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Nr. 22.

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Seru fprech- Anschlu: Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Mittwoch, den 27. Januar 1892.

Amtliche Berichte über staatliche nädigteit in den amtlichen Berichten, welche das

Arbeiter.

Für das Etatsjahr 1883/84:

Der Gesundheitszustand der Arbeiter war im All­gemeinen ein befriedigender... Die... a II­gemeine Aufbesserung in den Lohnverhältnissen hat sich auch auf den fiskalischen Werksbetrieb erstreckt."

Für das Etatsjahr 1884/85: Der Gesundheitszustand der Arbeiter war während dez" Berichtsjahres recht günstig... Die Lohnver­hältnisse der Arbeiter waren günstig für dieselben." Für das Etatsjahr 1885/86:

Der Gesundheitszustand der Arbeiterbevölkerung war günstig.... Die Lohnverhältnisse... blieben im Allgemeinen für die Arbeiter fast ebenso günstig, wie im Vorjahre."

Expedition: Beuth- Straße 3.

arbeitende Wolf bis auf Papier to Druderschwärze Politische tebersicht.

Volk und mitbezahlt, die Lage der Staatsarbeiter schöngefärbt wird. Dabei wird mit soviel Geistesarmuth und

M

Berlin, den 26. Januar.

Der Fiskus, der sich eben bei der Bahnverwaltung in Oberflächlichkeit verfahren, daß man nicht einmal nach Die erste Berathung des Volksschul- Gefehes Preußen als ein so aufrichtiger Freund der Arbeiter be- einer Abwechslung in formalen Sinne für die einzelnen findet gegenwärtig im Landtage statt. So viel Staub währt, bekundet diese Aufrichtigkeit auch bei der Verwal- Jahre strebt, sondern einfach jedes Jahr dieselben hohl- dasselbe bei seinem Bekanntwerden aufgewirbelt hat, so tung der Bergwerke, Hütten und Salinen, die er in Preußen flingenden Phrasen vom letzten Jahr wieder abschreibt. grimmig die Parteien sich befehdeten, daß man hätte er betreibt, und besonders aufrichtig ist er in den amtlichen Es geht wie in dem bekannten Liede:" Ob's Jahr ist warten sollen, in der Debatte würden die Geister hart auf Nachrichten, die er alljährlich hierüber an das Abgeordnete n- schlecht, ob's Jahr ist gut"- die Lage der Staatsarbeiter einander platen, so friedlich und einmüthig in Beziehung haus erstattet und eben wieder erstattet hat. Wenn man bleibt stets befriedigend und günstig", oder wenigstens auf das Wesentliche des Gesetzes verlief die Debatte am sich nämlich einmal die Mühe nimmt, eine längere Reihe im Allgemeinen günstig", jedenfalls im Allgemeinen ersten Berathungstage. Freikonservative, Konservative, solcher amtlicher Berichte über die Arbeiterlage bei den fast ebenso günstig als im Vorjahre."" Und ob Typhus - Nationalliberale, Ultramontane und Polen sprachen sich Bergwerken u. 1. w. des preußischen Fiskus durchzusehen, epidemien durch die Reihen der Arbeiter schreiten, ob die für die konfessionelle Schule aus. Der frei­so erhält man folgende erbauliche Zusammenstellung. Es Bergmannskrankheit an Es Bergmannskrankheit an Augen und Lunge nach den konservative Abg. Wessel, Landrath seines Reichens, ist heißt in dem amtlichen Schriftstück: Beobachtungen der Aerzte ihre stetigen Fortschritte macht, im ganzen für die konfessionelle Schule, möchte aber aus ob die Influenza ganze Belegschaften niederwirft, um ein finanziellen Gründen auch die Möglichkeit paritätischer Beispiel zu nennen, das auch andere Bevölkerungsschichten Schulen zulassen. Im Uebrigen bläft er etwas auf der mittrifft- den amtlichen Berichten ist dies Alles höchst Kulturkampfs Flöte gegen Katholiken und Polen . Der gleichgiltig; für sie bleibt der Gesundheitszustand der Ar- Conservative Abgeordnete von Buch hat an dem Gesetze beiter immer und ewig im Allgemeinen befriedigend" und nicht viel auszusehen; die Gehaltserhöhung der Lehrer die Krankheitsfälle sind immer nur vereinzelt". Große macht ihm etwas Kopfschmerz, auch beklagt er, daß Streiks, die wie Wirbelwinde über den Bergbau streichen der Grundbesitz durch das Gesetz zu sehr belastet und auch in der Lage der Staatsarbeiter so manches auf will auch nach Möglichkeit die konfessionelle