Nr. 249.- 1916.
Unterhaltungsblatt des Vorwärts Dienstag, 31. Oktober.
Der Carnes- Arm.
Der
Unter der Ueberschrift:„ Das Leben Bukarests" schreibt der Sonderberichterstatter, Litowzew, des„ Rußtoje Slowo" in der Nummer vom 8. Oktober: Bukarest ist nicht wiederzuerkennen. Das elegante, sorglose und fröhliche Bukarest hat stets seinen Namen Stadt des Vergnügens und der Freude" gerechtfertigt. Ueber Nacht hat es alle seine leichtfertigen Reize verloren und sich in eine höchst traurige Provinzstadt verwandelt. Scharf hat sich das äußere Ansehen der Stadt verändert. Einer ihrer Reize waren die einzigartigen Fahrten in Equipagen. Die Toiletten der Damen und der Glanz der Brillanten machten jeden Alltagsabend zum Vorabend eines großen Festes. Es schien, als sei die Stadt eine Stadt der ausruhenden Paichas. Die Beschlagnahme hat in einem Tage diefe ganze Eleganz der Straße hinweggefegt. Die schönen Pferde wurden requiriert und mit ihnen verschwanden irgend wohin die glänzenden Equipagen. Droichten sind zur Seltenheit geworden. Ganz selten trifft man auf den Straßen einen alten verstaubten Wagen, der von zwei elenden Klappergäulen gezogen wird.
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Kleines Feuilleton.
Boche und Franzos.
Ich bin einige Monate während des Krieges in mehreren Departements gewesen und habe im Gespräche mit Hunderten von Franzosen und Französinnen aus der städtischen sowohl wie aus der bäuerischen Bevölkerung, mit Handelsleuten, Lehrern, Arbeitern, stets von neuem hinter das Geheimnis des Wortes" boche", dieses in seiner Ableitung, Herkunft und Verwendung noch immer nicht richtig aufgeklärten Schimpfworts für den Deutschen , zu kommen gesucht. Wer den Franzosen auch nur ganz oberflächlich kennt, weiß: er mag sein, wie und was er will, Tattgefühl hat er. Und so ist es mir all die hundert Male ohne Ausnahme so gegangen, daß Franzosen , denen gegenüber ich die Rede auf den „ boche" brachte, geradezu erschraten, weil wir Deutsche dieses Scherz- und Schimpfwort überhaupt kennen. Mit der ihnen eigenen Lebhaftigkeit in Gebärde und Sprache, halb bittend, halb ent schuldigend, lehnen sie den Gebrauch, beinahe die Existenz dieses Ausdrucks ab. Und E. D. will gehört haben, daß sie einem Deutschen ins Angesicht hinein sogar sale boche( dreckiger Boche) gefagt haben sollen!? Niemand, der die Franzosen tennt, wird dem Berichterstatter hier Glauben schenken. Ich für meine Person bestreite darüber hinaus noch folgende Behauptungen: 1. daß das Vertrauen der französischen Bevölkerung, ins besondere der Landbevölkerung, zu ihrer Regierung jezt noch unerschütterlich ist; 2. daß der Umgang mit den Leuten dort schwer ist; 3. daß sie etwa in ihren Volksschulen von der Geschichte Frank reichs weniger lernen als die deutschen Volksschüler in den deutschen Volksschulen von der deutschen Geschichte.( z) Georg Davidsohn .
