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Nr. 163.

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Vorwärts

Berliner Dolksblatt.

18. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: Socialdemokrat Berlin"

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.

Die amerikanische Konkurrenz.

Dienstag, den 16. Juli 1901.

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Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.

daß im Durchschnitt der lezten Jahre nur ungefähr ein Achtel der Auflage zu liefern und zu sammeln gesucht. Der in der Einfuhr aus fertigen Fabrikaten bestanden hat. Und recht charakteristisch, Sonntagsnummer erwähnte Programmartikel des Herrn Bueck gerade in jenen Branchen, die zumeist nach Bollschutz schreien, beträgt wies auf diese Strebungen deutlich hin. Je mehr der wirt­In der letzten Zeit läßt sich die hochschutzzöllnerische wie agra- vielfach, wie die Statistik beweist, die Ausfuhr das Zehn, 8wölf, schaftliche Niedergang die Möglichkeit hoher Profite unterbindet, rische Presse wieder mit Eifer angelegen sein, das Schreckgespenst der ja Fünfzehnfache der Einfuhr, so z. B. bei eisernen Maschinen, je mehr die Arbeiter gezwungen werden, Abwehrmaßregeln amerikanischen Konkurrenzgefahr heraufzubeschwören. Jeder be- Lokomotiven und Lokomobilen, feinen und groben Eisenwaren, Eisen- gegen Lohnreduzierungen und Verschlechterungen ihrer liebige Vorfall des amerikanischen Wirtschaftslebens wird benutzt, bahnschienen, Achsen, Nadeisen usw. Position zu ergreifen, desto mehr wird der Wunsch nach von der industriellen Entwicklung der Vereinigten Staaten ein Aus solchen statistischen Nachweisen läßt sich selbst bei aller jener einer Knebelung der Arbeiterklasse nach gesetzgeberischer Ge­grotest- übertriebenes Bild zu zeichnen, an das man dann, je nach Unverfrorenheit, die gewisse im Frohndienst der rheinisch- westfälischen staltung drängen. Bei der Zuchthausvorlage haben die dem eignen Interessenstandpunkt, die Mahnung knüpft, Deutschland Industriegruppen stehende Volkswirtschaftler auszeichnet, nicht be- bürgerlichen Parteien ja infolge der Brüskierung der Re­müsse auf das amerikanische Schutzzollsystem mit Repressiv- weisen, daß der inländische Markt eines verstärkten Schutzes bedarf, gierung ziemlich furzen Prozeß gemacht. Man darf aber maßregeln, d. h. mit Zollerhöhungen auf die landwirtschaftlichen und so bietet die angebliche amerikanische Gefahr" ein will nicht vergessen, daß zu jener Zeit der wirtschaftliche Auf­Hauptausfuhrartikel antworten, oder die deutschen Industriezölle auf fommenes Parade- Argument, das bald so, bald anders ausstaffiert schwung gerade auf seinem Höhepunkt stand und weite Kreise Eisen, Papier, Lederwaren 2c. dermaßen erhöhen, daß der deutschen präsentiert wird, wie die Erfahrung lehrt, nicht ohne Erfolg. des Unternehmertums über den goldenen Segen die Begehrlich­Industrie unter allen Umständen der einheimische Markt gesichert Daß, wenn auch die nordamerikanische Industrie in den letzten keit der Arbeiter" für einen Augenblick vergaßen. Der wirtschaft­bleibe. Nicht selten wird auch noch die weitere Folgerung hinzu- Jahren bedeutsame Fortschritte gemacht hat, doch das Bild, das die liche Niedergang, an dessen Beginn wir jetzt stehen, verändert die gefügt, Deutschland würde, wenn es zum amerikanischen Brohibitiv hochschutzöllnerische Bresse als Warnung an die Wand zu malen Situation vollständig. Es mehren sich die Anzeichen, dag system greifen wollte, einen ähnlichen Aufschwung des Exports und liebt, fast in allen Zügen Uebertreibungen und Fälschungen gegenwärtig selbst Streise von Industriellen und Gewerbe­Rückgang des Imports erleben, wie sie die Mac Kinley- und Dingley- enthält, ist mehrfach an der amerikanischen Handelsstatistit treibenden von dem Zuchthausfieber ergriffen werden, die zur Bill jenseits des Oceans zu stande gebracht haben. nachgewiesen worden, und auch der Ausgang des legten Zeit der eigentlichen Zuchthausaktion der Sache ziemlich gleich­Fiskaljahres, das am 30. Juni endete, liefert dafür einen erneuten mütig zusahen. Ein Beispiel dafür ist die Hallenser Beiveis. Handelskammer, die Vertretung von Handel und Nach einer Korrespondenz des Hamb . Korrespondenten" beträgt Gewerbe im Regierungsbezirk Merseburg . Der Bericht dieser die Wertsumme des Exports der Vereinigten Staaten im letzten Korporation für das Jahr 1898 ließ verschleiert das Ver­Fiskaljahr ungefähr 1/2 Milliarden Dollar( ungefähr 6300 Millionen langen nach einem ,, Schuß der Arbeitswilligen" erkennen; dieses Mart), bis Ende Mai bezifferte sie sich auf 1885 Millionen Dollar. Verlangen wurde mit dem aus Arbeiterkreisen stammenden Von dieser Riefenausfuhr", heißt es weiter, hat Europa Verlangen Der Rechts auf Arbeit" begründet. wiederum den Löwenanteil erhalten, indem es, soweit sich bis jetzt vorjährige Bericht, der die Zeit der eigentlichen feststellen läßt, Waren im Werte von etiva 1155 Millionen Dollar Buchthauscampagne umfaßte, enthielt sich, von leisen An­von Amerika bezog, was gegen das letzte Jahr ein Plus von über deutungen abgesehen, vollständig der Scharfmacherei. Da­100 Millionen Dollar ausmacht. Südamerika erhielt nur etwa für

