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Nr. 35.

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Vorwärts

5th

9. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Wors mittags geöffnet.

Zern sprech- Anschlug Amt VI, Nr. 4106.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Nur keine Verdunkelung der Thatsachen!

Die Vertheidiger des Militarismus bieten natürlich Alles, was in ihren Kräften steht, auf, um zu verhin dern, daß die Empörung, welche durch den Inhalt des sächsischen Erlasses über die Soldatenschindereien in ganz Deutschland hervorgerufen worden ist, zu praktischen und wirksamen Maßregeln der Abhilfe den Anstoß geben möge. Es sei ja gar nichts so Außerordentliches, was da enthüllt worden sei; überhaupt sei eigentlich nichts enthüllt worden; denn man habe ja längst gewußt, daß es so zugehe. Und der sächsische Kriegsminister, Herr von Planit, hat einem Interviewer gegenüber sogar das höchst charakteristische Geständniß gemacht, daß unter den vorhandenen Umständen Uebergriffe nicht ausbleiben können". Unter den Uebergriffen sind die Greuel verstanden, von denen der Chef des sächsischen Herrn Kriegsministers in dem be­rühmten Erlasse spricht.

In demselben Gedankengange bewegen sich die Aus­laffungen der Kreuz- Zeitung ", die endlich ihre Sprache wieder gefunden hat. Sie sind so bezeichnend und lehr reich, daß wir sie nachstehend dem vollen Wortlaute nach folgen lassen:

Der Erlaß

des Prinzen Georg von Sachsen

als fommandirenden Generals des 12. Armee- Rorps hat, wie wohl nicht anders zu erwarten war, inner- und außerhalb der Armee einen tiefen Eindruck gemacht. Die Empörung über die Vorgänge, das darf man, gegenüber mancherlei Aus­laffungen in der Presse, nicht verschweigen, war in den Offizier- Korps dieselbe wie in den übrigen Kreisen des Volkes, ja noch verstärkt durch den Flecken, der hiermit dem Heere angeheftet fchien und durch die schwere Schädigung, welche durch solchen Mißbrauch der Amtsgewalt der Armee­Disziplin angethan wird. Die energische Ver­urtheilung solcher Borgänge durch den Prinzen Georg hat deshalb auch ein bereites Echo in der ganzen Armee gefunden, deren oberster Kriegsherr bekanntlich, ebenso wie feine Vor­fahren, jede Uebertretung in dieser Hinsicht auf das Strengste verdammt und ahndet.

Es versteht sich von selbst, daß andererseits die Parteien, welchen eine starke Armee ein Hinder­niß ihrer Pläne ist, aus diesen Vorgängen die schärf ften Waffen zu schmieden suchen. Die mildere, land­läufigere Konsequenz, welche man aus diesen bedauerlichen Thatsachen zu ziehen liebt, ist das Verlangen nach der Deffentlichkeit des Militär- Gerichtsverfahrens, unbe schadet des Umstandes, daß diese Deffentlichkeit, wie auch der Reichskommissar andeutete, mit der Heilung dieser Auswüchse absolut nichts zu thun hat. Ein brutaler Charakter denkt in dem Augenblick, in welchem er die Herrschaft über seinen Born verliert, ebenso wenig an die Deffentlichkeit, wie an die Strafe. Auch wird die Bestrafung der Bergehen gewiß nicht schärfer ausfallen, wenn dies öffentlich geschieht, als wenn wie bisher die Vorgesetzten und Kameraden unter eidlicher Ver­pflichtung nach bestem Wissen, Gesetz und Recht ihr Votum ab­geben. Andererseits wird mit der Einführung eines öffentlichen

Feuilleton.

Nachdrud verboten.]

Am Webstuhl der Zeit. Beitgenössischer Roman in 3 Bücheru von A. Otto Walster .

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Donnerstag, den 11. Februar 1892.

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Expedition: Beuth- Straße 3.