eine Hand, so wird naturgemäß die Haupttätigkeit auf die noch vorhandene gesunde Hand übergehen und die künstliche nur zur Aushilfe in Frage kommen. Handelt es sich dabei Der Krieg hat das Bedürfnis nach künstlichen Gliedern ins nicht um die Leistung sehr schwieriger förperlicher Arbeit, Ungeheure wachsen lassen. Zumeist begnügt man sich für die oberen so wird die Carnes- Hand den Verlust der natürlichen beiExtremitäten mit atrappenartigen Nachbildungen der Glieder, die nahe wett zu machen vermögen. Das Beispiel des Herrn Smith Im Vorwärts" vom 26. d. M. finde ich im Schlußartikel der den Mangel nicht so in die Erscheinung treten lassen. Für die zeigt aber, daß sogar ein Mensch mit nur noch zwei Armstümpfen Bilder aus dem besetzten Frankreich " eine Behauptung, die nicht Arbeit bedient man sich sogenannter Prothesen, die nur in geringem bei Anwendung dieser Armerfeber nicht hilflos zu sein braucht. Für unwidersprochen bleiben darf. Grade willkürlich bewegt werden können, vielmehr mit der gesund schwere Arbeiten wird man natürlich zu den gebräuchlichen Prothesen Ich weiß nicht, wie weit E. D. der französischen Sprache gebliebenen Hand in eine durch Zahneinschlag oder Reibungs- greifen müssen. Es muß aber verlangt werden, daß den aus dem mächtig ist, glaube aber aus seinen Berichten schließen zu dürfen, fuppelung festgelegte Stellung gebracht und dann mit besonderen Felde kriegsverlegt zurückkehrenden in allen Fällen für den Ge- daß es damit hapert und daß er daher in den Gesprächen mit den Ansazstücken für den Arbeitsvorgang versehen werden. Versuche, den brauch außerhalb der Arbeitsstelle auch der Carnes- Arm geliefert Bewohnern des okkupierten Landes manchen und manches mißmenschlichen Arm wirklich zu erlegen, gibt es eine Unmenge; feiner wird, der nicht bloß ein Maschinenteil, sondern wirklich ein fünft- verstanden haben muß. fonnte bisher voll befriedigen. Da gelangte aus Amerika die liches Glied ist, das seinen Träger in höherem Maße als andere Kunde zu uns, daß dort in dem sogenannten Carnes- Arm ein nach Notbehelfe in die Reihen der Gesunden einzureihen vermag, pi. sehr vielen Richtungen hin befriedigender Ersatz für verloren gegangene natürliche Arme oder Armteile gefunden worden sei. Die gemeinnügige Gesellschaft zur Beschaffung von Erfaßgliedern machte sich daran, diesen Arm nach Deutschland einzuführen. Das sollte nicht leicht werden. Die Einfuhr der Modelle wurde von den Engländern hintertrieben. Erst als ein mit diesen Armen ausgestatteter Amerikaner selbst die Reise antrat, ließ man ihn passieren, ohne seine Arine als Bannware zu konfiszieren. Nun hatte man die Modelle. Der Verfertigung der Arme stand aber noch eine Reihe von Patenten entgegen, die auch für Deutschland die Nachahmung der Erfindung unmöglich machten. Auch dies Hindernis wurde befeitigt. Freitag konnte der Carnes- Arm in der Geschäftsstelle des Vereins deutscher Ingenieure einem geladenen Publifum gezeigt und seine Verwendung vorgeführt werden. Wie bei jeder größeren Erfindung besteht auch bei dieser das Hauptgeheimnis in der Vereinfachung der gestellten Aufgaben. Von allen Möglichkeiten, die uns der Gebrauch des natürlichen Armes und der Hand bieten, werden nur die drei notwendigsten ins Auge gefaßt. Der Carnes- Arm fann im Ellenbogengelenk gebeugt, die Hand kann in der Wurzel gedreht und die Finger können alle zugleich, nicht aber jeder einzelne, geTrümmt werden. Der Oberförper des mit dem Carnes- Arm Ausgestatteten trägt eine Art Geschirr, von dem aus starte Lederschnüre als„ Sehnen" nach dem Arm gehen. Die Bewegung des Unterarmes Eine weitere Besonderheit Bukarests bilden seine Cafés. Hier wird von einer Sehne besorgt, die vom Rücken aus den Oberarm liest man