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Nr. 203.

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3

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Erscheint täglich anker Montags.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

17. Jahrg.

Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene stolonel. geile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins­und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jebes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Grpcdition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Bernsprecher: Amt I, nr. 1508. Telegramm- Adresse: " Socialdemokrat Berlin"

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.

Parteigenossen!

Auf Grund der Bestimmungen der§§ 7, 8 und 9 der Partei­Organisation beruft die Parteileitung den diesjährigen Partei­tag aufbr

Montag, den 17. September, morgens 9 Uhr, nach Mainz in die Stadthalle Mainz " ein.

"

Als provisorische Tagesordnung ist feſtgeſent: Montag, den 17. September, und die folgenden Tage:

1. Konstituierung des Parteitags. Wahl des Bureaus. Festsetzung der Geschäfts- und Tagesordnung. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Mandate.

Sonnabend, den 1. September 1900.

2993 YE

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.

wieder behaupten, die Zahl der angemeldeten Verlegungen set jeder Fingerriz" angemeldet werde.

Das Fiasko der Berginspektionsreform. nicht maßgebend für die Beurteilung der Betriebsgefährlichkeit, da

nur 4.

Unter dem Eindruck des furchtbaren Grubenunglücks auf der Zeche Ist es nicht frappant, daß in den preußischen Sektionen, wo Karolinenglück" bei Bochum , im Februar 1898, angesichts der allein die berühmten Einfahrer" in Thätigkeit sind, die Zahl der 116 Bergmannsleichen, die dort zu Tage gefördert wurden, versprach schweren und tödlichen Unfälle weiter rapide stieg? Im Ruhr­Laut Beschluß des vorjährigen Parteitags findet der diesjährige Herr Bergwertsminister Brefeld, die Wünsche der Berg beden find 1898 allein 191 Bergleute bei Massenunglücken in Mainz statt. arbeiter nach Anstellung von Arbeiter Jnspettoren auzu Tode gekommen; 1899 Ivaren es Demach erfüllen. ging eine Studienkommission nach England, famen im letzten Jahre 518, im Jahr vorher 431 Ruhr­Frankreich und Belgien , um Inspektoren gemachten Erfahrungen zu ermitteln. Inzwischen aber liefen die treffliche Kontroll, reform" aber zum Vorschein, wenn wir die­die dort mit den Arbeiter- bergleute ums Leben, ohne Massemunfälle! Am deutlichsten kommt die Grubenbesiger Sturm gegen Brefeld, richteten energische jenige bergmännische Unfalls ursa che in Betracht ziehen, die dem Noten gegen die geplante Inspektionsreform an die Regierung; bekannte Arbeiter am gefährlichsten ist: Stein- und Kohlenfall. Be Mitglieder der fal. Bergbehörde ließen sich auch dahin vernehmen, daß tanntlich erzeugt dieser allein 30-40 Broz. aller Unfälle; um diese eigentlich die Grubenkontrolle eine vorzügliche sei, mur die Arbeiter furchtbarste Gefahrenquelle zu verstopfen, sind vornehmlich die Ein­feien leichtsinnig und zerschmetterten sich häufig ohne Not die Glied fahrer" angestellt worden, wie Herr Brefeld selbst fagte. Ganz ge maßen. Der Vorstand des deutschen Berg und Hüttenwig fann hier auch eine scharfe, ständige Kontrolle ungemein arbeiter Verbands überreichte darauf der Regierung eine viel Gutes arbeiter- Berband§ thun, indem sie auf sicheren Abbau, feste Denkschrift, in der ausführlich und beweiskräftig die Notwendigkeit Bimmerung u. dgl. streng achtet. Natürlich greift die Juspektion einer gründlichen Grubentontrolle nachgewiesen wurde. hier auch empfindlich in die" Interessensphäre" des Kapitals ein, Inzwischen kam, die Studienkommission zurück; ihr Bericht, denn eine gute Verbaung, überhaupt sorgfältiges Arbeiten ist in veröffentlicht in der ministeriellen Zeitschrift für Bergbau, Salinen- ben allermeisten Fällen nur möglich bei gutem Gedinge! und Hüttenkunde", brachte durchschlagendes Material bei Oder besser: nach Wegfall der gerade im Bergbau so mörderischen für die Vortrefflichkeit einer Grubeninspektion, an der praktische Ar- Accordarbeit. beiter teilnehmen. Aber die Frage war schon entschieden die Be­fürchtung der unabhängigen Presse, es würde der mächtigen Gruben­besiger- Partei, die Angehörige bis in die höchsten Staatsbeamten treise hat, gelingen, Brefeld mürbe zu machen, war leider nur zu Statt Arbeiter= gerechtfertigt. Inspektoren, wie versprochen, wurde durch den Dreillaffen Landtag Preußens eine eigen artige Institution geschaffen: die Einfahrer". Es sind dies Unter be amte, denen das Recht gegeben ist, als Assistenten der Bergräte die Gruben zu revidieren. Nur ja keine Arbeiter! Unter feinen Umständen eine Anerkennung der Arbeiterforderungen! Das war und ist noch immer das Programm unsrer Werksbefizer. Herr Brefeld wollte nicht hinter seinem Vorgänger Berlepsch zurüc Gruben und Hütten. Die 116 Bergleute von Karolinenglück" waren doch umsonst gestorben.

