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Nr. 188.

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Vorwärts

Berliner Volksblatt.

18. Jahrg.

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Telegramm Adresse: Socialdemokrat Berlin

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.

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Mittwoch, den 14. August 1901.

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Expedition: SW. 19, Bently- Straße 3. Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.

Unterschreibt die Petitionen gegen den Zollwucher!

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Die Eisenzölle.auch die Werte der Roheisen massen, die Eng. Land der deutschen Industrie Tieferte und die Unfre Leitartikel in Nr. 181 und 184 über die Eisen- von dieser in Fabrikate verwandelt und zum Teil wieder nach Eng­3ölle im 8olltarif- Entwurf" haben den Merger land ausgeführt worden sind. Seitdem in den letzten Jahren die der beiden Zwillingsblätter der rheinisch- westfälischen Eisen- deutsche Eisenindustrie sich enorm entwickelt hat, bermag industriellen, der Post" und der Berl. Neuesten nämlich die deutsche Roheisen- Erzeugung den einheimischen Nachrichten erregt und sie zu einer gemeinsamen Bedarf nicht mehr zu decken; es sind Zufuhren vom Ausland Attace veranlaßt. Das letztere Blatt widmet uns in seiner nötig, und diese kommen zumeist von England, das im Jahre Nr. 372 einen ganzen Leitartikel, in welchem es nach einem 1897 erst für 17,9, in 1899 aber schon für 34,4 und im letzten furzen verschrobenen Resumee unsrer Ausführungen über die Jahre gar für 53,6 Millionen Mark Noheisen nach Deutsch­von den Eisenindustriellen verfolgten Zwecke mit folgenden land lieferte. Fast ausschließlich auf diese Zunahme der naiven Einwänden antwortet: englischen Roheisen Einfuhr ins deutsche Zollgebiet tommt, wie die Berliner Neuesten Nachrichten" ihren Lesern unterschlagen, die Steigerung des englischen Exports nach Deutschland .

V

" Der Vorwärts" hat beim Studium des Zolltarif- Entwurfes nicht gemerkt, daß der Entwurf für die von der Groß industrie Hergestellten Massenfabrikate im allgemeinen gar keine 8oll erhöhung vorfieht, daß die Haupterhöhungen vielmehr ganz über­Dagegen liefert Deutschland nach England Noheisen und wiegend bei der Klein industrie liegen. Ihm ist offenbar noch kein Verständnis dafür aufgegangen, daß der Grund für die Boll- ganz grobe Eisenwaren fast gar nicht; die Zunahme seiner erhöhung der Fertigfabritate der Sele in eisenindustrie offenbar Eisenausfuhr nach England entfällt beinahe ganz auf feine tein andrer ist, als das darin enthaltene größere Quantum von und mittelgrobe Eisenwaren, Eisendraht und Drahtstifte. So Arbeit. Der Vorwärts" sieht auch nicht ein, daß die Abstufung ist z. B. die Ausfuhr nach England seit 1897 von feinen des Bollschutzes nach dem Maße der in der Ware steckenden Eisenwaren um 4,1, von mittelgroben um 2,1, von Draht Arbeit lediglich bezweckt, die Produktion mehr als bisher um 2,3 Millionen Mark gestiegen.

wird."

Das mun erwachte Mißtrauten treibt die treuz- Beitung" zu er regten Drohungen: Der Centralverband deutscher Industrieller wird sich aber wohl selber sagen, daß die Landwirtschaft sich nicht in diese Position ihm gegenüber drängen lassen kann. So bereit sie war, der Industrie ebenfalls einen Doppeltarif zu bewilligen, so fest muß sie jest darauf be stehen, daß wenigstens die landwirtschaftlichen Zölle na ch unten hin gebunden werden, bevor man sich in Ver­tragsverhandlungen einläßt.

Sollte also die Judustrie, was wir nach früheren Erfahrungen längst befürchtet haben, nur darauf ausgehen, ihre eignen Schußzölle in Sicherheit zu bringen, ohne der Landwirtschaft das ausreichende Aequivalent zu verschaffen, so können wir den Herren bestimmt versichern, daß wir dann zum mindesten die unsre Landwirtschaft am schwersten belastenden Eisenzölle ab lehnen, im Notfall selbst alle Schußzölle ohne Ausnahme bekämpfen werden. Darüber haben wir von vornherein keinen Zweifel gelassen; denn eine zweite Periode von Handelsverträgen nach dem Muster der jetzt geltenden kann die Landivirtschaft nach übereinstimmendem Urteil ihrer berufenen Vertreter nicht ertragen."

