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Nr. 143.

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Ericheint täglich außer Montags.

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

20. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins­und Versammlungs- Anzeigen 20 Bfg. ,, Kleine Anzeigen" jedes Wort 5 Pfg. ( nur das erste Wort fett). Infecate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormitttags geöffnet.

Telegramm- Noreffe: ,, Socialdemokrat Beriin".

Centralorgan der Socialdemokratischen Partet Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Nationalliberal.

Die vier Parteien, die man als die politische Vertretung des deutschen Bürgertums ansprechen kann, haben es am 16. Juni im ersten Wahlgang auf insgesamt fünf Mandate gebracht! Diese fünf Mandate gehören durchweg der nationalliberalen Partei. Alles was sonst an bürgerlichen Abgeordneten in den Reichstag tommen wird, ist Kleineres Uebel", sei es für die agrarische und ultramontane Reaktion, sei es für die Socialdemokratie.

Trotz des deutlichen Ruckes nach Links", der auf dem letzten Parteitag der Nationalliberalen zu Eisenach proklamiert worden ist, hat die nationalliberale Partei längst alle Brücken hinter sich abgebrochen, die zum Liberalismus zurückführen. Sie ist im Stichwahlkampfe einzig und allein auf die Hilfe der reaktionären Parteien angewiesen. Sie hat sich längst dem Junker für den Stall verdingt, sie steht heute auch im Büßer­hemde im Schloßhof von Canossa und bettelt um die Gnade jenes hochwürdigen Klerus, den sie einst mit Ausnahmegesetzen drangfalierte. Der Mann, der sie im Präsidium des Reichstages vertrat, der Mecklenburger Scharfmacher Büsing, ist durch den Unwillen der Wähler vom Präsidentensize auf die Galerie verbannt worden; ihr Staatsmann, der mit socialem Del geschmierte Herr Basser= mann hat in Jena von der roten Fahne das Hasenpanier ergriffen und muß jetzt in Karlsruhe katholisch werden, wenn er mit Centrums­hilfe in den Reichstag zurückgeschafft werden soll. Welch ein kläg­liches Ende für eine Partei, die vor sechsundzwanzig Jahren mit 126 Mandaten den Reichstag beherrschte und die noch vor 16 Jahren mit 99 Mandaten und eindreiviertel Millionen Wählern im Reiche wie im Reichstage die stärkste Partei war! Sie beherrschte vor einem Menschenalter die Gesetzgebung, die Deffentlichkeit, die Breffe, was nicht mit ihr ging, war dessen sicher als Neichsfeind" gebrand­markt zu werden. Heute sind die Reichsfeinde" so stark geworden, daß sie die einzig wahren Reichsfreunde", die Stüßen Bismarcks, die sichersten Bewilliger aller militaristischen Machtforderungen bei­nahe schon ganz aus dem Reiche hinausgeworfen haben. Der Trupp, der auf den Krücken der Reaktion immer noch in den Reichstag gelangen mag, fann nie mehr etwas andres werden als die Nachhut der agrarischen, antiliberalen Raubritterarmee.

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Dieser ungeheuerliche Verfall der einstmals regierenden Partei beruht sicherlich auf tieferen Gründen als bloß auf der namenlosen Ungeschicklichkeit, mit der sie ihren letzten Wahlkampf führte. Aber andrerseits wie zerfahren, wie verkommen, wie geiſts, ge­danken und gewissenlos zugleich muß eine Partei sein, die für den Augenblick der Entscheidung keine besseren Waffen zur Hand hat! Die Geschichte des gesamten bürgerlichen Wahlfeldzuges, eines der tläglichsten und schmutzigsten Kapitel der neureen Kulturgeschichte, soll später noch einmal bei besserer Gelegenheit erzählt werden. Aber heute schon ist es offenbar, daß kein plumper Junker an Albernheit und Täppigkeit seiner Agitationsmethode die offizielle Leitung der nationalliberalen Partei erreicht geschweige denn übertroffen hat.

Dienstag, den 23. Juni 1903.

hat man im Auslande sich neue Verhandlungstarife geschaffen, mit Sätzen, die zum Teil die bisherige Höhe um das Doppelte überragen. Und dort sind diese Verhandlungstarife auch schon in Kraft; sie gelten für unsre Ausfuhr, sobald die lezte Stunde der Vertragstarife nach Ablauf der Kündigungsfrist geschlagen hat. Gar mancher Export, der in die Millionen geht, wäre damit unterdrückt.