2. Geschäftsbericht des Vorstands.

Berichterstatter: 2. fanntuch und A. Gerisch.

3. Bericht der Controleure.

Berichterstatter: H. Meister.

4. Bericht über die parlamentarische Thätigteit. Berichterstatter: B. Singer.

5. Die Organisation der Partei

Berichterstatter: J. Auer.

6. Maifeier.

Berichterstatter: Th. Mener.

7. Die Weltpolitit.

Berichterstatter: Paul Singer.di

8. Die Verkehrs. und Handelspolitit.

Berichterstatter: R. Calwer.

=

"

-

9. Die Tattit der Partei bei den 2andtags bleiben, darum lieb auch er sein Qhr den Wünschen der Besizer der wahlen.

Berichterstatter: A. Bebel.

10. Anträge zum Programm.

11. Sonstige Anträge. od

Für Sonntag, den 16. September, ist seitens der Parteigenossen in Mainz eine Empfangs- und Begrüßungsfeier vorgeschen. Die felbe findet abends von 6 Uhr ab in der

statt.

,, Stadthalle Mainz"

Die Adresse des Lokalfomitees ist:

Valentin Liebmann, Mainz , Boppstr. 14. Für die Qnartierbeschaffung haben die Mainzer Genoffen einen besonderen Ausschuß eingesetzt. Delegierte, die in Bezug auf Wohnung 2c. besondere Wünsche haben, wollen sich an folgende Adresse wenden:

-

Was haben nun die neuen Inspektoren auf diesem, ihrem eigentlichen Gebiet geleistet? Darüber giebt nachstehende Tabelle Auskunft. Von den entschädigten Unfällen waren erzeugt durch Stein- und Kohlenfall, Umfallen von Gegenständen:

1898

1899

Bonn . Bochum

376

427

1081

1148

Klausthal

37

85

Halle

154

154

Waldenburg

36

62

Tarnowitz

420

476

Zwidau

92

86

München .

35 2 181

26

2409

Die Gesamtzahl der Versicherten stieg von 495 086 auf 521 352, Die Einfahrer" traten in Funktion; hauptsächlich das Ruhrbeden, also um 5,49 Broz. Die Zahl der schweren und tödlichen Unfälle Schlesien und das Saargebiet wurden mit der Inspektions- ,, Reform" durch Stein- und Kohlenfall nahm aber zu um 10,45 Proz.!!! bedacht. Auch diese Einfahrer" waren den Werksbesitzern noch zu Wie die obige Tabelle nachweist, entfällt diese Steigung einzig und viel; die Herren, denen nach eigner Aussage nicht die geringste allein auf die preußischen Reviere, in denen die Brefeldsche Reform" Pflichtwidrigkeit im Grubenbetrieb nachgewiesen werden kann, wirksam war! Fast sollte man sagen, diese Reform" habe erst sträubten sich sogar gegen die Zulassung der von Arbeitern sofort recht Unfälle gezeitigt. Jedenfalls liegt aber ihr gründ­als wirtungslos erkannten Einfahrer". Es bedurfte besondrer liches Fiasto so flar zu Tage, wie es nur zu wünschen Anweisungen der Bergbehörde, um den neuen Controleuren die Bahn ist im Interesse einer wirklichen Reformierung der Gruben­freizumachen. Berggendarmen" haben die Grubenherren kontrolle. die Einfahrer" ebenso geschmackvoll wie bezeichnend getauft.

