Einzelbild herunterladen
 

Nr. 76.

Erscheint täglich außer Montags. Abonnements Preis für Berlin : Vierteljährlich 3,30 Mt., monatlich 1,10 Mt, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreich­Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1892 unter Nr. 6652.

Vorwärts

9. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Festtagen bis 9 Uhr Bor mittags geöffnet.

Eern fprech- Anschluß: Amt I, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

Mittwoch, den 30. März 1892.

"

D

Expedition: Beuth- Straße 3.

tritt hier

Die Fürsorge für Leben und gruben haben nicht am Letzten mit zu der ungeheuren Ver- verfahren." Nun ist aber die Gewerbepolizei nicht blos, bitterung beigetragen, welche im großen Streit von sondern das Gesetz von 1891 sonstigen Gewerbszweigen" Gesundheit der Berglente in der 1889 zum Ausbruch kam. Die Einzelschilderungen gegenüber allerdings so verfahren, wie wir oben sahen, aus den Versammlungen jener stürmischen Zeit sind und der Geheimrath des Bergfaches müßte also mit Novelle zum pren. Berggesetz. noch in frischem Andenken. Bis in die hundertfach seiner Kopirpresse mindestens einen Abklatsch gefiebten Ergebnisse der staatlichen Erhebungen aus jenem der Gewerbe Ordnung für den Bergbau liefern. Die Knochen der Bergleute, dieser Parias unter den Jahre drangen die lauten Beschwerden. Stickluft und un- Aber er hat die Revision der Gewerbe- Ordnung vielleicht gewerblichen Arbeitern, sind offenbar in Preußen weit erträgliche Hitze wegen mangelhafter Lüftungsvorrichtungen gerade in diesem Punkte verschlafen, oder er steht noch auf weniger werth, als die Knochen pommerscher Grenadiere, fanden sich mehrfach vor; daß sie erst infolge der Erdem köstlichen Standpunkt, der an anderer Stelle seiner die bekanntlich selbst der alte Reichskanzler nicht ohne hebungen abgestellt wurden, beweist, daß die bloße polizeiliche Denkschrift von 1889 als höchste Wirthschaftsweisheit zu Weiteres in Afrika opfern wollte. Wenn die Bergleute Fürsorge Nichts leistete und auch fünftig nichts leisten wird. Tage trat:" Außerdem wird nach erfolgter Waschung und während der nächsten Wochen in ihren Versammlungen den Offenbar riß kurze Zeit nach den Erhebungen wieder der Umkleidung bie Berlockung zum Besuch der auf dem Heim­neuen Entwurf der Regierung zur Reform des Berggesetzes alte Schlendrian ein, und erst der neue Anlauf, der mit wege angetroffenen Wirthshäuser erheblich größer sein." um und um wenden, so werden sie nicht blos nach einem dem vorliegenden Entwurf so schwächlich auch in anderer Das ist das Richtige! Der Geheimrath Maximal- Arbeitstag, nicht blos nach wirklichen Schutz- Beziehung gemacht wird, veranlaßte wieder eine etwas mit der feinsten Kapitalistennase auf. Wie konnte auch die bestimmungen für jugendliche und weibliche Arbeiter ver- bessere Zucht zu Gunsten der Arbeiter. Wir entnehmen dies moralische Gefahr verkannt werden, die darin liegt, daß der gebens suchen, sondern sie werden auch jede neue reforma- aus Geschäftsberichten der letzten Tage, in denen die verwöhnten Kohlengräber, wie