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Nr. 71.

Abonnements- Bedingungen:

Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatt. 1,10 mt., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags Nummer mit illuftrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft­Tbonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in der Boft- Bettungss Preisliste für 1901 unter Mr. 7671. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat.

Erscheint täglich aufer Montags.

Vorwärts

19 on

Berliner Volksblatt.

18. Jahrg.

Die Insertions- Gebüye beträgt für die fechsgespaltene Kolonets zeile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins­und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in derExpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an GSonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet.

Telegramm- Adresse: Socialdemokrat Berlin"

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.

Zum Kampf!

6 th

Add

Sonntag, den 24. März 1901.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.

Mit dem 1. April 1901 eröffnen wir ein neues Abonnement sellschaft, hat alle Ursache, wo fie kann, einem Verfall der auf den ,, Vorwärts" mit seinem wöchentlich fünfmal erscheinenden Landwirtschaft entgegenzuwirken; denn die Ernährung des Volks Unterhaltungsblatt und der Sonntags- Beilage ,, Die Neue durch von außen gekaufte statt durch selbst produzierte Lebensmittel, die Arbeitsteilung zwischen Industriestaat und Agrarstaat, ist ein Bustand, der nicht andauern kann und nicht dauern wird. Auf der andren Seite fällt es uns auch nicht ein, die Notlage der Landwirtschaft zu leugnen.

Welt".

-

Neu

Im Unterhaltungsblatt wird der jetzt laufende Roman ,, Die bunte Reihe von Fris Mauthner zu Ende geführt. eintretenden Abonnenten wird der bisher erschienene Teil dieses Romans tostenlos nach geliefert.

Zum bevorstehenden Quartalswechsel ergeht an Euch abermals die Mahnung: Werbt neue Abonnenten für das Kampf­organ, den Vorwärts"! Das Centralorgan der Partei und Organ der Parteigenossenschaft der roten Reichshauptstadt ist längst das verbreitetste politische Blatt Berlins . Grade in den letzten Monaten ist wieder eine bedeutende Vermehrung des Abonnentenstands zu verzeichnen gewesen. Dennoch darf Eured Arbeit um die Verbreitung Eures Blatts nicht ruhen. Neue Zehn­tausende sind von der Notwendigkeit der Lektüre eines socialdemokratischen Blatts zu überzeugen.

Ist doch die augenblickliche politische Lage derartig, daß es mehr als je gilt, die arbeitenden Schichten des Volts vor den sie bedräuenden Gefahren zu warnen und sie zur rüftigen Abwehr anzuleiten.

Es ist uns gelungen, den großen Social- Roman situ

Arbeit"

bon

Emile Zola

für den Vorwärts" zu erwerben.

"

Der Vorwärts" wird das einzige Berliner Blatt sein, das diese neueste Schöpfung des französischen Meisters seinen Lesern zu bieten bermag. Mit dem Abdruck wird demnächst begonnen.

Mit zähem Ungestüm ist das Junkertum am Wert, eine ungeheuere Verteuerung des täglichen Brots durchzusehen. Gelingt es der mächtigen agrarischen Clique, den Doppeltarif durchzudrücken, so bedeutet das nicht nur den unerhörtesten Brotwucher, sondern auch die Herauf- monatlichen Preise von beschwörung des Zollkriegs, der

die ärgfte Schädigung unsrer Exportindustrie

nach sich ziehen müßte.

Erscheint sie uns auch nicht so groß, wie sie die schreienden" Landwirte malen, so auch nicht so rosig, wie sie der liberale Optimismus schildert, der den Maßstab für die Rentabilität der Landwirtschaft in der Zahl der Champagnerflaschen sieht, die einzelne Großgrundbefizer bei Dressel leeren. Das ist eine ebenso sinnreiche wie bequeme Methode, die landwirtschaftlichen Zustände zu studieren. Leider haben nicht bloß zahlungsfähige Leute allein die Gewohnheit, Champagner zu trinken. Sie findet sich sogar bei Bankrotteuren.

