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Nr. 205.

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Vorwärts

79090

Berliner Volksblatt.

07

18. Jahrg.

Die Insertions- Gebühr beträgt für ble fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 40 Big., für politische und gewerkschaftliche Vereinss und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Inferate für bie nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der& rpedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet.

Telegramm- Adresser Bocialdemokrat Berlin"

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2. Fernsprecher: Amt I, Nr. 1508.

108

Dienstag, den 3. September 1901.

Der Wuchertarif und die Verpflegung die alljährlich auf mehrere Wochen eingezogen werden, nicht

der Wehrmacht.

Bwar brachte über obiges Thema schon ein süddeutsches bürger­liches Blatt einige Ausführungen, aber dieselben waren so obere flächlich, daß wir uns mit der Sache eingehender befassen wollen. An tierischen Produkten erhält der deutsche Soldat hauptsächlich Ochsenfleisch und Sped. Wir müssen daher vor allem feststellen, wie weit diese beiden Nahrungsmittel durch den neuen Tarif verteuert

werden.

die Verpflegung der 150 000 Reservisten und Landwehrleute, beridsichtigt. Ferner blieb auch die Preissteigerung für Roch fette, fir felle, für Leder, für die toloffalen Konferven vorräte, die in den Festungen und Magazinen aufgestapelt werden müssen, außer Betracht. Alles in allem dürfte der Wucherzoll die Erhaltung der deutschen Wehrmacht mindestens um 20 Millionen Mark jährlich verteuern.

Woher aber soll dieses Geld fommen? Will man es den Soldaten am Munde absparen und sie noch färglicher verpflegen als bisher? Oder sollen dem deutschen Volk zu den Lasten, die ihm Zunächst zum Ochsenfleisch. Bisher betrug der Zoll für der Wuchertarif aufbürden würde, auch noch Extrasteuern beschert einen Ochsen 25,50 m., fünftig sollen für je einen Doppelcentner werden? Man wird uns vielleicht entgegenhalten, daß die Boll­Lebendgewicht 12 M. bezahlt werden. Ein lebender Schlachtochse erhöhungen vermehrte Reichseinnahmen zur Folge hätten und sich II. Qualität wiegt 9 Doppelcentner, somit ergäbe sich für ihn ein goll damit die Mehrkosten der Armee 2c. leicht becken ließen. Mit von 108 M., also mehr gegen bisher 82,50 M. Nun schlägt aber Verlaub, hat nicht der Herr Reichskanzler ausdrücklich versprochen, der Megger aus einem solchen Ochsen nur 9 Centner Fleisch heraus, daß die Mehreinnahmen des neuen Tarifs der Witwen- und Waisen das heißt, er hätte beim Einlauf für 9 Centner Ochsenfleisch um versorgung der unteren Selaffen zufließen sollen? Daß Soldaten 82,50 M. mehr als früher zu erlegen. Die flare Folge ist, daß auch aber keine Witwen und keine kleinen hilflosen Waisenkinder find, das Pfund Ochsenfleisch II. Qualität um 9 Pfennige teurer würde. bedarf wohl keines Beweises. Die Fleischer haben in ihrer Fachzeitung diese Preissteigerung fogar auf mindestens 10 Pfennige angegeben.

Was den Sped betrifft, so wird durch den Wuchertarif der Preis des Pfundes um 7/2 Pf. erhöht, wie in Nummer 176 des Bortvärts" bereits nachgewiefen ist.

Politische Uebersicht.

Berlin , den 2. September.

Zollwucher.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Fernsprecher: Amt I, Nr. 5121.

System drohen, verschwinden würden. Der russisch deutsche Handelsvertrag war der Schlußstein der Caprivischen Handelspolitik, und er war von der größten Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Industrie. Kein andres Land sieht sich aber in seinen öfonomischen Interessen durch den deutschen Zolltarifentwurf mit seinen hohen Getreidezöllen so sehr gefährdet wie Rußland , und mag auch der Bismarcksche Grundsatz, daß politische Freundschaft und wirtschaftliche Feindschaft mit einander vereinbar feien, auf Richtigkeit beruhen, so haben sich doch gerade die politischen Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland in bedeutendem Maße gebeffert, seitdem die wirtschaftliche Annäherung erfolgte. Auch wirtschaftliche Gegensäge sind, wenn nur der gute Wille vorhanden ist, nicht unüberbrückbar, und so mag denn viels leicht auch für die Frage der Handelsverträge die Kaiser­zusammenkunft bei Danzig nicht ohne Wichtigkeit fein.".

