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Nr. 135.

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20. Jahrg.

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Vorwürts

Berliner Volksblatt.

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beträgt für die sechsgespaltene Kolonel zeile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 20 Big. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pig. ( nur das erste Wort fett). Insecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet.

Telegramm- Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin".

Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.0 dad#Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983.

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Wahlschluß um 7 Uhr!

Wähler, geht zeitig zur Wahl!

Wer um 7 Uhr seine Stimme noch nicht abgegeben hat, darf überhaupt nicht wählen!

Die Annahme, daß jeder wählen darf, der bis 7 Uhr im Wahllokale erscheint, ist falsch. Niemand darf nach 7 Uhr wählen!

Wer sein Wahlrecht nicht einbüßen will, wer nicht will, daß infolge großen Andranges in der letzten Stunde andre ihr Wahlrecht einbüßen, der gehe so zeitig wie möglich zur Wahl!

Keine Stimme darf durch Bummelei verloren gehen! Wähler, geht zeitig zur Wahl!

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Arbeiterversicherung und Socialdemokratie.

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Sonnabend, den 13. Juni 1903.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. ternsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

billigen, auf dem der Unfallversicherungs- Gesezentwurf beruht, blättern mit den Milliarden", die sie den Arbeitern aus wir die ganzen Ausführungsbestimmungen sehr, sehr wenig ge- Reichsmitteln zugewendet hätten und die ihnen ganz gewiß nügend finden, und wenn wir uns auch einmal der Hoffnung hin- ausgeblieben wären, wäre es nach dem Willen der arbeiter­geben wollten- obgleich wir diese Hoffnung nicht haben, daß feindlichen Socialdemokratie" gegangen. dasselbe hier im Reichstage in einer Weise amendiert würde, die vollständig unsren Wünschen, also den Wünschen der Arbeiterklasse

Aber Herr Richter, der Liebling der Götter und

entſpräche, so nas wäre ein anerkennenswerter Schritt damit ge- flärte trofen der Gefeßentwurf, wie er vorliegt, auf unfren ganz entspräche, so muß ich doch sagen, daß auch damit noch sehr wenig Socialdemokraten, was sagte dieser treffliche Held? Er er­geschaffen ist.

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schehen, aber es wäre mindestens ebenso wichtig, daß nicht allein dafür gesorgt wird und dies ist Ihre Aufgabe, denn wir sind nur die Geduldeten in diesem Hause, man sähe uns am liebsten draußen, daß nicht nur diejenigen Unterkunft und Brot haben, die in der Industrie durch irgend einen Unfall geschädigt werden, sondern daß unsre Arbeiter überhaupt aus­reichend Brot und Verdienst haben und beschäftigt werden 2. können.

Am 1. April begann endlich die Debatte über den Ent­

Debatt

wurf. Durchaus kennzeichnend für die Art, in der sich reat

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entschiedenen Widerstand stoßen wird, daß wir diesen Gefeßentwurf im ganzen, obwohl er unter der Maske der Arbeiterfreundlichkeit auftritt, nicht für einen den Arbeitern und ihren Interessen günftigen sondern nachteiligen halten.. drohte am

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und Herr Richter o gütige Vorsehung! April 1881:

Ich rate Ihnen, diese Frage der Arbeiterversicherung bei den Wahlen nicht zu breit zu treten; die Freundschaft mit diesem Gesek könnte für manche der Herren bedenklich werden.

