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Nr. 72.

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* Vorwärts

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für 1892 unter Nr. 6652.

29. Jahrg.

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Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Die Arbeitszeit der Berglente in der Novelle zum preußischen Berggesek.

Freitag, den 25. März 1892.

Expedition: Beuth- Straße 3.

Bergbau hier uno ba, namentlich auch infolge der unbe- Gegenstand der freien Vereinbarung bleiben soll"- mit diesem schränkten Zulassung sogenannter Ueberschichten und Neben- Wortspiel löst die preußische Geheimrathspolitik die Schwierig

bis zu dem Bergarbeiter- Ausstande im Frühjahr 1889 beim verständlichen Nebensat verweisen: da die Arbeitszeit

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schichten eine so übermäßige tägliche Arbeitszeit üblich ge- feit wie ein Jongleur. Und da die freie Vereinbarung wesen ist, daß die Beschäftigung in den betreffenden Gruben bleiben soll, daher erscheint das Eingreifen der lediglich um dieser übermäßigen Anstrengung willen jeden Aufsichtsbehörde wünschenswerth"- diese Logik ist un­Endlich ist das seit dem Bergarbeiter- Streit von 1889 falls auf die Dauer als gesundheitsschädlich erachtet werden bezahlbar. Sie steht auf derselben geistigen und politischen in ungezählten offiziösen Notizen angekündigte und im mußte." Man sollte meinen, daß sich an dieses Geständniß, Höhe, wie etwa die Säße:" da der Geheimrath die Ver­Voraus gepriesene Abänderungsgesetz zum alten preußischen welches übrigens vortheilhaft von den Verdunkelungsver- förperung der heutigen Regierungsweisheit ist, daher haben Berggefeße von 1865 als Regierungsvorlage an den preußi- suchen in der bekannten Bergarbeiter- Enquete absticht, wir die geseggebenden Geheimräthe". Man mag diese schen Landtag gelangt. Volle drei Jahre hat also die Re- sofort der praktische Schluß knüpfen müßte:" Führen wir stupende Beweisführung wenden und drehen wie man will, gierung an demjenigen gekaut, was ihr die Bergarbeiter im also die vernünftig begrenzte Arbeitszeit gefeßlich ein!", fie bleibt in ihrer Art einzig, großartig, verblüffend. Und Streitjahre vorsezten. Und wenn noch die dreijährige zumal, da die Motive weiter zugeben, daß die Gefahr mit solchen Mittelchen will der preußische Staat die Berg­Rauzeit ewas Bollständiges und halbwegs Fortschrittliches eines Rückfalls in die früheren"( blos früheren?) un- arbeiterfrage auch nur um einen Schritt fördern! Man gezeitigt hätte! Aber mangelhaftigkeit und Halbheit sind die erwünschten Verhältnisse nicht ausgeschlossen ist". Aber sollte die Wendung der Motive als Motto auf das erste hervorstechenden Eigenschaften auch dieser lang ausgetragenen man soll die echte Gelegenheits- Gesezmacherei auch in diesem Denkmal setzen, das der neuen Aera" errichtet wird!! Gefeßesvorlage. Da sollte der Reformminister" Berlepsch Punkte wieder gründlich kennen lernen, und die Berg- Danach ist es beinahe müßig, noch viel von dem zu sein Können beweisen und zeigen, was er Alles in seiner west- arbeiter sollen an ihrem Leibe erfahren, was eine Beamten sprechen, was bei diesem Maltraitiren der Sache und fälischen Verwaltungsthätigkeit in Sachen der Bergarbeiter- hierarchie in der Umgebung praktischer Nothwendigkeiten Sprache zugleich herauskommt: das Eingreifen der Auf­Verhältnisse gelernt habe. Nach dieser Probe sind seine leisten kann! Die Motive der Vorlage fahren fort: die ſichtsbehörde. In§ 197 des neuen Berggesetzes soll nämlich Kenntnisse recht beschränkt; er weiß offenbar von Gefahr eines Rückfalls sei nicht ausgeschlossen, da die eingeschaltet werden, daß insbesondere die Ober- Berg­der wahren Stimmung in den Kreisen der Bergleute nicht Regelung der täglichen Arbeitszeit im ämter, wenn durch übermäßige Dauer der täglichen Ar­mehr, als alle früheren Beamten an seiner Stelle. Sein Allgemeinen Gegenstand der freien Vereinbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, Wollen mag ganz gut sein. Aber die Art, wie er der barung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern bleiben Dauer, Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit vor­neuen Vorlage mit weitschweifigen Bestimmungen über die soll( 8 80b, Biffer 1 dieses Gesetzes). Die Möglichkeit schreiben können". Und um diese klägliche Retirade in ihrer Arbeitsordnung ein äußerliches Ansehen zu geben versucht, eines Eingreifens Aufsichtsbehörde ganzen Bravour erscheinen zu lassen, bemerken die Motive wie er den Abkehrschein beibehält und bei der Reform der zum Zwecke der Verhütung der Verhütung einer gemeinschädlichen dazu, daß diese Befugniß den Bergbehörden schon nach der Bergaufsicht auf halbem Wege stehen bleibt, zeigt nichts mißbräuchlichen Anwendung der Vertragsfreiheit in der bisherigen Gesetzgebung kaum abzusprechen sein dürfte". Bedeutendes im Können. Es ist dieselbe Geschichte, wie gedachten Richtung erscheint daher daher jedenfalls Jm Grunde wiederholt also die Bergarbeiter- Reform der bei der Gewerbe- Ordnung. Das soll an den einzelnen wünschenswerth." Diese Gedanken und Satz neuen Aera" an diesem wichtigsten Punkte nur die bisher Bunkten nacheinander ganz genau nachgewiesen werden. verklitterung ist Dasjenige, was die preußische giltigen Bestimmungen, Bestimmungen, von denen ebenfalls In erster Linie steht die Regelung der bergmännischen Bureaukratie über den springenden Punkt der ausdrücklich zugestanden wird, daß niemals Gebrauch Arbeitszeit, wie man sie von der Vorlage erwarten müßte Bergarbeiter Schutzreform zu sagen hat!! Sie von ihnen gemacht worden sei!! Und da - und wie sie in derselben vorgenommen ist. redet Bände über die Geheimrathspolitik, der die preußi- mit ja Nichts passiren" kann, werden die Herren daß Sagen wir es gleich glatt heraus, daß der gesetzliche schen Bergarbeiter von Neuem geopfert werden. Diese mit Bergwerks- Besitzer eifrig darüber vergewissert, Maximal- Arbeitstag für Bergarbeiter in der Novelle fehlt. den Unternehmer Interessen eng verknüpfte Geheimraths- derartige Maßnahmen nach den bestehenden Verwaltungs­Es fehlt also Dasjenige, die gesetzliche Achtstundenschicht, politik hat nicht die Schneid, den Standpunkt, welchen die vorschriften" von den Ober- Bergämtern erst getroffen werden worüber selbst bürgerliche Parteien sich als unbedingte Noth- Vorlage an der wichtigsten Stelle einnimmt, mit einem ehr dürfen, nachdem sie sich vorher des Einverständnisses der wendigkeit einig waren, nachdem im Jahre 1889 die bei lichen Hauptsatze in dem offenen Bekenntniß festzulegen: Zentralstelle versichert haben." Heilige Sozialreform, frumm spiellosen Zustände in den Kohlenrevieren bekannt geworden Die Regelung der täglichen Arbeitszeit soll Gegenstand find deine Wege! So ungesund" ist ja vielleicht der waren. Es fehlt der Lebensnerv jeder Arbeiterschutz- Gesetz der freien Vereinbarung bleiben." Diese ehrliche Form deutsche Bergmann noch nicht geworden, daß er nicht gebung, die ernsthaft eine solche sein will. Und es wäre hätte wahrscheinlich zu leicht zu der Frage Anlaß hie und da noch 11, 12 und 13 stündige Schichten im Weshalb foll die doch so leicht gewesen, den Maximal- Arbeitstag für Berg- gegeben: Arbeitszeit Gegen- dumpfen Schachte aushält. Da aber nur im Interesse der leute einzuführen, da trotz Versicherungen offiziöser Blätter stand der freien Vereinbarung bleiben? Weshalb soll Gesundheit" die Arbeitszeit auf ein gewisses Maß be­die allgemeine Sympathie in reichem Maße noch immer den die Ausbeutung der Bergarbeiter künftig nach wie schränkt werden kann", so wird man unter der wachsamen geplagten Bergleuten gehört. Dazu kommen die Stimmen vor auch ihrem zeitlichen Ausmaße nach ganz in der Aegide der Zentralftelle" ruhig die Unternehmer fort­aus der Technit, welche die Möglichkeit einer festen gesetz- Willkür der Unternehmer stehen?" Aber die Erörterung wursteln lassen können"!