Wir sind weit davon entfernt, den wirtschaftspolitischen Wert von Kaiserbegrüßungen höher anzuschlagen als ihren politischen Wert. So wenig derartige monarchische Demonstrationen und Freundschafts­von Kaiserbegrüßungen höher anzuschlagen als ihren politischen Wert. So wenig derartige monarchische Demonstrationen und Freundschafts­ändern, so wenig können sie die wirtschaftlichen Gegensätze innerhalb beteuerungen den ungeheuerlichsten Rüstungszustand der Staaten der einzelnen Völker und unter den verschiedenen Völkern beeinflussen. Die Ausführungen des östreichischen Blattes find nur dadurch be deutungsvoll, daß sie unverhohlen die Gefahr betonen, die dem ge famten gegentvärtigen System der handelspolitischen Beziehungen unter den Völkern durch die Plünderungsgelüfte der deutschen Agrarier droht.

Info

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Nun sind von 1904 ab, wo die Heeresstärke bis auf weiteres die Die Konservative& orrespondena" sucht wiederholt im Jahre 1899 festgesette Höhe erreichen wird, zu verpflegen: die Regierung zur Kündigung der Handelsverträge vor Erledigung Protest fundgebungen. 495 500 Obergefreite, Gefreite und Gemeine, ca. 60 000 unver- des neuen Tarifentwurfs zu überreden. Sie versucht die wahren Aus Dresden wird uns berichtet: 22 Volks.Proteft Heiratete Unteroffiziere, 30 000 Angehörige der Marine. In Summa Biele dieses Verlangens durch erheuchelte Treuherzigkeit zu verhüllen versammlungen gegen den Hungertarif fanden hier und in der rund 585 000 Mann. Die Ernährung dieser Leute wollen wir, da- und überrascht durch die wahrhaft ergötzliche Erklärung, daß es sich umgegend am Sonnabend statt. In der foloffalen Beteiligung der mit uns ja niemand Uebertreibung vorwerfen kann, wesentlich schmäler ihr nur um neue, beffere Tarifverträge" handele. Die Partei Arbeiterschaft, und auch des Bürgertums an dieser Stundgebung es annehmen, als sie z. B. in der bayrischen Armee üblich ist. der Brotwucherer nimmt die Maske des Fuchses vor den Kopf und mögen fich weit mehr als 20 000 Menschen als Zuhörer ein­Während in dieser fast täglich Ochsenfleisch, an Sonn- und Festtagen zeigt also die vollendete Unschuld ihrer Absichten: gefunden haben und in der begeisterten Zustimmung der Ver­sogar Schweinebraten verabreicht wird, nehmen wir an, daß unsre .. Läßt die Regierung vor oder während der Versammlungs- Befucher zu den Ausführungen der Referenten zeigte 585 000 Mann nur an 200 Tagen im Jahre Ochsenfleisch und an handlung der Tarifvorlage teinen Zweifel darüber, daß sie aus sich die steigende Erregung und Entrüstung des sächsischen Bolles 165 Tagen Speď erhalten. Ein Pfund Ochsenfleisch reicht ungefähr all den bargelegten Rücksichten, gerade um zu neuen, besseren gegen die geplante Lebensmittelverteuerung in nicht mißzuver­Tarifverträgen zu gelangen, Sie bisherigen Tarifstehender Weise. Auffallend zahlreich Ivaren Frauen in für 3 Mann aus( vorschriftsmäßige Ration pro Kopf 180 Gramm, verträge fündigen müsse, gleichgültig, ob diese Künden Versammlungen vertreten. In allen Versammlungen wurde daher beträgt der Ochsenfleischkonsum der Armee und Marine an digung auch von der andren Seite fomme oder nicht, so wird für nachstehende Resolution einstimmig angenommen: einem Tage 195 000 fund. die verblendeten Freifinnigen der wichtigste Grund für ihre Verzögerungspolitit wegfallen. Sie werden sich unter solchen Umständen nicht neuen Handelsverträgen in den Weg stellen wollen und selbst die Socialdemokraten werden sich wohl bes finnen, ehe sie sich dann von allen Seiten als die Verhinderer neuer Handelsverträge brandmarken lassen, nachdem sie inzwischen zu den Lobpreisern der alten Verträge gehört haben,

