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Nr. 97.

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19.

Juodsi 9. Jahrg.

Vorwärts

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pfg., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr Vor mittags geöffnet.

Gern sprech- Anschluße Amt I, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: Beuth- Straße 2.

uns

Die Thätigkeit der sächsischen Gewerbe- Inspektoren.

Dienstag, den 26. April 1892.

Expedition: Beuth- Straße 3.

sofort statt 456 Uebertretungen im Vorjahre deren 596, also genug, zu berichten: Ein direkter Verkehr mit den Arbeitern

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ist wegen feines geringen Verständnisses für Ar- auch hier der Weißener Inspektor mit 42 pCt. am meisten

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nicht weniger als 140 oder 30 pCt. mehr! Das redet findet sehr selten statt", wozu der vorhergehende Sah in Bände. Der fleißigste Einzelbeamte war noch der von sehr lehrreichem Gegensatz steht:" Der mündliche Verkehr mit Zwickau , der wenigstens 74 pCt. seiner Anlagen revidirte, den Gewerbetreibenden( Unternehmern) war im Berichtsjahre Die Berichte der sächsischen Fabrikinspektion für das während es unbegreiflich ist, wie die Regierung dulden wiederum ein sehr reger." Aber auch andere Beamte Jahr 1891, die kürzlich( bei F. Lommaßsch, Dresden ) er konnte, daß der Inspektor für Meißen nur 19 pět. feiner machen es nicht besser. Derjenige für Chemnitz verkehrt schienen find, haben für die Arbeiter inner- und außerhalb Anlagen besuchte. Uebrigens hat der Vorwärts" die Ge- ebenfalls mit den Arbeitgebern sehr rege", um sich dann Sachsens immer ein ganz besonderes Intereffe. Nicht blos mugthuung, einen Erfolg seiner Kritik feststellen bezüglich der Arbeiter mit köstlicher Naivität wie folgt zu deshalb, weil Sachsen der industriellste" Staat in Deutsch zu können. Er verlangte seiner Zeit, daß auch äußern: Weniger oft sprachen die Arbeiter vor; die­land ist, sondern auch deshalb, weil es am längsten eine die Zahl der Arbeiter in den revidirten und den selben brachten fast ausschließlich Bes verhältnißmäßig ausgebildete Fabritinspektion hat, bereits nicht revidirten Betrieben angegeben werde und schwerden an..." Dieser Inspektor wundert sich feit 1874, und weil die Arbeiter deshalb mit den dortigen da s ist im neuesten Bericht geschehen. also, daß die Arbeiter nur Beschwerden" anbringen. Er Aufsichtsbeamten schon öfters, wenn auch nicht gerade immer Danach betrug die Arbeiterzahl der im ganzen erwartet vielleicht, daß sich öfters Arbeiterdeputationen zu sehr sanft, in Berührung gekommen sind. Wir erinnern Königreich revidirten Fabriken 68 pet. der vorhandenen ihm begeben, die ihm ihre helle Freude über die" humane" an die verschiedenen Scharmütel, welche die Arbeiter überhaupt, und im Einzelnen kontrollirten die Behandlung ausdrücken, die sie in ihrer Fabrit erfahren, er be Dresdener Arbeiterschaft mit dem dortigen In Beamten von Baußen und Zwickau die Verhältnisse von handelt wahrscheinlich die nur Beschwerde" führenden Arbeiter spettor Siebbrat auszufechten hatte. Dieser Beamte 86 bezw. 83 pt. der ihnen unterstellten Arbeiter, während danach und begreift nachher nicht, weshalb seine Schußbefohlenen weniger oft" kommen! Aehnlich, wenn auch weniger traß, beiterbeschwerden äußerst unbeliebt in seinem Bezirk. zurückblieb. Hoffentlich wird dieser Nachweis nun jedes fteht's in den Bezirken Leipzig , Meißen , wo im ganzen Jahre Als er im Jahre 1888 trotzdem vom Fachverein der Dres- Jahr wiederholt. Die Zahl der wiederholt besichtigten Be- ganze 3 Arbeiter vorsprachen, in Bauzen, wo über den dener Tischler zu einem Vortrag über Gewerbestatistik ein- triebe war auch 1891 eine verschwindend kleine, während Verkehr mit Arbeitern gar nichts gesagt wird, sowie in geladen wurde, lehnte er die Einladung u. A. mit dem ähnlich wie im Vorjahre über 10 000 Amtshandlungen in Plauen , wo ganze 10 Arbeiter sich mit Anzeigen an den föstlichen Argumente ab, daß in Fachvereinen der Vor- Sachen der Dampfteffel- Revision vorgenommen Inspektor wendeten. Man muß selbst nachlesen, wie gering­tragende nach Beendigung des Vortrages in stürmischer werden mußten, eine Arbeitslaft, die mit dem