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Mr. 123,

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Erscheint täglich außer Montags.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

17. Jahrg.

Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonels zeile oder beren Raum 40 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereins­und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg. ..Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Kernsprecher: Bmt I, nr. 1508. Telegramm- Adresse: Bocialdemokrat Berlin"

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.

Die Lage der Bäckerei- Arbeiter Berlins .

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Mittwoch, den 30. Mai 1900.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.

18 Stunden. Für Lehrlinge wurde in 38 Betrieben bei 55 Lehr- Nr. 219. Die Bäckerei befindet sich im Norden von Berlin und lingen die Arbeitszeit auf 10-12 Stunden, in 10 Betrieben bei 15 Lehrlingen auf 13-14 Stunden und in 16 Betrieben bei 25 Lehr­lingen auf 15 Stunden angegeben.

Die Vorschriften über die Sonntagsruhe wurden nur in 241 Betrieben aufrecht erhalten; in 166 Betrieben wurden sie regel­mäßig außer acht gelaffen und in 123 Betrieben je nach Bedarf überschritten. Die Sonntagsarbeit ist mit Ausnahme von givei Be­trieben, die infolge eines Schichtwechsels eine 24-48stündige Ruhe­pause gewähren, allgemein üblich.

Die Lohnkommission der Bäcker veröffentlicht soeben das Ergebnis einer Statistit, die über die Arbeits-, Lohn-, Kost- und Wohnungs­verhältnisse der Berliner Bäckergesellen Auskunft giebt, Die Umfrage fand zu Anfang des vorigen Jahres statt und wenn sich die Lohnkommission der Bäcker entschlossen hat, erst jezt das Material in einer Broschüre zusammenhängend der Oeffentlichkeit zu unterbreiten, so geschicht es Die Löhne bewegen sich natürlich in sehr bescheidenen Grenzen. gewiß im Hinblick auf die Lohnbewegung, die gerade einseßen soll, Für Werkmeister sind als Höchstlohn bei eigener Verpflegung 27 m. die krassen Uebelstände zu beseitigen. Für die Berechtigung dieses angegeben, wird Kost und Logis gewährt, ist ein Lohn von 21 bis Verlangens bietet die Statistik den besten Nachweis. Es ist nicht die herab auf 12 M. üblich. Bei den Gesellen schwankt er zwischen 5 erste socialpolitische Arbeit dieser Art, die uns die Organisation der bis 18 M. Der Höchstlohn wird aber nur gezahlt bei teilweise Bäder liefert, schon im Jahre 1897 ist eine gleiche Arbeit unter eigener Verpflegung. nommen, die sich besonders gegen das immer stürmischer Sehr trübe lauten die Angaben über das Logiswesen. auftretende Verlangen der Unternehmer richtete, den zwölf- Der Lage nach befinden sich 152 Echlafstätten im Keller, 209 im stündigen Arbeitstag im Bäckereigewerbe zu beseitigen. Da Parterre, 8 in den Lagerräumen, 3 über oder neben dem Pferdestall, mals wurde in trefflicher Weise der Nachweis geführt, daß 1 im Holzstall, 1 in der Küche des Meisters, 9 unter dem Dach und die Bundesrats Verordnung überhaupt noch gar nicht zur Durch- 4 über dem Backofen. führung gekommen ist, sondern fortgefegt umgangen wird.

beschäftigt 2 Gehilfen und 1 Lehrling. Die Backräume liegen im Keller und werden als dumpfig geschildert. Semmeltücher und Back eimer werden überhaupt nicht gereinigt. Die Lagerräume für Mehl und sonstige Materialien sind in einem sehr schmuzigen Zustand. Das Mehl wird nicht gefiebt, und so tam es vor, daß der Kot der Kaze im Teig zu finden war. In den Arbeits- und Schlafräumen treten als lugeziefer Ratten auf. Der Lehrling, als williges Aus­beutungsobjekt, muß manchmal bis zu 20 Stunden arbeiten.

