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Ur. 73.

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Vorwärts

Berliner Volksblatt.

17. Jahrg.

Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonels zeile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins­und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg.

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Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Kernsprecher: mt I, Mr. 1508. Telegramm Adresse: Socialdemokrat Berlin"

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2.

Bezugs- Einladung.

mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden

und der Sonntags- Beilage

Unterhaltungsblatt

Die Neue Welt".

Mittwoch, den 28. März 1900.

auf

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

überwachte

in

um den jungen und alten Arbeitern Zeit zur inneren Selbst- jugendlichen Gefangenen darunter leiden! Deshalb muß es besinnung, zur Fortbildung, zur Pflege des Familienlebens sich in der Hauptsache um die Erziehung" handeln. Nicht zu schaffen, furz, man unterstütze die Arbeiter- darauf darf es ankommen, den jugendlichen Straffälligen eine schaft in ihrem Bestreben auf Beseitigung fühlbare Lehre zu erteilen, sondern darum handelt es sich, Mit dem 1. April eröffnen wir ein neues Abonnement auf den des auf thr lastenden Drucks, auf Empor- ihn wieder zu einem brauchbaren Mitglied der menschlichen Vorwärts" entwicklung zu menschenwürdigem Dasein. Gesellschaft zu machen. In der Mehrzahl der Fälle wird Die Verwahrlosung der Jugend hängt auf das engste mit dies schon erreicht werden, sobald das betreffende Kind nur der socialen Frage zusammen, und wenn man deren Lösung in reine Verhältnisse gebracht wird, die ihm nicht wie feine auf diese Weise am wirksamsten vorarbeitet, wird man auch frühere Umgebung die Neigung zum Unrechtthun gleichsam der Verelendung der Jugend erfolgreich entgegenwirken. dem Präsentierbrett entgegentragen. Jedenfalls staatlich Damit sollen nun freilich keineswegs brauchbare positive hat die Erziehung weder und direkte Maßnahmen zur Besserung der gefallenen und einer rauhen und harten Behandlung, noch in ein­gefährdeten Jugend als überflüssig gekennzeichnet werden. feitiger religiöser Beeinflussung der ihr anvertrauten Jugend Im Unterhaltungsblatt bringen wir Leo Tolstoje neuen Der Staat hat sehr wohl die Mittel in der Hand, der sitt das Heil zu erblicken. Hart und rauh sind die straffälligen lichen Verwahrlosung der Kinder sowohl vorzubeugen, wie Kinder meistens schon genügend vom Schicksal mitgenommen hemmend in den Weg zu treten, ganz abgesehen davon, daß worden, was ihnen aber gerade gefehlt hat, das war warme er auch in oben stigzierter mittelbarer Weise wesentlich mitzu- herzliche Liebe, Milde, Freundlichkeit; diese werden wie Sonnen­Landrecht das Recht des Staats, den Eltern unter Umständen die Mit größter Gewissenhaftigkeit hat ferner der Staat gegen helfen verpflichtet ist. Preußen kennt seit dem Allgemeinen strahlen das verstockte und vereiste Kindergemüth auftauen. Erziehungsgewalt über ihre Kinder abzunehmen. Ebenso kann über derartigen ihm völlig überantworteten Kindern religiöse nach dem Reichsstrafgesetzbuch(§§ 55 u. 56) Ueberweisung eines Toleranz und Parität zu pflegen.

Roman

Auferstehung."

Für Berlin nehmen fämtliche Zeitungsspediteure sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum

monatlichen Preise von

1 Mark 10 Pfennig frei ins Haus.

Für außerhalb nehmen sämtliche Postanstalten Be- straffälligen Sindes in eine Erziehungsanstalt verfügt werden. Das wird aber nur möglich sein, wenn die zu Zwangs­stellungen zum Preise von

3 Mart 30 Pfennig für die Monate April, Mai, Juni entgegen.( Eingetragen ist der Vorwärts" in der Post- Zeitungsliste Die Redaktion des

unter Nr. 7971.)

Vorwärts".

oder wenn

man

Freilich ist damit grade der wundeste Punkt berührt, und wenn man erwägt, daß die Herrenhaus- Kommission bereits beschloffen hat, daß in den nächsten Jahren die Zwangs­zöglinge auch in Landarmen und Korrigenden anstalten untergebracht werden können, so eröffnet das eine anmutige Perspektive auf die endliche gesegliche Regelung dieser Frage. Wie könnte man auch in den gegenwärtigen Zeitläuften hochgrádigsten Flottenparorismus nennenswerte Aufwendungen für Stulturzwecke erwarten!