Bestehen über das Ausmaß diefer Notlage verschiedene Meinungen, so liegt doch ihre Ursache klar zu Tage: sie ist darin zu suchen, daß Länder mit geringeren Produktionskosten des Ge­treides, bezw. der Agrarprodukte überhaupt, in Konkurrenz treten mit den alten Industrieländern, in denen die landwirtschaftlichen Produktionskosten hoch stehen. Warum sind aber diese Kosten in neuen Ländern geringer als in alten? Einmal weil ihr Boden noch nicht ausgesogen ist, also reiche Ernten ohne großen Arbeits­und Kapitalaufwand liefert. Aber diesem natürlichen Vorteil steht der natürliche Nachteil gegenüber, daß der Markt für die über­schüssigen Produkte der neuen Länder die alten Länder sind; diese Post- Produkte haben einen viel weiteren Weg zum Markt zurückzulegen als die Agrarprodukte der alten Länder, die in der Nähe des Markts gewonnen werden.

Für Berlin nehmen sämtliche Beitungsspediteure sowie unsre Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum

1 Mark 10 Pfennig frei ins Haus. Für das übrige Deutschland nehmen sämtliche anstalten Bestellungen zum Preise von

Eine solche Schädigung unsrer Industrie bedeutet Arbeits- 1 Mark 10 Pfennig pro Monat losigkeit, Hunger und Glend für die direkt Betroffenen, und drohende Lohnreduktionen und Unsicherheit der Existenz für das gesamte Proletariat infolge des An­wachsens der industriellen Referbe Armee.

=

Zu den natürlichen Vorteilen der Landwirtschaft in den neuen Ländern gesellen sich aber auch sociale. Diese Länder find an den europäischen Händeln nicht beteiligt, daher bis jetzt frei vom Militarismus und seinen Lasten gewesen. Sie verfügen aber auch noch über ungeheure Strecken Landes, die nichts oder so gut wie nichts kosten. In den alten Ländern dagegen ist der Grund und Boden das Monopol einer Grundbesizerklasse geworden, die von Boden zu bestellen, verlangt. Daran, an der Grundrente, die aus dem Privateigentum am Grund und Boden hervorgeht, traukt vor allem die europäische Landwirtschaft.

( ausschließlich Bestellgeld, 14 Pfennig pro Monat) entgegen.( Ein­getragen ist der Vorwärts" in der Post- Zeitungsliste unter Nr. 7671.) Im Auslande kann der Vorwärts" gleichfalls bei der Post Der Kampf gegen die Brotwucherer und den Brotwucher kann bestellt werden; der Abonnementspreis beträgt vierteljährlich nur von einer schlagfertigen, wohldisciplinierten 5 Fr. 1 Cts. in Belgien , 3 Fl. in Holland , 3 Kr. 59 Dere Masse geführt werden; wer aber der Arbeiterpresse einen Abon- in Dänemart, 5 Fr. 71 Cts. in Italien , 5 Fr. 15 Cts. in dem Landwirt einen Tribut für die Erlaubnis, den Grund und nenten zuführt, vermehrt die proletarische Kerntruppe uremburg, 4 Kr. 66 Heller in Oestreich- Ungarn , 6 Fr. um einen Streiter! 10 Cts. in Rumänien , 4 Str. 17 Dere in Schweden , 5 Fr. in der Nicht minder verhängnisvoll wie das Attentat der Brotwucherer Schweiz ; 9 M. in Frankreich , England, Spanien und bedroht das Bolt das

China- Abentener,

das eine immer berhängnisvollere Gestalt angenommen hat. Trotzdem sich die deutsche Invasionsarmee unter der Führung des Weltfeldmarschalls Waldersee bereits seit vielen Monaten in Ostafien befindet, trotzdem uns das überseeische Kriegsabenteuer bereits Hunderte von Millionen gekostet hat, ist ein Ende des selben noch gar nicht abzusehen. Niemand weiß, zu welchen

internationalen Verwicklungen

diese unselige Einmischung in die chinesischen Verhältnisse noch führen

Portugal , den Vereinigten Staaten von Nord­ amerika und andren zum Weltpostverein gehörenden außer europäischen Ländern.

Unter Kreuzband direkt von der Expedition bezogen kostet der Vorwärts" pro Monat 2 Mark innerhalb Deutschlands und feiner Kolonien und in Oestreich- Ungarn , im Ausland 3 Mark pränumerando.

