Nr. 300.
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Dienstag, den 25. Dezember 1900.
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Sollte man aber angesichts einer solchen Entwicklung nicht nur Jedenfalls, so erklärt das Münchener Blatt weiter, würden dies an der Mission des Christentums, sondern auch an der aller Kultur jenigen falsch rechnen, die mit dem Abgang des Grafen Posadowsky überhaupt verzweifeln? Wir haben anläßlich der deprimierenden einen Systemwechsel in den Fragen der Zollpolitik erwarten. Zwar Vorgänge des legten Jahrs Verzweiflungsausbrüche dieser Art er droht die Deutsche Tageszeitung" wiederholt mit dem üblen Einlebt, und es waren nicht die schlechtesten Männer der Bourgeoisie, brud, den der Rücktritt des Grafen Bosadowsky im Lande" machen die dieser trostlosen Stepsis verfielen. Virchow erklärte die Un- würde, und bekundet damit ihre Befürchtung einer Schädigung möglichkeit, dem Dichaggernaut des Weltunrechts in die Speichen zu der agrarischen Brotwucherer- Interessen. Aber die Socialdemokratie, fallen, und Karl Jentsch konstatierte mit ähnlicher Resignation welche die schnöde Affaire aufgedeckt hat, war stets weit entfernt die verbrecherische Sinnlosigkeit der Geschichte. Und doch liegt zu irgend welche Hoffnungen für die Regelung der Handelspolitik aus dieser Stepsis keinerlei Anlaß vor. dem Rücktritt eines Staatssekretärs zu ziehen. Wir werden sicherlich den Nachfolger des Grafen Posadowsky gleichermaßen zu bekämpfen haben wie ihn selbst. Nicht unsre Partei- Interessen fordern die Befeitigung eines bis auf die Knochen kompromittierten Ministers. wir hatten mur einige Zweifel, ob das Interesse der eignen Reinlichfeit oder doch des Scheins der Reinlichkeit die Regierung zur Abstoßung des wunden Glieds veranlassen würde. Geschieht dies nicht, uns bleibt es recht.-
gewagt, daß die Masse der sog. civilisierten Staaten wahrer Kultur bereits gewonnen wären, daß, wie die Theologen das von ihren christlichen Idealen behaupteten, sittliche Ideale die Handlungen der Menschen, die Aktionen der Staaten bestimmten?
Eine höhere Geisteskultur ist heute noch ein seltener ZugusBegenstand, aber nichts weniger als Gemeingut des Bolts. Wie fann man aber an der Wirksamkeit eines Mittels verzweifeln, das man ernstlich noch gar nicht hat erproben können?
Wie mit der unentrinnbaren Regelmäßigkeit einer periodischen Naturerscheinung hat der Zeitungsleser zu Weihnachten mit den obligaten Weihnachtsartikeln zu rechnen. Die Blätter, die an drei hundertundzehn Erscheinungstagen des Jahrs die Realpolitik priesen, die im Abstreifen aller Sentiments von Humanität, Völkerrechtsbegriffen, patriotischem Tatt, Treue, und im im ausgiebigsten und rücksichtsosesten Gebrauch des Achtmillimetrigen und Denn welcher echte Kulturfreund hätte je schon zu behaupten des Bajonnets besteht, gefallen sich an den drei großen Feſten des Jahrs ganz unvermittelt in religiöser Stimmungsmache. Und namentlich das Weihnachtsfest veranlaßt Leute, die das ganze Jahr über für Hunnentum, Brotwucher und Zuchthausgefege geschwärmt haben, auf dem Altar der Menschenverbrüderung und Nächstenliebe einige beizende Räucherkerzen anzuzünden. Und die Junter, Fabrikanten, Affefforen, kurz all die honetten Leser dieser Breffe, nehmen an dieser Stilwibrigkeit nicht ben geringsten Anstoß. Sie, die dem Familienglüd im Herzen einen Tempel errichtet und baneben einem fleinen Mäbel ein lauschiges Boudoir gemietet haben, die einige hunderttausend Mart zu Kirchenbaufonds steuern, um tausende armer Witwen und invalider Handwerker um Millionen auszuplündern, die für die tapferen stammverwandten Boeren schwärmen, um ihren Feinden Geschüße zu liefern, finden an dem grotesken Wechsel nichts Auffälliges und Anstößiges. Wer freilich noch so sehr an philosophischen und ästhetischen Schrullen hängt, daß er solch einen Verwandlungstünstler nicht für die feinste Blüte des Menschentums hält, sondern in harmonischer Einheitlichkeit des Denkens und Fühlens das Bildungsideal erblickt, der wird angesichts dieser Dinge von heftigen Kulturschmerzen befallen.