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Verfahrens der Gehorsam in der Armee auf das Militarismus liegen, der in diesem Punkt nicht reforms Spiel gesett; indem bei der bekannten Feindseligkeit eines fähig ist. Die Kreuz- Zeitung " nennt das Unfinn", Theiles der Presse gegen alles, was Disziplin ist, nichts Phrasen"," nichtssagende Schlagworte" und meint, die unterlassen werden wird, was dieselbe zu schädigen" klügeren Leiter der Partei" würden wohl anderer Ansicht vermag. Das würde bei dem bekannten bösen fein. Die Kreuz- Zeitung " möge sich beruhigen: der Willen natürlich selbst bei den gerechtesten und korrektesten Vorwärts" hat nur gesagt, was jeder Sozialdemokrat Verhandlungen stattfinden. Die extremste Folgerung aus den Vorgängen hat der über die Soldatenschindereien und den Militarismus denkt. Sozialdemokratische Vorwärts" gezogen, indem er am Albern ist die Bemerkung des Junkerblattes, selbst Schlusse seiner Betrachtung ausruft: Fort mit dem der große Utopienstaat werde alles Andere entbehren Militarismus!" Die Flügeren Leiter seiner Partei können, nur nicht den Militarismus". Das erinnert an werden dem Blatte wohl flar machen, welchen Unsinn es die Naivetät des Herrn Eugen Richter , der aus seinem mit dieser Phrase geschrieben hat; denn selbst der große zukünftige Utopienstaat, wenn er nicht am ersten Widerstande Gegenwartsstaat nicht herauskommen kann, weil derselbe zerschellen will, wird alles andere entbehren tönnen, mit Brettern zugenagelt ist. Die allgemeine Wehrhaftig nicht den Militarismu 3. die Gefährlicher als feit, wir aber nicht für den Utopien" Bukunftsstaat" mit erstreben, hat dem diese nichtssagenden Schlagworte ist die billige oder Hezzerei, welche mit diesem traurigen Material überall Militarismus gerade fo viel gemein, wie die geschäftig getrieben wird, und welche, wie wir fürchten, Sozialdemokratie mit dem Junkerthum. Und die Sol­nicht ohne fühlbare Folgen bleiben dürfte.

nur

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Was die Sache selbst anlangt, so wird die strenge Be- datenschindereien, welche von dem Militarismus, nach dem strafung der Uebertreter der öffentlichen Erregung eine gewisse einstimmigen Beugniß seiner Bertreter, Sühne geben. Die Erfahrung lehrt übrigens, wie dieses auch nicht unterdrückt werden können, sind in dem der sächsische Kommissarius hervorhob, daß sich meist junge, Wehrsystem des sozialdemokratischen Programms einfach unreife Unteroffiziere leider haben wir solche von fürzester un denkbar. Man stelle sich doch nur vor, wie und Dienstzeit! bezw. Gefreite, folche Uebergriffe zu Schulden unter welchen Bedingungen die Schindereien sich zutragen. tommen lassen; während die älteren, in ihrer Autorität sich Ausnahmslos bei der Drillung der Rekruten, die sich meisten ficherer fühlenden Unteroffiziere ruhiger bleiben und sich nur theils sehr ungeschickt" zeigen, was gern zugegeben sei. in feltenen Fällen zu Thätlichkeiten hinreißen lassen. Die Warum aber sind sie ungeschickt"? Weil sie mit ein Wiederholung der strengen Erlaffe und die schärfste Kontrolle undzwanzig Jahren, d. h. in einem Alter, wo feitens der Offiziere, befonders über die jüngeren Chargeu, nochen und Sehnen schon steif sind, Dinge werden hoffentlich diese Uebelstände ganz abstellen.