Niemals ist der Zollschacher schamloser zugestanden worden als in diesen Drohungen des konservativen Blattes. Giebt die Industrie auf die Herstellung solcher Fabrikate hinzulenken, die weniger Es liefert also England in stetig steigen uns nicht die landwirtschaftlichen Mindestzölle, so verweigern wir der Stapital, als in erster Linie Arbeit erfordern, daß damit dem Maße Noheisen nach Deutschland , und Großindustrie die Eisenzölle. Nicht weil ein Zoll nötig ist, soll er felbftredend die Nachfrage nach gelernten Arbeitern ge- bafür die deutsche Gisenindustrie Fertig von den Konservativen bewilligt werden, sondern weil die eigne steigert werden und folglich die Zollerhöhung auch den Ar­beitern und zwar nicht in letter Linie zu gute tommen fabritate nach England; und aus diesem Berhältnis Bereicherung nicht ohne Entgelt an die Mitausplünderer zu erreichen folgert das schutzöllnerische Blatt, Deutschland könne in ist. Fürwahr, ein erbauliches Schauspiel! Was die Berliner Neuesten Nachrichten" mit diesem Ge- Eisenwaren nicht mehr mit England konkurrieren und stände Nicht ohne Neiz ist die Drohung, im Notfalle alle Schutz­rede beweisen wollen, ist nicht recht zu begreifen. Es ist davor, mit letterem einen Kampf auf Tod und Leben" aus- 3ölle ohne Ausnahme zu bekämpfen." Sicherlich wird sich hierauf nichts als eine unverfrorene Behauptung, daß der zufechten. Merger kann die Frreführung des Lesepublikums der Centralverband in einer Gegendrohnote für die Expropriation Zolltarif für die Produkte der Großindustrie im im Dienst gewisser Kliquen kaum getrieben werden. der Großgrundbesitzer erklären. allgemeinen Daß dem ehrsamen Blatt auch unser Vergleich der Zoll- Es wird sich zeigen, welche von den beiden hadernden Interessen­gar teine Zollerhöhungen" borsieht, sondern nur für die Kleineisenindustrie. Wie wir erhöhungen auf Nähmaschinen und auf Dampfdresch- und gruppen die stärksten Trümpfe befigt. Sicherlich ist die Stellung des nachgewiesen haben, sind die Zölle auf Stabeisen, Eisen- Dampfmähmaschinen nicht paßt, ist selbstverständlich. Es Centralverbands die stärkere, denn in der Bekämpfung der landwirt­platten, Bleche, Eisenröhren, Draht, Eisenbauteile, Anter, sagt zur Rechtfertigung des hohen Zollfazes auf Näh - schaftlichen Mindestzölle hat er alle Welt zu Verbündeten außer den Drahtseile, Ketten, ferner für Dampfmaschinen aller Art, maschinen: Agrariern. Motoren, Fördermaschinen 2c. wesentlich erhöht daß alle Hieran ist mir richtig, daß der bisherige Boll von 8 beziv. Aber vielleicht einigen sich die jetzt Feindlichen auf die Erwei­die Artikel Produkte der Kleineisenindustrie sind, ist uns terung der Mindest zolltlausel auch für die Erzeugnisse neu vielleicht rechnen die Berliner Neuesten Nachrichten" der großzindustriellen Schußzöllner. So wahnwißig solche Absicht ist, auch die Stummschen Werke zu den kleinindustriellen. Unmögliches giebt es nicht in der räuberischen Phantastit des Boll­wuchers.

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worden."

