kurzem gemeldet. loge

Notizen.

Vorläufig war dies das letzte Konzert. Im Herbst werden wir Weingartner abermals des öfteren am Dirigentenpult begegnen. Die Augen des überraschten Pferdes gingen von ängstlicher Bei seiner noblen Stünstlerschaft und Denkungsweise steht nicht zu Trauer in ſtarres Entiegen über. Das war gänzlich unerwartet. befürchten, daß er der Berliner Geſellſchaft irgendwelche Konzeffionen 21 Die werktätige Erziehung. Der Deutiche Verein Was für Teufel diese Menschen sind, was sie sich für Maschinen machen werde, die mit der Musikfultur unvereinbar sind. ausdenken, die über alle Pferdekräfte und Pferdelisten gehen, und selbst die passive Resistenz eines verdientermaßen bedürftigen und entschlossen rubebedürftigen Rosses brechen!

ruhe­

Es half nichts mehr. Das arme Tier wurde höher und höher gehoben, als sollte es in den Himmel schweben, Leib und Seele ge­meinsam. Schon baumelte es senkrecht zum Boden, so hoch, daß feine Hufe die Straße hätten berühren können, es brauchte nur die Beine zu strammen. Aber da erwies sich die Intelligenz eines abgeradkerten Tieres stärker als der höllische Maschinens

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Endrik Kraupatis.

Eine litauische Geschichte von Ernst Wichert .

Du bist eine Here," sagte er. Bei Mondschein könnte

man sich vor Dir grauen."

"

Aber noch ist die Sonne nicht unter," antwortete sie,

und fügte ihrem Liede sogleich den Vers ein:

Bange dauert's, lange,

Bis untergeht die Sonne, Bis mein Schatz kommt.

Biel zu früh, viel zu früh Wird sie wieder aufgehn, Wenn er scheidet."

" Baß den Baum los!" befahl er.

Weil ich nun von Deinen Torheiten genug habe."

Weshalb?"

" 1

"

"

Sage mir erst, wie ich Dir gefalle."

" Bum Teufel, gar zu gut."

Dichterfrühling in der Türkei .

ek.

"

für Knabenhandarbeit und Werfunterricht, der in Berlin tagte, nahm folgende Kundgebung an: Die Erfahrungen des Krieges bestätigen die Berechtigung der Ein knappes, abgerundetes Bild der neuesten türkischen Literatur seit Jahren aufgestellten Forderung der werftätigen Erziehung unserer im Dsmanenreiche vermittelt das jüngste Heft der Desterreichischen| Jugend. Die nach dem Kriege für unser Bolt noch steigenden An­Rundschau", das in seinem ganzen Umfange diesem Thema gewidmet ſprüche an seine wirtschaftliche und militärische Wehrkraft machen die ist. Prof. von Kraeliz- Greifenhorst leitet die ins Deutsche über- pflichtgemäße Pflege der Werftätigkeit als Grundlage jeder Erziehung tragenen Beiträge ein mit einer Uebersicht über den Entwicklungs- zu einer unabweisbaren Forderung für alle Unterrichts- und Er gang und den augenblicklichen Stand der modernen türkischen Lites ziehungsanstalten."

Sie schnallte den Kehlriemen auf und zog dem Gaul das Baumzeug über die Ohren. Es ist Sonntag. Laß ihn ein Weilchen grasen."

" Ich muß nach der Stadt." Ach! Es hat Zeit." Here" la

" Wollen wir tanzen? Im Scheunenraum ist die Tenne noch ziemlich glatt."

Sie faßte seine Hand und zog ihn lachend ins Haus. Die Tür wurde von innen zugeklinkt.

Der Gaul grafte vergnüglich bis in die Nacht hinein. Erst als der Morgen heraufdämmerte, ritt Endrit Kraupat auf der Landstraße weiter. Er hatte den Rockfragen aufgeschlagen und den Schirm der Müge herabgezogen. Mit frummem Rücken saß er im Sattel, beide Hände auf den Knopf geftüßt. Das Pferd mochte gehen, wie es wollte.

*

Er blieb ein paar Tage in der Stadt. Bei der Agentur fagte man ihm, es müsse erst an die Generalagentur berichtet Schichst Du mich zum Teufel, so mußt Du mitkommen." werden. Er wollte die Antwort abwarten: dann dauerte es Ich will nicht."

Es hift Dir nichts, Endrik."

sch will nicht," wiederholte er heftig, sprang ab und suchte den Zügel zu haschen.

Ich habe Dir den Haftbefehl vorgelesen," entgegnete der Gendarm.

,, Aber es ist alles gelogen. Ich soll das Feuer angelegt haben ich soll einen falschen Eid geleistet haben-?" ,, Es wird sich finden. Mache keinen Lärm!"

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Das Fenster wurde aufgerissen. Frau Berta Kraupat lehnte sich hinaus und streckte mit einer haftigen Bewegung die Hand vor, als ob sie den Gendarm zurückhalten wollte; die Augen waren weit geöffnet und stier, der Mund verzogen, wie wenn eine furchtbare Angst sie peinigte. Was tun Sie, Herr Krause?" rief sie hinab. Er ist unschuldig." Ensikat blickte zu ihr auf. Unschuldig?" Unschuldig, so wahr Gott lebt!"

