Nr. 75.
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Telegramm- Adresse: Socialdemokrat Berlin"
neuester Roman
Arbeit
beginnt demnächst im Vorwärts" zu erscheinen.
Zwing Cölln.
Freitag, den 29. März 1901.
bilde. Darum also ist diese neue 8wingburg mit Schießicharten und allem Verteidigungswerk gleich einer wirklichen Festung erbaut worden.
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Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3.
Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.
fassen, welche sich lange Zeit hindurch der Herrschaft nützlich und treu erwiesen hätten, nicht entbehren möge. Diese sollten das Schloß nach Burglehnsrecht und Gewohnheit bewachen und im Fall der Not mit aller Macht verteidigen helfen."
So entstand damals 3 wing Cölln aus den Kämpfen der Krone gegen die Adelsrebellen.
Es ist nicht das erste Mal, daß der Kaiser die Soldaten als seinen besten Schußhort wider, ben inneren Feind" anruft. Im Jahre 1891 sprach er das geflügelt gewordene Wort vor den Rekruten:" Ihr habt nur einen Feind, Gegen wen könnte in unsren Tagen ein andres und das ist mein Feind! Und müßte ich Euch einst 8wing Cölln wirksam werden? Fürchtet man, daß eines Tags aus vielleicht Gott wolle es verhüten dazu berufen, auf dem benachbarten Cirkus Busch die agrarische Rebellion hervor Eure eignen Verwandten, ja Geschwister und Eltern zu brechen verdel, nachdem die Nachfahren der einstigen Adelsrebellen schießen, so denkt an Euren Eid." Jm November 1893 die Verweigerung höchsten Kornzolls mit der Empörung der sagte der Kaiser ähnlich bei der Rekrutenvereidigung: Ihr märkischen Bauern bedroht haben? jeid berufen, mich in erster Linie vor den Oder hat der Kaiser an die Socialdemokratie gedacht, äußeren und inneren Feind zu schützen." Und die allerdings die weitaus stärkste politische Partei in Berlin ist und bei gleicher Gelegenheit sagte der Kaiser auch im vorigen Herbst: seit dem Regierungsantritt des Kaisers, der einst sagte, die SocialIhr habt den Feind niederzufämpfen, Ihr habt auch im demokratie überlassen Sie mir", gewaltig in die Höhe wuchs? Innern die Ordnung aufrecht zu halten."
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Das Kaiser Alexander Garde Grenadier Regiment hat heute eine neuerbaute Kaserne in der Prinz Friedrich- Karlstraße unfern dem kaiserlichen Schloß bezogen. Der Umzug wurde zu einer militärischen Festlichkeit, in der der Kaiser hervorragend mit- Bisher beließ es der Kaiser bei allgemeinen Wendungen. Jetzt wirkte. Das Regiment nahm im Luftgarten Aufstellung und der aber spricht er von blutiger Straßenrevolution, geradezu als ob er Kaiser in militärischem Festkleid und den großen Feldmarschallstab ihr Kommen ernstlich erwarte und befürchte. Auch spigt er jegt in der Hand führte es von dort in die neue Kaserne. Hier bildeten seine Betrachtung über Zukunftmöglichkeiten unmittelbar auf die Truppen Karree und der Kaiser hielt eine Ansprache. Berlin zu.