Da das Pfund um 9 Pf. teurer werden soll, würden sich die Mehrkosten pro Tag auf 17 550 M. belaufen, daher für 200 Tage 8 510 000 m.

Ein Pfund Sped ferner genügt für 5 Mann. Infolgedessen beläuft sich der Spedverbrauch für 585 000 Mann an einem Tage auf 117 000 Bfund. Die Mehrbelastung des Spedes mur zu 7 ftatt 71/2 Pfennigen festgesetzt, resultiert eine tägliche Mehrausgabe von 8190 M. Daher für 165 Tage ein Mehraufwand von 1 351 350 M. In Summa beziffern sich also die Mehrkosten für Fleisch und Sped allein auf 3 510 000+1 851 350= 4 861 350.

Man wird uns hier vielleicht entgegenhalten, daß die Soldaten doch ab und zu mit Konserven verpflegt würden. Gewiß, aber die Konserven spielen wenigstens beim Landheer nur eine nebenfächliche Rolle und außerdem wird ihr Preis durch den Wuchertarif ebenfalls sehr in die Höhe geschraubt werden.

Gehen wir nun zu den in der Kaserne üblichen Suppen­Einlagen, nämlich Gries, Grüße, Graupe, über. Diese Produkte waren bisher mit 7,30 M. pro Doppelcentner zu verzollen, fünftig follen 16 M., also 8,70 m. mehr zu bezahlen sein. Der Gentner würde daher um 4,35 M. und das Pfund um 41/3 Pf. teurer werden. Nehmen wir die Preissteigerung jedoch nur mit 4 Bf. pro Pfund an. Ein Pfund Gries 2c. genügt für 5 Mann. Der Tages Konjum von 585 000 Mann beläuft sich daher auf 117 000 Bfund. Daher pro Tag Mehrkosten 4680 M. und pro Jahr 1 708 200 M.

Kommt die neue Tarifvorlage nicht zu stande, so würden eben mit dem Ende der bisherigen Tarifverträge die Bollfäge unfres bisherigen Generaltarifs in Geltung treten. Diejenigen lintsliberalen Politiker, denen nur der ausländische Import am Herzen liegt, müssen überlegen, daß damit keine günstigeren Einfuhrbedingungen gegeben sein würden, als sie mindestens der neue Bolltarif eben falls bringen würde. Aber unserem Export handel würden die Bedingungen seiner Sicherung vollständig genommen sein.

Die Regierung würde es also in der Hand haben, die Opposition der Linten gegen die neue Bolltarifvorlage zu zähmen, indem sie alle Gründe darthut, aus denen auf jeden Fall eine Kündigung aller bisherigen Verträge notwendig ist und diese Kündigung in unausbleibliche Aussicht stellt."

Das Organ der Konservativen geberdet sich also urplötzlich als eifriger Freund von Handelsverträgen, während es bisher hieß: Hohe Mindestzölle auf alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse und alles andre mag gehen, wie es will.