Schule, werde. Abgeordneter Enneccerus ( nationalliberal) decken, was der Ausbeutung in den Privatgruben so ähnlich und bekämpft nur das übertriebene Roufeffionalitäts­sieht wie ein Ei dem anderen, sie vermögen der bureau­zuhaben die Lage der Arbeiter war, ist und wird sein der Schluß der Rede auf kulturkämpferliche Reminiszenzen kratischen Starrheit unserer amtlichen Berichte Nichts an- prinzip. Wie beim Abg. Wessel läuft auch bei Enneccerus nach den Verfassern der amtlichen Berichte außerhalb der gegen das Gesez nur ein Bedenken, daß in der Schule zu im Allgemeinen befriedigend". Diese Staatsarbeiter stehen hinaus. Der alte Ultramontane Reichensperger hat ganzen modernen Wirthschaftsentwickelung. Sie nehmen viel gelehrt werde. Außer Religion solle nur noch Lesen, keinen Theil an dem Auf und Ab des von regelmäßigen Schreiben und Rechnen gelehrt werden; was darüber, sei Der Gesundheitszustand der Arbeiter war ein Krisen durchzuckten Weltverkehrs, an den technischen und vom Uebel, mache die jungen Arbeiter unzufrieden und treibe günstiger... Die Verhältnisse der Arbeiter waren sozialen Verschiebungen der Gegenwart ihr Be- sie in die Arme der Sozialdemokratie. Der Pole, Abg. im Allgemeinen wiederum recht günstig finden ist stets im Allgemeinen befriedigend". Hier kommt von Jazdzewski, spricht gleichfalls seine Zufriedenheit und erfuhren im Vergleich zum Vorjahre vielfach... bie alles Leben ertödtende Starrheit der klassenstaat- mit dem Gesetze aus. Da haben wir die Gesinnung von eine Besserung." lichen Bureaukratie zum krassesten Ausdruck, weil der mehr als neun Zehnteln des Abgeordnetenhauses, von denen Für das Etatsjahr 1888/89: Gegensatz zwischen ihr und den bewegten Lebensverhält kein Einziger sich gemüßigt fühlt, fich zum Kämpfer für Geistes­ Der Gesundheitszustand der Arbeiter war ein beniffen zu groß ist, als daß er vom blödesten Auge über- und Gewissensfreiheit zu machen. Das Band, welches die Schule, friedigender... Die wirthschaftlichen Verhältnisse der sehen werden könnte. Freilich giebt es ein preußisches Ab- Lehrer und Schüler, an die Kirche bindet, will höchstens der eine Arbeiter waren im Allgemeinen fortdauernd geordnetenhaus, das sich diesen Hohn auf die Thatsachen der Schule von der Kirche wollen alle Parteien, nur handelt etwas lockerer als der andere geknüpft haben. Die Abhängigkeit günstig." alljährlich von Neuem bieten läßt und die amtliche Phraseo- es sich um die Etikettenfrage zwischen Kirche und Staat, logie, ohne die Amtamiene zu verziehen, in seine Mappe Für das Etatsjahr 1890/91: Der Gesundheitszustand der Arbeiter war im Allge- zum Uebrigen legt. Aber vielleicht findet sich doch einmal ob der Staat unter tirchlichem Segen und Rath die Schule meinen ein befriedigender.... Die wirthschaft- selbst in dieser Körperschaft ein Abgeordneter, der noch eine beherrschen, oder ob es die Kirche unter Beihilfe des welt­lichen Verhältnisse der Arbeiter waren im Allge- Spur von Empfindung für die Fragwürdigkeit der Rollen Erziehung der Jugend zu denkenden und selbständigen lichen Arms thun soll. Für die Sache der Schule, für die hat, welche die Berichterstattenden und die Berichtempfangen­meinen günstig." Der Leser wird wohl dem Zufall danken, der uns die den in dieser Angelegenheit spielen. Er kann, was wir hier Menschen, wird in keinem Falle etwas gewonnen. Es wäre Berichte für 1886/87 und 1889/90 nicht gleich zur Hand wir einmal ab, ob die Bourgeoisie noch die Kraft hat, aus des Klassenstaates zu erwarten, denn eine solche Bolts­nur andeuteten, in hundert Ginzelzügen ausführen. Warten auch Thorheit, derartiges in einem Volksschul. Gesetz haben läßt und ihn davor verschont, dieselben inhaltslosen ihren Reihen einen ehrlichen Kritiker dieser Ungehörigkeiten erziehung wäre zugleich der Sturz des Klassenstaates. Phrasen noch zweimal mehr genießen zu müssen, die ohne Zweifel auch für diese fehlenden Jahre in den amtlichen zu stellen. Referaten enthalten sind. Der Zweck obiger Zusammen­stellung ist ja nur, nachzuweisen, mit welcher Hart­