Bie aber verhielt sich die Socialdemokratie zu diesem

tionäre Legenden bilden, ist der Umstand, daß damals an­gesichts der wirklichen Sachlage niemand daran denken ersten Bismarckschen Entwurf eines Arbeiterversicherungs­durfte, der Socialdemokratie eine grund Gesetzes? Das geht deutlich hervor aus Bebels Rede vom fätliche Gegnerschaft gegen den Entwurf zu 4. April, in der er dem Reichskanzler erklärte: unterstellen. Dafür sind die Worte durchaus kennzeichnend,..... daß er bei uns für seinen Entwurf bis zu einem mit denen der liberale Parteiführer Bamberger die gewissen Grade eine Unterstützung findet, die ihm selbst Debatte eröffnete. Er begann seine Rede mit diesen Worten: in diesem Falle nicht so unangehnem sein dürfte, um so Wenn diejenigen, meine Herren, welche sich als Redner gegen mehr, meine Herren, da die Verteidigung, die der Herr das Gefeß hier melden, damit die Absicht verbänden, es in allen Reichskanzler am Sonnabend seinem eignen Entwurf hat zu seinen Teilen und namentlich in seinen sachlichen Bestrebungen zu teil werden lassen, keineswegs eine überzeugende war. Er be­bekämpfen, so würde wahrscheinlich nicht ein einziger Redner in darf dringend einer Unterstützung von andrer Seite, diesem Sinne auftreten. Ich glaube aber auch auf der andern und wir wollen ihm diese, soweit es uns möglich ist, Seite sagen zu können, daß, wenn diejenigen, die sich als Für unsrerseits angedeihen lassen. Ja, meine Herren, wir sprecher des Gesetzes hier melden, dasselbe in allen seinen Teilen wollen ihm und Ihnen sogar nach besten Kräften helfen, vertreten sollten, die Zahl zwar nicht null, aber doch sehr un- die vofitiven Bestrebungen, die zur Bekämpfung der

bedeutend sein würde.

Seit Wochen hat man es unzähligemale in fonservativen, scharfmacherischen, nationalliberalen, freisinnigen und Centrums flugblättern gelesen, daß die Socialdemokratie die geschworene Gegnerin der Arbeiterversicherung sei, daß, wenn es auf sic ankäme, die Arbeiter verhungern müßten, daß die Reichtümer, Es gab also zweierlei Anhänger des Entwurfs im Reichs- Socialdemokratie durch diesen Gefeßentwurf erreicht die aus Reichsmitteln dem Arbeiterstande zuflössen, ein Ge­schenk der wohlgesinnten, braven, nationalen, staatserhaltenden tage. Der eine Teil wagte es nicht, einem Gesetz grund- werden sollen zu fördern, damit sie zu einem gedeihlichen sätzlich entgegenzutreten, das die socialdemokratische Bewegung Ziele kommen." durch Lockmittel von ihrem Wege abzubringen versuchte, der

Parteien seien.

Mit dieser Rede Bebels endete die erste große grund­Nicht ohne Bedacht haben wir zugewartet, bis zu welchem andre erkannte, obwohl geächtet und verfolgt, freimütig die fäßliche Debatte, die im Reichstage über das beginnende Gipfel der Verlogenheit sich dieses Treiben entwickeln würde. Berechtigung des Princips. Der eine wollte das Gesetz mit Reformwerk der Arbeiterversicherung geführt worden. Seit ein Artikel des Vorwärts" die offizielle Wahlschrift der aller Macht nach rückwärts revidieren, dem andren fehlte mit Der Gesezentwurf, der später von der Reichstagsmehrheit nationalliberalen Partei vor Scham unter die Erde versinken seinen neun Mandaten die Macht, ihn nach vorwärts zu bis zur Unbrauchbarkeit verfchlechtert wurde, ist in der Debatte hieß, mußten wir fürchten, durch vorzeitig geübte Kritik auch revidieren. Der eine Teil war die Masse der bürgerlichen grundsäßlich von den Liberalen, Stonservativen, Centrumsleuten bei jenen andren Wahlflugschriften denselben Erfolg zu er Abgeordneten, der andre war die Socialdemokratie.had bekämpft worden, er hat in seinem Grundgedanken eigentlich zielen. Und den wollten wir nicht! Wir brauchen diese Flug- Aber Bambergers Zeugnis ist uns nach andrer Seite hin nur die Zustimmung der socialdemokratischen Fraktion ge­schriften! Wir brauchen sie als kostbare Dokumente der noch viel wichtiger. Nicht nur, daß es ihm nicht einfiel, die funden! Man bedenke, welche Selbstbeherrschung und welche geistigen Verödung und des fiftlichen Verfalls unsrer Gegner. Socialdemokratie der Gegnerschaft gegen die Idee der Klarheit der Weltanschauung jene tapferen Neun befizen Sie können jegt kein Wort mehr zurücknehmen. Arbeiterversicherung zu bezichtigen, er schrieb ihr vielmehr mußten, die damals gejagt wurden wie die rändigen Hunde, Was wir zu sagen haben, sind allerdings keine die eigentliche Urheberschaft zu. Er sagte nämlich, wie auf und dennoch das Gute anerkannten, das aus der Hand eines Enthüllungen, die sich auf irgend welche geheime Zeugnisse Seite 679 der Stenographischen Berichte über die Verhand gewaltthätigen Feindes kam! stügten, es handelt sich nur um die Feststellung der ein- lungen des Reichstags, 11. Legislaturperiode, IV. Session 1881" So begann die Aera des deutschen Kaisertums und der fachen geschichtlichen Wahrheit; die keinem berborgen sein zu lesen steht, in seiner Rede wörtlich this si nationalen Socialpolitik. fann, der die Protokolle des Reichstags unsre einzige Quelle fennt. Die Herren können sich also auch nicht mehr auf ihren guten Glauben berufen: sie sind schuldig des frechften und das fei gleich gesagt auch des dümmsten Betrugsversuches, der jemals von politischen Induſtrierittern versucht worden ist.