Redaktion und Expedition des Vorwärts".

fann. Graf Bülow giebt sich zwar den Anschein der unverwüft- Die Notlage der Landwirtschaft."

lichen Zuversicht; für wie bedenklich aber in Wirklichkeit die Ne­gierung die Lage hält, beweist der Umstand, daß nicht nur das ge­jamte Expeditions corps, sondern auch die

Linienschiffsdivision

auf unbegrenzte Zeit in Ostafien bleiben soll. Gegen China fönnte aber nicht einmal die Kreuzerflotte Verwendung finden, das Verweilen der Linienschiffe beweist also, daß man mit den schlimmsten Eventualitäten rechnet. Und da in der That England nach wie vor emsig bemüht ist, Deutschland immer von neuem zu Unbesonnenheiten anzustacheln, so muß lauter und nachdrücklicher noch als bisher von der Masse des arbeitenden Volks der Ruf er

hoben werden:

Los von China !

Statt der Politik der gepanzerten Fauft, statt der annettions: lüfternen Weltmachtpolitik verlangen wir eine gesunde innere Politik, eine energische Politik socialer Reformen!

wir uns ohnehin bereits in einer

Periode des wirtschaftlichen Niedergangs

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe, die einen Vorteil aus der Preissteigerung der agrarischen Produkte ziehen könnten, nämlich die der Betriebe von mehr als 5 hektar, beträgt 1 305 082. Ihre Inhaber samt ihren Angehörigen repräsentieren etwa 5-6 Millionen

Personen.

Wir können hier auf die Theorie der Grundrente nicht eingehen, wir können nur die Erscheinungen der Oberfläche berühren. Die Grundrente tritt flar zu Tage im Bachtsystem: Der Pachtschilling iſt eine Last für den Landwirt; das Wachstum dieser Abgabe kommt nur einer Klasse von Grundbesizern zugute, die ganz unnüße Drohnen sind, für die Landwirtschaft gar nichts bedeuten und deren Verschwinden die Gesells schaft unendlich erleichtern würde.

Nicht so klar liegt die Sache dort, wo der Landwirt und der Grundbesißer eine Person sind. Aber dieselbe Rolle, die beim Bacht­system der Grundbesizer, spielt hier der Hypothekengläubiger. Der nominelle Grundbesizer wird immer mehr nur ein Pächter, der von des Gläubigers Gnaden seinen Boden bebaut und die Grundrente in Form von Hypothekenzinsen dem Hypothekenbesiger abliefert.

Je höher die Preise der landwirtschaftlichen Produkte, je größer, unter sonst gleichen Umständen, die Einnahmen des Landwirts, desto größer die Pachtſummen, die er als Bächter zahlen muß; desto höher der Wert des Grundbesitzes, desto größer die Summe, die der Landwirt als Erbe oder Käufer seines Betriebs für ihn bezahlen oder, wenn er nicht das nötige Bargeld hat, dem Hypothekengläubiger verzinsen muß.