Für das Etatsjahr 1887/88:

Feuilleton.

Nachdruck verboten.]

Am Webstuhl der Zeit.

( 29

Beitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster.

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tagsruhe hält. Die künstlichen Mittel, die das möglich ge­macht, fönnen unmöglich auf die Dauer anhalten. Wir stehen an einem tieferen Abgrunde, als wir glauben."

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Die nationalliberalen Kautschuck- und Hampelmänner haben jetzt endlich die Formel für ihre Anklage gegen den neuen Reichskanzler gefunden. Er hat das

feinem Wohlbefinden gereichte, vorausgesetzt, daß er Niemanden dadurch in seinen natürlichen Rechten beeinträchtigte, zu feinen Dienstleistungen veranlaßt wurde, die ihm nicht durch die " Wir stehen jegt an einem tieferen Abgrunde, als wir Dienstleistungen der Anderen vollständig vergütet wurden. glauben," wiederholte Frank, tein wahreres Wort ist heute Jetzt, im Gegentheil, findet das Kind des Armen kaum noch gesprochen worden. Denn, nun ändern Sie sich das oben das Unentbehrliche auf dem Erdboden, trotzdem dieser Boden erwähnte Gleichniß vom Hungrigen, der am Brotschranke jetzt unendlich mehr zu bieten hat als früher, und wir klar des Gesättigten Wache steht, so um, daß aus dem Brot- berechnen können, daß er noch einige hundert Mal mehr schranke ein Geldschrank wird, und daß das Geld im Schranke bieten kann. Selbst das Billigste, das durch allgemeinen dem Bedürftigen und seinen Genossen nicht nur fehlt, sondern Genuß gar nicht zu Vermindernde, die geistige Bildung Ich fahre fort, meine Herren," nahm Frank seine in der Hand des Besizers geradezu ein gefährliches In- wird ihm geschmälert durch unsere zivilifirten Zustände. Rede wieder auf: und frage Sie, was wir nunmehr von strument wird. Ja, meine Herren, dieses Geld in der Sehen Sie, und das ist der allerschlimmste Schand­einem gesellschaftlichen Zustande halten sollen, in dem faft Hand des Besizers zwingt den Besitlosen, ein Sklave, ein flect unferer sozialen Einrichtungen. Champagner nichts mehr von dem erfüllt wird, um dessen willen die Tributpflichtiger des faulen Geldsacks zu werden, und ich und Austern, das sieht auch der Arbeiter ein, menschliche Gesellschaft in ein Vertragsverhältniß getreten. frage Sie ernstlich, fann in unserem modernen Staate von tann nicht Jeder jeden Tag genießen, weil die Es ist wahr, das Leben ist geschüßt, aber nur vor Freiheit, Gleichberechtigung, von freiwillig eingegangenen hinreichende Menge dieser Artikel nicht zu beschaffen einem gewaltsamen Tode, nicht vor dem Tode all- Verträgen die Rede sein, wenn ich nur die Wahl habe, sie