Etwas andres ist es, ob man die Kündigung der Verträge namens einer Partei fordert. Etivas andres, ob mit kaiserlicher Unterschrift die Kündigung ausgesprochen wird. Ersteres versteht man im Auslande als Druckmittel, als Verwahrung gegen Nach­giebigkeit unfrer deutschen Unterhändler. Die thatsächliche Kündigung aber würde man keineswegs so verstehen, wie die­jenigen sie meinen, die danach verlangen. Angesichts des Um­standes, daß Verhandlungen über neue Verträge doch schon be­gonnen sind, würde das Ausland die Kündigung mitten im Gange der Verhandlungen lediglich als einen Abbruch derselben verstehen können. Und Abbruch heißt: Beginn der äußersten Kraftproben, d. h. Beginn des Zolltrieges. Genug, wir wären binnen Jahr und Tag in unabsehbaren Zollvirren, statt an der Schwelle eines neuen 10-12jährigen Vertragszustandes.

Allerdings: die ansehnlich hohen Agrarzölle des neuen Tarifs, soweit sie eben bei der Notvereinbarung( Antrag Kardroff) un­verändert geblieben waren, hätten dann ihre thatsächliche Geltung an der Grenze.( Weizen 6/2, Moggen, Gerste, Hafer 6 M., Vieh 18 M. per Doppelcentner ufiv.) Aber welcher Freund der Landwirtschaft möchte wünschen, daß sie überhaupt, zumal unter solchen Umständen, allgemein zur Geltung fämen? In Zeiten vollendeter Unsicherheit betreffs unsrer Handelsbeziehungen, bei einer bis zum Einfuhrverbot hinreichenden Erschwerung unsrer Ausfuhr in die Vertragsländer, und nicht nur in diese, sondern auch in die Meistbegünstigungsländer, die sofort eben­falls ihren Marimaltarif auf unsre Waren anwenden würden, wenn wir den unsrigen auf ihre Waren anwendeten! Das gäbe Inlandspreise für Lebensmittel, die nicht einmal bei hochgehender Konjunktur Bestand hätten, geschweige denn, wenn überall die Schornsteine aufhören müßten, zu rauchen.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

zulässig ist, eine Stimme für den socialdemokratischen Kandidaten, felbst bei der Stichwahl, abzugeben. Weffen Partei der Gegen­fandidat sein mag, und was auch immer gegen seine Persönlichkeit eingewendet werden kann: Nichts kann einen Centrumswähler bes stimmen, auch nur eine Stimme für einen Socialdemokraten ab­zugeben und sich so positiv an der Wahl eines solchen zu bes teiligen.

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Soweit uns Nachrichten über die Stichwahl Bewegung vor­liegen, wird diese Stichwahl- Parole von seiten der Centrums Wahlkomitees ja auch durchweg ausgegeben und es ist ebenso dringend zu wünschen, als bestimmt zu erwarten, daß die Centrums­wähler dieser Wahlparole auch Folge leisten werden.

Ueber Einzelheiten in betreff der Stichwahl- Parole werden wir in einem folgenden Artikel berichten.

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Der Inhalt dieses Artikels wird offenbar in gemeinsamer Konferenz der Kardorff Leute festgestellt werden. Sicher handelt es sich noch darum, wie man die Centrumswähler für Jesuitenfeinde und diese für die Römischen" an die Urne treiben kann. Einiges weiß das Centrumsblatt allerdings schon zu erzählen:

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Die Centrumspartei dürfte bei den Stichwahlen in Köln , Düsseldorf , Essen, Mühlheim- Wipperfürth und Bielefeld von den Nationalliberalen unterstüt werden, während letztere in Bochum , Dortmund und Duis burg bei den Stichwahlen die Unterstützung der Centrumswähler erhalten. Der Wahlkreis Speyer wird bom Centrum erobert werden, wenn die Centrumswähler dafür im Wahlkreise Karlsruhe für den nationalliberalen Kandidaten Bassermann eintreten. Wenn die Nationalliberalen Mann­ heim erobern wollen, so werden sie dem Centrum den Wahlkreis Homburg- Rusel einräumen müssen, und München I wird nur dann gegenüber der Socialdemokratie von den Nationalliberalen in der Stichwahl behauptet werden, wenn dafür Würzburg dem Centrum gesichert wird. Das Centrum kann ferner den Nationalliberalen in Hanau und Friedberg zum Siege verhelfen, wenn dafür die Stichwahlen in Mainz und Höchst Usingen zu Gunsten des Centrums durch die Wahlunterstützung der Nationalliberalen gesichert werden."