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5 M. auf Nähmaschinen für Fußbetrieb mit Gestell auf 20 m. er­höht worden ist; das war aber unbedingt notwendig. denn ein Zoll von 3-5 M. für einen so verwidelten, so viel Präcisionsarbeit er­fordernden Mechanismus, wie eine Nähmaschine, war überhaupt Doch selbst, wenn die kuriose klassifikation richtig wäre, tein Geld, sondern nur eine statistische Gebühr. Dagegen ist der Boll beweist die ganze Auslaffung gegen uns gar nichts. Wir auf Handnähmaschinen einerseits und auf Oberteile von Näh - Eine agrarische Kundgebung ist für den 16. und haben dargelegt, daß die beabsichtigten Zollerhöhungen nicht maschinen für Fußbetrieb, d. i. den eigentlichen Mechanismus, 17. b. M. geplant. An diesen Tagen sollen Beratungen des ständigen den von der schutzöllnerischen Presse angegebenen Zwecken nur von 24 auf 85 M., also nur um etwa die Hälfte erhöht Ausschusses des deutschen Landwirtschaftsrates stattfinden, zu dem die dienen könnten, da die einheimische Industrie in den meisten der betreffenden Artikel den inneren Markt bereits völlig Zugestehen müssen wir, daß uns bei der Angabe des bis- führenden Agrarier aller deutschen Länder geladen werden. Die beherrsche; es handle sich vielmehr darum, dem deutschen herigen Zollfazes für Handnähmaschinen und einzelne Teile Herren v. Schwerin Löwig, v. Wangenheim usw. werden feierlichst Konsumenten eine Exportprämie abzuzwacken. Die Berliner der eigentlichen oberen Waschine ein Irrtum unterlaufen ist. verkünden, daß bei einer so geringen Erhöhung der landwirtschafts Neuesten Nachrichten" dagegen führen aus, daß es, wenn man Solche Maschinen wurden bisher nicht nach Tarifnummer lichen Bölle, wie sie der Regierungsentwurf vorschlage, der deutsche die Bölle erhöhe, angebracht sei, diese nach dem Maße der 15 b 2 ß mit 3 m. pro 100 Kilogramm, sondern nach 6 e 3 3 Bauer binnen einer Woche endgültig zu Grunde gehen müsse. in der Ware steckenden Arbeit abzustufen. Inwiefern be- mit 24 M. pro 100 Kilogramm verzollt, das heißt weist denn diese Meinung etwas gegen unsre Darlegung? Protestversammlungen gegen den Zollwucher werden sie wurden den feinen Eisenwaren zugerechnet; nur fortbauernd abgehalten und verlaufen durchweg unter großer Die von uns angeführten Ein- und Ausfuhrziffern läßt die Nähmaschinen mit Gestellen( Tischen Anteilnahme der Bevölkerung. So sprach dieser Tage in Breslau das Blatt unberücksichtigt. Es thut vielmehr, obgleich wir in und Untergestellen) fallen unter 15b 28. Dagegen Reichstags- Abgeordneter Sachse vor 1400 Personen. Ebenso protestierte unfrem Artikel in Nummer 184 speciell auf den Handels- ist es Unsinn, wenn die Berl. Neuesten Nachr." von eine imposante von mehr als 2000 Personen besuchte Volts­berfehr mit England und den Vereinigten Staaten Bezug einem bisherigen Zoll von 3 bezw. 5 M. sprechen; denn im nehmen, als hätten wir beide Länder übersehen, und meint lezten Jahr ist 3. B. noch nicht ber fünfzigste Teil bersammlung in Magdeburg gegen die agrarischen Pläne; in bann, nicht nach dem günstigen Gesamt- Saldo" dürfe man aller eingeführten Nähmaschinen mit Gedieser Versammlung waren erfreulicherweise auch Hunderte von urteilen, sondern man hätte sich selbstverständlich nach der stellen zum Say von 5 Mart pro 100 Rilo. Konkurrenzkraft der stärksten und nicht nach der der gramm verzollt worden. Es ist also nur der Satz für schwächeren Konkurrenten zu richten". Als solche stärksten Nähmaschinen mit Gestellen um das Siebenfache erhöht, Sonkurrenten" bezeichnet das hochschutzöllnerische Organ nicht auch für Hand- Nähmaschinen. England und Amerika . Aus Rücksicht auf den uns gesteckten Raum und weil die weiteren Ausführungen des Blattes sich speciell gegen England kehren, beschränken wir uns hier auf die Ein- und Ausfuhrziffern des Handels in Eisen und Eisenwaren mit England, die zur Belehrung ihrer Leser die Berl. Neuesten Nachr." sich leisten. Diese Ziffern sehen so aus:

England

Einfuhr 14725

1895

Ausfuhr 23 489

1896

27 305

28 148

1897

85 414

29.497

1898

32 252

31 303

1899

56 267

1900

75828

34 356 47 314

Und daran knüpft das Scharfmacherorgan nun folgenden Entrüftungsausbruch:

" Und angesichts solcher Zahlen redet der Borwärts" von einer Bedrohung Englands durch Deutschland ! Die Wahrheit ist, daß, wenn das so weiter geht, wir eines schönen Tages auf unirem eignen Markte mit dem amerikanischen Eisen oder mit von Amerika seinerseits bedrängtem englischen Eisen einen Stampf auf Tod und Leben auszufechten haben würden; würden wir in dem unterliegen, so hört die deutsche Eisenindustrie und damit auch die deutsche Eisenausfuhr überhaupt auf."