An sich wird man dem Staat das Recht nicht absprechen erziehung bestimmten Kinder nicht wie heutzutage biel können, die elterliche Gewalt in bestimmten Fällen zu über- fach an den Mindestbietenden losgeschlagen werden, der sich nehmen; das wird bei Ganzwaisen und verlassenen dazu auch nur bereit gefunden hat, um das Pflegegeld Kindern ohne jedwede Härte durchzuführen sein, und zu erhaschen, während ihm die Erziehung des Kindes bei Halbwaisen recht wird die meistens gleichgültig und unehelichen Kindern wird ift; Uebernahme der Erziehung durch den Staat dem bei staatlichen Erziehungshäusern nicht aus Gründen der dazu verpflichteten elterlichen Teil oft genug willkommen Sparsamkeit von der Anstellung ausreichender und befähigter sein. Weit schwieriger liegt der Fall, wenn beide Eltern Pädagogen zu Gunsten beliebiger billigerer Haus ,, bäter" und leben und ihnen wegen sittlicher Verkommenheit, die eine Verwalter absieht. Mit andern Worten, es darf die Zwangs­Zur Frage der Zwangserziehung. ordentliche Erziehung ihrer Kinder durch sie ausschließt, erziehung nicht als ein lästiges Stück der ohnehin lästigen Armen­die vormundschaftlichen Rechte abgenommen werden sollen. pflege betrachtet werden, sondern der Staat hat in ihr eine hohe Das preußische Herrenhaus wird am Mittwoch die Würden derartige Fälle nicht mit den größten Sicherheits- sociale Pflicht zu erblicken, für deren Erfüllung er nicht die Beratung über den Gesezentwurf betr. Zwangserziehung ver- maßregeln umgeben, so daß der diskretionären Gewalt der notwendigen Kosten scheuen darf. wahrloster Kinder und junger Leute aufnehmen. Gegenüber betreffenden Behörden kein Spielraum bleibt, so können hier den reaktionären Anschauungen, die in jenem Scheinparlament die größten Härten plakgreifen. Diese Gefahr liegt in hohem über diese Frage zu Tage getreten sind und sicherlich sich jetzt Grade bei dem gegenwärtigen preußischen Gefeßentwurf vor, wieder hervorragen werden, dürften einige Bemerkungen da er der Zwangserziehung nach den Bestimmungen des behufs ernsthafter Lösung derselben wohl am Blaze sein. Bürgerlichen Gesetzbuchs und des Einführungsgesetzes dazu Zunächst ist die Meinung, als stehe die Sittenverderbnis unterwerfen will: der Jugend in Zusammenhang mit der viel bejammerten Abnahme des religiösen Sinns, völlig irrig. Das beweisen die Verhältnisse in Frankreich , wo seit längeren Jahren der öffentliche Unterricht konfessionslos ist, überdeutlich. Der Religionsunterricht thut's nicht, denn troß der mit Religion gespickten und garnierten preußischen Volks­schule hat hier die Zahl der jugendlichen wegen Ver­gehen oder Verbrechen Verurteilten nach den vom Minister des Innern v. Rheinbaben im Herrenhause mitgeteilten Angaben in der Zeit von 1882-1897 bon 30 697 auf Die Begriffe leibliches und geistiges Wohl"," völliges war am Dienstag immerhin etwas stärker besucht, als es in 45 327, d. h. um 47,3 Prozent, zugenommen. Es würde sittliches Verderben" scheinen uns mit Rücksicht auf die höchst den ersten Tagen nach den Heinze Kämpfen der Fall deshalb auch an dem heutigen traurigen Zustand wechselnden und verschiedenartigen Ansichten sowohl bei war. Auf der Estrade des Bundesrats hatte sich eine natürlich nichts ändern, wenn man in erster Linie Kirche einzelnen Menschen wie bei Vormundschaftsrichtern über ganze Wolke von Ministern, Staatssekretären, Bundesrats­und Schule zur Besserung dieser Zustände berufen" hielte und Sittlichkeit, Ehrenhaftigkeit und ähnliche Dinge viel Bevollmächtigten und Kommissaren niedergelassen. den Respekt vor der Kirche" und eine noch positivere Pflege zu unbestimmt, zu tautschutartig und dehnbar. Man Die General Debatte, mit der die diesjährige des Christentums in der Schule als vornehmste Hilfsmittel in denke an den sehr leicht möglichen Fall, daß dritte Lesung des Etats begann, war von sehr kurzer Anwendung bringen wollte, wie dies im Herrenhause von ein Richter Sittlichkeit für unzertrennlich mit Religion Dauer. Der Welfe von Schele- Wunstorf brachte die Lage mehreren Seiten empfohlen wurde. hält und deshalb in einen offenen Bekenner des Atheismus der Steinarbeiter in seinem Wahlkreise zur Sprache;

