Neuer Vorwärts
Sozialdemokratisches Wochenblatt
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Nr. 170 SONNTAG, 13. Sept. 1936
Aus dem Inhalt:
Papst und Diktator
Der Preis für den Locarno- Ersatz Deutsche Justiz im Kriegsschmuck Der Terror in Danzig
Parteitag der Kriegsbereitschaft
Die Mobilmachung des faschistischen machtwillens
Die große Mobilmachung der braunen Parteiarmee in Nürnberg hat wieder begonnen. Sie erfolgt mit lautem militärischem Gepränge mit einem Aufwand von finanziellen Mitteln, der den ganzen Wahnwitz dieses Systems zeigt. Es ist eine Befehlsausgabe, bei der der angeblich dem Staat befehlenden Partei eröffnet wird, was der Diktator der Partei befiehlt.
Papst und Diktator
Der Hirtenbrief und die sozialistische
Zukunft Der Katholizismus ist eine gut funktionierende Internationale, soweit es sich um kirchliche Interessen handelt. Was dar
Wie immer ist diese Mobilmachung mit Gerüchten und Prophezeiungen umgeben worden. Man hat Erklärungen und Befehle über die internationale Politik , über die Friedensfrage, über die fernere Ausrottung der Juden in Deutschland angekündigt. Man hat ein Rätselraten veranstaltet über die Frage: Was wird er sagen? Klar ist nur eines: die Tatsache dieser Vermutungen ist ein schlichter, unwiderleglicher Beweis, daß die ganze Welt in Deutschland unter zu verstehen ist, wird immer vom eine Despotie erblickt.
Der Gang der Politik dieser Despotie aber ist eindeutig bestimmt durch den militärischen Charakter, durch die bis nen Nationen bestimmt werden, nicht aber zum äußersten getriebene Aufrüstung und Heeresverstärkung, durch die Aufopferung eines ganzen Volkes und seiner von vereinzelten» Modernisten<<, sie seien theologischer oder politischer Natur. Es Wirtschaft für die Kriegsvorbereitung. Die Nürnberger Parade ist nichts anderes als ein Symbol der Kriegs- mögen sich Millionen Katholiken aus polibereitschaft. Von dieser Parade der Kriegsbereitschaft aus wird das System zur---» Friedenskonferenz« tischen Gründen der katholischen Kirche
gehen!
entfremden: der Vatikan wird das würdigen, die Ursachen prüfen und die Menschen wieder einzufangen versuchen, aber er wird die internationale kirchliche Autorität nicht preisgeben. Sie beansprucht den ganzen Menschen in allen seinen Lebensäußerungen, auch den politischen. Diese umfassende kirchliche Autorität fühlt sich in der Gegenwart durch zwei ob nicht die Kraft| rung Sowjetrußland vertraglich verpflichtet totalitäre Staatssysteme eingeengt, ja Die Tatsache, daß die westeuropäischen Frage der Konferenz Großmächte ihre ganze Aufmerksamkeit der Verträge die Sowjetregierung trotzdem hat, im Ernstfall nicht etwa neutral zu blei- bedroht: durch das faschistische und das auf die projektierte Fünfmächtekonferenz zu einem unsichtbaren Teilnehmer ben, sondern Frankreich gegen Deutschland bolschewistische. Aus dem Umstand, daß gerichtet haben, die einen Ersatz für den machen müßte. Maßgebliche Franzosen ver-( wie vor dem Weltkrieg) militärische Hilfe die Kirche mit der Totalität des deutschen viel zu leisten, und nachdem die Sowjetregierung Nationalfaschismus in schwere Konflikte von Hitler zerrissenen Locarnopakt schaf- sichern, die Vertragsbindungen seien