Die Note der Mächte,
Die ungeheure Mehrheit der Bevölkerung der Kultur"-Nationen deren Inhalt wir nach der Köln . 8tg." bereits am Frei befindet sich in materiell so trostloser Lage, ist der Gewinnung der tag telegraphisch brachten, ist noch immer nicht bon nadtesten Notdurft wegen zu so aufreibender förperlicher Fron ber Amerita unterzeichnet worden. dammt, daß ihr die geistige Eutwvidlung absolut verschlossen ist. Aber man bilde fich auch nicht ein, daß alle die Befferfituierten, die die leitung vorausgeschickt worden. Sie beginnt mit pathetischen Den Bedingungen selbst war eine stimmungsvolle Einhöheren Bildungsinstitute absolvieren durften, nun auch die Deklamationen über die chinesischen Unthaten, die entsprechende intellektuelle und moralische Reife erlangt hätten. als in der Geschichte der Menschheit unerhörte Diese Bildungsanstalten dienen nicht idealen Bildungszwecken, erbrechen" bezeichnet werden, als Verbrechen gegen sondern in erster Linie der Züchtung brauchbarer Werkzeuge das Völkerrecht, die Menschlichkeit und die für den Klassenstaat. Es muß also schon eine glüd- Civilisation. Die Note beschuldigt beschuldigt weiter die liche Anlage oder eine besondere anderweitige Anregung chinesische Regierung des Verrats, da fie Das Wort vom Frieden auf Erden" wird auch diesmal aus den hinzutreten, um am Baum der Wissenschaft die Früchte der Kultur durch ihre Vertreter im Ausland erklärte, sie beschütze die Gesandtschaften, während sie dieselben thatsächlich beUnfre Kultur ist nichts als eine gleißende Scheinkultur. In Iagern ließ; fie erhebt Anklage wegen der Er. wenig bewegten Zeiten mag die schimmernde Oberschicht den Schlamm m or dung des japanischen Kanzlers Sugiyama Schlamma der Tiefe verbergen, es bedarf aber nur einer Erschütterung, um die durch kaiserliche Soldaten, wegen der Folterung und Schmugwellen aufschäumen zu lassen. Ist das aber ein ewig un- Ermordung von Ausländern in Peking und in abänderlicher Zustand?
Weihnachtsbetrachtungen nicht völlig ausgemerzt werden können, so schwer es auch den Festleitartiklern werden mag, das Jonglieren mit diefer frohen Botschaft" nicht als blutige Sottise erscheinen zu lassen. Denn die Politit dieses Jahrs war die krasseste Verhöhnung des Weihnachtsevangeliums, die der boshafteste Geist antichristlicher Negation hätte ausdenten tönnen. Haben sich doch die christlichen" Nationen gerade in diesem Jahre mit untilgbarer Schmach bedeckt. Die Thaten, die im verflossenen Jahre in Afrika und Asien verübt wurden, waren derart, derart, daß selbst ihre glühendsten Verteidiger und Verherrlicher nicht umhin fonnten, zu erklären, daß sie allerdings mit dem Maß stab des Christentums und der Moral nicht gemeijen werden dürften. Das war die Bankrottertärung der Moral und des offiziellen Christentums, die Ausschaltung dieser Fattoren für das reale Wölferleben, die Emancipation der Bestieninstinkte. Und gerade diese rohen Instinkte des Tiermenschen gebändigt zu haben, war bisher der höchste Ruhmestitel des Christentums!
völlig ausreifen zu lassen.
stillen Winkel vergraben wird.