Ein offizieller Bericht dieser neuesten Kaiserrede liegt nicht vor. Es verlautet, daß die anwesende Breßvertretung aufgefordert worden sei, zunächst über die Ansprache näheres nicht mitzuteilen. In einigen Blättern ist die Ansprache dennoch wiedergegeben. Danach Hat der Kaiser vor den Soldaten gesagt:
Aber schon die geschichtlichen Erinnerungen an das Jahr 1848, die zur Gemütsbelastung des Kaisers beitragen, beruhen auf irrtümlichen Voraussetzungen. Nicht Berlin trieb zu Straßentämpfen, und König Friedrich Wilhelm IV. erklärte sich bereit, den zeitgemäßen Forde rungen des Berliner Bürgertums entgegenzukommen; nur die mili,, Alexander- Grenadiere! Mit dem heutigen Tage beginnt in tärische Reaktionskamarilla erzeugte das„ Mißverständnis" der ersten der Geschichte des Regiments ein neuer Abschnitt. Ihr habt soeben Schüsse und damit den Aufstand des Volts. Es ist wohl angemessen, das alte Haus, an welches Euch so viele Erinnerungen fuüpfen, eine der zahlreichen Aeußerungen Friedrich Wilhelm IV. zu citieren, für immer verlassen und seid unter meiner Führung in das neue welche die Erinnerung daran auffrischen, wie reichlich dieser König der Heim eingezogen, in welches das Regiment die zahlreichen Er- Bevölkerung Berlins , die jetzt als übles Vorbild ausgegeben wird, innerungen an die schönen Tage des Friedens, die Lobsprüche zu zollen Veranlassung fühlte. Am 25. März 1848, als heißen Tage des Kampfs mitbringt. Wie eine feste er Ursachen, Verlauf und Wirkungen der Märzkämpfe überbliden Burg ragt dieses neue schöne Regimentshaus in nächster fonnte, erklärte Friedrich Wilhelm IV. in Potsdam vor dem Nähe meines Schlosses. Ihr seid darum geOffiziercorps: wissermaßen die Leibwache des preußischen Königs und müßt bereit sein, Tag und Nacht, Ener Leben in die Schanze zu schlagen, Euer Blut zu verspriten für Euren König!( Der Kaiser erinnerte nun an den Opfermut des Regiments im Jahre 1848.) Ich bin der festen Ueberzeugung und dessen gewiß, daß Ihr, der Tradition und der Geschichte des Regiments entsprechend, Eure Pflicht allezeit treu erfüllen werdet, wenn jemals wieder schwere Beiten tommen follten, wie diejenigen, welche dieses Regiment durchgemacht hat. Wenn es aber der Stadt einfallen sollte, fich jemals wieder gegen ihren Herrscher zu erheben, dann wird das Regiment mit dem Bajonett die Ungehörigs keit des Volks gegen seinen König zurückweisen. Ich wünsche, daß dem Regiment im neuen Hause ein glänzendes schönes Dasein beschieden, eine ruhmreiche Zukunft vorbehalten sein möge! Es möge fich feiner ruhmreichen Chefs und vor allem der hehren Gestalt des hochseligen Kaisers Wilhelm des Großen erinnern, für welchen es dereinst auf den Schlachtfeldern fein Blut vergoffen hat. Tapferkeit, Treue und unbedingter Gehorsam mögen die Tugenden sein, welche dieses Regiment auszeichnen, dann werden seine Leistungen meine Zufriedenheit, feines Königs und Herrn, finden 1"
Der Regimentskommandeur Oberst von Scheffer bankte dem Kaiser, indem er an den Unfall bes Kaisers in Bremen erinnerte, in Ausdrücken, die selbst die Scharfmacherworte des Präsidenten des Abgeordnetenhauses übertroffen; er verwandelte den schmerzlichen Borfall", wie der Kaiser selbst das Vorkommnis bezeichnet hat, in ein„ i che u liches Berbrechen", bas bie Herzen aller au heiligem 8orn entfacht".
Nach der sodann abgehaltenen Parade unterhielt fich der Kaiser mit verschiedenen zur Feier geladenen Persönlichkeiten, unter andren mit dem Berliner Oberbürgermeister Herrn Kirschner. Ein Frühstück im Offizierkasino beschloß die Feier.
Die fürzliche Ansprache des Kaisers an das Präsidium des Abgeordnetenhauses, in der er flagte, daß zu viel und zu scharfe Stritit au der Regierung geübt werde, hat eine Fülle kritischer Kommentare hervorgerufen. Es ist zweifelhaft, ob die jetzigen Erinnerungen des Kaisers an das Jahr 1848 und seine Vorbereitung auf ähuliche Möglichkeiten in der Zukunft, aur Milderung und Minderung der öffentlichen Kritik führen werden. Die reaktionssüchtigen Spekulanten auf Straßenrevolten und leicht niederau schlagende Butsche des Bolts werden eifrig Sorge tragen, daß die Melancholie des Kaisers gehörig ausgenugt werde und also Gegenstand der öffentlichen Stritit bleibt.
Der Vorfall in Bremen scheint auf länger hinaus die Stimmung und Betrachtungsweise des Kaisers zu trüben. Auch nach der Wiedergenejung, anch mitten in dem von ihm so geliebten Soldatenelement bedrücken den Kaiser schwarze Befürchtungen. Klingt auch in der jezigen Rede ein aggreffiver Ton, so spinnt sie im Grunde doch die düfteren Gedanken der voraufgegangenen Ansprache fort. Jüngst tlagte der Kaiser, die Autorität von Strone und Regierung habe seit dem Tode feines Großvaters gelitten, und alle Stände trügen daran Schuld. Jezt versenkt er sich in die Befürchtung, daß Berlin , die Reichshauptstadt, sich in gewaltsamem Aufruhr gegen ihn empören fönnte. Für diesen Fall ruft er die Bajonette der Gardegrenadiere zum Schuß der Monarchie auf und erklärt offen, daß die neue Kaserne nicht deshalb gebaut worden ist, weil die alte zu eng, zu brüchig geworden, sondern daß sie ein dem Königsschlosse nahes und festes Bollwert in fünftigen Voltsaufständen
Die Socialdemokratie wuchs trotz aller unablässigen Aufwendungen gewaltigster Machtmittel gegen fie. Sie wuchs troz Militarismus, Ausnahme- und Umsturzgesetze und alledem. Für die Socialdemokratie sind die Schießscharten von Zwing Cölln umsonst gebaut.
