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Nr. 77.

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Vorwärts

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Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

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Vorwärts "

Berliner Volksblatt.

Donnerstag, den 31. März 1892.

Expedition: Beuth- Straße 3.

Posts, Eisenbahn-, Marinedienst u. f. w. zu gewährenden den pommerschen und den ostpreußischen Junkern, noch von Sonntagsruhe interpellirt wird, ist sie mit der Antwort König Stumm und anderen Industrie- und Mammons­bereit, daß sie Alles aufbiete, ihren Angestellten die baronen zusammengehalten werden können.

Mit dem 1. April eröffnen wir ein neues Abonnement Theilnahme an dem Gottesdienste zu gewähren. In gleichem Der christliche" Staat gewährt nichts den Arbeitern auf den salbungsvollem Tone wiederholt sich dieses Frage- und Ant- um ihrer selbst willen, weil es ihren Wünschen entspricht, wort- Spiel im Reichstage wie im Landtage. weil es ihnen heilsam ist und zum Vortheile gereicht, weil Man sollte meinen, daß die überlasteten Post- und die Gerechtigkeit es fordert, es ihnen nicht zu versagen; der Bahnbeamten ein Wunder wie großes Interesse an der christliche Staat" gewährt den Arbeitern nur, was der Theilnahme am Gottesdienste hätten. Davon ist uns aber staatlichen und kirchlichen Autorität keinen Abbruch thut, kaum je etwas bekannt geworden. Diese Beamten würden was die herrschenden Klassen nicht schädigt, was die Arbeiter die ihnen gewährte Ruhezeit zu allem anderen lieber be- in der Unterwürfigkeit unter diese erhält. Justitia cst nutzen als zum Kirchgang. Das Bedürfniß zur Theilnahme fundamentum reipublicae, Gerechtigkeit ist die Grundlage am Gottesdienst wird ihnen angedichtet, und um dieser des Staates, ist ein heidnischer Spruch, der im christlichen" Fiktion willen wird die spärlich gewährte Sonntagsruhe Staate teine Anwendung findet. noch geschmälert. Würde nicht die sogenannte Sonntags­

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Sonntagsheiligung und Sonntagsruhe.

heiligung in den Vordergrund gestellt, dann würde die verkürzte Arbeitszeit, der eingeschränkte Dienst dem Ruhe­noch einigermaßen Befriedigung schaffen. Stattdessen und Erholungsbedürfnisse der Beamten pie der Arbeiter aber zwingt die Sonntagsheiligung ihnen nur verlängerte

So schwer auch der Staat daran geht, den Arbeitern einen wöchentlichen Ruhetag zu sichern, und wo er es end- Die Sonntagsheiligung erschwert es den Geschäfts­lich thut, noch darauf bedacht ist, durch allerlei Ausnahme- treibenden, die frühzeitige Sonntagsruhe eintreten zu lassen; bestimmungen dem Kapital d.e Ausbeutung der Arbeit auch die Kirchenzeit ist für den Geschäftskommis nichts weiter als am Sonntag zu sichern, so leicht ist er bereit, die Vereine verlängerte Arbeitszeit.

Politische Uebersicht.