wäre; und wenn ich meinerseits auch mich nicht entschließen mäliger Berkümmerung durch ungenügende Nahrung, anzunehmen oder zu verhungern? Ich frage Sie, meine fönnte, etwas zu genießen, allein, ohne Berdienst, während mangelhafte Verpflegung, ungesunde Wohnung, gefähr Herren, welcher Zwang ist größer, der, wenn ich mit der es Andere entbehren müssen, so kann ich es doch begreiflich liche Berufsarbeit, Ueberbürdung, Kummer, Noth und Waffe in der Hand den Anderen zur Dienstleistung zwinge, finden, daß eine Anzahl Genußmenschen Alles aufbieten, um Drangsal. Die Beschützung des Lebens gegen gewalt- oder der, wenn ich zu ihm sagen kann und sage: Diene diese Genüsse, an denen Alle eben nicht theilnehmen können, thätige Zerstörung kommt den Besitzenden mehr zu Statten, mir, oder ich laß' Dich verhungern?" für ihren ausschließlichen Gebrauch zu retten. Aber schon als den Armen, weil die Besitzenden mehr bedroht sind und Ein menschenentwürdigendes Bild," meinte Jwan, an dem Kinde der Armuth ein Unrecht zu begehen, indem mehr Ursache haben, das Leben zu lieben. Aber schon bei aber wahr, ganz wahr!" man es von dem Genusse an den geistigen Gütern, die der Frage vom Echutz des Eigenthums kommen wenigstens Und nun frage ich Sie weiter, meine Herren," begann unendlich und unverzehrbar sind, ausschließt, das ist so zwei Drittel der Staatsangehörigen in die Lage, zu fragen: Frank von Neuem, wodurch unterscheidet sich unser Rechts- ungeheuerlich, daß unsere Zeit es kaum zu begreifen im warum sollen wir das Eigenthum schüßen, da wir kein zustand von heute von dem Zustande, in welchem sich die Stande ist. Der Schneider, der unserm Dr. Lange Eigenthum besitzen und keine Aussicht haben, jemals welches Menschen vor Bildung eines Staates befanden? Vergegen die Kleidung fertigt, der Schuhmacher der ihm die Schuhe wärtigen Sie sich die Thatsache, daß früher der Mensch frei besohlt, ist nicht jeder Zeit in der Lage, die Werke des und unabhängig auf die Erde fam, ein unbestrittenes Recht selben zu kaufen, obwohl er durch seine Gegenleistung dazu hatte, darauf leben zu können, daß er seine Nahrung nehmen berechtigt wäre, aber das ausbeutende Kapital beschneidet fonnte, wo er sie fand, und sie fand, so lange überhaupt seinen Verdienst dermaßen, daß er für seine geistige Er­Nahrung vorhanden war, daß er Alles thun konnte, was zu bauung nichts übrig behält, und die Werte des Dr. Lange

zu erwerben?"

Sehr wahr," bemerkte Jwan; es ist eine eigene Ge­schichte, dem Hungrigen zumuthen zu wollen, daß er vor dem Brotschranke des Gesättigten Wachse stehen und andere Hungrige abwehren soll, während der Gesättigte seine Mit­