Nr. 257. Die Bäckerei liegt in einem Vorort von Berlin . Selbige beschäftigt einen Gehilfen. Die regelmäßige Arbeitszeit beträgt 17 bis 18 Stunden. Sonntags wird bis 12 Uhr des Mittags ge­arbeitet. Die Schlafftube befindet sich neben der Backstube. Es wird weder gereinigt, noch werden Betten gemacht. Des Nachts schlafen zwei Frühstücksjungen in dem vont Geiellen verlassenen Bett. Nr. 322. Die Bäckerei befindet sich im Westen von Berlin und beschäftigt 2 Gehilfen und 2 Lehrlinge. Die Marimal- Arbeitszeit wird täglich überschritten. Ebenso werden niemals die gesetzlichen Bestimmungen für die Lehrlinge eingehalten. Die Schlafftube bes findet sich neben dem Pferdestall und der Dunggrube. Ueber der­felben befindet sich ein Taubenverschlag, der das ganze Ungeziefer in Ueber die Beschaffenheit derfelben giebt man 100 Schlafräume der Schlafstube abladet. Gereinigt wird der Schlafraum nie. Die Und wenn von Erhebungen über die Lage der Arbeiter dieses als gute und geräumige, 192 Schlafräume als unsaubere, dumpfige Spinden der Gesellen sind aus Eierkisten zusammengebaut. Die Kost Berufs die Rede ist, dann wird man nie die aufsehenerregende social- Räume an. Weber ungenügende Reinigung derselben lagt man in wird als schlechte bezeichnet. politische Studie unsres Parteigenossen Bebel vergessen dürfen, der 89 Betrieben, 247 werden täglich einer trockenen, 36 einer feuchten Gegenüber einem solchen Anklagematerial hätte die Gesetzgebung mit seinem wuchtigen Material das Interesse weiter Streise wachrief. Reinigung unterworfen. Von den übrigen wird berichtet, daß in und Verwaltungsbehörde schon längst im Interesse der Konsumentent Dem ist später die Enquete der Kommission für Arbeiterstatistik gefolgt, nachdem jede Woche oder alle 3-4 Wochen und in 65 überhaupt und der Arbeiter eingreifen müssen. Denn nicht nur muß jedent der dann im weiteren Verlauf die Bundesrats- Verordnung über die nicht gereinigt wird. Weiter aber sind 28 Schlafräume genannt, je ein Gefühl des Efels überkommen, wenn er hört, wie heute eines Arbeitszeit in Bäckereibetrieben ihr Entstehen verdankt. Diese En- welchen abwechselnd in einem Bett 2 Personen schlafen. unsrer wichtigsten Nahrungsmittel hergestellt wird, sondern auch die quete hätte gewiß viel wichtiges Material herbeigeschafft, wenn sie Jn 2 Schlafräumen schlafen abwechselnd in 2 Betten 4 Personen, Gefahr wird uns gegenwärtig sein, wie bei solchen Schmugereien fich nicht nur auf die Arbeitszeit und Lehrlingsverhältnisse beschränkt in einem Schlafraum abwechselnd in 2 Vetten 5 Personen. In die gefährlichsten Krautheiten verbreitet werden können. hätte. Diese Lücke hat die Statistik der Gewerkschaft ausgefüllt, einem Betrieb ist zeitweise für einen Gesellen fein Bett vorhanden; Man ist im Reichstag damit beschäftigt, ein Reichs- Senchengesetz wobei sie allerdings mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte er schläft neben den Betten seiner egen auf einem von Mehlfäden auszuarbeiten. Die Aufgaben, die dieses Gesetz erfüllen soll, und ein erschöpfendes Bild nicht geben kann, da ihre Anfrage viel- hergestellten Ruhelager. In 10 cben schlafen 2 Personen gleich sind nur halbe, wenn nicht weiter gegangen wird und alle Betriebe fach vor verschlossenen Thüren Halt machen mußte. zeitig in einem Bett. Die gewechselten Betten werden der Nahrungsmittel Industrie einer peinlichen leberwachung und Die Umfrage erstredt sich auf 418 Betriebe, es ist das die Zahl teilweise von Hausdienern, Konditoren, Tagestrenger Vorschriften in Bezug auf Sauberkeit unterworfen werden. der brauchbaren und zurückgekommenen Fragebogen von 1800 in bädern, Frühstücsjungen, ja jogar vom Dienst Auch das Fleischbeschau- Gesetz, soweit es veterinäre Vorschriften ent Berlin , Nigdorf, Schöneberg und Charlottenburg ausgesandten. mädchen occupiert. hält, genügt nicht, es ist vielmehr die Kontrolle der weiteren Ver Damit find sofort die Schwierigkeiten, besonders das geringe arbeitung des Fleiiches dringend notwendig, denn im Fleischer Interesse der Arbeiter dieses Verufs an solchen Aufgaben der gewerbe liegen die Dinge nicht viel anders als in der Bäckerei. Gewerkschaft dargelegt. Aber diese Interesselosigkeit wird uns Die Oeffentlichkeit vermag nicht das Gewissen jener liederlichen erklärlich, wenn wir die elenden Verhältnisse berücksichtigen, unter Fabrikanten zu schärfen, das bestätigt die Statistit, die lebel find benen die Arbeiter diefes Berufs zu leiden haben. Das Material, dieselben geblieben trop aller Kritit. Demgegenüber giebt es im das hier zusammengetragen ist, behält auch so seine Bedeutung, ein Mittel: entweder die Gesetzgebung erfüllt ihre Pflicht oder die felbst wenn es nur einen Teil der Betriebe umfaßt. Arbeiter greifen zur Selbsthilfe. Das letztere wird in nächster Zeit geschehen, daß die Lohnbewegung nicht unberechtigt ist, beweisen zur Genüge die grauenhaften Zustände in den Bäckereien.