feine Zeitungen, sondern überfliegt nur kurz die Depeschen, durchtritt und von der Mitte des Oberarms auf der Beugungsseite denn das Bukarester Café ist ein Klub, in welchem alle einander des Gelenkes nach der Mitte des Unterarmes führt. Ungefehrt tritt fennen und in welchem man ganze Stunden in der Unterhaltung die Sehne für die Beugung der Fingergelenke, mit der die Drehung über verschiedene Gegenstände verbringt. Dort entsteht die öffentliche der Hand verbunden werden kann, von der Brustseite her in den Meinung, dort entspringen und ersterben die Gerüchte, dort wird der Arm ein. Durch Bewegung der Schultermuskulatur und der noch Ruf von Personen geschaffen und wieder vernichtet. Die Regierung hat an Jedes Gartengemüse, das zur Erleichterung der Ernährungsvorhandenen Armstümpfe tönnen nun die wichtigsten Verrichtungen einem der ersten Kriegstage auf einmal alle Cafés geschlossen, selbst des Armes und der Hand mit diesem künstlichen Arm nachgeahmt das berühmte Café Kapicha, das Café der früheren und fünftigen frage beizutragen vermag, ist heute von besonderem Wert. Es ist daher zu begrüßen, daß die Deutsche Landwirtschaftliche Preffe" mit Minister, sozusagen die Hochburg des ganzen Bukarester Klatsches. Herr Smith, der den Arm praktisch vorführte, hat das Un- Man muß in Bufarest gelebt haben, um zu verstehen, welch ein einer Reihe guter Vorschläge auf die große Verwendbarkeit der bisglüd, beide natürlichen Arme verloren zu haben. Vom linken hat Mut dazu gehörte, das Café Kapicha zu schließen. Die leidenschaft- her bei uns auffallend wenig beachteten roten Rübe als Kriegsvolksgemüse hinweist. er nur noch einen Stummel, vom rechten zwar das Ellenbogens liche und träge, leichtfertig, nachdenkliche und kapriziöse Musik, welche gelent, aber so wenig vom Unterarm, daß dies wenige als Hilfe die Bufarester Mittagessen in den offenen Gärten und Restaurants einen hohen Natrongehalt hat und daher überall dort auszuhelfen Die rote Rübe ist schon dadurch als Nährmittel wertvoll, daß sie nicht mehr in Betracht kommt. Mit Hilfe seiner beiden Carnes - erheiterte, wurde am ersten Kriegstage auf einen Befehl des Polizei- vermag, wo in der Ernährung die notwendige Menge Natron fehlt. Arme versuchte er sich zu rasieren und zu frisieren, was vielen präfeften stumm. Sie half den Gästen zu vergessen, daß man nur Außerordentlich vielartig ist die Verwendungsmöglichkeit dieses Gemüses, Leuten mit gesunden Gliedern nicht gelingt. Er knöpfte dreimal wöchentlich Fleisch bekommt, daß das Gemüse teuer und das deren eine jüngst vom Kriegsernährungsamt selbst mitgeteilt wurde, daß unter Zuhilfenahme eines Schuhknöpfers seine Stiefel auf und zu, Wild unerschwinglich ist. Die Kinos und kleinen Theater sind gehandhabte Messer und Gabel, und zwar recht energisch. trant aus schlossen, die Kabaretts, welche eifrig und gewissenhaft die Jugend nämlich die Blätter der roten Rübe sehr gut wie Spinat zubereitet werden einem Glaſe und steckte sich nach der Mahlzeit eine Zigarette an, Butareste erheiterten, haben ihre schreienden Plakate entfernt und können, dem sie dann auch im Aussehen gleichen, da die roten Blätter durch die er einer Papiertüte entnahm. Schreiben fann Herr Smith in ihre Kontrakte mit den Französinnen aus Frankfurt und Breslau das Kochen grün werden. Eine vorzügliche Suppe erhält man, wenn man die rote Nübe zu gleichen Teilen mit Rhabarber oder auch etwas großen und energischen Buchstaben, die aber den Vorzug der gelöst. Deutlichkeit haben. Dann verbrachte Herr Smith das schier Un- Um 9 Uhr abends erlöschen alle Straßenlaternen. Nur auf der Falläpfeln mischt. Da gerade jetzt die Zeit der roten Rüben ist, glaubliche, daß er ohne jede Beihilfe seine tünstlichen