Zur Kategorie dieser Demonstrationsversuche zweifelhafter Güte gehört auch der seit einigen Tagen durch die schußzölnerischen Blätter laufende Artikel der Deutschen volkswirtschaftlichen Korrespondenz" über die deutsch - kanadischen Handelsbeziehungen. Nach einem Hin­weis darauf, daß die deutsche Regierung die kanadische Differential­Bollpolitik mit der Entziehung des Meistbegünstigungsrechtes beantwortet hat, wird darauf aufmerksant gemacht, daß jetzt die Getreidebörse in Montreal sich an die kanadische Regierung gewandt und diese gebeten hat, dafür zu wirken, daß Deutschland wieder den Waren kanadischer Provenienz die Meistbegünstigung zugesteht, dann heißt es weiter mit nicht mißzuverstehender, gegen die Ber­einigten Staaten gerichteter Nuzzanwendung:

Dieser kanadische Fall zeigt nämlich sehr drastisch, wie schwer schon unter den gegenwärtigen Umständen die Erschwerung in der internationalen Konkurrenz auf unsrem Markt von einem Lande empfunden wird, dem wir die Meistbegünstigung versagen. Diese Maßnahme hat nämlich bei der Bedeutung des deutschen Marktes für den Weltverkehr die Wirkung, die gesamte Provenienz eines Landes auf dem Weltmarkt aus dem Grunde minderwertig zu machen, weil sie nicht ebenso ungehindert wie die andren Länder auf unsrem Markt konkurrieren fann.

Zieht man daher aus diesem kanadischen Fall die Nutz­anwendung für die deutsch Handelspolitik, so ergiebt sich, daß wir gar nicht so sehr in Sorge zu sein brauchen, mit andren Ländern zu tarifarischen Vertragsabmachungen zu gelangen, sofern wir uns nur der Freiheit voll bedienen, die wir bei Ablauf der geltenden Handelsverträge gewinnen, um unsren autonomen Tarif ausschließlich nach unfren eignen Bedürfnissen einzurichten. Würden dann andre Länder uns ihre Vertragstarife versagen wollen und sich damit vom Genusse der unsrigen ausschließen, sie würden sehr bald die gleiche Erfahrung wie Kanada machen, daß nämlich der deutsche Markt eine Macht ist, von der man sich nicht ungestraft isolieren kann. Hoffentlich wird Graf Bülow die rechte Nutz­anwendung aus den in Kanada mit Versagung unsrer Meist begünstigung fo prompt erzielten Wirkungen zu ziehen wissen und sich nicht durch das Lamento jener Leute einschüchtern lassen, welche in der Bollpolitik nicht weiter als bis au ihre Nasenspitze zu sehen bermögen."