Trefflicher konnte das Blatt seine bewußte unwahrhaftig­feit nicht beweisen, als durch diese Zusammenstellung. In den obigen Ziffern stecken nämlich nicht nur die Werte der Eisenwaren, in denen England mit Deutschland konkurriert und die es auf den deutschen Markt geschickt hat, sondern

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Politische Uebersicht.

Berlin , den 13. August.

Der Zollwucher.

Frauen anwesend.

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Aus dem Auslande treffen wiederum zahlreiche Nachrichten ein, die bekunden, wie die neue deutsche Zollpolitik zu internationalen Wirtschaftskonflikten führen muß. Allenthalben, in Oestreich wie in Rußland , in England wie in den Vereinigten Staaten werden schärfste Gegenmaßregeln gegen die deutschen Heraus­forderungen angekündigt.

Die Lords gegen die Gewerkschaften.

mb. London , 10. August 1901.

Für Oestreich- Ungarn wird, wie die Münchener gem. 8tg." aus Wien erfährt, der neue deutsche Zolltarif zwischen den Die Blätter der Großindustrie lassen die Frage der Konserva- ungrischen und böhmischen Latifundienbesitzern und den östreichischen tiven, welches der eigentliche Sinn des Direktorialbeschlusses sei, Industriellen das gemeinschaftliche Bestreben hervorrufen, einen noch immer ohne Antwort. Die Berl. Neuesten Nachr." begnügen neuen autonomen 8olltarif mit großen 8oll­sich heut, die unwirschen Bemerkungen ihrer sammelpolitischen erhöhungen gegen Deutschland herzustellen. Man Freunde ohne jeden Zusatz mitzuteilen. Dagegen sieht sich jetzt auch arbeitet jetzt eifrig an dem Tarif und es kann jetzt schon gesagt die Kreuz- 8eitung" gedrängt, ihre abwartende Saltung auf- werden, daß dem deutschen Negotiationstarif ein ganz ähn­zugeben; fie schreibt nun nach mehrtägigem Besinnen: licher in Oestreich- Ungarn entgegengestellt werden wird. Der Beschluß des Direktoriums des Centralverbandes d deutscher Industrieller" befleißigt sich einer so tünstlich verh 39 worrenen Redeweise, daß ein längeres Studium und die Kommentare der liberalen Blätter zum Verständnis nötig find. Es will uns scheinen, als ob diese Un- Der höchste Gerichtshof Englands, die Rechtskammer der Lords, Klarheit, die doch nicht auf eine stilistische Unfähigkeit hat fürzlich hintereinander zwei Entscheidungen in Arbeiterfachen jener Herren zurückgeführt werden werden kann, den Zweck gefällt, die, zusammengenommen, wohl geeignet sind, das englische habe, die Landwirte über die wahren Absichten Gewerkschaftswesen auf das Niveau des deutschen herabzudrücken. bes Centralverbandes noch eine Beitlang au Denn diese Entscheidungen sind nicht nur gesegliche Behand­täuschen. Dann würde sich das Spiel wiederholen, lungen zweier Einzelfälle, fie tragen vielmehr einen gesez­das schon 1892 die Industriellen unter Stumms Führung mit Er- gebenden Charakter, sie sind, wie man in England sagt: folg geübt haben: fie flossen über von Beteuerungen des Wohl- judge- made- laws", Geseze, die von Richtern gemacht werden. wollens gegen die Landwirtschaft, fie gaben die Notwendigkeit Ein Urteil entsprang dem Konflikte der Arbeiter mit der Taff­hohen Zollschutzes für den deutschen Getreidebau allezeit mit Thal Eisenbahngesellschaft; das andre dem am 5. d. Mts. abge= liebenswürdiger Bereitwilligkeit zu, und als die Stunde der Ent- schlossenen Prozesse Quinn gegen Leathem. Der erstere Fall wurde scheidung tam, da erkauften sie sich mit der Preisgabe des bis- bereits im Vorwärts" vom 2. d. Mts. von sachkundiger Feder be herigen Getreidezolls ihre Handelsverträge und ihre Industrie- handelt und auf seine civilrechtliche Bedeutung geprüft, so daß zölle." nur noch übrig bleibt, von den Stimmungen und Ansichten Kenntnis