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Die Betonung der fittlichen und religiöfen zu lernen haben, die sie zehn oder sechs Jahre In dem Faktoren, welche durch die Mitglieder der Rechten früher spielend gelernt hätten. und des Zentrums in der Kommission geschehen ist, bleibt Wehrsystem, das wir fordern, bildet die Wehrhaftigkeit einen stets ein richtiger Weg, den auch der Reichskommissarius als Theil der Jugenderziehung, und alle lebungen solchen bezeichnete. Wenn derfelbe aber meinte, daß durch noch und Handgriffe, die jetzt zu den Schindereien Anlaß bieten, größere Trennung der Mannschaften und Unteroffiziere eine sind den Rekruten, wenn sie zum ersten Besserung der Verhältnisse hervorgerufen werden könne, so

steht demselben die Meinung einer größeren Anzahl von alt- Male unter die Fahne gerufen werden, und besser geläufig, als gedienten Offizieren gegenüber, welche glauben, daß gerade längst geläufig

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das schon ziemlich streng durchgeführte Scheiden der beiden unter dem heutigen System den ausgedienten Sol genannten Kategorien in den Kasernen eine Art Entfremdung daten. So fällt nicht zu erwähnen der selbst­hervorgerufen hat, welche man früher nicht kannte; eine verständlichen Bürgschaften gegen Rohheit und Unmensch­Scheidung, welche zwar die Stellung der Unteroffiziere hebt lichkeit die Ursache oder der Anlaß zu Soldaten und damit der Disziplin in gewiffem Sinne zu gute kommt, fehindereien weg. Und mit der Ursache hört logischer Weise allein dem Gedeihen des kameradschaftlichen Geistes nicht auch die Wirkung auf. förderlich ist. Der Unteroffizier wird dann seine Leute am besten ausbilden, belehren und erziehen, wenn er sie ganz

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Genug unter dem System des Militarismus, genau beobachtet und kennen gelernt hat. Nur schlechten nach dem eigenen Geständniß seiner Vertheidiger, die Leuten gegenüber mag eine noch größere Isolirung der Unter Soldatenschindereien nicht aus der Welt offiziere vortheilhaft fein, aber nicht gegenüber den gesunden

Elementen, aus welchen Gottlob doch noch der größere Theil 3 schaffen. unferes Ersatzes besteht; bei solchen spinnt sich, unter voller Unter dem System der allgemeinen Wehrhafa Erhaltung der Disziplin, bei regerem Verkehr ein gegenseitiges tigkeit, wie unser Programm sie fordert, Soldaten Interesse an, welches sich oft zur Achtung ausbaut. schindereien einfach nicht denkbar.

Man sieht, die Männer der Kreuz- Zeitung " wollen aus den Soldatenschindereien noch Kapital für den Militarismus und die verlängerte Dienstzeit schlagen.

Wir haben uns von vornherein auf den Standpunkt gestellt, daß die Soldatenschindereien im Wesen des

er mir noch den Dr. Raffmaus als den Notar bezeichnet hat, der das spätere Dokument ausgefertigt habe." " Haben Sie darauf hin nicht beim Dr. Raffinaus nach gefragt?" " Ich habe bei ihm angefragt; aber dieser Herr be­danert, sich nicht erinnern zu können, daß in seiner Expedition jemals ein derartiges Testament aufgesett worden sei."

nichts?"

inzwischen verstorben."

"