44 Millionen Dollar Exportartikel, gegen 1900 eine Zunahme von gegen treibt der soeben erschienene Jahresbericht für 1900 eine etwa sechs Millionen. Obwohl sich also die Ausfuhr nach Süd- Buchthauspropaganda, wie man sie in derselben Sinnlosigkeit amerila in etwas vergrößert hat, fo ist das Totalgeschäft der Ver- und Schärfe taum bei den Organen der borniertesten Unter­einigten Staaten mit den südamerikanischen Republiken doch nehmer- Vertretungen findet und das zu einer Zeit, wo die verhältnismäßig sehr unbedeutend, speciell wenn es mit der Aus Vertretungen des Handels gemeinsam mit der Arbeiterschaft fuhr nach Europa verglichen wird. Nicht umsonst wird zur Förde- die unverschämten Forderungen der Brotwucherer ab­rung des amerikanischen Ausfuhrhandels in Südamerika in poli- wehren müssen! Freilich besteht zwischen den drei hier er­tischer Hinsicht tüchtig gegen Europa und ganz besonders gegen wähnten Jahresberichten ein Fundamentaler Unter­den gefährlichsten und unbequemsten Konkurrenten im Handels­

verkehr, Deutschland , gehezt und Mißtrauen gefäet, ohne daß aber ichi e d. Die beiden ersten schwelgen in Lobliedern auf die vorläufig nennenswerte Resultate für die Vereinigten Staaten wirtschaftliche Prosperität, der lettere dagegen muß refigniert dabei herausgekommen wären. Die Ausfuhr der Staaten nach den Rückgang in fast allen Gewerben verzeichnen, einen Rück­Kanada betrug in diesem Jahre im Werte etwa 195 Millionen Dollar, oder nahezu die fünffache Summe des Exports nach Süd­ amerika ....

gang, den der Bericht zum Teil den kriegerischen Wirren" zuschreibt. Es wird konstatiert, daß besonders in der im hiesigen Bezirk stark vertretenen Maschinen­Was die Exportartikel anbetrifft, so haben die landwirtschaft industrie schon vor Ablauf des Jahres 1900 Arbeiter­lichen Produkte in der Statistik am meisten gewonnen, während entlassungen in großem Maßstab vorgenommen werden Fabrikate 2c. in den Exportziffern sowohl eine thatsächliche wie relative Abnahme aufweisen. Bis jett liegen nur für landwirt - mußten; eins der größten Etablissements hat seine Arbeiter­schaftliche Produkte die Angaben für zehn Monate vor, und zwar belief zahl um 14-15 Broz. verringert. In den 2ohnsäzen sich während dieser Zeit deren Wert in der Ausfuhr auf 811 591 955 jei dagegen feine nennenswerte Veränderung eingetreten. Dollar, was 651/2 Proz. des gefamten Exports ausmacht, Bom Standpunkt des Arbeitnehmers dürfte also von günstigen während im legten Jahre diese State nur 62,21 Proz. betrug. Lohnverhältnissen gesprochen werden, da die vorjährigen, ausgeführten Fabrikationsprodukte beträgt damals gesteigerten Löhne meistens weiter gezahlt werden.

Der Wert der 339 310 614 Dollar oder 27,40 Broz., und hat also gegen letztes Jahr, wo er 30%, Broz. betrug, um etwa 3 Broz. abgenommen. An diesem Ausfall trägt einzig und allein China die Schuld, weil die Vereinigten Staaten dorthin fast ausschließlich Fabrikate exportieren und für landwirtschaftliche Produkte im Reich der Mitte taum irgendwelche nennenswerten Abnehmer fanden.