Das ist höchstens ein Drittel jener Bevölkerung, die Land­wirtschaft im Hauptberuf betreibt, und ist nur ein Behntel der Gesamtbevölkerung Deutschlands . Es müßten schon erhebliche Interessen auf dem Spiel stehen und bedeutende Vorteile dadurch Wenn die Preise der Agrarprodukte stetig steigen, wie das bis erreicht werden können, wenn die übrigen neun Zehntel um dieses in die Mitte der siebziger Jahre hinein der Fall war, dann ge­eines Behntels willen sich große Opfer auferlegen follten, namentlich winnen beide dabei, der Bächter und der Grundbefizer, der Bauer wenn man erwägt, daß die größere Hälfte dieser neun Zehntel zu und sein Gläubiger. Der erstere vorübergehend, der zweite dauernd, den Besitzlosen und Armen zählt, indes in dem einen Zehntel sehr feiner aber verliert etwas. Die Zeche hat die Masse der Konsumenten wohlhabende und steinreiche Leute zu finden sind. zu bezahlen. Dieses große, nationale Interesse soll das der Landwirtschaft Die Sache ändert sich, wenn plöglich Agrarprodukte, die billiger fein. Allerdings, es find nur 1 300 000 Betriebe an den Agrar- produziert werden, auf den Markt kommen. Der Landwirt im alten zöllen interessiert; aber diese Minderheit der landwirtschaftlichen Lande hat nun alle Ursache, auf eine Verminderung der Produktions­Betriebe umfaßt beinahe die gesamte deutsche Landwirtschaft; die kosten hinzuwirken, also vor allem auf eine erabsehung der Eine solche Reformpolitik ist um so dringender zu fordern, als ihr gegenüberstehende Mehrheit besteht aus Zwergwirtschaften, die Bachtzinsen und der Grundstückspreise, bezw. auf Ver­für die Lebensmittelversorgung des Bolts nicht in Betracht kommen, minderung der Hypothetenschulden. Der Grunds Die 3 236 000 Betriebe unter 2 Hettar bebauen zusammen bloß befizer hat dagegen alles Interesse, die Grundrente, bezw. die Grund­befinden, die viele Tausende von Arbeitswilligen mitleid. 2416 000 hektar, die Million Betriebe von 2-5 hektar bewirtschaften stückpreise hochzuhalten, und dazu dient ihm vor allem der Zoll auf Ios auf das Straßenpflaster geworfen hat, als das fich 4 142 000 hektar, die 1 300 000 größeren Betriebe dagegen umfassen landwirtschaftliche Produkte. Je mehr dieser aber das ihm vom Grundbesitzer gesetzte Ziel erreicht, die Bachtzinsen oder Grundstücks­immer fester zu Arbeitertruhverbänden zusammenschließende 36 727 000 Heftar. Unternehmertum Anstrengungen macht, den Arbeitern die schwer Diese sind es, erklären die Agrarier, die dem deutschen Volk sein preise zu erhöhen, beziehungsweise hoch zu halten, um so mehr muß erkämpften fargen Borteile der Profperitätsperiode wieder Brod und sein Fleisch liefern; wenn fie verfallen, hängt die Er- er dadurch die Landwirtschaft belasten, der so eine künstliche zu entreißen. Ist auch König Stumm tot, der Stummsche nährung des Volts vom Ausland ab, jeder Krieg, ja schon jeder Erhöhung der Produktionstosten gerade in dem Geift regt sich gerade jetzt wieder in zahllosen Stümm wirtschaftliche Verhältnis eines Volts zu seinen Nachbarvölkern am dringendsten bedarf. 8olfkrieg kann sie bedenklich stören. Wie immer fich das Moment zu teil wird, wo sie der Erniedrigung derselben lingen. Nur sehr vorübergehend können die Agrarzölle der Landwirts Darum muß ebenso laut wie der Ruf zur gewertschaft- gestalten mag, wie sehr es auch von dem Wachsen der Export­Wo es ihnen gelingt, die Preise der agrarischen lichen Abwehr auch der Ruf zur politischen Er- industrie abhängen mag, seine Landwirtschaft muß in blühendem schaft helfen. mannung erhoben werden. Die Presse aber ist Guer Arsenal Zustand erhalten bleiben, sonst hängt das Gedeihen des Volks in der Produkte dauernd hochzuhalten, dort führt das zu einer Erhöhung und Euer Egerzierplatz, Euer Schwert und Eure Flamme, Luft und kann durch jeden kräftigen Windstoß von außen um der Bachtzinsen und der Güterpreise, dem entsprechend auch der hypothekarischen Verschuldung. darum Genossen, agitiert mit Feuereifer für die Verbreitung des Es liegt viel Wahres in diesen Bemerkungen. Aber die Agrarzölle bieten nicht einmal die Gewähr, daß die Preise der Namentlich die Socialdemokratie, die Erbin der heutigen Ge- agrarischen Produkte dauernd hoch bleiben. Das Schwanken dieser Preise hängt vom Weltmarkt ab. Wird ein Zoll eingeführt, so dürften *) Wir entnehmen mit einigen Kürzungen diese Aus- die Preise im Inland wohl ungefähr um den Betrag des Zolls in die führungen der heute im Verlage der Buchhandlung Vorwärts Höhe gehen; dem entsprechend werden auch die Güterpreise, also erschienenen Broschüre von Karl Kautsky : Handelspolitik die Produktionskosten steigen. Wenn aber später die Preise auf dem und Socialdemokratie". Populäre Darstellung der Handels- Weltmarkte weiter sinken, dann kann keine Macht der Welt hindern, politischen Streitfragen. daß sie auch im geschützten Inland sinken; die Landwirtschaft ist

,, Vorwärts"!

Wie bisher wird auch fürder der Vorwärts", aufklärend und befeuernd, mit rücksichtslofer Schärfe gegen alle Schäden des wirt­schaftlichen Organismus und des politischen Lebens fämpfen. Alle politischen, socialen und kommunalen Fragen werden aktuelle und erschöpfende Behandlung finden..

N

geblasen werden.

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