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fen soll, überschattet verhängnisvoll die lockerer als wir anderen glaubten, keinesfalls sich zu offenbar uferlosen Rüstungen ent- geraten ist, haben bis vor kurzem manche europäischen Angelegenheiten. Frankreich aber werde die Substanz des Locarnogedan- schlossen hat. geschlossen, man werde die Kirche durch und Deutschland werden auf diese Konfe- kens durch sie betroffen. Es ist möglich, über Verträge, die man bolschewistische Toleranz in eine gemeinoder doch in eine gewisse renz mit vollkommen entgegen- Die Idee der Ausweitung ist dabei sicher nicht aufheben kann oder will, praktisch same Linie gesetzten Absichten gehen. Die keine rein französische Idee( etwa bloß mit soweit hinwegzusehen, daß nicht Fühlung mit der sonstigen deutschen Opfranzösische Politik will die Rücksicht auf den Russenvertrag entstan- mehr viel von ihnen übrig bleibt, position bringen können. Man vergaß daStabilisierung des Friedens den), sondern auch die Engländer wünschen aber wenn man Frieden und gutes Einver- bei, daß alle maßgeblichen Publikationen erreichen, die deutsche Politik die Lage im Osten geklärt zu sehen, schon nehmen will, muß die Tatsache, daß dies der universalen Kirche auch in der hitzigaber die Wiederausschaltung weil auch sie( wie Deutschland ) die Trag- die Absicht ist( wenn sie es ist), mit sten Fehde stets sehr gewichtige zwischen FaSowjetruẞlands aus der euro - weite des Russenpaktes genau kennen lernen vollkommener Deutlichkeit sichtbar und spür- Unterschiede schismus und Bolschewismus päischen Politik. wollen. Sie möchten die sowjetrussische Mit- bar werden.<< gemacht haben. Im bolschewistischen Der Eintritt Sowjetrußlands in den Völ- wirkung an einem Friedensplan nicht missen. kerbund wie die politische Annäherung Aber heute würden sie zweifel- aber es wird sie nur erhalten, wenn es sich Kommunismus sieht die Kirche nur den zwischen Frankreich und Sowjetrußland los eine Abschwächung der bis- dem deutschen Diktat unterwirft und das Abschluß einer aus der kirchlichen Lehre Frank- russische Bündnis opfert. Damit aber ist ein wichtiges Element des Friedens und herigen Allianzpolitik würde eine völlige Verschie- hebung, die das Individuum seit der frander Verteidigung der europäischen Demo- reichs begrüßen. Deshalb betrachtet lage zugunsten der faschisti
gen. Das französische Ziel ist von Léon schoben wird? Blum in seiner Rede vor den französi schen Sozialisten gezeigt worden, in der er seine Spanienpolitik aus dem großen Gesichtspunkt der Erhaltung des Friedens erläuterte. Das deutsche Ziel wird der deutschen Propaganda offen dargelegt.
von
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zu verwerfenden menschlichen Selbstüber
aus der göttlichen
von der
für die Kirche
kratie gegen den Eroberungs- und Beherr- man auch in England die französisch- polni- bung der europäischen Macht- zösischen Revolution Gebundenheit und Geborgenheit losgeschungswillen des internationalen Faschis- schen Visiten nicht ohne Wohlwollen.<< mus. Damit ist der Expansion des Faschis - Kann der Wille zur Ausschaltung Sow- schen Länder eintreten. Das ist trennt und über» Menschenrechte«<, die in mus ein Hindernis entgegengestellt worden. jetrußlands klarer zum Ausdruck gebracht die Zumutung, die die Hitlerpolitik an die ihrer liberalen Proklamation Kirche stets verworfen worden sind, zur Dies Hindernis hofft das Hit- werden? Kann man klarer fordern, daß Regierung Léon Blum stellt. rein materialistischen Lösung aller Zeitdie Fäden zu Sowjetrußland lersystem auf dieser Konfe- Frankreich Dem Streben nach Abrüstung und probleme geführt hat. Das alles ist und und zur Kleinen Entente lockere, Erhaltung des Friedens hat Léon Blum bleibt und wird bleiben renz zu beseitigen. Die Gegensätzlichkeit des französischen die mit einer Handbewegung als nicht seine gesamte internationale Politik unter- reines