Auf die Frage, wo unser tägliches Brot hergerichtet wird, be­fagen die Antworten, daß die Arbeitsräume sich bei 272 Betrieben im Keller, 141 im Parterre, 2 im Souterrain befanden. Die Räume find meist eng, jedoch sah man davon ab, eine Ans­meffung der Räume vorzunehmen, da die Beantwortung dieser Frage etwas kompliziert war und ungenaue Beantwortung befürchten ließ. Man beschränkte sich darauf festzustellen, ob überhaupt die Mög­lichkeit einer reinen Luftzufuhr gegeben sei. Danach ergiebt sich, daß 248 Betriebe vorhanden, nach welchen genügend frische Luft in die Räume einziehen kann, für 131 Betriebe ist diese Möglichkeit nicht gegeben. 32 Fälle sind hier angegeben, wo die Arbeitsstätten als verpestete, dumpfige Höhlen bezeichnet werden. Diese Angaben be ziehen sich ausschließlich auf Kellerbackräume.

Bei eintretendem Temperaturwechsel wird sogar von parterre­liegenden Badkräumen angegeben, daß zeitweise das Wasser die Wände herunterlaufe.

Betreffs des Wechsels der Bettwäsche lanten die Angaben, daß man sich in 33 Betrieben überhaupt eines solchen Ereignisses nicht erinnert, 32 gaben den Wechsel auf ein Vierteljahr an und mm schwanken die Angaben bis auf 2 bis 3 Wochen.

Ein Wechsel der Bettwäsche bei Eintritt eines neuen Gesellen soll nach 165 Angaben nicht stattgefunden haben; nach 198 Angaben soll ein Wechsel vorgenommen worden sein, 17 Betriebe geben ihren Lenten Logis außer dem Hause.

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Politische Meberlicht.

Berlin , den 29. Mai. Anschlag auf das Reichswahlrecht. Jm Bundesrat soll, so geht das Gerücht, die Ge­währung von Diäten an die Reichstagsabgeordneten ernstlich erwogen werden. Die zahlreich widerholten und fast von allen Parteien einmütig gefaßten Beschlüsse des Reichs-. tags haben sicherlich wenn jenes Gerücht überhaupt richtiges mitteilt weniger zu diesen Erwägungen beigetragen als die Unannehmlichkeiten, die der Regierung selbst aus dem mangel­haften Besuch des Reichstags seitens der regierungsfrommen Parteien erwachsen sind.