In Wahrheit hat natürlich das Agrariertum diese Wucherpläne auch nicht um ein Jota aufgegeben. Nur die Furcht, daß es der Bolloppofition gelingen fönnte, den neuen Wuchertarif zu werfen Nun zum Brot! Der Mann erhält im allgemeinen mur oder seine Gesetzgebung auf lange Zeit zu verzögern, treibt sie zu Roggenbrot und zwar im Tag 750 Gramm. Für den Doppel- der Forderung der vorzeitigen Kündigung der jezigen Handels centner Roggen war bisher ein Zoll von 3,50 M. normiert, der verträge. Denn werden die Handelsverträge vorzeitig ge­durch den Buchertarif auf 6 M. getrieben werden soll. Der Doppel fündigt und kommt dann kein neues Tarifgesetz zu stande, centner Roggen steigt somit um 2,50 M., der Gentner um 1,25 m. fo tritt der Generaltarif in Kraft, dessen hohe Boll im Preise. Aus einem in Mehl umgearbeiteten Centner Roggen fäge für Getreide- Erzeugnisse den Agrariern immerhin ein fönnen aber 92 Pfund Brot hergestellt werden, also wird das willkommenes Surrogat für den von ihnen erstrebten neuen Mindest Pfund Brot um 1,36 Bf. verteuert. Der Tagesbedarf an tarif bieten würden. Daß der Generaltarif zugleich den Bollfrieg mit Brot für 585 000 Mann ergiebt 877 500 Pfund, somit eine Mehr allen anderen Ländern bedeuten würde, das kann die Freude der belastung von 11 934 M. täglich. Daher im Jahre 4 355 910 M. Agrarier an ihrem reizvollen Plan nur steigern. Ob aber die Re­Wir sehen also, daß nach Einführung des Buchertarifs für gierung des Grafen Bülow fich stark genug dünkt, fich in das ihr Fleisch, Sped, Suppeneinlagen und Brot allein empfohlene handelspolitische Chaos zu stürzen diesen Wagemut 10 925 460 m. jährlich mehr verausgabt werden müßten. darf man ihr denn doch nicht unterstellen. Bisher haben die Offiziösen derlei Forderungen der Agrarier zurückgewiesen. Im Ausland

Tour

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Gehen wir mun aur Verpflegung der Pferde über. Die deutsche Armee weist etwa 115 000 Pferde auf, die auf Kosten des Staates gefüttert werden. Das hier in Betracht kommende Getreide ist der Safer, für den bisher ein Zoll von 2,80 M. zu entrichten erscheint die handelspolitische Situation andauernd als höchst war. Der Wuchertarif fordert 6 M., also um 3,20 W. mehr. Die bedenklich und gefahr voll Wie stark die Befürchtungen sind, Pferde der Generäle, der höheren Stäbe, der schweren Neiterei, der zeigt ein Artikel des Fremdenblatt", des östreichischen Feldartillerie erhalten täglich 5,5 Kilogramm Safer, jene der Regierungsorgans, das aus der bevorstehenden Zusammenkunft des Ulanen 5,1 Kilogramm, die der übrigen Waffen 4,5 Kilogramm. deutschen Raisers mit dem 8aren Hoffnungen schöpft, daß Rechnet man im Durchschnitt pro Pferd 5 Kilogramm, so die durch die deutsche Zollpolitik heraufbeschworene Gefahr gemildert ist der Tagesbedarf der ganzen Armee 575 000 Kilo- und beseitigt werden könne. Das offiziöse Blatt führt aus: gramm 5750 Doppelcentner. Somit eine tägliche Mehr­ausgabe von 18 400 M. und eine jährliche von 6716 000 m. Refumieren wir: Der Wuchertarif würde eine jährliche Kosten­steigerung fordern für

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Fleisch, Sped, Brot und Suppeneinlagen 10 925 460 m. Hafer. 6 716 000 Summe 17 641 460 in dieser Summe der Wuchertarif So haben wir

Nun ist aber wohl zu bedenken, daß durchaus nicht alle Mehrausgaben, die zur Folge haben wird, enthalten find.

Wir erbliden in der Danziger Raiserentrevue ein Ereignis, welches geeignet ist, den Völkern Europas das tostbare Ziel des Friedens weiter zu erhalten, und begrüßen mit Freuden dieses Zeichen der ungestörten guten Beziehungen zwischen Rußland und Deutschland . Vielleicht wird nun die Harmonie in der Politit, welche zwischen diesen beiden Reichen waltet, einen Einklang in den wirtschaftlichen Fragen Herstellen, vielleicht wird die Kaiser- Busammenkunft in Danzig nicht nur für den politischen, sondern auch für den wirtschaftlichen Frieden Früchte tragen. Das Problem der Handels­verträge beschäftigt heute die ganze Welt, und es wäre zu wünschen, daß die Gefahren, welche diesem handelspolitischen