Wenn man da liest, wie die Wähler aus Mannheim für die von Homburg , die von Köln für die von Mainz , die von München I für die von Würzburg von den Führern eingetauscht werden, muß man fich wirklich fragen, welchen Grad politischer Reife diese Kandidaten ihren Wählern wohl zumuten mögen. Es handelt sich doch nicht um hessische Landeskinder, die vom Landesvater nach Amerika verkauft werden!

Drei Monate, länger aber auf keinen Fall, würden diese hochagrarischen Zollfäße bestehen. Dann käme ein Sturm aus allen Richtungen und fegte die Lebensmittelzölle überhaupt weg. Also es ist schlechterdings keine Aussicht, in den Genuß der Säße des neuen Verhandlungstarifs zu kommen. Es ist aber auch keine Aussicht, wenigstens den Fünfmark- Zoll des gegen­wärtig noch hinter den Vertragstarifen stehenden autonomen Tarifs zu gelangen. So lange bei den fremden Staaten die vertragsfreundliche Stimmung waltet, wie bisher, werden die ,, Caprivi"-Verträge stillschweigend verlängert, bis Handelsverträge vereinbart sind. Es giebt also nur den einen Weg zu höherem Bollschutz für landwirtschaftliche Erzeugnisse: neue Vertragstarife. Und es giebt umgekehrt feinen andren Weg zu langfristigen Handelsverträgen, als auf der Grundlage des neuen Tarifs mit nationalliberalen Kundschaft. seinen höheren Agrarzöllen.

Auch sonst ballt sich überall der reaktionäre Klumpen zusammen. Die Parteileitungen der Freisinnigen und Nationalliberalen in Bayern beschlossen, ihre Parteigenossen aufzufordern, in allen Stich­wahlen der bayerischen Reichstags- Wahlkreise sich gegenseitig zu unterstützen. Herr Büsing, der Durchgefallene, empfiehlt seinen fonservativen Stichwahl- Nachfolger dem Vertrauen seiner bisherigen

Daß der Freifinn nicht gewillt sei, überall für die Social­Wenn in einem focialdemokratischen Flugblatt eine unwahrheit demokratie einzutreten, geht nicht nur aus der oben erwähnten stünde, würde sie jedenfalls sofort berichtigt werden. Nationalliberale bayerischen Nachricht, sondern auch aus der Haltung der Frei­Wahlschriften aber werden schleunigst unterdrückt, wenn aus Versehen finnigen" sowie der Boffischen Zeitung" hervor. Die letztere will eine Wahrheit in sie hineingeraten ist. Links- Nationalliberale" gegen die Socialdemokratie unterstützen. Dagegen wiederholt die" Berliner Zeitung ":

In demselben Augenblick nämlich, in welchem die furchtbare geheime nicht entgangen sein, daß der Schlußsatz seiner Ausführungen im Natürlich kann es auch dem Verfasser der sekretierten Flugschrift Organisation der Socialdemokratie von unsterblich gewordenen direkten Widerspruch zu allem Vorangegangenen steht. Aber dieser Rettern des Vaterlandes entdeckt wurde, hatte sich eine andre Ge­tleine Kotau hat nicht genügt, der große mußte gemacht und heimorganisation aufgethan, die allerdings nicht gefährlich, sondern die verräterische Schrift mußte aus dem Verkehr gezogen werden. bloß lächerlich war. Diese Geheimorganisation veranstaltete Ver- Man darf darum den Agrariern raten, in der Stichwahl trotz alledem sammlungen, zu denen nur ihre zuverlässigen Anhänger Zutritt ruhig für den Nationalliberalen zu stimmen. haben sollten, und war schließlich gar zum geheimen Schriften- ruhig für den Nationalliberalen zu stimmen.

bertrieb übergegangen. Die offizielle Wahlschrift der national­liberalen Partei war infolge unsrer Kritik plötzlich von der Erdober­fläche verschwunden, und ihre Existenz wurde von nationalliberalen Kandidaten hartnädig bestritten.