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Wir lassen die Thatsachen folgen:

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Noch im Jahre 1877 hatte sich die offiziöse Provinzial­Korrespondenz" gegen einen Arbeiterversicherungs- Entwurf

der Socialdemokratie dahin erklärt: fot

Man könne auf solche Vorschläge unmöglich eingehen, wenn man nicht die durch die Socialdemokratie sowieso schon auf­geftachelte Anmaßung und Begehrlichkeit der Arbeiter noch weiter in bedenklichem Maße steigern wolle." snijd niss

Dazwischen kam das starke Anwachsen der socialdemto­fratischen Bewegung und die Schmach des neuen Deutschen

seinen Plan.

Materiell ebenso wie formal steht der heutige Gesezentwurf

Daß sich die Arbeiterversicherung später nach den Grund­auf dem Boden des Socialismus: er bekennt sich in seinen Motiven fäßen des Kuhhandels gestaltete, der zwischen der Regierung ausdrücklich dazu. Wie sehr die gegenwärtige Theorie der und der Mehrheit abgeschlossen wurde, daß es die Pflicht der Gesetzgebung bereits dem Inhalt des Socialismus nahe gerückt Socialdemokratie war, bei diesem Handel beiseite zu stehen- ist, wird Ihnen nach mir wahrscheinlich ein andrer Redner sehr das erklärt sich wohl aus jenen parlamentarischen Keimen des deutlich illustrieren, nämlich der Herr Abgeordnete Bebel. Herr späteren Werkes zur Genüge. Bebel hat im Jahre 1878 bei Gelegenheit gerade des Vorschlags,

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Daß aber die socialdemokratische Partei auch späterhin