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der

lichen Begrenzung der Arbeitszeit nicht blos zugeben, son- dieser prinzipiellen Frage soll ja so ängstlich als nur mög- Die unerhörte Behandlung der Frage der Arbeitszeit dern direkt befürworten- es sei nur an das Wort er lich vermieden werden. Und da muß das plumpeste Beschränkung für Bergleute in der neuen Vorlage und ihren innert, welches der berühmte österreichische Tunnelbauer Diplomatenmittel herhalten. Wie die Höflinge eine un- Motiven ist ein Hohn auf die elementarsten Säße der Franz von Nziha für die Einführung der Acht angenehme Schlußfolgerung, die sich im Gespräch ergiebt, sozialen Politik. Sie könnte das Eingehen auf den sonstigen stundenschicht einlegte. Ganz tönnen sich auch durch plötzliches Verschlucken der Worte mit der bekannten Juhalt des Entwurfes eigentlich gänzlich verleiden. Und die Motive der neuen preußischen Vorlage allen Theatergeberde des Räusperns verschwinden lassen, so eska doch wollen wir uns der Mühe unterziehen, auch die anderen diesen Betrachtungen nicht entziehen. Auch nach ihnen motiren hier die Motive die eigentliche Kernfrage der ganzen Punkte des Reformgesetzes noch zu besprechen. Die Vor­( G. 48 ff.), fann es nicht verkannt werden, daß wenigstens Reform dadurch, daß sie dieselbe in einen scheinbar selbst- lage kommt ja im Interesse des sozialen Friedens."

Feuilleton.

Magbrudt verboten.]

Am Webstuhl der Zeit.

Beitgenössischer Roman in 3 Büchern

zubieten?"

von A. Otto Walster .

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dem Munde wegzunehmen, warum sollen die Armen ehrlich mordeten, gegenwärtig noch arbeitet, und wir waren immer sein? Und sie sind es noch in einem sehr hohen Grade, wie drei Glieder einer Kette von Jugend an. Die Schwester sonst müßten die Gesetze bald umgeändert werden. Aber Habicht's aber war ein allerliebstes Mädchen mit einer hier haben Sie Feuer." Noad öffnete die Seitenfläche einer völlig verschlossenen achteckigen Blendlaterne und gab dem Schriftsteller das Licht zum Anbrennen.

glockenhellen Stimme und von seelensgutem Charakter. Sie wollte, als ihr Vater gestorben, die Mutter unterstützen, da unser Habicht nicht allein für die ganze Familie sorgen konnte, und ging deshalb in den Singechor des Theaters, was uns, da wir das Mädchen liebten, gar nicht recht gefallen wollte. Sich so mit bloßem Nacken und Hosen vor dem Publikum herumzudrehen, ist etwas, was bloßen Armen oder im kurzen Röckchen, oder wohl gar in man weder von seiner Geliebten, noch von seiner Schwester einem ganz anderen Kostüm von den vornehmen Herr­gethan sehen möchte. Heute freilich haben wir sie noch in schaften sich herumdrehen sehen."