ein Dandy aus der Bade- und Umkleide­torische Vorschrift über Vorkehrungen für die Gesund Bechen sehr beweglich über die neuen Zumuthungen" tlagen. anstalt entlassen, mit seinem fetten" Lohne in der Tasche heit und Sicherheit des Betriebes vermissen. Da heißt es aus Rheinland- Westfalen , die Bergbehörde an mehrfachen Wirthshäusern vorüber muß! Es ist Die Arbeiter in Fabriken und Werkstätten haben es durch stelle gegenwärtig weitgehende Forderungen an die Zechen ein Werk der frommen Zucht und Sitte, der höchsten gesetzt, daß die neue Gewerbe- Ordnung in diesen Beziehungen in Betreff von Einrichtungen für die Sicherung der Berg- christlich sozialen Arbeiterfürsorge, dem Bergmann den Den Unternehmern etwas genauer auf die Finger ficht, als arbeiter, so daß die Gruben erhebliche Summen von ihren, schmutzstarrenden Ueberzug, mit dem er aus dem Schacht früher. Sehr ausführlich sind da wenigstens die einfachsten bisher vielfach noch reichen Ueberschüssen für Neubauten steigt, für den ganzen Heimweg zu erhalten. Nur so ge Dinge vorgeschrieben, welche der Profitgier des Kapitals zurücklegen müssen". So wolle die Bergbau- Gesellschaft langt er sicher nach Hause in die Arme seiner Familie! unter allen Umständen abgepreßt werden müssen: Ein- Bluto trotz höheren Gewinnes für 1891 doch nur" 15 pCt. Vielleicht empfehlen sich noch Geldstrafen für solche Ver­richtungen zur Beschaffung genügenden Lichts, ausreichenden Dividende gegen 25 pCt. im Vorjahr zahlen, weil sie unter kommene, die auch nur eine Hand für den Heimweg reinigen. Luftwechsels, zur Beseitigung des Staubes, der Dünste, Gase Anderem einen neuen Luftschacht bauen muß, und so werde Wer an die erhabene Absicht nicht glaubt, dem ist nicht zu und Abfälle in den Arbeitsräumen; ausreichende Ankleide auch die Bergbau- Gesellschaft Concordia nicht umhin lönnen", helfen! und Waschräume in Anlagen, deren Betrieb es mit sich dem Verlangen der Bergbehörde auf Anlage von zwei Luft- So ist offenbar die Novelle zum preußischen Berggesetz bringt, daß die Arbeiter sich umkleiden und nach der Arbeit schächten zu entsprechen. Die armen Bechenbefizer, die nur mit Rücksicht auf Vorschriften für Gesundheit und Rein­fich reinigen" u. s. w. Nach dem preußischen Geheim- 15 pGt. Dividende schlucken können, weil ganz unerwartet lichkeit der Arbeiter verfaßt worden. Keine Eingriffe, son­rath sind Bergwerke offenbar solchen Anlagen" nicht zuzu etwas für die Gesundheit ihrer Lohnsklaven gethan werden dern recht viel Schmutz- natürlich bei den Bergleuten, zählen oder aber: die Knochen der Bergleute sind muß sie haben ganz Stecht, sich zu beklagen. Im Gesetz nicht etwa bei den Unternehmern! wohlfeiler, als die anderer Arbeiter. In der ganzen Novelle steht nichts Besonderes vorgeschrieben; ein rechter Kapitalist fein neues Wort von größeren gesetzlichen Sicherheiten für thut nur das Allernothwendigste, was nach dem Buchstaben des Leben und Gesundheit der preußischen Bergleute! Gesetzes gethan werden muß, das Reich ist groß und die Was das Beamtenthum hierauf erwidert, wissen wir Behörde