Ende April 1934

Die Aufrüstung Deutschland s

Eine Denkschrift über Umfang, Tempo und Art

I. Die Kosten der Aufrüstung

Dass Deutschland aufrüstet, ist der ganzen Welt bekannt. Weniger bekannt ist, in welchem Umfang, in welchem Tempo und in welcher Weise das geschieht. Der Reichshaushalt für 1934 hat über den Umfang der deutschen Rüstungen Klarheit geschaffen. Trotz grosser finanzieller Schwierigkeiten, sehr starken Steuerdrucks, sprunghaft steigender Schuldenlasten und erheblicher Einschränkung der sozialen Ausgaben sieht der Etat eine Verdoppelung der Ausgaben für die Rüstungen vor. Sie steigen von 671 Millionen Reichsmark im Jahre 1933 auf 1354 Mil­lionen Reichsmark im Jahre 1934. Im einzelnen ergibt sich folgendes. Bild über die Kosten der Rüstungen:

Reichswehr Reichsmarine

Luftwesen

SA

i n

Millionen

Reichs mark

1933

1934

mehr

485

658

186

236

75

210

250

173

50

135

250

Wie aus dieser Aufstellung ersichtlich ist, sind Mittel für die Unterhaltung der SA zum ersten Mal in den Etat eingesetzt worden. Niemals zuvor sind Wehrverbände oder Selbstschutzorganisationen vom Staat unterstützt worden. Will man ermessen, was die Summe von 250 Millionen Reichsmark bedeutet, so braucht man nur darauf hin­zuweisen, dass die Geldentschädigung für die gesamte Reichswehr ( Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften) im Jahre 1933 nur 201 Millionen Reichsmark kostete.

Die Kosten für die Luftfahrt haben sich von 1935 zu 1934 ver­dreifacht. Aber man muss berücksichtigen, dass im Jahre 1932 der gesamte Aufwand für die Luftfahrt erst 41,6 Millionen Reichsmark ausmachte, obwohl schon damals ein erheblicher Teil der Mittel mili­tärischen Zwecken diente. Seitdem Göring Minister für die Luftfahrt ist, haben sich also die Ausgaben auf das Fünffache erhöht. Wenn die deutsche Regierung behauptet, die Erhöhung der Ausgaben für die Luftfahrt diene nur dem Ersatz des veralteten Flugzeugmaterials der privaten Lufthansa sowie dem Ausbau des Streckennetzes und des Nacht­verkehrs, so ist das eine starke Zumutung an die Leichtgläubigkeit der Welt. Die Zuschüsse des Reiches für den privaten Luftverkehr haben bis 1933 nur etwa 20 Millionen Reichsmark betragen.

Für die Einzelheiten der Ausgaben ist man auf die mit Absicht dürftige und verschleierte Veröffentlichung des Reichsetats im Reichs­gesetzblatt angewiesen. Sie enthält die Ausgaben nur spezialisiert nach Kapiteln, nicht aber nach einzelnen Titeln. Auch fehlen alle Er­läuterungen, sowie Vergleiche mit früheren Jahren. Ist daher auch ein Einblick erheblich erschwert, so vermittelt dennoch eine vergleichs­weise Betrachtung mit dem Jahre 1933 nach einzelnen Kapiteln viele wichtige Erkenntnisse,

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