Den Kenner unfrer Grubenverhältnisse konnte die Wirkung der Reform" nicht überraschen. Wo liegen die Ursachen?

-

-

Kaum hatten die Beamten einige Monate funktioniert, da konnte Die Einfahrer" find dem unteren Beamtenstande der Zechen die Berg- und Hüttenarbeiter- Zeitung" und auch der Bergknappe" schon melden, daß die Einfahrer" genau so hinters Licht geführt entnommen. So sollte das Arbeiterelement an der Grubenkontrolle würden wie die akademisch gebildeten Bergräte. Dagegen teilnehmen, da bekanntlich die Unterbeamten durchweg ehemalige las man bald in der Werks- und Regierungspresse, die Bergarbeiter sind. Aber es ist die Erziehung und Gewöhnung der neuen Controleure übten eine fegensreiche Thätigkeit" aus, die Leute nicht bedacht worden. Es stellte sich heraus, daß sich viele Heinrich Beeh, Schriftfeger, Mainz , Breitenbacherstr. 21. günstige Resultate" zeitigen werde. Ursprünglich war eine Ver- von ihnen immer noch als Werksbeamte betrachten. Sie er­Barteigenoffen! Wir fordern Euch nun auf, die erforderlichen mehrung der Einfahrer" geplant, aber im letzten preußischen Etat fimdigen fich nach dem Gedinge und tadeln den hohen Lohn"! Borarbeiten zu treffen, insbesondere die Wahl von Delegierten und war auch davon nicht mehr die Rede. Alle Fachleute und Social Sie teilen aus ihrer Bragis ihre Erfahrungen im Gedingebemessen mit die Einreichung der Anträge rechtzeitig zu bewirken. politiker mußten darum hochgespannt sein auf die günstigen und erklären den Kameradschaften:" Das Gedinge steht hier viel zu Resultate" der Berginspektions-, neform" und wir erwarteten fehn gut." Schärfer wie mancher Werksbeamter achten manche Ein­Die Anträge müssen spätestens den 3. September in den Händen süchtig die 1899er Unfallstatistik der deutschen Berglente. fahrer" auf das pünktliche Schichtmachen der Arbeiter; uns find bes Borstands, Adresse: Die Statistik liegt nun vor uns. Um es gleich vorweg zu Fälle gemeldet worden, wo der Hilfscontroleur fast unter Thränen . Auer, Berlin SW. 47, Kreuzbergstr. 30 nehmen: Sie offenbart das vollständige Fiasko der Bre- den Arbeitern vorhielt, wie sie nur so wenig auf den Nutzen des Werts bedacht seien. sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 8 Absatz 2 der feldschen Reform"! Geben wir erst einige allgemeine Zahlen zum besten. Ins Diese Thätigkeit paßt freilich für einen kapitalistischen Angestellten, Partei- Organisation im Vorwärts" veröffentlicht werden und in die gesamt sind bei der Knappschafts- Berufsgenossenschaft 52 357 Un bat aber mit der Grubenkontrolle nichts zu thun. Wie gesagt, manche gebrudte Vorlage für den Parteitag Aufnahme finden sollen. fälle angemeldet und 6307 entschädigt worden, Prozentual ist die Einfahrer können nicht vergessen, daß sie Steiger gewesen find. Anträge von einzelnen Parteigenoffen bedürfen der Gegenzeich- Unfallsgiffer gefallen, von 12,77 pro 1000 Versicherte in 1898 auf Da fie in ihrem früheren Beruf bezüglich der Sicherheitszustände mung des Vertrauensmanns oder des Vorstands der örtlichen bezw. 12,10. Auch die Zahl der tödlichen Unfälle ist gesunken; sehr oft beide Augen zudrüden mußten, um das festgesetzte Quantum Streisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung 1898 waren es 1254= 2.53 pro 1000, 1899 mir" 1060= 2,03 tohle liefern zu können, so ist es leicht zu verstehen, wenn die pro 1000. Aber das Bild ändert sich sofort, wenn wir die Opfer Arbeiter erzählen, der Einfahrer sebe gar nicht die gelangen sollen. Der Mann ist daran von früher der Massenunglüde, bei denen 10 und mehr Tote und Verwundete Berbotswidrigkeiten. gezählt wurden, von der Gesamtsumme abziehen. Laffen wir die gewöhnt, er achtet sie nicht; absichtlich übersehen wird Maffenunfälle außer acht, so ergiebt sich folgendes: Es verunglückten er wohl nichts. So kommt es denn, daß die Arbeiter­im deutschen Bergwerksbetrieb tödlich: fachpresse jetzt wie früher über gröbliche Verlegung der absolut bergpolizeilichen Vorschriften zu berichten hat, trotz der Einfahrer". pro 1000 Versicherte Man muß auch die Stellung der Bergbehörden zu den Gruben­Kapitalisten berücksichtigen, um zu ermessen, was eine Reform wert von oben allein ausgeht. Die Einfahrer" find Die bergmännische Todesziffer ist also immer noch im Steigen ist, die von der Behörde, diese wieder ist mit tausend begriffen, in Belgien , Frankreich und England ist sie lange nicht so abhängig von familiärer Fäden und den freundschaftlicher Natur mit Die Genoffen, welche Anträge einreichen, werden darauf auf hoch wie bei uns und fiel dazu seit 2 Jahrzehnten ständig. Nun wollen wir untersuchen, welche Wirkung die herrliche Werksbefizern verknüpft; natürlich thut jeder unparteiisch seine mertfam gemacht, daß etwaige, den Anträgen beigegebene Motive weder im Vorwärts" noch in der dem Parteitag vorzulegenden ge- Brefeldsche Reform" hatte. Damit auch dem Laien die wunderbare Pflicht, aber die Grubenprozesse haben ja gelehrt, wie es trot weder im Vorwärts" noch in der dem Parteitag vorzulegenden ge- neform" finnenfällig wird, seien die Unfallsziffern der 8 Sektionen dem in der Tiefe aussteht. druckten Vorlage Aufnahme finden können. Die, Genossen haben für 1898 und 1899 nebeneinandergesezt. Es wurden Unfälle ent­das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitag entweder persönlich zu schäbigt: vertreten oder durch befreundete Genoffen vertreten zu laffen; außerdem empfiehlt es sich, wichtige Anträge vor dem Zusammen tritt des Parteitage in der Preise zu erörtern. Die Motive aber in die Parteitagsvorlage aufzunehmen, verbietet sich aus räumlichen Rücksichten und der damit verknüpften unvermeiblichen Wieder­holungen willen.