weit die plößliche Zumuthung" hätte also schon im Voraus. Es ist ja schon im alten Berggesetz Alles nicht gerade in die Zeit der schönen Dividenden fallen so herrlich geordnet und so trefflich vorgesehen! Da ist sollen; in schlechteren Zeiten hätte man ja das mangel­Berlin, den 29. März. Leben und Gesundheit der Bergleute" ausdrücklich unter hafte Erträgniß" so hübsch vorschützen können. Alles dies Die besondere Fürsorge der Bergbehörde gestellt, namentlich spricht dafür, daß den Herren Grubenbaronen ihre Pflicht, Aus dem Reichstag . Von der reich besetzten Tages unter die polizeiliche Aufsicht der Revierbeamten. Die für die Gesundheit ihrer Arbeiter im Betriebe zu sorgen, ordnung erledigte der Reichstag heute den Rest des Etats Revierbeamten aber sind treffliche preußische Beamten, durch den Wortlaut des Gesetzes mindestens ebenso ins Ge- in dritter Lesung. Dabei wendete sich das Interesse nur denen der Sinn für die peinlichste Arbeiterfürsorge wissen gerufen werden sollte, wie den übrigen Gewerbe- der Position für die Kreuzerkorvette K und der Resolution durch den christlich sozialen Staat von Anfang an ein- Unternehmern in der Gewerbe- Ordnung. Nichts von Alle- Menzer zu, in welcher eine Erhöhung des Tabakzolles ver­geimpft ist. Wo kann der Arbeiter besser auf dem! Waschanstalten und ordentliche Umkleideräume für langt wurde. Ueber beide Punkte fanden namentliche Ab­gehoben sein, als unter der Obhut dieser Staatsdiener; es die dem dunklen Schooß der Erde entstiegenen Berg- stimmungen statt. Die Bewilligung des Kreuzers hing vom wäre der reine Frevel, eine blutige Beleidigung des leute gelten preußischen Geheimrath noch Zentrum ab, in dessen Namen in zweiter Lesung Graf preußischen Beamtenstandes, auch noch gesetzliche Garantien ebenso als Luxus, wie in seiner Denkschrift über die Ballestrem erklärt hatte, daß er und seine Freunde sich die dafür fordern zu wollen, daß diese Anwälte der Arbeits- staatlichen Erhebungen von 1889. Allerdings hat sich dieser Sache noch überlegen wollen. Diese Ueberlegung hat nun ficherheit alles Nöthige anordnen. So wird ungefähr die Geheimrath inzwischen in einen bösen Widerspruch verstrickt. die Herren dazu gebracht, auf der Ablehnung bestehen zu Antwort der Bureaukratie lauten. Aber auch hier stehen 1889 meinte er noch in seiner Denkschrift, die Einrichtung bleiben. Der Marineminister mag sich für diesen Refus einmal wieder die Versicherungen der Bureaukratie im solcher Anstalten könne den Unternehmern ebensowenig vorbei seinem Kollegen Miquel bedanken, welcher durch die schlimmsten Widerspruche mit der Wirklichkeit. Die geschrieben werden, als es bis jetzt in den Befugnissen der Hinausgraulung des Herrn von Zedlig die schwarzen Herren menschenunwürdigen Verhältnisse bezüglich der Lüftung und allgemeinen Gewerbepolizei liegend erachtet worden ist, in so griesgrämig gestimmt hat. Mit der ablehnenden Haltung Reinlichkeit in einer großen Anzahl preußischer Kohlen- gleicher Weise gegenüber. ... sonstigen Gewerbszweigen zu des Zentrums war die Kreuzerfrage entschieden und die