eigentlichen, schäßig mehrere Beamte davon sprechen, daß sich ein paar Weise mit Fragen überschüttet werde", und gestand damit sozialpolitischen Berufe der Inspektoren gar nichts der Arbeiterbeschwerden als unbegründet erwiesen"( Einzel­ein, wie unbequem es ihm ist, sich mit Denjenigen, deren zu thun hat, die aber denselben vielleicht eben heiten werden dabei niemals mitgetheilt!) oder wie andere, Schutz ihm vom Staate anvertraut wurde, zu verständigen. Deswegen bei der Reform" in Preußen eben am schönsten der Inspektor für Blauen, S. 158, ihre hoch­Als Turze Zeit darauf der Jahresbericht des Herrn Sieb- falls aufgebürbet worden ist. Der erste Schritt zu wohlweise Meinung dahin abgeben, daß die Beschwerde drat für 1888 erschien, zeigte es sich, daß er über die gesetz- einer wirklichen Reform" muß der sein, den Fabrik- lediglich in dem Hasse und der Unzufriedenheit eines Ein­lichen Bestimmungen gegen Truckunfug noch nicht einmal inspektoren diese technische Handlangerarbeit wieder abzu- zelnen"( und womöglich der betreffenden Fabrik Fern­hinreichend orientirt war, so daß ihm eine Unterhaltung nehmen, damit sie ihre Zeit für die Arbeiter verwenden stehenden ihren Ursprung gehabt zu haben scheine", darüber mit den besser unterrichteten Arbeitern sehr nützlich tönnen. Die Hilfe, welche den Aufsichtsbeamten von den um zu begreifen, weshalb die sächsischen Arbeiter gewesen wäre. Kurz- in Sachsen haben sich auch auf dem Ortspolizeibehörden geleistet wird, ist in Sachsen den Umgang mit diesen Herren vermeiden. Wir sagen: Gebiete der Fabritinspektion schon recht merkwürdige Dinge ebenso nichtssagend, wie anderswo. Wie kann es anders zu begreifen" wir billigen deshalb die Zurück­ereignet. gehen, wenn man von Ortsbehörden, deren Vertreter nament haltung der Arbeiter nicht. Wir wiederholen vielmehr: Auch im Jahre 1891 war der Fleiß, mit welchem die lich auf dem Lande mit dem Fabrikantenthum in engster es muß durch die Gewerkschaften noch viel mehr System in Beamten die Fabriken ihres Bezirks revidirten, ein sehr gesellschaftlicher Beziehung stehen, eine Kontrolle dieses die Mittheilungen über Fabrikmißstände an die Aufsichts­verschiedener. Der Vorwärts" hat in seiner Nummer 3 selben Unternehmerthums erwartet! Das bestätigen auch beamten gebracht und den Herren Inspektoren mit der Zeit Dom 5. Januar d. 3. dieses Kapitel für die Jahre 1885 diesmal wieder die Beamten für Dresden , Chem- handgreiflich gemacht werden, was Alles vorgeht und daß bis 1890 eingehend besprochen. Dieselbe Unvollständigkeit uit, Leipzig und Blauen; fie können alle die es vorgeht, auch wenn aus begreiflichen Rücksichten ein und Sprunghaftigkeit der Aufsicht, die dort für jene Jahre lakonische, aber vielsagende Bemerkung ihres Kollegen Dritter, ein zu diesem Zwecke eingesetzter Gewerkschafts­nachgewiesen wurde, tritt auch im Jahre 1891 zu Tage. in Zwickau unterschreiben: Ueber die Thätigkeit beamter, die Anzeige erstattet. Hier bleibt noch viel zu Das Verhältniß wurde sogar neuestens noch ungünstiger. der Ortsbehörden... ist Nichts zur Kenntniß der Inspektion thun übrig. In ganz Sachsen wurden von den 24 Beamten auf 13 706 gelangt." Ein vernichtenderes Urtheil kann über die Betriebe nur 6424, also kaum 47 pct., revidirt, während Bourgeoiseinrichtung der ortspolizeilichen Fabritinspektion, die Prozentzahl in den Vorjahren 51, 53 und 55 betragen die höchstens in einigen Städten in Betracht kommt, gar hatte. Also nicht einmal die Hälfte aller Betriebe wurde nicht gefällt werden. fontrollirt, und e3 fann Desbalb immer wieder Wenn nun die Herren Inspektoren wenigstens die gar nicht stark genug betont werden, daß die von Quantität durch die Qualität zu ersetzen strebten und aus den Beamten mitgetheilten Unregelmäßigkeiten nur den Auseinandersetzungen der Dresdener Arbeiter mit Herrn einen Bruchtheil alles dessen, was überhaupt vor Siebdrat sich die Lehre gezogen hätten, daß der Zweck der gekommen ist, bilden. Ein Beispiel für viele! Der Gewerbeaufsicht durch Nichts besser erreicht wird, als durch Beamte für Chemnitz revidirte 1891 52 pet. der ihm unter- fortwährende Fühlung mit den Arbeitern! Von Herrn stellten Betriebe, statt 45 pct. im Vorjahre. Da fand er Siebdrat soll hierbei ganz abgesehen werden; er ist ehrlich