Das tostbare Dokument, das sich in unsern Händen befindet, enthält bekanntlich das Geständnis, daß die nationalliberale Fraktion durch die Bewilligung des Kardorff- Tarifs eine kapitale Dummheit, nein, mehr als das, ein Verbrechen begangen hat, für das sie sich nur durch dauernde Unzurechnungsfähigkeit entschuldigen kann. Es wird vielleicht auch die agrarischen Freunde der nationalliberalen Partei intereffieren, wenn wir unsre flüchtigen Citate aus der offiziellen Wahlschrift dieser Partei in größerer Ausführlichkeit wiederholen.

In der Broschüre" Zum Wahlkampf", herausgegeben vom Centralbureau der nationalliberalen Partei( Berlin 1903) liest man auf Seite 49 u. f.:

Kündigung der Handelsverträge.

Streifzüge durch das Wahlfeld.

Stimm- Vichhändler.

Bisher war es schrecklich! Zum Volt herabsteigen, schlechtes Bier trinken und das Pack als Herren anreden müssen! Aber jetzt find fie, Gott lob, wieder in ihrem Element. Jezt wird wieder gekuhhandelt. Jetzt wird depeschiert und fonferiert, gegeben und genommen, jezt sind sie wieder unter sich, die die Militär­borlage machten, die große Flotte estomptierten und auf den Kardorff Tarif accordierten.

Dem Berliner Tageblatt" wird aus Leipzig geschrieben:

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Die Freisinnige Bolfspartei begeht einen schweren, einen un­verzeihlichen Fehler, wenn sie nicht mit allem Ernst, mit aller Ent­schiedenheit im Stichwahlkampfe für die Socialdemokraten eintritt, unbekümmert um die Unterstüßung, die ihr selber von rechts her gewährt wird, weil sie dort logischerweise ihr nicht vorenthalten werden darf. Wir hoffen, daß jeder Freisinnige wissen wird, was er in der gegenwärtigen Lage des Vaterlandes zu thun hat, und fich nicht von einer Parteileitung gängeln läßt, die offenbar jeden Blick für die Aufgaben, ja für die Interessen des Liberalismus ver­loren hat.

Die Konservative Korrespondenz", die sich über den rohen Ton in der socialdemokratischen Presse gar nicht genug beklagen kann, widmet jenen bürgerlichen Partei- Organen, die nicht unter das Joch des Agrariertums kriechen wollen, diese Artigkeiten:

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Als Zuhälter für die Socialdemokratie enthüllen sich immer mehr die jüdisch- demokratischen Organe der Reichs- Hauptstadt. Die Berliner " und die Volts- Beitung" haben schon vor den Haupts wahlen dafür gesorgt, daß der Socialdemokratie eine große Zahl jüdischer Stimmen zugeführt wurde. Jetzt bieten sie alles auf, um der socialdemokratischen Partei Stichwahlhilfe zuzuwenden. Es genügt, das Gebahren dieses jüdisch demokratischen Zuhältertums festzustellen.

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wärtige Lage flar genug zu fennzeichnen, aber auch die schier un­Das genügt! Es genügt wahrhaftig vollkommen, um die gegen­glaubliche Dummheit der Kartellmache begreifen zu lernen. Wenn unsre Gegner vor den Stichwahlen so weiter schimpfen, wie sie vor den Hauptwahlen geschimpft haben, so ist das für uns immer ein