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Sizvorrichtungen und Tische, die als das Allernotwendigste angesehen werden müssen, sind in 233 Schlafräumen nicht vorhanden( ja solche kommen nach Angabe auch nicht in den Arbeitsräinen vor). 23 Schlafräume haben für die von den Gefellen abgelegten Kleidungsstücke feine Spinden. Die dort beschäftigten Gehilfen hängen ihre Kleidungsstücke notdürftig ge­an die Wände oder in die Ecken der Schlafräume schüßt mit einem alten Tuch vor dem Mehlstaub. Daß bei solcher Musauberkeit allerwärts Ungeziefer anzutreffen ist, ist selbstverständlich. Mit der start hervortretenden Abneigung der Bäckermeister gegen alle Reinlichkeit steht im Einklang, wenn berichtet wird, daß nur in 290 Betrieben pro Mann die Woche ein Handtuch geliefert wird. Nur in 78 Betrieben kommen auf den Mann zwei Handtücher und in einem Betrieb 4 Handtücher. Alle andern lassen den Wechsel erst Was die Lichtzufuhr betrifft, so scheint man hierauf weniger in längeren Zwischenräumen eintreten. Wert bei der Fragestellung gelegt zu haben. Man stellte aber trotz­Kann man es den Arbeitern verdenken, wenn sie aus diesem dem fest, daß 17 Betriebe eriſtieren, bei denen ein Eindringen patriarchalischen Verhältnis herauskommen wollen und die Beseitigung Die Regierung soll nun die Gewährung von Tagegeldern des Tageslichts überhaupt unmöglich, sondern des Kost- und Logiswesens beim Meister verlangen? jeder Zeit Gas oder Petroleumlampen Verwendung finden müssen. Noch krasser treten die ekelhaften Zustände in den Bäckereien den Reichstag nach Schluß der Legislaturperiode sowie nach an die Bedingung fnüpfen wollen, daß die Wahlen für Was für die Sanberkeit der Arbeitsstätten spricht, so sei angegeben, hervor, wenn wir aus den Einzelschilderungen einige wiedergeben erfolgter Auflösung bereits binnen 14 Tagen stattfinden daß Mäuse, Schwaben, Motten, Ameisen, ja jogar Ratten in den Wir finden da folgende Angaben: Badräumen auftreten. Man hat diese Frage deshalb gestellt, wveil Nr. 9. Die Bäckerei befindet sich im Süden von Berlin . Jn müssen. Es soll nicht ausgeschlossen sein, daß dem Reichstag man überzeugt war, daß in Bäckereien, wo Ungeziefer, wie Mäuse derselben sind 2 Gehilfen und 1 Lehrling beschäftigt. Legterer erhält im nächsten Winter eine entsprechende Vorlage zugehen wird. und Ratten vorhanden sind, es gar nicht ausgeschlossen sein kann, nicht nur ganz erbärmliche Kost, sondern wird täglich über die gesez- Zur Durchführung dieses mutmaßlichen Regierungs­daß auch das Mehl auch wenn es in Säcken steht derartigen lich zuläffige Arbeitszeit beschäftigt. Desgleichen muß er Sonntag plans würde eine Verfassungsänderung nicht nötig sein. Barafiten zugänglich wird. So werden nicht nur die Säcke zernagt, vormittags bis nahezu 10 Uhr arbeiten. Die Schlafſtube, welche Die Verfassung fordert nur, daß die Neuwahlen binnen sondern all' möglicher Schmuß zu Nestern zusammengetragen, so daß sich neben der Backstube befindet, ist 4 Meter lang, 2 Meter breit 60 Tagen nach Auflösung des Reichstags stattfinden müssen. man in gefüllten Mehlsäden, die etwas länger den Lagerraum und Meter hoch. In derselben schlafen 3 Personen. Dieselbe brücken, gegebenenfalls ganze Mäuse und Rattennester wird als eine Bude voll Ungeziefer geschildert. Ebenso wird von Eine frühere Anberaumung der Wahlen schließt die Ver Nur die Bestimmungen des findet. Was hier als ein Mangel über die Sauberkeit der Badkräume den Eemmeltüchern gejagt, daß dieselben 15 Monate lang ungewaschen fassung in keinem Fall aus. Wahlgesezes von 1869 über Aufstellung und Auslegung empfunden werden muß, gilt in noch weit höherem Maße für die gebraucht würden. Sauberkeit der Badgeräte. der Wählerlisten hindern bisher die Ansehung eines sehr kurz fristigen Wahltermins.

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Nach 173 Angaben werden Semmeltücher über haupt nicht gewaschen, in 47 Betrieben wird eine halb- oder vierteljährliche Reinigung derselben vorgenommen, in 28 eine monat­liche und in 7 eine wöchentliche Reinigung. In 34 Fällen wird weiter angeführt, daß die Semmeltücher aus mangelnder Reinigung die uns angenehmisten Gerüche verbreiten, daß vielfach sogar die darauf gelegteware hängen bleibt oder vollschmug flebt. Zwei Betriebe gaben sogar an, daß die Semmeltücher den Küchen­lappen ähnlich find; in einem Betrieb finden sogar als Semmeltücher die schmuzigen Handtücher der Gesellen Verwendung. Was die Badeimer betrifft, so wird in 144 Betrieben wohl nach Gebrauch gespült, aber feine weitere gründliche Reinigung vor genommen. In 152 Betrieben werden dieselben wöchentlich einer gründlichen Reinigung unterworfen. In 47 Betrieben werden die felben alle 3 bis 4, 5 und 6 Wochen gründlich gereinigt. In zwei Betrieben wird sogar der Baceimer, da vielleicht kein Waschgefäß vorhanden ist, zum Waschen der Füße verwandt.

Ob die Gehilfen einen besonderen Naum zum Waschen hatten, ist bei der Fragestellung nicht erwähnt. In den weitaus meisten Betrieben ist es Ujus, daß die Waschgefäße in den Badkräunen Auf­stellung finden, ja vielfach bieten die Schlafräume nicht einmal Raum zum Ankleiden und müssen auch hier die Badkräume in Anspruch ge= nommen werden. Es ist bezeichnend für die Zustände in den Bäckereien, daß in keinem Betrieb ein Spudnapf an getroffen wurde.