Glieder ab- Kalea- Viktoria brennen an zwei bis drei Stellen je eine Laterne, empfiehlt es sich, sie als festen Brei in Gläsern einzukochen, da man legte, seine Armstümpfe zeigte, und die Kunstarme wieder an den aber sie sind so stark mit schwarzer Farbe angestrichen, daß das sie dann beliebig verwenden kann, so z. B. auch als Gemüsezutat. Stümpfen befestigte. Dann kleidete er sich ebenfalls ohne fremde Licht nach außen nur durch einen kleinen Streis in Größe eines Bekannter ist der Note- Rüben- Salat, der durch Mischung mit Sellerie Beihilfe an Wohlgeschmack gewinnt und einen Delzusaz leichter entbehren. russischen Fünffopetenstüdes hindurchscheint. Wenn Sie nicht verIm ganzen fann man sagen, daß der Gebrauch des Carnes- geffen haben, wie ein ruffisches Fünfkopekenstück aussieht, fann als andere Salatgerichte. Zum Einmachen der roten Rüben Armes den damit versehenen Amputierten von fremder Hilfe völlig fo werden Sie ungefähr ermessen können, wieviel Licht wird empfohlen, die gewaschenen, gekochten und geschälten Rüben in unabhängig macht. Ja es ist nicht zuviel behauptet, wenn man der Vorübergehende in dieser tiefen Finsternis erhält. Scheiben geschnitten in einen Steintopf mit in Streifen geschnitte jagt, daß Unbefangene den Träger des Carnes- Armes nur durch 9 Uhr abends müssen alle Häuser völlig verdunkelt werden. nem Meerrettich und einigen Senfförnern schichtweise zu legen und Zufall als einen Strüppel erkennen werden. Weiß man wie die Die Polizei achtet mit großer Strenge auf die pedantische Aus- mit zur Hälfte wasserverdünntem Eisig zu übergießen. Konstruktion des Armes ist, dann allerdings fallen einem eine An- führung aller Regeln. Wenn in einem Fenster auch nur ein leichter ist ihre Benuzung zur Herstellung von Marmelade. Hierzu kann Die wichtigste und beste Verwendungsart der roten Rübe aber zahl von Bewegungen auf, die an die unwillkürlichen Glieder- Lichtschimmer entdeckt wird, so fliegt sofort ein Stückchen Kohle, oder man sowohl die jungen Rüben wie auch Rübenmus verwenden. Die zudungen stark Nervöser erinnern. Diese Bewegungen kommen da- fogar ein kleiner Stein hinauf. Wertvolle Dienste leistet der Polizei Mischung erfolgt am besten wieder mit Rhabarber und fauren Falldurch zustande, daß die Muskelarbeit der nicht mehr vorhandenen auf diesen Gebieten die Jugendwehr, welche der Kampf mit dem Arme von dem Oberkörper des Amputierten übernommen werden Licht und das Werfen der Steine höchstlich amüsiert. Schließlich find äpfeln, wobei sehr vorteilhaft ins Gewicht fällt, daß durch diesen muß, da von hier aus die Ledersehnen des künstlichen Armes in auch alle Brivattelephone abgestellt. Zur Ehre der Butarester muß Busak jede Hinzufügung von Zucker sich erübrigt. Bewegung gesetzt werden. bemerkt werden, daß sie alle diese Unbequemlichkeiten ohne Murren tragen. Nur die Schließung der Cafés, welche in gewisser Weise als Mißtrauensvotum gegen die Reife des Publikums empfunden wurde, hat im Publikum und in der Presse Widerstand hervorgerufen.
werden.
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Bedenkt man, daß der Fall einer doppelten Amputation, wie er borgeführt wurde, zu den größten Ausnahmen gehört, daß in den allermeisten Fällen nur ein Arm oder nur ein Teil davon zu ersehen sein wird, dann fann man sich vorstellen, welch ein Segen für die Betroffenen der Carnes- Arm sein muß. Fehlt nur ein Arm oder
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Jans Heimweh.
Um
als der Wagen auch schon vor der Pforte hielt. Eigentlich hätte sie hineilen und die Gittertür öffnen sollen; aber sie tat es nicht. Ganz plöglich fühlte sie einen so schweren Druck auf der Brust, daß ihr der Atem versagte und sie keinen Schritt machen konnte.