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die Unfallversicherungs- Gesetzgebung zu verbessern, eine Rede gehalten, und er hat in derselben genau die Grundzüge desjenigen Gesetzes niemals in ihrem Bestreben erlahmt ist, die Versicherungs­entworfen, das ihnen heute vorliegt. Ich will Herrn Bebel nicht gesetze nach den Wünschen der Arbeiterklahe zu gestalten, des Vergnügens berauben, die Stelle wörtlich vorzulesen, in der bleibt gleichfalls für alle Zeit geschichtliche Thatsache. die ganze Dekonomie des Gesetzes auch seiner Ausführung nach Unfre wörtlichen Citate aus den Reichstagsverhandlungen enthalten ist; aber das kann ich sagen, nachdem ich die Rede heute vor zweiundzwanzig Jahren bieten in Zusammenhalt mit morgen nachgelesen habe, ist mir der Gedanke gekommen, ich weiß den bekannten Behauptungen bürgerlicher Wahlflugblätter- nicht, warum Herr Bebel nicht vortragender Rat der voltswirt einen geradezu etelerregenden Beweis für die krankhafte schaftlichen Abteilung in der Reichsregierung ist. tips Wahrheitsschen unsrer Gegner. Damals schrie man: Die Und der liberale Apostel, Herr Bamberger , der die Ar- Socialdemokraten sind die eigentlichen Urheber der Arbeiter. Reiches: das Socialistengeſetz. Jetzt änderte Bismard beiterversicherung als ein Theater für den füßen Pöbel" versicherung. Sie wollen das Reich zu einer allgemeinen Um sich nicht auf Repreffivmaßregeln verhöhnte, schloß seine Rede mit den stilistisch ein wenig ver- Armenanstalt machen!" Heute schreit man: Die Social­gegen die Socialdemokratie zu beschränken, vielmehr wirrten, aber fachlich immer noch taren Worten: demokraten sind verbisfene Gegner der Arbeiterversicherung; auch deren Bekämpfung durch positive, auf die Ver- of Das hoffe ich von der Mehrheit des Hauses, sie wird die sie wollen, daß die Arbeiter verhungern sollen!" Ищу подир! besserung der Lage des Arbeiterstandes abzielende Maß- beiden socialistischen Elemente, welche darin bestehen, daß das, Man muß wahrhaftig in der Civilisation weit fort­die Reich zu einer allgemeinen Armenversorgungs- Anstalt gemacht und nahmen" zu versuchen, inaugurierte Bismard die Finanzkraft des Reiches zu diesem Zwecke herangezogen werden geschritten und alle barbarischen Instinkte der Vorzeit gründlich Aera des sogenannten socialen Kaisertums der Hohen­foll, daß die hohe Versammlung diese Propositionen ablehnt. abgestreift haben, wenn man angesichts eines solchen Ver­zollern". Er legte im Frühjahr 1881 sein erstes Versicherungs­gesetz vor, das die Versicherung der in Bergwerken, Fabriken Das war im Jahre 1881 die Stellung des Libera- haltens an keine andre Peitsche denkt denn die bildliche des und andern Betrieben beschäftigten Arbeiter gegen die Folgen lismus zu den Arbeiterversicherungs- Gesetzen. Und seine geschriebenen Worts! der beim Betriebe sich ereignenden Unfälle betraf. Der Ent Partei wagt es heute in ihren Flugblättern, die Social­wurf, der die Einrichtung einer Reichs- Versicherungsanstalt demokratie als grundsägliche Gegnerin der Arbeiterversicherung forderte und Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln vorsah, passierte hinzustellen und das Verdienst daran, daß das Reich, wie ihr Zur Ausübung des Wahlrechts wird diesmal sowohl von Behörden Führer so hübsch und gemütvoll sagte, eine allgemeine wie bon fistalischen Verwaltungen, insbesondere von der Eisenbahn­in den ersten Apriltagen des Jahres 1881 die erste Lesung. Die erste Beratung des Unfallversicherungs- Gesetzes warf Armen- Versorgungsanstalt" geworden ist, sich selber zu Verwaltung, den Angestellten weitgehendes Entgegenkommen be aber schon in die Etatsdebatte vom 25. Februar 1881 ihren zuschreiben. Es giebt kein Wort der Schriftsprache, das zur Kenn- wiesen; man scheint jogar die Wahlpflicht für die Beamten statuieren zu wollen. Umsomehr muß es daher bedauert werden, daß von Schatten voraus. Obwohl sich Herr v. Kardorff als Anzeichnung eines solchen Vorgehens ausreichen würde. privaten Unternehmern den Arbeitern vielfach Schwierigkeiten ge­Aber wie Herr Bamberger , der liberale, so wendete macht werden. Wenn dabei der Glaube eine Rolle spielen sollte, hänger des Fürsten Bismarck erklärte, tlagte er, daß dieser durch seine Versicherungspläne die Socialdemokraten über sich auch Herr von Marschall, der konservative daß die Staatsangestellten im Gegensatz zu den Industrie- Arbeitern nicht Wortführer, und Herr v. Hertling, der Wortführer des wagen würden, focialdemokratisch zu wählen, jo machen wir besonders troffen hätte. Demgegenüber führte Bebel aus: Ich weiß nicht, was er( Kardorff) für Begriffe von den An- Centrums, gegen die Reichszuschüsse, die sie als eine darauf aufmerksam, daß der Eisenbahnminister Budde im Abgeordnetenhauſe in aller Form erklärt hat, es sei ihm ganz gleich, sichten der Socialdemokraten und ihren Bestrebungen hat. Ich Form der Armen unterstüßung verächtlich zu machen wie die Beamten wählen. In der Sigung vom 24. Februar jagte fann nur sagen, daß, wenn sie auch im allgemeinen das Princip suchten. Dieselben Parteien prunten heute in ihren Flug Herr Budde wörtlich nach dem Stenogramm:

Wahlkampf.