Nr. 14. Die Bäderei liegt im Centrum von Berlin . Sie be­schäftigt drei Gehilfen. Die Badkräume liegen im Steffer; dieselben haben wohl genügend Licht, doch herrscht daselbst eine verpestete, stinkende Luft. Das Wasser läuft von den Wänden bis vor die Beuten. Das Wasserbassin fikt fingerdick voll Schmuz, und doch wird das warme Wasser aus diesem Behälter zum Vacken verwandt. Das Klosett befindet sich immittelbar über dem Mehlboden. Das felbe war schon vier- bis fünfmal verstopft und überschwemmte mit der Jauche den ganzen Roggenmehlfasten. Das daselbst vorhandene Mehl wird ruhig zum Baden verwandt.

Nr. 22. Die Bäderei liegt in einem Vorort von Berlin . Sie beschäftigt 2 Gehilfen. Von den Schlafräumen wird berichtet, daß dieselben neben dem Mehlboden liegen und allen äußeren Einflüssen, wie Negen, Schnee und dergleichen ausgesezt sind. Bettdecken find nicht vorhanden, man benuzi Pferdedecken zum zudeden. In einem wadeligen Bett schlafen die beiden Gehilfen zusammen.

Nr. 25. Die Bäckerei befindet sich im Norden von Berlin . Gs find drei Gehilfen in derselben beschäftigt. Die Arbeitszeit derselben beträgt täglich 15 Stunden. Die Schlafräume, welche voll von Un geziefer sind, liegen zwischen dem Pferdes und Holzstall. Zwei Personen schlafen abwechselnd in einem Bett. Festgestellt ist, daß die Semmeltücher überhaupt nicht gereinigt werden.

Nr. 169. Die Bäckerei befindet sich im Norden von Berlin und beschäftigt drei Gehilfen. Die Badkräume liegen parterre, doch kann fein Tageslicht in diefelben gelangen, da mur eine Glasscheibe in der Thüre, aber keine Fenster vorhanden sind. Die Schlafräume befinden Die Umfrage hat in Bezug auf die Arbeitszeit abermals fich direkt am Ofen, so daß es vor Size nicht auszuhalten ist. Die festgestellt, daß die Bestimmungen der Bundesrats- Berordnung viel- Gehilfen, welche sich ein andres Quartier suchen mußten, schlafen fach umgangen werden. Die Arbeitszeit beträgt in 239 Betrieben mun neben einem ausgeplagten Klosettrohr, den ekelhaften Gestank 12 Stunden, in 106 Betrieben 13 Stunden, in 34 Betrieben 14 bis einatmend. In diesem neuen Schlafraum ist nicht einmal das Um­15 Stunden, in 14 Betrieben 16-17 Stunden und in 4 Betrieben fleiden möglich. Die Kost wird als sehr schlecht geschildert.

Nun ein Teil der führenden Parteiblätter spricht sich bereits zu diesen angeblichen Regierungsabsichten aus. Die Deutsche Tageszeitung", die stets für Gewährung von Diäten eingetreten ist, will sich mit der Forderung von Der Reichsbote" trifft Gegenleistungen nicht befreunden. aber die Anschauung der Mehrheit der konservativen Parteien, wenn er erklärt: Wir glauben nicht, daß eine solche Ver. fürzung der Agitationsfrist den rechtsstehenden Parteien als ein genügendes Aequivalent für das Aufgeben der Diätenlosigkeit erscheinen wird..." Nur die, National­3eitung" ist inbrünstig einverstanden mit der Abkürzung der Agitationsfrist" und befundet ihren Liberalismus durch wahrhaft standalöse Auslassungen über die Bedeutung der Wahlagitation:

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Es ist uns bekannt, daß schon früher die lange Daner, welche die Wahlagitationen im Reiche regelmäßig annehmen, innerhalb der Regierung als ein Uebel angesehen und erörtert worden ist, und auch wir halten sie für ein solches. Wenn in England oder in Italien eine Auflösung erfolgt, so können die Neuwahlen binnen acht oder zehn Tagen stattfinden, und felten vergeht ein erheblich längerer Zeitraum. Bei uns geht es unter fünf bis sechs Wochen Wahlagitation nicht ab. Die lezte Auflöinng des Reichstags beispielsweise, die von 1893, erfolgte am 6. Mai, die Neuwahl am 15. Juni. Die nächste Folge ist, daß in der überlaugen Wahlagitation der Grund der Auflösung sehr bald zurück, ganz andre Streitpunkte immer mehr in den Vordergrimd treten. Käme es jetzt, was thatsächlich ausgeschlossen ist, zu einer