Arbeit und verkürzte Sonntagsruhe auf oder wird wenigstens Berlin , den 30. März. Aus dem Abgeordnetenhause. Die Herren Land­bes empfindliche Beeinträchtigung des Postverkehrs könnte boten, denen ein ganzes Bündel Vorlagen aufgepackt ist, dez Postdienst in den Morgenstunden erledigt werden, wenn oerden am 8. April in die Ferien gehen und erst am nicht das Interesse der Kirche um 9 Uhr Morgens die Unter- 26. April ihre Thätigkeit wieder aufnehmen. brechung des Postdienstes verlangte, und diese Unterbrechung haben eine große Anzahl Beamte damit zu büßen, daß der Post- Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. Der Reichss dienst sie wieder Nachmittags in Anspruch nimmt. Von Anzeiger" veröffentlicht in seiner Nr. 78 vom 30. März bie einer Sonntagsruhe kann bei diesen Beamten also kaum die Taiserliche Verordnung, nach welcher für das Handelsgewerbe Rede sein; sie haben höchstens eine etwas längere Mittags die Bestimmungen der§§ 41a, 55a, 105, 105b Absatz 2, pause und können sich ein Mittagsschläfchen erlauben. Zu 105c, 105e, 105f, 105h und 105i des Gesetzes, betreffend die irgend welchen Ausflügen und Spaziergängen mit ihrer Abänderung der Gewerbe- Ordnung, vom 1. Juni 1891 ( Reichs- Gesetzbl. S. 261), soweit es sich um die zu ihrer Familie haben sie keine Zeit übrig. Durchführung erforderlichen Maßnahmen handelt, mit deri 1. April 1892, im übrigen mit dem 1. Juli 1892 in Kraft treten.- Reichstags Stichwahl in Mecklenburg - Strelit. wendung des Sonntags zur Erholung und Erfrischung des Aber auch für diejenigen Arbeiter, welche der Sonntags - Bei der gestern vollzogenen Stichwahl hat der Deutsch­Arbeiters im Interesse der Sonntags heiligung zu bearbeit überhoben sind, bedeutet die Sonntagsheiligung eine freisinnige Wilbrandt- Pisede über den konservativen Grafen schränken. Hierin wird er noch besonders von den Einschränkung der Benutzung der Sonntagsruhe zur Be- Schwerin gefiegt. Bis Mittwoch waren nach der Freis. Frommen und Frömmlern unterstützt. Daß wir in friedigung ihrer materiellen und geistigen Erholung und 3tg." für den ersteren 8990, für den letteren 6995 Stimmen einem christlichen Staate Leben erkennen wir Auffrischung. Im Interesse der Sonntagsheiligung bleibt gezählt. Das Endresultat dürfte nach demselben Blatte für besten daraus, daß die ursprünglichen Lehren den Arbeitern die Zeit, die sie der Pflege ihrer eigenen den freisinnigen Kandidaten etwa 10 000, für den Konser­Jesu überall in ihr vollständiges Gegentheil ver Interessen in Versammlungen und Vereinen widmen könnten, vativen etwas über 8000 Stimmen ergeben. fehrt werden. Der modernste christliche" Staat ist eingeschränkt. Der Klang der Kirchenglocken ist kein Ruf eben Militärstaat, Klaffenstaat, Millionärzüchter und alles zur Freiheit, sondern mahnt die Arbeiter, daß auch ihre andere eher, als ein solcher, in welchem die Jesuslehre ge- Erholung, ihre geistige Auffrischung dem Banne des Zwanges handhabt wird. So fagt zwar Jesus : Der Mensch ist unterliegen. nicht um des Sabbaths willen, sondern der Sabbath um In anderen, sogar streng katholischen Ländern ist, des Menschen willen geschaffen". Im chriftlichen" Staate selbst ohne Widerspruch der Geistlichkeit, der Sonntag gilt das Gegentheil, und das Mucker- und Jesuitenthum, der Tag der öffentlichen Wahlen. Am Sonntag hätten die lutherische und katholische Pfaffen interessiren sich um die Arbeiter nicht nur die freie Zeit, sondern sie hätten Sonntagsruhe der Arbeiter nur so weit, als sie dieselbe der am ehesten Gelegenheit, sich der Beeinflussung ihrer Arbeit­Kirche dienstbar machen können. Die Staatsregierung aber geber und deren Sklavenaufseher zu entziehen. In unserem geht hierin mit der Kirche Hand in Hand, und so oft fie christlichen" Staate fürchtet man diese Freiheit; am Sonn von Pfäffischer Seite betreffs der ihren Angestellten im tag würden die Arbeiter nicht so heerdenmäßig weder von

am

Feuilleton.

Nachdrud verboten.)

Am Webstuhl der Zeit.

Beitgenössischer Roman in 3 Büchern

von A. Otto Walster .

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und ausgeübt werden; ich weiß sogar, daß die Meisten derselben in ihrem Leben nie daran gedacht haben. Nichtsdestoweniger stellen sich die Thatsachen so heraus; denn ein Stand, dem man seine Mitwirkung bei der Fest stellung der staatlichen Einrichtungen versagt, dessen Stimme man nicht hört, der ist nach allen Begriffen, die man hierüber hat, unterdrückt."

Einstellung des Güterverkehrs am Sonntag? In einzelnen Direktionsbezirken der preußischen Staatsbahnen soll vom 1. April ab der Güterverkehr versuchsweise an Sonntagen eingestellt werden. Aus den Erfahrungen, die man durch diese Einschränkung des Verkehrs machen wird, will man", wie offiziös verlautet, später beurtheilen, ob sich diese neue Einrichtung ohne Nachtheil für den Handel und Juduſtrie auf den gesammten Eisenbahnverkehr wird ausdehnen laffen." In der Schweiz ist der Güterverkehr an Sonntagen nach gefeßlicher Vorschrift eingestellt, und diese Einrichtung, die vielen geplagten Eisenbahnangestellten

Streit: Herr Präsident! Die erste Aeußerung meines Klienten, Herrn Dr. Lange, war eine ganz allgemeine Be­mertung über die Schwäche einer Anzahl von Staats­anwälten überhaupt, die bereits vielfältig anerkannt ist und an die mein Klient unwillkürlich denken mußte, als er von dieser Annahme der Staatsanwaltschaft Notiz bekam."