Teufelswerk, mit dem sie nicht pakund des deutschen Zieles ist nicht verbor- zum Kern Europas gehörig beiseitege- stellt, dies Streben liegt seiner Haltung tieren kann. Der Faschismus hingegen biein der Frage Spanien zugrunde. Angesichts tet für die Kirche kein einheitliches Bild. der deutschen Forderungen gleicht diese Neben der nationalistischen Mystik eines Politik nahezu einem Versuch der Qua- groben Materialismus aus» Blut und Bodratur des Zirkels. > Bei einiger Aufmerksamkeit hätte man den« trägt der Faschismus sozialökonoin England auch bemerken müssen, daß die Auf jeden Fall wird der Preis, den misch ständische Züge, die mit der bis deutsche Regierung immer an ihrem Vor- die europäische Demokratie heute schon jetzt maßgebenden kirchlichen Eigentumsund Sozialordnung grundsätzlich ein für diese Suche nach dem Unwahrschein- lehre schlag festhielt, dem Wettrüsten Der Faschismus predigt, Ende zu machen, und es wäre gut gewe- lichen bezahlt, immer höher, und die verwandt sind. sen, wenn die englische Presse, gleich der Vorgänge in Spanien zeigen die Gefahr, mindestens in seiner Phraseologie, die Frankreich das ein?<< schreibt die deutschen , sich darum bemüht hätte, der daß dieser Preis bald eine schreckliche Gottgebundenheit des Menschen und den konfessioneller Religionen, > Frankfurter Zeitung < Nr. 446: französischen Oeffentlichkeit Höhe erreichen könnte. Die europäische Wert daß und warum vom Demokratie hat diese Versuche seit dem das auch von Rednern, die nur noch eine >> Aber zunächst wären die führenden klarzumachen, europäischen Mächte>> unter sich<, deutschen Standpunkt aus die Hereinzie Zusammenbruch des Völkerbunds mit einer dunkle Ahnung ihrer einstigen lutherinämlich die drei Angrenzer im Rheingebiet: hung der Sowjetpolitik und der politischen und moralischen Schwächung schen Katechismusstunden besitzen, oft in die der katholische Deutschland , Frankreich und Bel- Sowjetarmeen in das europäische Spiel bezahlt. Der Preis, den der deutsche Fa- Formen geschieht, gien, sowie als Garantiemächte von Locarno eine grundlegende Aenderung der schismus von der französischen, von dem Kleriker entweder als Greuel empfindet Großbritannien und Italien . Diese strategischen und" wehrpoliti- Sozialisten Léon Blum geführten Regie- oder weise belächelt. Aber wie dem auch Mächte bilden tatsächlich den politischen Ueberlegungen und Maß- rung fordert, läßt erkennen, daß in der sei: jedenfalls vertreten die Faschisten Grade Philosophie - und StaatsSie sind dazu nahmen mit sich bringen mußte. französischen Politik die Existenz und Zu- aller schen Kern Europas . französischen sozialistischen systeme, die Autorität von bestimmt, das Fundament des europäischen Was vielleicht bis dahin noch als Schlüs- kunft der Friedens zu bilden. Sowjetrußland sel für die Bemessung der militärischen Be- Partei eingesetzt worden ist in einem letz- h er fordern, und das ist verwandt mit katholischen Auffassungen. eine Fünfmächtekonfe- dürfnisse der einzelnen Länder hätte hinge- ten verzweifelten Versuch, ein Ziel zu erliegt abseits kann unmöglich reichen, das mit dem Ziele der Hitlerpolitik So haben denn die deutschen renz würde diese Tatsache unterstreichen. nommen werden können, Bischöfe niemals in einem
Unter der
Ueberschrift
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>> Sieht
Nur fragt es sich
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und dies ist die kritische mehr gelten, nachdem die französische Regie- grundsätzlich unvereinbar ist.
wenn
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