" Heute? sie? wo?" fragte Lange verwundert.

Und nun, bitte, erzählen Sie! Ich bin begierig, diese Geschichte zu erfahren," rief Lange dringend. " Ich will es thun, aber beeilt Euch etwas, denn jede Anflug von Dozententon an: wir waren drei Burschen " Nun, sehen Sie," hub Noack nicht ohne einen gewissen Minute ist jetzt kostbar." Es ist nicht so eilig, wie Sie zu denken scheinen. Der von 22 bis 25 Jahren; hier mein Freund Wießner war Howald wird jezt unter seinen Dienern herumbefehlen brei waren Schloffer und arbeiteten in der Waschinenfabrit Howald wird jetzt unter seinen Dienern herumbefehlen der älteste, unser Freund Habicht der jüngste. Wir alle und diese erst zu Bette schicken, ehe er weiter etwas unter­von Findeisen." nimmt. Darf ich mir erlauben, Ihnen eine Zigarre, an- Von Findeisen?" rief Lange erstaunt aus; und Da drinnen im Wintergarten, das nackte Weib, das Lange zauderte, die Zigarre anzunehmen, aber Noad gerade um das Fräulein Findeisen handelt es sich." ,, Um das Fräulein Findeisen? Da danken wir schön da unter der Fontäne erschien... Herr Doktor, da müssen wir bedauern. Von dieser Race, von diesem Fabrikantengesindel mag unseretwegen sterben " War Fräulein Habicht, Herr Doktor; da können Sie und verderben, was da will. Da reden wir nichts hinein, sehen, was aus dem Monschen wird. Bei einer Soiree und wenn sie sich gegenseitig auffressen wie die Hechte im hier auf dem Gute war sie mit dem ganzen Chor zum Teiche. Unseretwegen können sie alle zusammen im Wasser Singen engagirt worden und auch gekommen. Nach pruſten, wir ziehen keinen heraus; die Race kann nicht verloren gehen, und wenn sie verloren gehen sollte, ist's nicht Schade um sie."

meinte:

Nehmen Sie nur getrost; es sind dieselben Zigarren, die Sie heute hier geraucht; wir nahmen einige aus dem Kästchen, das am offenen Fenster stand, um uns die Zeit zu

vertreiben."

Sie sind gestohlen, ich kann sie nicht annehmen." " Es ist so gut, als wenn Sie im Zimmer eine mehr

geraucht hätten."

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Aber Ihr wolltet mir doch einen Dienst erweisen?" Es ist wahr, es handelt sich um einen Dienst für Sie, Herr Doktor; das beschwichtigt unser Gewissen." Und nun, bitte, erzählen Sie weiter."

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War fie?"

Beendigung des Konzert und des Abendessens waren die Theaterdamen mit einem Omnibus wieder nach der Stadt befördert worden, doch merkte Niemand, daß Fräulein Habicht sich nicht unter den Zurückkehrenden befand. Sie wurde am andern Morge im Theater und in ihrer Woh nung vermißt; man sandte nach Howald und bat um Nach­richt. Da langte ein Brief von ihr an, welcher meldete, daß sie sich entschlossen habe, auf dem Gute zu bleiben.

Und trotzdem muß ich sie zurückweisen." " Ich habe noch einige aus der Stadt mitgebracht; die find ehrlich verdient; aber sie schmecken nicht so gut." Von diesen werde ich dann eine rauchen." " Bu Diensten, Herr Doktor; aber ich fann solche Ehr­lichkeit nicht billigen. Die Kapitalisten schenen sich nicht, den armen Arbeitern einen Theil ihres Arbeitsertrags vor eisen, wo auch der jüngste Habicht, ein Bruder des Er- Wir mußten uns damit begnügen; denn als der Bruder

"

Richtig; wir waren also alle drei Schlosser bei Find­