Feuilleton.

Nad brud verboten.)

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Am Webstuhl der Zeit. Beitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster .

Erwähnen wir schließlich, daß über Konferenzen der sächsischen Inspektoren, von denen man früher manchmal hörte und die sehr nüßlich waren, im Berichte für 1891 kein Wort mehr zu finden ist, so haben wir das Wichtigste über die äußere Thätigkeit der Aufsichtsbeamten im Jahre 1891 zusammengestellt. In einem letzten Artikel betrachten wir die mageren und doch so bezeichnenden Ergebnisse ihrer Thätigkeit.

Summe. An der Eingangsthür zu seiner Wohnung ist eine im Voraus Vorrath zusammenzukochen, was sich auch wegen weiße Karte angeschlagen mit der Aufschrift:

Seidenspinner , Privatmann,

der großen Ersparniß an Holz und Kohlen jedenfalls als praktisch erweist. Herr Seidenspinner brennt fast niemals Licht; selbst in den kürzesten Tagen weiß er diese Ausgabe Schellt man an der Thür, so erscheint bei dem Geraffel meistens zu vermeiden, indem er bei einbrechender Duntel­des vielfach verbogenen Klingeldrahtes der Inhaber der Woh- heit eine benachbarte kleine Gastwirthschaft aufsucht, in der nung an einem nach dem Vorsaal führenden kleinen Fenster, er bei einer Stange einfachen Bieres, einem Nordhäuser deffen verwitterten Vorhang er aufhebt, um den Besucher vor- und einer Pfeife Tabal, welche die Anziehungskraft seiner her genau zu mustern. Eine Bedienung im Hause hält er Persönlichkeit um ein Bedeutendes vermindert, den Abend Ich bin ein total ruinirter Mann; und diese Gans, statt sich nicht; dies aber nicht aus Sparsamkeit, wie er selbst bis zum Schlafengehen verbringt. So hat es dieser Mensch eine brillante Bartie zu machen, die ihr wie eine gebratene erklärt, sondern weil die dienenden Perfonen gar zu sehr nach und nach dahin gebracht, daß er mit etwa zehn Groschen Laube in den Mund fliegen will, verliebt sich in einen Luftikus, die Gewohnheit des Stehlens befizen. Wenn man freilich des Tages, mit etwa hundert Thalern des Jahres alle in einen Thunichtgut. Der alte Seidenspinner spinnt seine bei Herrn Seidenspinner eintritt, ist man in Verlegenheit seine Bedürfuiffe befriedigt, und das ist anerkennenswerth Geide vielleicht noch drei oder vier Jahre, dann ist sie eine anzugeben, was denn da gestohlen werden könnte; denn die bei einem Manne, der sich jeden Abend beim Schlafengehen reiche Erbin, wie's feine zweite giebt, kann Wagen und einfachen Ledermöbel sind ohne Ueberzug, einige Gläser und sagen kann, daß er durch den Tag um 400 Thaler, also um Günde und Schande, und ich muß jezt zu dem alten löffel verlohnen wohl nicht die