A

Feuilleton.

Nachdrud verboten.)

Am Webstuhl der Zeit.

Beitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster .

( 76

-

dent

"

Politische Iteberlicht.

"

Barth: Das handele ich Niemandem ab; ich mußte weil auf seinen Schultern Alles ruht, weil er allein der auf den Grund eingehen, warum man den Besitzlosen vor- Natur alle Schäße abgewinnt, allein neue Werthe hervor geblich das Wahlrecht entziehen mußte, nämlich auf den bringt und alle anderen in erster Linie ernährt, fihnen also Mangel an Bildung, und kennzeichnete das in der angezogenen die Möglichkeit der Existenz gewährt, während der Kauf­Redestelle. Ich habe lange genug gelebt, um beurtheilen zu mann 3. B. nichts Neues hervorbringt, sondern sich nur können, wie sich das in Wirklichkeit gestaltet. Von meinen der Vertheilung der Arbeitsprodukte mit bestimmter Absicht Schulkameraden sind zwei Drittel, darunter die Gescheidtesten, auf Gewinn widmet. Es soll Anderen nicht abgesprochen noch heute ohne Wahlrecht, während einige der beschränktesten werden, daß sie im gewissen Sinne auch Arbeiter sind. Wir Köpfe, blos weil sie vermögend sind, ein bevorzugtes Wahl- verstehen aber speziell darunter den Stand, der neue Werthe recht in der ersten Wählerklasse ausüben; und doch leisten durch seine Arbeit hervorbringt, dieselben aber nicht selb= Barth: Ich bin mir feiner Uebertreibung bewußt; dieje weit weniger als jene, die nur arme Arbeiter sind." ständig zu seinem Nutzen verwerthen kann, sondern sie an ich weiß und kann nachweisen, daß eine Unzahl von ganz verständigen und nüßlichen Menschen von jeder Bethätigung Präsident:" Sie gehen von der Ansicht aus und haben einen Kapitalisten, an einen Unternehmer abgeben muß, an den Wahlen ausgeschlossen sind, denen man keine Un- sie auch ausdrücklich verkündigt, daß der Arbeiter der und statt seines Verdienstes nur einen mehr oder minder reife nachsagen taun." wichtigste Mensch im Staate sei. Es zeigt sich in dieser färglichen Lohn empfängt." Präsident: Dann sind sie wahrscheinlich in abhängigen Berfahrungsweise das Bestreben, die vermeintliche ungerechtig Verhältnissen, die eine freie und selbständige Ausübung keit, welche Sie in der Vorenthaltung des Wahlrechts dem des Wahlrechts nicht zulassen; und ich sollte meinen, es Arbeiter gegenüber erblicken, in ein noch grelleres Licht zu sei ganz gut, daß hier der Wahlbeeinflussung von Seiten stellen. Sie wollen allen Begriffen zum Trotz den Arbeiter vermögender und einflußreicher Leute ein Wiegel vorgeschoben höher stellen als Andere, als z. B. den Kaufmann oder selbst die höchsten Staatsbeamten. Sie machen überhaupt Barth: Ich kann kaum glauben, Herr Präsident, es einen künstlichen Unterschied zwischen Arbeitern und anderen könnte richtig sein, daß man etwas Gerechtes unterläßt, Bevölkerungsklassen, da wir doch im Grunde Alle Arbeiter Präsident: Sie kündigen Allen, welche nicht auf blos deshalb, weil es mißbraucht werden könnte. Die find?" Ihrem Standpunkte stehen, geradezu den Krieg an, indem Sie geheime Abstimmung, welche wir wünschen, würde jeden- Barth:" Es werden mir darüber ganz unerwartete die Behauptung aufstellen: Wer das allgemeine gleiche und falls das beste Schußmittel gegen berartige Mißbräuche sein, Vorwürfe gemacht. Ich sage Arbeiter" statt: der große direkte Wahlrecht nicht anerkennt, der kann nicht mehr mit und außerdem kann und soll der Staat auch solcher ungesetz- Arbeiterstand, und meine nicht den Einzelnen, den ich über uns sprechen, der kann nur noch mit uns kämpfen". Bu lichen Beeinflussung durch scharfe Strafandrohungen Ein- einen einzelnen Kaufmann oder über einen Staatsbeamten Denen, welche dieses Recht zur Stunde noch nicht aner halt thun. erheben möchte. Sie selbst z. B., Herr Präsident, würden kennen, gehört auch unser Staat. Sie kündigen somit auch Präsident: Sie werden bei der flüchtigsten Renntniß es recht artlich finden, wenn man Sie in den Wahllisten und dem Staate den Krieg an." nahme von unserem Verfassungsleben zugestehen müssen, Adreßbüchern als Arbeiter" aufführen würde. Der große Barth: Ich hatte, wie aus dem Zusammenhang daß den Intelligenzen hinreichender Spielraum gegeben ist."| Arbeiterstand ist aber ganz unbestritten der wichtigste, meiner Rede hervorgeht, in diesem Augenblicke den Staat

wird?"

Präsident: Sie hätten das deutlicher und bestimmter in der Versammlung ausdrücken sollen; Sie gaben Ver­anlassung zu bedenklichen Mißverständnissen, wenn Sie die­selben nicht absichtlich hervorrufen wollten."

Barth: Ich muß bemerken, daß diese Begriffs­bestimmung seit längerer Zeit üblich und geläufig ist in Arbeiterkreisen."