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Die Worte des Kaisers werden in den Blättern mit geringen Abweichungen wiedergegeben. Wie uns zuverlässig mitgeteilt wird, hat die wichtigste Stelle der Rede des Kaisers, die sich gegen eine in Zukunft mögliche Empörung Berlins richtet, wörtlich wie folgt gelautet:
,, Wenn die Stadt Berlin noch einmal wie im Jahre 48 fich mit Frechheit und Unbotmäßigkeit gegen den König erheben wird, dann seid Jhr, meine Grenadiere, dazu berufen, mit der Spike Eurer Bajonette die Frechen und Unbotmäßigen zu Paaren zu treiben."
Politische Weberlicht. Berlin , den 28. März. Bülow im Herrenhause.
„ Ich habe den gesunden und eblen Sinn meiner Bürger tennen gelernt, in Berlin ist bei dem Mangel an städtischen Sicherheitsbehörden die tiefste Ruhe. Ich bin niemals freier und sicherer gewesen als unter dem Schne Das Herrenhaus will sich den Ruf, an Volksfeindlichkeit meiner Bürger. Was ich gegeben und gethan habe, das hinter keinem andren Parlament zurückzustehen, nicht nehmen habe ich aus ehrlicher und freier Ueberzeugung gethan lassen. Wie die edlen und erlauchten Herren seiner Zeit die und längst vorbereitet; nur die großen Ereignisse Regierung ermuntert haben, im Kampfe gegen die Arbeiterhaben den Abschluß beschleunigt, und. teine Macht foalitionen auszuharren, so sehen sie jeßt ihren ganzen Einfluß tann und wird mich mun bewegen, das Gegebene zurüdein, höhere 3ölle zu erlangen. zunehmen; auch habe ich die Ueberzeugung gewonnen, daß es zu Im Vordergrunde der Etatsberatung, die am DonnersDeutschlands Heil notwendig, mich an die Spige der Betag begann, stand die Resolution der Finanzkommission, die wegung zu stellen. In Berlin herrscht ein so ausgezeichneter Regierung aufzufordern, mit größter Entschiedenheit darauf Geist in der Bürgerschaft, wie er in der Geschichte ohne Beispiel hinzuwirken, daß bei der bevorstehenden Neuordnung unsrer ist. Ich wünsche daher, daß auch das Offiziercorps den handelspolitischen Verhältnisse der Landwirtschaft ein wesentGeist der Beit ebenso erfassen möge, wie ich ihn lich gesteigerter Zollschutz zu teil werde, und in diesem Sinne erfaßt habe, und daß Sie alle von nun an ebenso als treue dafür zu sorgen, daß baldigst die Vorlage des in Vorbereitung Staatsbürger sich bewähren mögen, wie Sie sich als treue befindlichen Bolltarifs an den Reichstag erfolge. Soldaten bewährt haben."
Diese Mahnung des Königs an die Offiziere verdroß allerdings die konservativen Scharfmacher, die in der Provokation zu Gewalt thaten schon damals das beste Mittel zur Verhinderung des politischen Fortschritts erblickten.
Seit den Ereignissen von 1848 haben zwar sich wiederholt Reibungen allerlei Art zwischen der Krone und den Behörden von Berlin begeben, aber nicht einmal die denkwürdigen städtischen Sendschreiben des Freiherrn v. Mirba ch an die Stadtverordneten haben Berlin zur Revolution ermuntert.