der not­

Die Motive dieser teils offen, teils halbversteckt betriebenen, auf die Entrierung des Zollkriegs hinauslaufenden Agitation sind recht durchsichtig. Die Herren Agrarier möchten, daß die vornehmlich von Die Vereinigten Staaten sind demnach noch immer ein vor­den Vereinigten Staaten nach Deutschland exportierten Artikel, als wiegend landwirtschaftliche Produkte ausführendes Land; die Ausfuhr Weizen, Mais, Schmalz, Fleisch, Roggen, Hafer, Holz, Oleo- von Fabrifaten betrug im letzten Jahr nur ca. 27% Proz., in margarine usw. unter dem Vorivande der Bekämpfung des amerikanischen 1899/1900 301/2 Proz. der Gesamtausfuhr, während die Fabrikate an Bollsystems mit möglichst hohen Repressivzöllen belegt würden. Da der deutschen Ausfuhr in den letzten beiden Jahren mit un mit würden die Herren Junker auf einem Umwege dasselbe erreichen, gefähr 62 Proz. beteiligt waren. Und wohin geht vornehmlich die was nun schon seit Jahren der Bund der Landwirte durch seine Fabrikatenausfuhr der Vereinigten Staaten ? Nach Meriko, Kanada , Agitation für erhöhte Agrarzölle vergeblich erstrebt: eine allgemeine Mittel- und Südamerika , nach Asien , lustralien und Südafrika . Preiserhöhung der wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Denn Nach Deutschland gehen fast ausschließlich landwirtschaftliche Produkte; den bisher aus der Union zu uns gelangenden Agrarprodukten der einzige Industrie- Artikel, der in Betracht kommt, find Maschinen, würde teils der Absatz auf dem deutschen Markt abgeschnitten werden, zumeist gußeiserne, zum Gebrauch in der Landwirtschaft. teils würden fie auf Umwegen über andre Länder zu erhöhten Nicht auf dem deutschen Markt hat die deutsche Industrie mit Preisen zu uns kommen. Rußland aber vermag in manchen dieser der amerikanischen zu konkurrieren, sondern in Rußland , in Ostasien , in Artikel den Ausfall kaum zu decken, besonders nicht in Jahren mit Mittel- und Südamerika , in Südafrika . Für die Konkurrenz in Mißernten, wie es sie im letzten Jahrzehnt mehrmals ge- diefen Gebieten können ihr aber weder Industriezölle, noch erhöhte habt hat. Zölle auf die amerikanischen Agrarprodukte nügen, im Gegenteil, die Andrer Art find die Gründe der industriellen Schutzöllner, legteren würden die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Industrie auf die von der amerikanischen Gefahr" schwätzen. Ihr Bestreben ist den in Betracht kommenden ausländischen Absaymärkten nur da sie einerseits nicht, wie sie verkünden, den deutschen Inlandsmarkt zu schützen; schwächen, da sie eine Verteuerung dieser Markt ist, wenigstens vorerst, noch nicht bedroht sondern wendigsten Lebensmittel der Arbeiterschaft, andrerseits eine von der deutschen Industrie ihn durch Zollerhöhungen gegen die auswärtige Konkurrenz ab- Preissteigerung verschiedener zuschließen, um die Inlandspreise erhöhen zu können und sich durch benötigter Rohstoffe zur Folge haben würden, z. B. der Rohbaum­den auf diese Art erlangten Mehrprofit in den Stand gesezt zu wolle, des Kupfers, Holzes, verschiedener Dele, des Bleis, Talgs usw. sehen, die für das Ausland bestimmten Waren desto niedriger Die amerikanische Gefahr" liegt ganz wo anders als in der Kon dem deutschen amerikanischen Industrie auf im Preise stellen zu können, zur Unterbietung ausländischer Mit- furrenz der bewerber. Inlandsmarkte; der Kampf wird auf fremdem Boden ausgefochten Das Eingeständnis dieser Absicht, dem inländischen Konsumenten und die nächsten Bedingungen für einen guten Ausgang sind nicht die Kosten für den Ausfall beim Export aufzubürden, würde denn Erhöhungen der deutschen Lebensmittel- und Rohstoffzölle, sondern doch manchem, der in der Gefolgschaft der Hochschußzölner mittrottet, ihre Abschaffung. Topfscheu machen, und aus der Handelsstatistik läßt sich eher alles andre, als die Notwendigkeit allgemeiner Zollerhöhungen beweisen. Hat doch unter den heute bestehenden Vertragszöllen die deutsche Industrie mehr und mehr die fremde Konkurrenz zurüd­gedrängt und gleichzeitig ihren Absatz nach außerhalb stetig ausgedehnt. Weit über drei Fünftel der deutschen Ausfuhr be stehen aus Fabrikaten, während an der Einfuhr die Fabrikate noch Das Siegesgefühl über die erfolgreiche Abwehr der Zucht­nicht ganz mit einem Fünftel beteiligt sind, 1898 mit 18,7, 1899 mit hausvorlage darf die Arbeiter nicht zur Sorglosigkeit verleiten. 19,8 Proz. Und in diesem Fünftel sind noch die sogenannten Halb- Der Scharfmacher sind seitdem nicht weniger geworden und stoffe mit enthalten, die in Deutschland weiter verarbeitet und teil- im stillen wird das Feuer kräftiger denn je geschürt und Zieht man diese ab, ergiebt sich Material für eine neue Zuchthausvorlage-in verschärfter weise wieder ausgeführt werden.