nisse für abgeschlossen hält, wenn stets nur einer fleinen Minderheit Burch Borer und kaiserliche Soldaten. Wenn man die Entwicklung unsrer heutigen Produktionsverhält höfen der Ausländer und der Schändung der Leichen Wenn man die Entwicklung unsrer heutigen Produktionsverhält vielen Provinzen und wegen der Entweihung von Frieddie Emporentwicklung zur Kultur gegeben sein soll, dann allerdings. Die Massen werden dann ewig das Werkzeug strupelloser Real- Geschmack, sich trotz der Verübung der unerhörten Die Mächte besigen also noch immer den zweifelhaften politiker bleiben, während die Handvoll gesitteter Menschen ewig Sunnenthaten durch ihre Truppen, trok des vergeblich gegen den Strom zu schwimmen versuchen, oder, der ver- Mordens, Sengens und Plünderns im Dienste geblichen Anstrengungen müde, sich angewidert in irgend einen der europäischen Civilisation und des Christentums als Vertreter der Kultur und des vergewaltigten Völkerechts aufAber zum Glück haben bereits Millionen die heutige Gesell- zuspielen. Die Moral, die doch nach Herrn v. Bülow in der schaftsordnung als Hindernis der ferneren Kulturentwicklung erkannt. Bolitik nichts zu suchen hat, spreizt sich gewaltig in diesen Ihre Empörung über die schmachvolle Preisgabe alles dessen, was Motiven der Note, freilich eine Moral, für die kein Philosoph die moderne Stultur als ihre vornehmsten Errungenschaften die Verantwortung übernehmen würde. betrachtet, verpufft nicht in Seufzern der Resignation oder zornigen Die Anhänger und Vertreter des historischen Christentums, der Anklagen, sondern entflammt sie zum zielbewußten, unabläffigen, über Völkerrecht, Menschlichkeit und Civilisation zu halten, Wie wenig die Mächte Ursache haben, China Vorlesungen chriftlichen Kirche selbst waren es, die ihr diesen tödlichsten Schlag nachdrücklichsten Stampfe gegen jenes Reservoir urältester Barbarei, das haben wir seit Monaten Tag für Tag erörtern müssen. bersetzt haben, von dem sie nie mehr genesen wird. Gerade die Anbeter der neuen Hunnenmoral waren es, die bisher gegen die kapitalistische Gesellschaftsordnung. so verächtlich über die materialistische Geschichtsauffassung aburteilten, Menschen, das Erbteil seiner Abstammung, verflossen. Religiöse Völkerrecht mit Füßen getreten. Neunzehnhundert Jahre sind im Kampfe gegen die Bestie im Räubereien und Vergewaltigungen China gegenüber das Neunzehnhundert Jahre sind im Kampfe gegen die Bestie im Seit Jahrzehnten haben die„ chriftlichen" Mächte durch ihre Und als der lange die den Entwicklungsgang der Geschichte, den Fortschritt der Kultur Naturen haben sich vergeblich an der fittlichen Hebung der Mensch genährte Groll der mißhandelten Nation sich endlich von den Veränderungen der ökonomischen Struktur ableite und damit heit versucht. Ein Fortschritt wurde durch jahrhundertelanges Ringen Luft zu machen drohte, da thaten die Legationen der dem menschlichen Geiste, dem göttlichen Funken in der Menschenbrust zwar immerhin erzielt, allein wie winzig war er im Vergleich zu Mächte alles, und der religlösen Erziehung den bestimmenden Einfluß bestreite. den Absichten und Erwartungen dieser Initiatoren. Die Bourgehen den Funken in das Pulverfaß zu werfen. Das um durch ihr anmaßendes VorNeunzehnhundert Jahre bereits wirkt diese vis major der geoisie hat jezt im Kampfe gegen die Barbarei Bombardement der Tatuforts durch die Mächte chriftlichen Erziehung und das Resultat? Der christlich erzogene endgültig die Waffen geftredt. Der Socialismus gab das Signal zur allgemeinen Erhebung. Die Ermordung Europäer braucht nur mit dem Träger einer geringeren oder anders jedoch iegt den Kampf fort, mit dem Eifer der früheren des deutschen Gesandten und die Belagerung der übrigen gearteten Kultur zusammenzustoßen und alle Nähte der christlichen Stämpfer, aber mit ungleich besseren Waffen. Der Moral plagen und heraus springt der nackte Tiermensch mit all feinen Sumpf soll ausgetrocknet werden, dem die Miasmen entbrutalen Instinkten. steigen, die den furchtbaren Wahnsinn in den Hirnen er zeugen. Und auf jedem Fußbreit trockenen Bodens, der gewonnen wird, wachsen neue Kämpfer empor, die frei sind von dem Fieber wahn, die Menschen müßten sich bestien- zeugt ebenso sehr von der bekannten diplomatischen Klugheit Daß man die Regierung des Verrats beschuldigt, gleich gegenseitig gerfleischen, so wolle es ein ewiges wie von grenzenloser Heuchelei. Konnte denn der Hof, Naturgeset". der sich in der Gewalt der Leiter der Erhebung befand, anders handeln? Hätte er aber, die Möglichkeit vorausgesezt, anders gehandelt, so hätte er sich des schnödesten Berrats am eignen Volt schuldig gemacht.
