Nr. 137.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
20. Jahrg
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Telegramm- Aoresse: ,, Socialdemokrat Berlin".
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Dienstag, den 16. Juni 1903.
Wähl rot!
Aluf, auf, mein Volk! Der grofse Tag| Abrechnung balt'! Die Quittung gieb| Die Menschheit hält den Atem an, Des Strafgerichts erscheint:
Dein Urteil wirk' wie Wetterschlag, Zerfchmettre Deinen Feind!
Der Arbeit Bataillone
Anstürmen unbewehrt
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Kein Blitzen der Kanone,
In keiner Fauft ein Schwert: Doch Itark wird felbft der Schwache Im Mallenaufgebot!
Auf, auf, mein Volk, erwache! Ermanne Dich! Wähl rot!
Für jeden Volksverrat,
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Blickt heissen Aug's zu Dir Dass man ins бungerjoch Dich trieb, Trag, Volk, den Völkern all voran
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Was da in Deinem Herzen An heil'gem Zorn gebrannt Die ganze Glut der Schmerzen Schicht' auf zu Einem Brand: Am Schlachtentag entfache Ihn, dafs er leuchtend loht!
Erwache, Volk, erwache! Ermanne Dich! Wähl rot!
Die Zukunft liegt in Deiner Hand, Micht auf dem Ocean.
Dein rotes Schlachtpanier!
Tritt vor in blitzendem Grimme Zur heerfchau Reih' an Reib': Ein Donner Deine Stimme, Ein Dreimillionenſchrei! So bahn' am Tag der Rache Den Weg Dir aus der Mot Erwache, Volk, erwache! Ermanne Dich! Wähl rot!
Auch Du, mein Landvolk Entlad im Urnenkrug!
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Zum Bruderbund Schreit' Land an Land Warum fo hundedemutvoll? Die Völkerfriedensbahn.
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Du darbst und follit Dich brüsten Mit blut'ger Kriegesehr'? Zur Rüfte geh das Rüften! Genug für Heer und Meer! Des Volkes Willen mache Zum obersten Gebot!
Erwache, Volk, erwache! Ermanne Dich! Wähl rot!
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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Zeig', dass Du lieb haft grenzenlos Dein deutsches Vaterland
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Ob auch der fremden Brüder Cos Dich stets als Bruder fand.
Zeig', dafs der deutschen Männer Gewalt'ges Arbeitsheer Steifnackige Bekenner Der Ueberzeugungsehr',
Die für die höchste Sache
Der Menschheit gehn zum Tod.= Drum, deutsches Volk, erwache! Ermanne Dich! Wähl rot!-
allen Groll| Tritt an, mein Volk, am grossen Tag Bis auf den letzten Mann! Zeig' was Dein Opfermut vermag, Was fefter Wille kann!
Komm', fag': un iſt's genug!
Trägit ſtumm die schwerfte Bürde? Cäfst hudeln Dich als Knecht? Weilst Du, was Menschenwürde? Weilst Du, was Menfchenrecht? Hauf't unter Deinem Dache Nicht allertieffte Пot?
Auf, Landvolk, auf! Erwache! Ermanne Dich! Wähl rot!
Nichts fefl'le Deine Sohle, Stürm' jubelnd Burg auf Burg! Vorwärts! fei die Parole,
Dein Siegesfturmruf: Durch! Führ' Deine beil'ge Sache Vorwärts durch Kampf zum Sieg! Erwache, Volk, erwache! Ermann' Dich, wähle, fieg'!
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Wahlschluß um 7 Uhr!
Wähler, geht zeitig zur Wahl! Wer um 7 Uhr seine Stimme noch nicht abgegeben hat, darf überhaupt nicht wählen! Die Annahme, daß jeder wählen darf, der bis 7 Uhr im Wahllokale erscheint, ist falsch. Niemand darf nach 7 Uhr wählen!
Wer sein Wahlrecht nicht einbüßen will, wer nicht will, daß infolge großen Andranges in der letzten Stunde andre ihr Wahlrecht einbüßen, der gehe so zeitig wie möglich zur Wahl! Keine Stimme darf durch Bummelei verloren Wähler, geht zeitig zur Wahl!
gehen!