1. Kinder unter 12 Jahren, die eine firafbare Handlung be­gangen haben, wegen deren sie strafrechtlich nicht verfolgt werden können, wenn das Vormundschaftsgericht die Zwangserziehung für zulässig erklärt hat; 2. Minderjährige unter elterlicher Gewalt, wenn der Vater oder die Mutter durch Mißbrauch der Er­ziehungsgewalt das leibliche oder geistige Wohl des Kindes ge­fährden; Bevormundete nach freiem Ermessen des Vormundschafts­gerichts; 3. Minderjährige überhaupt, tvennt Die Zwangs erziehung zur Verhütung des völligen sittlichen Verderbens not wendig erscheint.

Politische Ueberlicht.

Berlin , den 26. März.

Der Reichstag

Man vergegenwärtige sich nur einmal ernstlich die eigent- oder einer offiziös nicht anerkannten Religion einen seine Angaben, soviel man ihnen verstand, waren zum Teil lichen Ursachen der zunehmenden Verwahrlosung der Jugend, Erzieher sieht, der das böllige sittliche Verderben" seiner durchaus bemerkenswert. Kein andrer Redner wünschte zur die keineswegs von zweifelhaftem, ideologischem Charakter, Kinder herbeiführt, weshalb ihm seine Erziehungsgewalt Generaldiskussion das Wort; so wurde denn gleich nach der sondern sehr harter materieller Natur sind und man wird genommen werden müsse. Man denke ferner an den Rede des Herrn v. Schele in die Specialdiskussion über die eigentlich wirksamen Mittel zur Besserung nicht lange vorläufig zwar abgewehrten Fall, daß durch ein eingetreten.