Die rote Rübe als Kriegsgemüse.
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Notizen.
- Eine deutsche Schule in Warschau . In der pol nischen Hauptstadt wurde eine achtklassige deutsche Schule eröffnet. leber 400 Kinder sind dafür bereits angemeldet.
als es eigentlich sollte, denn sie war ja erst im Anfang der Dreißiger; aber das tam nicht daher, daß ihr Haar an den Schläfen schon grau schimmerte oder daß die Stirne voller fleiner Falten war, sondern weil Klara Gulla häßlich ge
Hände fest um die Knie geschlungen, um sie am Zittern zu verhindern, und dachte an das strahlende achtzehnjährige Mädchen in dem roten Kleide. So hatte sie in Katrinens Erinnerung bis jetzt immer weitergelebt. Und die arme alte Frau fragte sich ängstlich, ob sie es je so weit bringen würde, sich über die Rückkehr von Klara Gulla zu freuen.
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Das kleine Mädchen kam nicht in einer goldenen Kutsche dahergefahren, ja sie saß nicht einmal auf dem Wagen, sondern ging zu Fuß. Der Weg nach Askedalarna war nämlich noch Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf . Frau mit dem Kinde zum Pfarrer gefahren waren, um es worden war. Das Gesicht hatte eine merkwürdig fahle Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selma Bagerlöf. ebenso schlecht wie zu der Zeit, als Erik in Falla und seine Es traf sich auch nicht einmal so glücklich, daß Jan gerade taufen zu lassen; jest ging fie auf der einen Seite des Hautfarbe. und ein verschwommener, grober Zug lag um den daheim in seinem Hause war und Klara Gulla, als sie antam, Wagens und der Fuhrmann auf der andern, um zwei große Mund. Das Weiße des Auges hatte einen grauen Lon empfangen konnte; gerade da war er auf einen kleinen Stoffer zu stüßen, die hinter dem Wagenstuhl aufgestapelt und und war blutunterlaufen, und unter den Augen hing die Schwaz nach Falla hinübergegangen zu der alten Groß- in Gefahr waren, in den Graben herunterzufallen. Groß- Haut dick herab. mutter, die jetzt aus dem Wohnhaus ausgezogen war und artiger ging's bei der Heimkehr nicht zu, aber mehr konnte Katrine war auf einen Stuhl gesunken und hielt die das Ausdingstübchen bewohnte. Sie gehörte zu den vielen vielleicht auch nicht verlangt werden. einsamen alten Menschen, die der Kaiser sich bisweilen zu be- Katrine hatte eben noch die Haustür aufmachen können, suchen verpflichtet fühlte, um ihnen ein freundliches Wort zu sagen und ihnen den Mut zu stärken. Nur Katrine stand zum Empfang auf der Schwelle des Hauses, als das fleine Mädchen in seine Heimat zurückfehrte. Katrine hatte den ganzen Tag am Spinnrocken geseffen und eben das Rädchen angehalten, um einen Augenblick aus- Obgleich der Gast, der jetzt die Pforte öffnete, wie eine zuruhen, als Wagengeraffel vom Weg her an ihr Ohr drang. Dame gefleidet war, wußte Katrine bestimmt, daß es ihre Es war ein sehr ungewohntes Ereignis, wenn ein Gefährt Tochter Klara Gulla war. Sie trug einen mit Federn und durch Askedalarna tam; Katrine trat an die Tür, um hinaus- Blumen geschmückten Hut und ein Kleid aus feinem Stoff; zuschauen, und da merkte sie, daß es nicht ein gewöhnlicher aber es war trotz allem und allem das kleine Mädchen von Karren, sondern ein Stuhlwagen war. Strolycka. In diesem Augenblick fingen Katrinens Hände heftig an Klara Gulla eilte vor dem Gefährt in den Hof hinein zu zittern. Das war eine Schwäche, die sich jetzt immer bei und trat mit ausgestreckter Hand auf Katrine zu. Aber Katrine ihr einstellte, so oft sie erschrat oder sich über etwas aufregte. blieb starr und steif stehen und schloß die Augen. Gerade in Sonst war sie trok ihrer zweiundsiebzig Jahre noch recht ge- diesem Augenblick stieg eine große Bitterkeit in ihrem Herzen fund und kräftig. Sie hatte nur Angst, das Zittern könnte auf. Sie meinte, der Tochter nicht vergeben zu können, daß zunehmen und sie schließlich am Arbeiten hindern, und sie sie lebte und nun gesund und munter daherkam, nachdem sie würde dann am Ende nicht mehr imstande sein, für sich und ihre Eltern alle diese vielen Jahre hindurch vergeblich auf sich Jan den Unterhalt zu verdienen, was ihr bisher immer ge- hatte warten lassen, ja, sie wünschte beinahe, die Tochter wäre lungen war. überhaupt nicht auf den Gedanken gekommen, sich wieder zu zeigen. Klara Gulla mußte gesehen haben, daß die Mutter am Umsinken war, denn sie schlang hastig die Arme um sie und trug fie fast in die Stube hinein.