Volkstag!
Neid und Haß, sondern die Bewunderung und den Stolz des Proletariats aller Nationen erregt.
feit des bürgerlichen Wahlkampfes erklärt sich daraus, daß es Interessenvertretungen des immobilen und mobilen Kapitals find, dessen Träger eine kleine Minderheit der Bevölkerung bilden und also für die Erringung von Mandaten nicht genügen. So berhüllt jede bürgerliche Partei ihre wirklichen Ziele.
Nicht mit demagogischen Strohbränden hat die deutsche Socialdemokratie ein Feuer in den Massen entzündet, das zuerst wild und weit fraß, um ebenso jäh zu erlöschen. Um jeden Kopf, um jede Seele haben wir in der mühseligen Arbeit von Jahr- Der Junker sagt nicht: Ich will die politische und materielle zehnten ernst, streng und wahrhaftig gerungen, bis sie sich Alleinherrschaft im Staat, das ganze Volt soll mir fronden, der uns ergeben, erst Tausende, dann Hunderttausende und jetzt Millionen. Staat ist dazu da, mir einen standesgemäßen Unterhalt zu verschaffen. Es lag uns niemals etwas an Mitläufern, die mit täuschenden Nein, er entdeckt sein warmes Herz für den Bruder Bauer, den seine Lockungen leicht zu gewinnen find, sondern nur an Mittämpfern, Politit ausbeutet, und begeistert sich für den Wetter Krämer vom
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die stark genug sind, die ganze gewaltige, schwache Herzen vielleicht Mittelstand, den er hinters Licht führt. erschreckende Wahrheit des Socialismus zu erfassen und die opfernde Das Centrum sagt nicht: Ich muß der Kirche die Schäflein Arbeit für ihn zum höchsten, zum eigentlichen Inhalt ihres Lebens sichern, der Staat muß der Hierarchie unterthan sein, welche die zu erheben. Wir haben zäh und furchtlos gerungen mit einer stärkste Organisation zur Erhaltung des Bestehenden ist. Nein, es leberzahl von mächtigen Feinden: der stumpfen Gleichgültigkeit, dient dem Allgemeinwohl" und dem Ausgleich der Gegensätze". dem blöden Unverständnis, dem lauernden Mißtrauen, der schmutzigen So läßt es jeden aus der Wunderquelle seiner Gaben trinken: Es Verleumdung, dem wilden Haß, der fanatischen Verblendung und nimmt allen unbemerkt Goldstücke und schenkt ihnen laut protend der rohen Gewalt. Und heute schreiten wir unüberwindlich in Pfennige! Die Bauern werden so den klerikalen Majoratsherren, unübersehbaren Reihen unfren Weg, und unsre Feinde sind, so die Arbeiter den katholischen Unternehmern ausgeliefert. Die liberalen Parteien endlich, die nationalen und die freizahlreich, tückisch und brutal sie sind, doch nur Marodeure in dem großen Menschheitstampf, in dem die politischen Wahlaktionen sinnigen, bekennen nicht, daß sie die Loslösung des Kapitals von nicht deshalb eine so große Bedeutung beanspruchen, weil sie einen allen Fesseln der Staatsgewalt, der Arbeiterwehr und der Konkurrenz Haufen von Papierzetteln und ein paar Hundert Abgeordnete au- anstreben, sondern sie umbuhlen den kleinen Mann der Städte, für sammenbringen, sondern weil in jedem socialistischen Stimmzettel den das Wort Freiheit noch fein leerer Schall ist. eine große und fruchtbare Bildungsarbeit, eine Fülle von geistiger und Darum müssen alle Parteien lügen, und daher die bis zum sittlicher Erziehung, von politischer Einsicht und Entschlossenheit steckt. Etel jämmerliche Gemeinheit des bürgerlichen Wahlgezänts. Es Der socialdemokratische Stimmzettel findet darin seine Geltung, daß ist besonders bezeichnend für die diesmaligen Wahlen, daß sich die er den Wertschein für erfolgreich und zielsicher geleistete Arbeit dar bürgerliche Intelligenz vollständig zurückgezogen hat. Die stellt. Die unzähligen Hirne, die