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Politische Nebericht. Berlin , den 15. Juli.

Neue Zuchthaus- Sehnsucht.

Dennoch so heißt es wörtlich weiter hat dieses forg liche Verhalten der Arbeitgeber nicht überall vermocht, Ruhe und Zufriedenheit in den Arbeiterkreisen herbeizuführen und zu er halten.

Dies lehren die unruhigen Bewegungen, welche mehrfach be­merkt wurden und vereinzelt zu kleineren oder größeren Aus­ständen sich entwickelten. In Halle ist ein lang anhaltender Bau Handwerkerausstand, namentlich im Maurergewerbe eingetreten, der sogar während des arbeitslosen Winters weiter genährt und burchgehalten wurde, indessen indessen mit einer Niederlage der Ausständigen geendet hat. Auch die sonstigen sporadischen Ausstände haben, so weit sie uns bekannt geworden sind, einen Erfolg für die Arbeiter nicht gezeitigt. Im Beginn einer sinkenden Wirtschaftsperiode kann auf einen derartigen Erfolg nicht gerechnet werden und es ist schwer begreiflich, daß von den Aus­ständigen so wenig Einsicht und Würdigung der thatsächlichen Verhältnisse bewiesen worden ist, die den Arbeitern weder un­bekannt geblieben sein können, noch ihnen verschwiegen worden find. " Indessen lehrt ja leider die Erfahrung einer längeren Reihe von Jahren, daß die Arbeiter vielfach gegen eigne, beffere Ueberzeugung handeln, wenn sie sich mit verbundenen Augen in einen Streit begeben.

"

So mancher unserer Berichterstatter hat schon seiner hellent Verwunderung Ausdruck darüber verliehen, daß alte ver­ständige, auf ihrer Arbeitsstätte feit langen Jahren beschäftigte Leute so wenig Ueberlegung und Anhänglichkeit beweisen, daß sie blindlings dem Strome der Ausstandsbewegung sich überlassen und damit das Band zerschneiden, welches sie bisher mit ihrem Arbeit, geber verbunden hat.

" Diese Erscheinung ist um so merkwürdiger, als gewöhnlich Führer des Streits junge Leute ohne jedwede Erfahrung im wirtschaftlichen Leben, dabei unfleißig und lediglich, Worthelden find.

Wer in Arbeiterkreisen viel verkehrt, wird sich von dem Ein­druck nicht frei machen können, daß diese jungen, unreifen, arbeitsuntüchtigen Elemente von den wirklich erfahrenen tüchtigen Arbeitern über die Achsel und nicht für voll angesehen werden. Dennoch, und das ist das eigenartige der so oft schon beobachteten Erscheinung, folgt der brave, für Frau und Kinder gern sorgende Mann der ausgesprochensten Unerfahrenheit und Arbeitsunluftigkeit auf das Kommando: von morgen wird nicht weiter gearbeitet" und ruiniert sich in seinem wirtschaftlichen Dasein auf Monate, wenn nicht auf Jahre hinaus. Ja, selbst die spätere Erkenntnis, daß ein solcher Ausstand ihm schwere finanzielle Wunden in dem einen Jahre geschlagen hat, hindert den Familienvater nicht, im nächsten Jahre wiederum auf das socialdemokratische Glatteis zu gehen.

" Denn die Socialdemokratie ist der Nähr boden, auf dem die Unzufriedenheit gesät wird und in die Halme schießt; aber diese Halme tragen