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im unflaren sein. So halte man dicht neben die Zahlen neues erfolgreicheres" Buchthausgesetz" streifende Arbeiter zu Als erster Titel wurde der Etat des Reichtags vor­über die Zunahme jugendlicher Verbrecher auch die Zahlen ehrlosen" Bätern gemacht werden und sich nach ihrer Ent genommen. Von freisinniger Seite wurde hierzu eine Reso­über die zunehmende unerhörte Ausbeutung der kindlichen lassung aus dem Zuchthaus ihrer elterlichen Rechte beraubt Iution eingebracht, welche die Regierung auffordert, end­Arbeitskraft. Man stelle sich sein eigen Rind im zarten Alter sehen könnten, da sie das leibliche oder geistige Wohl ihrer lich mit der Gewährung von Diäten an die von oft nur acht Jahren vor, wie es Tag für Tag in die Fabrik Kinder gefährden." Gegen derartige und ähnliche Möglich- Reichstagsmitglieder Ernst zu machen. Das Cen­eilen, oder bis tief in die Nacht Kegel auffeßen, oder in aller Herr- feiten müssen die Eltern völlig geschützt werden. trum und die Nationalliberalen licßen durch die Herren gottsfrühe Brot und Zeitungen austragen, oder auf den lebhaftesten Eine weitere Forderung, die mit dieser Frage zusammen. Baffermann und Gröber den Abänderungsantrag zu Straßen hausieren gehen muß, und man frage sich dann, ob hängt, ist die der Erhöhung des strafmündigen Alters. Jezt dieser Resolution stellen, wonach anstatt Diäten" An­man unter solchen Umständen trotz bester Erziehungsgrundsätze tritt die Strafmündigkeit schon mit dem vollendeten wesenheitsgelder" gesagt werden soll. In dieser Form zu verhindern im stande sein würde, daß das Stind auf die 12. Lebensjahre ein, eine Grenze, die bereits lebhaften Herr Gröber verspricht sich von ihr Wunderdinge ini Kampfe abschüssige Bahn, sei es der Unsittlichkeit, sei es des Dieb- Widerspruch auch in juristischen Kreisen gefunden hat. gegen eine etwaige Erneuerung der Obstruktion- gelangte stahls, sei es der Verrohung gerät. Man vergesse auch Die deutsche Gruppe der internationalen friminalistischen die Resolution zur Annahme, nachdem selbst Herr v. Kardorff nicht, die Wohnungen der jugendlichen Verbrecher aufzu- Vereinigung fordert die Hinaufrückung der Strafmündigkeits- thränenden Auges bekannt habe, daß die Diätenverweigerung suchen, so sehr sich auch alle fünf Sinne gegen die Grenze auf das vollendete 14. Lebensjahr, doch dürfte man die gewünschten Dienste gegen die Socialdemokratie nicht schaurigen Scenen des Wohnungselends der arbeitenden wohl mindestens noch zwei Jahre weiter gehen, Bei Begehung geleistet habe. Bezeichnend war, daß trog aller Aufforderungen Klaffe aufbäumen möchten; gegen die unglaubliche Ueber einer strafbaren Handlung vor diesem Alter soll unter die Regierungsvertreter fich hartnäckig aus schwiegen. Beim Etat des Reichstanzlers bewies Herr füllung mit Groß und Klein, mit Mann und Weib, das alles Umständen auf Zwangserziehung erkannt werden können. durcheinander lebt, schläft, sich wäscht oder nicht wäscht und Dieser Weg wird indes nur Erfolg versprechen, wenn Richter aufs neue feine novellistische Begabung, sonstige intimere Verrichtungen vornimmt; gegen das trübe der Nachdruck hierbei nicht so sehr auf den Zwang" als auf die er bereits im ergreifenden Roman von der Sparagnes" Licht, das durch enge, schmutzige und geborstene Scheiben auf die ,, Erziehung" gelegt wird. Der Zwang ist das und der" Strampelannie" an den Tag gelegt hat, indem er graues Elend fällt; gegen den pestilenzialischen Geruch, der einem Charakteristikum des Gefängnisses, vor dem jedoch die dem Hause eine reizende Geschichte von der alten braven den Atem benimmt; gegen den neusten Standal, in dem Jugendlichen möglichst bewahrt bleiben müssen; denn wenn Reinemachefrau erzählte, welche drei Kanzlern jeder zum Wort kommen will; und man frage fich wieder, auch auf dem Papier noch so sehr eine Berührung jugend- ihre treuen Dienste gewidmet hat. Uebrigens scheint die ob man sich selbst, geschweige sein Kind, unter solchen licher Gefangener mit erwachsenen zu vermeiden versucht kleine Novelle ihren Eindruck nicht verfehlt zu haben; denn Verhältnissen, in ethischer Unversehrtheit zu erhalten ver- wird, so zeigt die Praxis nur zu häufig ein andres Bild; zu der Reichskanzler nickte zustimmend zu der Aufforderung, möchte. dem erliegt eine noch unausgebildete sittliche Wider der guten Alten eine regelmäßige Unterstüßung zukommen zu

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Wenn man mit dem Kopf schüttelt, so erkläre man sich standskraft nur zu leicht den sonstigen mannigfachen lassen. auch bereit, mit der Hilfe hier einfeßen zu wollen, indem man Imponderabilien der Inhaftierung. Führt doch Prof. Eine sehr lebhafte Debatte entspann sich beim Etat des die Frauen- und Kinderarbeit einschränkt bezw. verbietet, um v. Liszt die überraschend hohe Zunahme der Vorbestraften" Reichsamts des Innern. Unser Genosse Rosenow dadurch die männliche Arbeitskraft von widerstandslosen von 249 auf 1000 Verurteilte im Jahre 1882 auf 389 und der Freisinnige Schrader erfundigten sich nach dem Lohndrückern zu befreien, indem man die Arbeits- auf 1000 Verurteilte im Jahre 1896, also ein Wachstum Zeitpunkte, wo das versprochene Reichs- Wohnungs­Löhne erhöht, erhöht, um die Lebenslage der Arbeiterklasse um 14 Proz., vorzüglich auf Fehler des heutigen Strafen gefeß das Licht der Welt erblicken werde; Prinz Carolath bessern, indem man die Arbeitszeit verkürzt, systems zurück, um wie viel mehr werden besonders die und Rickert brachten die Frage des Frauenstudiums zur

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