Tag für Tag für die große Sache des deutsche Wissenschaft steht stumm abseits. Die bürgerlichen Kandidaten An diesem Dienstag wird nach Tangen fünf Jahren Prüfung proletarischen Befreiungskampfes dachten und schufen, die Tausende sind durchweg schlichte, sehr schlichte Männer"," jeistije Arbeeter" abgehalten über die Kultur des Deutschen Reiches, über die Klarheit von tapferen Herzen, die um seinetwillen Qualen jeder Art auf niederster Qualität, zumeist Neulinge ohne Ruf und Geltung, Leute, der Köpfe, die Reife und Fülle des Wissens, die Kraft seines Willens. sich nahmen, die unendliche Menge der Hände, die hilfreich und ent- die sich etwa freifinnig nennen und als parlamentarischen BefähigungsAlle Statistik über die Verhältnisse des Deutschen Reiches giebt nur sagend, ohn' Ermüden, mitthaten sie sind es, die in den Stimm- nachweis Stallburschen Zeugnisse von ihrem vorgesezten Offizier Es ist ein großer Jammer über die Trägheit Bilder von Einzelerscheinungen. Die Wahlzahlen messen die Kultur zetteln den Ertrag ihrer Arbeit, die Vergeltung ihrer Mühen wägen erbringen. selbst, sie schätzen den politischen Befähigungsnachweis der Massen, dürfen. der bürgerlichen Intelligenz. Aber diese Indolenz ist noch nicht Das allgemeine Wahlrecht, das das Proletariat erzieht und das fie erhellen das Maß politischer Bildung und die moralische Straft schlechteste Zeichen. stehende Welcher geistig höher politischer Energie. Der Wahltag ist die Heerschau und die Sammlung hebt, erniedrigt von Jahr zu Jahr mehr unsre Feinde. Die und unabhängige Mann, welcher Jdealist soll nur ein Wort aller Elemente, die fähig sind, die neue Welt des Socialismus loszu- Socialdemokratie aber braucht nicht anders zu erscheinen, wie sie ist, berlieren für die elende Geschäftsbalgerei der Agenten der verLösen aus den Klammern der kapitalistisch- feudal- bürgerlichen Ordnung. nicht anders zu reden, wie sie denkt, sie allein, der alle Schwindler schiedenen bürgerlichen Erwerbsgesellschaften, die den Reichstag zu Die revolutionäre Bourgeoisie Frankreichs erkannte ihren höchsten vorwerfen, daß sie ihr Programm verschleiere, vermag dem all- ihrer Börse machen. In der erstickenden Unfreiheit unsrer inneren Stolz darin, die Freiheit der ganzen Welt zu votieren. So fann gemeinen Wahlrecht offen ins Gesicht zu troßen und ihre letzten Verhältnisse aber dürfen sie ihre Sympathie für die aufrichtende man sagen, daß die deutsche Socialdemokratie für die Erlösung der Gedanken auszusprechen. Weil die Socialdemokratie die Inter- Bewegung des Proletariats nicht offen verkünden und so überlassen und im ganzen Menschheit wählt. Die Ziffern, die das Erstarken der essen des Proletariats Proletariat die höchsten die Besten der bürgerlichen Intelligenz verdrossen und unthätig deutschen Socialdemokratie finden, weden und festigen in den Interessen des Volkes und der Menschheit vertritt, der Menschheit vertritt, darum den Wahlkampf dem Geschrei der Händler. Millionen der Leidenden aller Völker und aller Sprachen die Hoff- braucht sie fich nicht vor der Zahl zu fürchten, darum buhlt nung des endlichen Sieges. Die Summe der socialistischen Stimmen sie nicht um die Stimmen derer, die sie betrügen und verraten will. ist der Inbegriff der deutschen nationalen Kulturebre die nicht den Die grenzenlose Verlogenheit, die geistige Niedrigkeit und Armselig
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Nur in einem sind die bürgerlichen Parteien echt, in ihrem a ß gegen die Socialdemokratie. Die Massen von ihr fernzuhalten, das ist ihr glühendstes Bestreben, und sie schrecken vor