"

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Der Gendarm blieb bei seinem Es wird sich ja finden". Um aber der Müllerin eine Höflichkeit zu erweisen, setzte er hinzu: Ich habe meine Order und führe sie pünktlich aus; das weitere geht mich nichts an."

Aber es ist nichtswürdig," schrie sie mit aller Kraft ihrer Lunge, einen unschuldigen Menschen ins Gefängnis zu schleppen! it denn keine Gerechtigkeit mehr auf Erden? Jit denn die Justiz stocblind? Laßt es nicht zu, ihr Leute er ist unschuldig!"

ihm doch zu lange. Er fehrte nach Kraupatischfen zurück, ließ fich von Szamaitat noch ein Schreiben an die Direktion der Der Gendarm drohte zum Fenster hinauf. Macht das Gesellschaft aufsetzen, in dem er sie für jede Verzögerung des Volk nicht aufrührerisch, Frau, sonst könnt's Euch selbst schlecht Banes verantwortlich machte, ritt wieder fort, um es selbst bekommen. Was lärmt Ihr soviel um den? Ob er schuldig Aber lsze war geschwinder. Sie warf den Riemen über dem Agenten abzugeben, konnte am Hirtenhause nicht vor- oder unschuldig ist, weiß noch kein Mensch; das Gericht wird den Pferdehals, griff in die Kammbaare und schwang sich über und fämpfte diesmal sehr schnell alle Gewissensbedenken sprechen. Ihr solltet aber nicht vergessen, daß Euer eigener behend auf der anderen Seite auf. Sie ritt wie ein Junge, nieder. Seine Frau hatte ihn wieder, noch dazu in Gegen- Mann unschuldig eine schwere Strafe verbüßt hat. Es ge­und es genierte sie gar nicht, daß die Röcke hoch über die wart seiner Mutter, verächtlich behandelt. Sie soll wenig- schieht denen, die ihn dazu gebracht haben, ganz recht, wenn sie Waden aufgezogen wurden. Mit juchzenden Lauten feuerte stens Grund zu ihrer Feindschaft haben, wenn sie's durchaus ins Gebet genommen werden." Er sagte das offenbar zugleich zur Beruhigung der um­sie den Gaul an, bis er im schnellsten Lauf mit ihr über die so will," redete er sich zu. Heide jagte, in großen Sprüngen über die Steine und Heide- Als er drei Tage später wieder ins Dorf zurückam, sah stehenden Leute. Die Frau aber schlug die Hände über dem Frautkampen hinweg. Sie ritt dreimal um das Haus und er vor der Mühle ein Fuhrwert stehen. Ein Knecht jaß auf Stopf zusammen und lamentierte:" Gott , mein Gott, verlaẞ sprang dann am Giebel vor der Tür ab. Nun mußte er dem vorderen Size und hielt die Leine in der Hand. An der den armen Menschen nicht! Was legit Du mir auf! Mein wohl folgen. Ecke des Hauses hatten sich viele Leute aufgestellt, die neu- Mund ist geschlossen. Hilf, Gott !" gierig nach dem kleinen Anbau ausschauten, dessen Tür offen Sie ist verrückt geworden," murmelte man unter den Wild oder gar nicht," antwortete fie; im Schritt mag stand. Straupat glaubte, innen den grünen Rock des Gen- Zuschauern. Daß der Mann ihr untreu geworden ist, hat ich nicht einmal gern gehen." darmen zu bemerken, auch dessen Säbel klappern zu hören. fie um den Verstand gebracht. Ganz gesund war sie schon Wo hast Du's gelernt?" Nun erkannte er auch seine Stimme: Spute Dich. Es hilft immer nicht." nichts, Du mußt mit." Gleich darauf wurde der alte Ensikat sichtbar. Krause hatte ihm die Hand auf die Schulter gelegt und schob ihn vor sich her die Tür hinaus dem Fuhrwert zu. sch kann allein gehen, Herr Gendarm," sagte der Alte ,,, und ich fürchte mich vor dem Gericht nicht. Was will man von mir?"

Du reitest wild," bemerkte er.

Ah- Bei meinem Vater und Bruder an der Grenze. Ich bin oft mit den Schmugglern geritten. Mein Vater ist von den Russen erschossen, meinem Bruder haben sie eine Kugel ins Bein gegeben, daß er lahmt."

Ist er noch Wirt?"

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Nein er hat seinen Hof vertrunken."

Indessen stieg Ensifat mit Hilfe des Beamten auf den Wagen. Von dort fiel sein Blick auf den Müller, der an den nächsten Baum gelehnt stand, als ob er sich stützen müsse. Das hast Du mir eingebrockt," frächzte er mit heiserer Stimme ,,, Du Du! Aber ich sage, Du lügst Du hast meineidige Zeugen gehabt- Du-" ( Forts. folgt.)