Um diese Zeit hatte Katrine die Hoffnung, die Tochter je wieder zu sehen, so gut wie aufgegeben, und an diesem Tag hatte sie noch mit feinem Gedanken an sie gedacht. Aber fie fagte später, von dem Augenblick an, wo das Wagengeraffel vernehmlich geworden sei, habe sie bestimmt gewußt,
wver tomme.
,, Liebe Mutter, du wirst doch nicht erschrecken!" sagte sie. Kennst du mich nicht mehr?"
" Du hättest uns schreiben müssen," sagte Satrine. Wenigstens einen Gruß hättest du uns schicken müssen, damit wir gewußt hätten, daß du noch ant Leben bist." " Ja, das hätt ich tun sollen, ich weiß es wohl," entgegnete die Tochter. Und ihre Stimme wenigstens war die alte geblieben, sie flang frisch und froh wie früher.„ Aber im Anfang ist's mir ja schlecht gegangen--- Ja, das habt ihr vielleicht gehört?"
Seufzer.
O ja, so viel wissen wir", sagte Katrine mit einem Hefen " Deshalb hab ich zuerst nicht geschrieben", sagte Klara Gulla und lachte dabei laut auf. Auch jetzt hatte sie etwas Gesundes und Tatkräftiges an sich, gerade wie früher. Sie gehörte sicher nicht zu denen, die sich mit Neue und Selbstprüfungen quälen.
" Dent jetzt nicht daran, Mutter!" sagte fie, als Katrine fortgesett schwieg. Jetzt geht's mir sehr gut, Ich bin Gastwirtin gewesen, das heißt, ich führe die Küche auf einem großen Dampfboot, das zwischen Lübeck und Malmö fährt, und jetzt im Herbst hab ich mir eine eigene Wohnung in Malmö gemietet. Bisweilen hab ich freilich gedacht, ich müßte euch eigentlich schreiben, aber ich hab nicht recht gewußt, wo Sie ging an ihre Kleidertruhe, um eine reine Schürze Katrine schlug die Augen auf und betrachtete ihre Tochter ich anfangen soll. Dann hab ich gedacht, ich will's lassen, bis herauszunehmen; aber ihre Hände zitterten zu heftig, fie genau. Sie war ein verständiger Mensch und hatte nie er- ich so weit sei, daß ich Euch und den Vater zu mir nehmen fonnte den Schlüssel nicht ins Schlüsselloch stecken. Es war wartet, daß das Mädchen, das fünfzehn Jahre lang fort ge- fönnte. Und jetzt, wo alles geordnet ist und ich euch aufihr darum nicht möglich, sich ein wenig herauszuputzen, sie wesen war, ganz genau so wiederkehren würde, wie sie ge- nehmen kann, dacht ich, es sei eine größere Freude, wenn ich mußte so, wie sie war, hinausgehen und die Tochter be- gangen war; aber sie erschrat doch über das, was sie sah. selbst komme, als wenn ich schriebe." grüßen. Das Mädchen, das sie vor sich hatte, sah viel älter aus,
Forts. folgt.)