Präsident:" Ich habe auch gegen die erste Bemerkung Präsident:" Sie gehen aber noch weiter; Sie fordern nichts zu erinnern gehabt, sondern nur gegen die zweite, geradezu die nach Ihrer Meinung Unterdrückten auf, diesem welche einen direkten Angriff enthielt. Fahren Sie also fett Zustande ein Ende zu machen, indem Sie die Worte ge- fort, Herr Doktor." Bei der Miethe scheint sich die Steuer besser zu brauchen:" Schließen Sie Ihre Reihen, organisiren Sie sich, Lange:" Ich sage also, daß eine derartige Anschuldigung vertheilen; die Berechnung ist hier etwas zusammen- damit Sie eine Macht bilden. Treten Sie zusammen, nur die Folge von einer Art Gespensterseherei seitens der gesetzter; aber die Verkaufsläden bestehen auch nur marschiren Sie in Kolonnen, werfen Sie die Schranken des Staatsanwaltschaft sein kann. Ich sagte kurz vor jener von dem Gewinn, den den die Käufer bringen; die Egoismus nieder, helfen Sie sich, und Sie helfen der ge- Stelle, welche von der Anklage aufgegriffen wurde, einen Gewerbslokale rechnen die Miethe zu den Geschäftskosten, sammten Menschheit." Die Anklage findet hierin, und nicht Sah, den die Anklage seltsamer Weise nicht mit aufführt, der Rentier bezahlt von seinen Zinsen die Miethe, und die mit Unrecht, eine direkte Aufforderung an die Massen zur und der lautete:" Sie müssen, Sie müssen zum Lichte der Zinsen schafft immer wieder die Arbeit. Ich kann mich Empörung, zur gewaltsamen Selbsthilfe?" Erkenntniß heran. Nur wenn die Massen einen Schritt hier nicht weiter in diese Berechnung vertiefen, aber ich Lange:" Ich wundere mich nicht über die Staats- vorwärts gethan, ist die Kultur um einen Schritt weiter glaube, Sie werden erkennen, daß meine Behauptung nicht anwaltschaft, denn die Gespensterseherei war immer ihre gegangen." Zum Lichte der Erkenntniß heranzugehen, aus der Luft gegriffen war, wenn ich darauf hindeutete, Sache, wenn es sich darum handelte, eine nothwendige habe ich aufgefordert, das ist das Kurze und Lange meines daß der Arbeiter einem komplizirten System von Besteue- Neuerung herbeizuführen." Staatsverbrechens, ich kann dem nichts weiter hinzufügen. rung unterliegt, daß er also weit mehr steuert, als man Staatsanwalt: Ich muß gegen eine derartige Kritik Will die Anklage etwas Anderes darin finden, so mag anerkennen will und er selbst erkennen kann, daß er auch in unserer Rechtsbefugnisse und Pflichten an diesem Orte ent­dieser Beziehung ein volles Recht auf politische Gleich- schieden Protest einlegen." berechtigung mit den anderen Ständen hat."

Präsident: Das Alles aber konnte Sie doch kaum zu dem Ausspruche berechtigen: es gäbe im Staate nur zwei Parteien, die der Unterdrücker und die der Unter drückten?"

Lange:" Ich habe das Recht, denn der Staatsanwalt sucht mich zu verdächtigen."

Staatsanwalt: Auch gegen die Aeußerung muß ich Verwahrung einlegen und ersuche den Herrn Präsidenten, solche Aeußerungen dem Angeklagten zu verweisen."

Präsident: Sie werden selbst einsehen, Herr Doktor, daß Sie persönliche Angriffe gegen die Staatsanwaltschaft

Lange: Es folgt dies nothwendig aus dem Vorher­gefagten. Ich sage nicht, daß die Unterdrückungen von Allen aus der jenseitigen Partei bewußter Weise ausgeführt zu vermeiden haben."

sie es thun, ich würde es von meiner Seite geradezu als eine Jmpertinenz ansehen müssen, wollte ich dem hohen Gerichtshofe die Grundlosigkeit dieser ganzen Anschuldigungen noch weiter auseinander zu setzen ver suchen."

Staatsanwalt: Die Angeklagten haben mit ziemlichem Geschick die vielen, mit gutem Grunde gegen sie erhobenen Anschuldigungen von sich abzuwenden versucht. Indessen darf nicht außer Augen gesetzt werden, daß diese drei Herren auf Verabredung in die Volksversammlung gekommen