Welch ein Erfolg neunzehnhundertjähriger Erziehung! Und die offiziellen Vertreter des Christentums schlagen nicht etwa entsegt an ihre Brust, um zu bekennen, daß das Christentum, das sie schon für den Sauerteig des gesellschaftlichen Lebens gehalten, noch immer ein toter Fremdkörper sei, der die Lebensfunktionen des socialen Organismus völlig unbeeinflußt gelassen habe. Auch das wäre ja schon eine Bankrotterklärung des Christentums gewesen, aber der ehrliche Glaube an seine Wunderkraft wäre doch gerettet worden. Nein, man bollzieht nunmehr eine reinliche Scheidung zwischen Christentum und Politit. Das Christentum ist gut genug, um Individuen im verwahrlosten eignen Gesellschaftskörper
Scheu vor Leben und Eigentum einzuflößen, gut genug, um die besiglose Masse vor„ Begehrlichkeit" zu bewahren. Im Völferleben
So tann die ringende Menschheit trotz alledem die frohe Botschaft des Weihnachts- Evangeliums hoffnungsfreudig vernehmen!
Legationen war die Folge dieses eklatanten Bruches des Völkerrechts. Und dann folgten die einzelnen Stadien des in der Geschichte des Jahrhunderts unerhörten Hunnenkriegs.
Noch steht also Amerikas Einwilligung aus. Außerdem find die Hauptforderungen( ,, allerstrengste Bestrafung" der Hauptschuldigen, entsprechende" Entschädigung) derart unbestimmt auch den abgefaßt, daß dadurch sowohl China als dissentierenden Mächten vollauf Gelegenheit zu den aber scheidet die christliche Moral aus: hier ist Begehrlichkeit wird so lange dauern, als der Herr Graf im Amte ist, der im prächtigsten Winkelzügen geboten ist. nach des Nächsten Land und habe eine nationale 12 000 Mart- Bettel nichts als eine Folge übergroßer bureaukratischer Auf China wird allerdings dadurch eine Pression ausTugend, hier gilt das Recht des Stärkeren, hier gilt engstlichkeit erblickt. Die Stellung des Grafen ist erneut erschüttert geübt, daß man die Occupation Petschilis so lange aufrecht nicht das Gebot der Nächstenliebe, sondern der alte heidnische worden durch die Feststellung, daß Herr v. Woedtke nur vorgeschobene erhalten will, bis den Bedingungen entsprochen ist. Aber Grundsatz der Rta che, nur mit dem Unterschied, daß dies Gebot des Person war und daß der Staatssekretär selbst der eigentlich diese Occupation kann auch für die Mächte auf die Dauer ein sehr teures Vergnügen werden. Die UnterRächens heute in die Potenz erhoben ist, daß für einen er Schuldige ist. schlagenen Miffionar tausend Boyer vertilgt werden. Die Münchener Allgemeine Zeitung " behandelt in langen Aus- haltung der Militärstationen und einer stärkeren Die Weltpolitik, die neben dem Segen protestantischer Flotten- führungen und zwiefachen Korrespondenzen ihrer Berliner Mitarbeiter, Schuhwa che in Peting wird ohnehin an die Mächte pastoren auch den des Papstes erhalten hat, sanktioniert nicht die zu den Wissenden" gezählt werden wollen, von neuem die ganz bedeutende finanzielle Anforderungen nur die Politik des Weltraubs und ewiger Welthändel, Bosadowsky- Angelegenheit. Das Blatt singt das Lob des Grafen in stellen. Jedenfalls sind wir noch lange nicht beim Schlußakt des fie rehabilitiert nicht nur den eine Zeitlang doch bereits verpönten hohen Tönen und würde sein Amtsende schwer bedauern. Aber es Eroberungstrieg, sondern sie führt auch den legitimen glaubt dieses Ende in sichere Aussicht stellen zu müssen. chinesischen Abenteuers angelangt. Massenmord, der im Laufe der Jahrhunderte doch immerhin durch Einer der Berliner Korrespondenten, ein Parlamentarier, erklärt: Ausbildung friegs- und völkerrechtlicher Stipulationen eine mildere Daß Graf Bosadowsky gehen wird, gilt in Form angenommen hatte, wieder zu seinem niedrigsten Ausgangs- parlamentarischen Kreisen als nahezu gewiß. Wer hat England in eine fieberhafte Aufregung versetzt. Man hatte sich punkt zurück, zum wüsten Gemegel, in dem Pardon nicht gegeben an seine Stelle tommt, ob Herr v. Rheinbaben, ob Herr v. Bitter schon der schönen Zuversicht hingegeben, daß der Krieg zu Ende sei wird. Welch ein Fortschritt während der neunzehnhundert Jahre aus Posen, darüber streiten sich die Habitués des Asphalts der und Lord Kitchener nur noch einige flüchtig umherirrende Boerenchriftlicher Zeitrechnung! Wilhelmstraße..." häuflein abzufangen hätte. Lord Roberts , der als„ Sieger" heim
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Der drohende Afrikanderaufftand