Die am 31. August 1901 Versammelten protestieren auf das entfchiedenste gegen den geplanten Brotwucher, erblicken in dem neuen Bolltarif eine schwere Gefährdung der für das Gedeihen der deutschen Volkswirtschaft unbedingt notwendigen und deshalb fort­zufezenden Handelsvertragspolitik und versprochen, mit allen Kräften die Petitionsbewegung gegen den Brotwucher zu fördern." Gegner meldeten sich in den Bersammlungen nicht zum Wort. Den Hungertarif Auge in Auge dem Volfe gegenüber zu ver teidigen, wagt man nicht. Seit der Kundgebung gegen die 8ucht. hausvorlage hat die Dresdener Einwohnerfchaft eine derartig großartige Demonstration wie die am Sonnabend nicht wieder ge­sehen.

Möge den Hungertarif das Schicksal der Bucht hausvorlage ereilen!

Wiederum haben zahlreiche Handelskammern, so die von Bremen , Mannheim , Magdeburg Proteste gegen die Bolltarifvorlage beschloffen.

Eine Versammlung der Leder Industriellen, die aus allen Teilen Deutschlands start besucht war, hat am Montag in Berlin getagt und folgende dem Bundesrat zu unterbreitende Re folution einstimmig angenommen:

Die heute, den 2. September 1901, im Hotel Kaiserhof­Berlin versammelten Leder- Industriellen, Schuh, Treibriemen­und Lederwaren- Fabrikanten, Häute, Leder- und Schuhhändler protestieren gegen die im Bolltarif- Entwurf vorgesehenen Gerbstoff­Zölle.

Aus dem von der Regierung gesammelten umfangreichen Material selbst geht hervor, daß der durch Einführung der Gerbstoffzölle einer fleinen Anzahl von deutschen Rinden produzenten etwa erwachsende Nußen nur ganz gering fein kann, während andererseits der unseren Lederindustrien zugefügte Schaden ein ganz enormer sein würde. Um so unbegreiflicher ist es, daß die verantwortlichen Ratgeber der Regierung leichten Herzens dem Drängen der Agrarier nachgeben fonnten, wo doch nachweisbar von den in den letzten Jahren in Deutschland verbrauchten Gerbmaterialien dem Gewicht nach nur ca. ein Drittel, dem Prozentsatz des Gerbstoffgehalts nach sogar nur ein Zehntel im Julande gewonnen wurde.

Eine künstliche Verteuerung der Gerbstoffe muß die Ver nichtung des bedeutenden Lederexports zur Folge haben, da bei einer Verteuerung der Produktion die Konkurrenz auf dem Weltmarkte mit dem billiger produzierenden Auslande fortan ausgeschlossen wäre. Der Export hat im Jahre 1899 die Höhe von 71 Millionen 587 000 Mart in Leder und 85 Millionen 288 000 Mart in Lederwaren erreicht. Ein Aufhören dieser Ausfuhr würde notwendigerweise zu einem ungeheuren Ueberangebot und damit zu einem vernichtenden Konkurrenzkampf auf dem inneren Markt führen, welchem in erster Reihe der fleine, tapitalschwache Gerber erliegen müßte. Und gerade diesen glaubt man mit den einzuführenden Gerbstoffzöllen schützen zu fönnen. Aber die Ver teuerung der Gerbstoffe muß auch zur Erhöhung der Lederpreise und damit der Lederwaren und Schuhpreise führen, wodurch eine schwere Belastung weiter Wolfskreise für diesen unentbehrlichen Gebrauchsgegen stand entsteht.

Aus allen diesen Gründen verlangen die hente versammelten Interessenten der Leder- und Lederwaren- Industrien, zugleich in Wahrung der Interessen der in ihren Betrieben beschäftigten, nach vielen Tausenden zählenden Arbeiter und Angestellten, von den gesetzgebenden Körperschaften die vorgeschlagene Ein­führung eines Bolles auf Gerbstoffe abzulehnen. Sie protestieren dagegen, daß ihre Industrien als Versuchsobjekt für die volkswirtschaftlich falsche Maßregel der Bollbelastung unentbehr licher Rohstoffe gebraucht werden sollen."