Die Parteigenoffen, die zum Barteitag kommen, werden erfucht, von ihrer Delegation dem Vorstand und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen.

Mandatsformulare, mit deren Bersendung am 27. August be­gonnen wird, sind durch das Parteibureau, Adresse:

J. Auer, Berlin SW. 47, reuzbergstr. 30,

zu beziehen.

"

Berlin , den 6. August 1900.

tisingsta

Mit socialdemokratischem Gruß

Der Parteivorstand.

1898 1899

982 Arbeiter 1044

1,98 2,00

"

Ein Arbeiterinspektor, von der Belegschaft in freier Wahl ernannt, von niemandem abhängig, bietet dagegen die vollste Gewähr für eine thatsächliche Reformierung der Kontrolle. Natürlich muß davon tödlich er ein tüchtiger Praktiker sein, aber die find gar nicht so selten, wie uns die Werkspreffe glauben machen will. Auch ist es durchaus nicht nötig, baß der Arbeiterinspektor ein bestimmtes politisches Glaubensbekenntnis hat, nur rückgratsteif muß er sein, um hartnäckig allen Lockungen, von welcher Seite sie auch kommen mögen, widerstehen zu können. Solche Leute werden freilich nicht über zu hohe Gedinge lagen, aber sie werden unerbittlich für sorg­fältiges Arbeiten forgen, und sollte auch deshalb das Gedinge er höht werden müssen. Solche Arbeiterinspektoren werden auch bald Herausfinden und aussprechen, daß die lange Arbeitszeit, die vielen

1898

1899

davon tödlich

Bom Bochum Klausthal Halle

941

144

1050

167

3086

662

3011

522

124

25

117

11

529

115

517

103

Waldenburg.

114

25

146

36

Tarnowig Zwidau München.

1168

193

1117

154

271 145

46

62

269 80

43 24

Wir haben abfichtlich nur bie entschädigten Unfälle in Betracht gezogen, da unsere Gegner trog aller Zurechtweisungen stets