Seltsam, und von Testamentszeugen wissen Sie auch Sollte überhaupt jemals ein solches Testament aus Helene! Theuerstes Fräulein!" rief der junge Mann, gefertigt worden sein, dann ist auch jedenfalls mein Onkel indem er ihre kleine Hand mit Küssen bedeckte. Was ist als Zeuge zugezogen worden. Dieser aber ist leider die Einfaffung ohne die Perle, und wer hat die Perle ge­schäßt und geliebt, der die Einfassung nicht leicht und gern Und was meint Ihr Stiefbruder zu dieser ganz eigen­entbehren könnte? So mag auch vielleicht Ihr Vater gedacht haben." thümlichen Sachlage?" Mein Stiefbruder ist ein Fabrikant, wie die meisten " Mein guter Bater? nein! dazu war sein Geist doch viel au kaufmännischer Art; denn jedes Mal, wenn er dieser Art, er rafft Alles zusammen, was ihm das Glück in über einen anderen Theil des mir zugedachten Erbes ver den Schooß wirft. Was ins Geschäft einmal gekommen, fügte, sagte er zu mir: Das geht nicht verloren für Dich, betrachtet er als zum Geschäft gehörig. Ich habe nichts Helene, das bringt Dir nur reichlichere Zinsen; ich lasse das von ihm zu erwarten und möchte auch nichts von ihm be­Testament vollständig umschreiben. Und als er unser Land- gehren. Denn schon die Art und Weise, wie er mir den gut verkauft hatte, welches ich nur mit Schmerzen als den Tod meines guten Vaters meldete, hat mich vollständig er­

Das deutsche Volk wird vergleichen! Und wählen!

jetzt an gemeinschaftliche Interessen. Ich muß mich an Sie anlehnen; aber um das zu können, müssen Sie frei sein. Sagen Sie mir, und ganz ohne allen Rückhalt, was Sie schulden. Ich hätte das unter der Hand erfahren und ausgleichen können, aber ich wollte Sie um Alles in der Welt nicht verlegen."

Was ich schulde? es ist wirklich tragisch- komisch. Ich arbeite Tag für Tag und brauche zum Leben nicht viel mehr als ein Schreinergehilfe. Folglich ist mir eigentlich die Welt schuldig. Was jedoch den einzelnen Fall hier an­belangt, so weiß ich wirklich selbst nicht, was man von mir verlangt. Der Wechsel mag ursprünglich wohl auf 120 Thaler gelautet haben. Darauf hat der Freund, für den ich mich verbürgt, mehrere Monat monatliche Zahlungen geleistet, auch ich habe wiederholt darauf gezahlt, aber solche Wechsel scheinen eine Schraube ohne Ende zu sein. Wie gesagt, man hat mich, gleich einem Sperling, wie im Hand­umdrehen weggehascht und in den Käfig gesteckt. Ich sage Ihnen, das ist eine gottvolle Einrichtung. Morgen jedoch will ich mich erkundigen, wie es eigentlich steht, und dann die Sache in Ordnung bringen." Meine Hilfe weisen Sie also zurück?" fragte Helene traurig.

Schauplatz meiner jugendlichen Freuden und Spiele verlor, tältet. Sein Schreiben war nichts inderes, als eine Heibe Was wollen Sie denn, theuerste Freundin? Sie da sagte er zu mir: Betrübe Dich nicht, Helene, ich muß von herzlos zusammengelegten Redensarten. Und nun, mein werden doch nicht von einem Freunde verlangen, daß er sich es im Interesse des Geschäfts thun, es wird Dir reichliche Freund, lassen Sie uns nicht weiter davon reden, da ich von Ihnen helfen läßt, so lange er selbst sich zu helfen Früchte tragen, denn ich habe das Testament nun so ab- auch nichts mehr davon wissen will, obwohl man in mich noch im Stande? Diesen kleinen Stolz laffen Sie mir noch, faffen lassen, daß Du mit mir vollkommen zufrieden dringt, einen Prozeß gegen meinen Stiefbruder anzuſtrengen. nicht wahr? Im Uebrigen sollen Sie aber ganz gewiß Die Sache ist mir zu schmutzig, und ich mag meine feinen Grund mehr zum Klagen bekommen, das will ich in Seele nicht damit belasten. Er ist der Sohn meines diesem schönsten Augenblicke meines Lebens heilig und theier Baters, und ich will den Vater nicht im Sohne bekämpfen. versprechen." Jetzt aber handelt es sich um Sie. Wir haben von Ich gehe betrübt von Ihnen weg"

fein wirst."

" Und er hat es nicht gethan?" " Es muß wohl so sein; obwohl, meines Wissens, nie ein unwahres Wort über seine Lippen gekommen ist und