Es giebt in der Geschichte Berlins nur eine Periode, in der ein gewaltsamer Kampf zwischen der Bevölkerung und dem Fürsten verzeichnet ist. Es mag sein, daß der Kaiser, da er es liebt, sich in die Thaten seiner Ahnen zu verfenten, auf den zweiten Hohenzollern in der Mart, Kurfürst Friedrich II. , gestoßen ist. Er tam 1448 nach Berlin , und, um die selbstherrliche Selbständigkeit der adeligen Geschlechter zu brechen, wollte er ein befestigtes Schloß an der Spree bauen. Ehe es noch gebaut war, taufte es der Berliner Wig 8 wing Cölln . Bei Stredfuß liest man:
Der Reichskanzler Graf Bülow hielt es für notwendig, in höchsteigner Person im Hause zu erscheinen und die Debatte einzuleiten. Gesprochen hat er zweimal, gesagt hat er nichts. Seine erste Rede bestand lediglich aus einer Verbeugung vor der Einsicht der Herrenhäusler und einigen Phrasen, wie sie die besseren Tischredner sich nicht zu Schulden kommen lassen. In seiner zweiten Rede äußerte er sich direkt zu der Resolution, um das zu sagen, was man bereits seit Monaten weiß. Er ist bereit, die Einbringung des Zolltarifs zu beschleunigen, doch darf die Beschleunigung nicht erfolgen auf Kosten einer gründlichen und gewissenhaften Prüfung. Der Bundesrat wird so rasch als möglich arbeiten, aber ein Druck auf den Bundesrat darf nicht ausgeübt werden. Einen bestimmten Termin, an dem der Bolltarif eingebracht wird, kann Graf Bülow nicht angeben; er hält aber, wie er bereits im Abgeordnetenhause gesagt hat, es für Aufgabe und Pflicht der Regierung, die Interessen der Landwirtschaft mit allem Nachdruck zu fördern, und erachtet eine angemessene" Erhöhung der landwirtschaftlichen Zölle für unbedingt notwendig.
Die Agrarier sind nun nicht um einen Deut flüger als „ Die Arbeiter waren fleißig daran, weiter zu bauen, aber das bisher, von dem, worauf es ihnen ankommt, über die Höhe war fein leichtes Stüd, denn oft, wenn sie morgens tamen, fanden des Rolls, vom Doppeltarif wissen sie immer noch nichts; sie, daß mutwillige Hände in der Nacht eingeriffen hatten, was natürlich nahmen sie in ererbter Weisheit die Resolution an, am Tage vorher mühsam vollendet worden waren, die hohen und zwar mit 101 gegen 27 Stimmen in namentlicher AbQuadern waren auseinandergeworfen und zum Teil sogar in die Stimmung. Gegen die Resolution stimmten nur einige VerSpree gewälzt worden, aus deren moraftigem Grunde man ste treter des Handels, Professoren und Oberbürgermeister. nicht wieder herausholen konnte.... Mit jedem Jahre mehrte sich Im Namen der letzteren protestierte Oberbürgermeister die Unzufriedenheit in Berlin und Cölln ; immer deutlicher und Dr. Giefe Altona gegen die beabsichtigte Verteuerung der unverhohlener zeigte sie sich, denn die Geschlechter hatten, da sie sich Lebensmittel, während einige seiner Kollegen unter Leitung von den Bürgern unterstügt sahen, neuen Mut gewonnen des Herrn 8weigert aus Essen mit den Agrariern
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Willkürliche Aenderungen im Stadtregiment wurden vorgenommen, stimmten.
man verjagte die Bauleute vom Schloßbau und zog an der Stelle, Von den übrigen Specialetats rief nur der der wo die Festungsmauer von Cölln durchbrochen war, einen Blocke direkten Steuern eine längere Debatte hervor. Hierzaun auf dem abgetretenen Bauplag. Dem Markgrafen Johann, zu nahm das Haus nach bewegten Klagen über die dem Bruder des Kurfürsten, wurde der Aufenthalt in Berlin unter zu hohe Belastung der Grund- und Hausbesizer und über fagt, jede Kränkung und Verhöhnung, welche man dem verhaßten bie Lage des Mittelstandes eine Resolution an, worin Kurfürsten zufügen fonnte, wurde hervorgesucht...." die Regierung aufgefordert wird, eine baldmöglichste Aende
Einige Jahre darauf gelang es dem Kurfürsten, die adeligen rung des§ 9 des Einkommensteuer- Gesezes nach der Richtung Geschlechter zu demütigen; nun wurde auf Kosten der Stadt das hin vorzunehmen, daß die dem Grundbesitz, Gewerbebetrieb Schloß gebaut von welchem Bau jetzt nur noch geringe Refte und Bergbau aufliegenden direkten Abgaben von dem vorhanden sind und in der Urkunde von 1451 ist zu lesen: der Besteuerung unterliegenden Einkommen in Abzug zu „ Der Kurfürst hat zur besseren Befestigung seines bringen sind. Der Finanzminister Dr. v. Miquel gab zu, neuen Schlosses in Cölln befchloffen, dasselbe mit Burg- daß das Einkommensteuer- Gesetz nach mancher Richtung hin lehnen zu versehen, damit das Schloß Beistand durch Burg ausgebaut werden kann, z. B. durch größere Berücksichtigung
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