Mühe und das Risiko des selben Tage zu ihrem Lebensunterhalte brauchen. Harpar hin als armer Sünder, muß um Nachsicht bitten! Forttragens. Oder sollte sich Einer an der alten Rutuksuhr,| Die ganze zivilisirte Welt mag Zeter über diese Mit­D, Sünde und Schande, ich werde närr'sch." Und das Alles blos wegen der Ejelei einer solchen Gaus. an der halb zerbrochenen, längst entgoldeten Hochzeitstasse theilung schreien, die Sache ist nichts destoweniger wahr vergreifen? Schwerlich, schwerlich! Ein schmales Bett" und richtig. Mit einem kleinen Kapital hat Herr Seiden­ohne Aufhören bestehend aus Strohmatraze, Strohkissen und alter Watt- spinner angefangen, daß er in seiner Jugendzeit zu 40 bis fort, während er nach und nach Hausschuhe und Schlafrock decke, kann füglich die Habsucht auch nicht reizen, und 60 Prozent jährlich auslieh unter Beobachtung der nöthigen mit Stiefeln und Ausgeherod, die lange Pfeife mit dem alles Andere ist gut verschlossen, wohlverwahrt. Du siehst Borsichtsmaßregeln, welche die Rücksicht auf die Wucher­ Sonntags ausgeheftock" vertauschte, seine mageren Glieder nicht einmal ein Handtuch, und böse Zungen erzählen, der gesege geboten. Einige Male war er ihnen trotzdem ver­noch in einen Bela hüllte, und dann brummend und Inhaber dieser Wohnung ließe sich von der Luft trocknen; fallen; aber bei 40 bis 60 Prozent kann man schon einmal schmollend das Haus verließ. ja, es wird sogar berichtet und geglaubt, daß er sich hierzu Strafe zahlen; das Kapital verdoppelt sich bei solchem einer Raze bediene, die er nach gehabtem Gebrauch an die Binsfuße schnell. Nach 20 Jahren rüftigen und vorsichtigen Verleihens hatte Herr Seidenspinner sein Kapital von 3000 fich so einfach einzurichten und so sparsam zu leben, wie Wenige Menschen in guten Verhältnissen verstehen es, Luft setze und ihr Brot anderswo suchen lasse. Herr Seidenspinner hat übrigens nicht viel zu thun, auf 90 000 Thaler gebracht. Damals pflegte er noch standes­woher es sich erklärt, daß er sein Wasser selbst gemäß zu leben. Er that es mehr feiner Gattin, als fich ersten Etage eines kleinen Hauses der Vorstadt eine Woh- herauf trägt, Holz und Kohlen eigenhändig verkleinert und selbst zu Gefallen, da er für weltliche Genüſſe, welche Geld yung, bestehend aus Stube, Rammer und Küche nebst einem zubringt, daß er sich ein einfaches Mahl allein bereitet, tofteten, wenig Sinn hatte. Als aber seine Lebensgefährtin Alkoven, zu bezahlen und zwar mit einer sehr bescheidenen wobei er sich die Bequemlichkeit gönnt, gleich für eine Woche nach zwanzigjähriger Ehe aus diesem Leben schied, wenig

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