Der Reichsgerichtsrat Spahn hier hat am Freitag vom Grafen Posadowsky aus Berlin ein Telegramm erhalten, er möge sofort nach Berlin kommen. Spahn hat es einer wichtigen Sizung wegen abgelehnt. Daraufhin sind am Sonnabend von Berlin hier der Graf Posadowsky und der Abgeordnete Bachem eingetroffen, um über ein Zusammengehen der Ordnungsparteien mit dem Centrum für die Stichwahlen besonders in West- und Süddeutschland zu Es wird von hochagrarischer Seite verlangt, daß 1. die verhandeln. Die Einigung ist auch erfolgt und daraufhin Sonn- gutes Vorzeichen. Handelsverträge sofort gekündigt werden und 2. der neue Zoll- abendabend zahlreiche Telegramme von Spahn abgeschickt worden. Ein Opfer des roten Wahlfieges in Berlin . tarif alsbald in Kraft gesetzt wird. Das sind agitatorische Forde- Herr Spahn hat also Berliner Tageblatt" wenn das Was würde einer dazu sagen, wenn ihm zwei Tage nach dem rungen, die lediglich auf Wählerkreise berechnet sein können, recht behält, wieder, wie zu Obstruktionszeiten die Ordnung gerettet. denen der neue Zolltarif nicht gegenwärtig ist und die von der Aber welch ein Unterschied! Damals setzte er den Cylinderhut auf roten Wahlsieg des 16. Juni das Abenteuer begegnete, daß ihn auf Bedeutung unfres Außenverkehrs überhaupt keine Ahnung haben. und antichambrierte bei Bülow. Jezt nimmt Posadowsty einer Fahrt durch den Tiergarten im Morgengrauen jemand mit Doch hat es in diesem Augenblick keinen rechten Zweck, sich lange den Cylinder und antichambriert bei Spahn. Der Minister bewaffneter Hand anhielte und ihm in dringendem Tone dabei aufzuhalten. Wozu sollen wir dem Ausland sagen, wie depeschiert dem Parteiführer, er solle um aller katholischen Heiligen die Frage vorlegte: Wen haben Sie gewählt!" Wenn wir über diese Eventualitäten denken? Es genügt, folgendes willen zu ihm kommen, der Parteiführer erwidert hochmütig, er das Herrn Eugen Richter passierte oder dem Herrn Professor fich vor Augen zu halten: Der Zolltarif ist das Produkt einer habe etwas andres zu thun und beim Kanzler- Stellvertreter nichts b. Wendstern, dann würden sie wahrscheinlich im ersten Schreck Vereinbarung, die im Stande der Notwehr gegen die Obstruktion zu holen. Wenn es sich um ein größeres Geschäft handelt, etwa annehmen, einen Socialdemokraten vor sich zu haben, der rasch getroffen werden mußte. Es stehen Säge in diesem Not- bon 12 000 m. aufwärts, kommt Graf Adolf Bosadowsky- Wehner auch sein Terrorismusgelüft" an ihnen auslassen wollte. Aber der Tarif, die bei ausreichender Gelegenheit zur fachlich ruhigen Be- ins Haus. Und er tam! handlung nimmermehr stehen geblieben wären. Als Verhand­Denn was Mann, der dieses Abenteuer gehabt hat, ist nicht Herr Eugen Richter Tungstarif mochte er der Reichsregierung vertrauensvoll hingegeben davon in die Deffentlichkeit dringt, ist ziemlich fonfus. Nur fobiel und auch nicht der Herr v. Wendstern, sondern nur ein Milchhändler, werden. Ehe er gelten dürfte, d. h. so gelten, daß seine Säße für geht klar daraus hervor, daß sehr energisch zum Sammeln geblasen und der andre, mit dem er es gehabt hat, ist kein Socialdemokrat, die Zollbeamten an der Grenze maßgebend wären, müßten wird: zum Sammeln gegen den gemeinsamen Feind. sondern ein Offizier. doch ziemlich viele und wesentliche Acnderungen an ihm vollzogen Die Germania " bringt an der Spize ihres Blattes die folgende werden. Aber auch dann wäre gar mancher Import, dem wir die billigen Wege des Vertragstarifes offen halten sollen, un­erschwinglich teuer. Und zweitens würden nach, erfolgter Kündi­gung der Handelsverträge unfre Waren an der russischen, öſt­reichischen, Schweizergrenze usw. nicht mehr nur die Schranken derjenigen Auslands- Tarife überwinden müssen, auf Grund deren Graf Caprivi seiner Zeit die Verträge geschlossen hat. Inzwischen

Ganz fertig ist das Geschäft scheinbar noch nicht.

Bekanntmachung:

Die wenigen Tage, die bis zu den Stichwahlen noch übrig bleiben, rücken die aktuelle Frage der Stichwahl- Parole bezw. der Separat Abkommen über die Stichwahlen in den Vordergrund alles Interesses.

Für die Centrumswähler muß selbstverständlich überall und unter allen Umständen die Parole gelten, daß es durchaus un­

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Am Morgen des 18. Juni machte sich der Milchhändler S. aus Schöneberg mit seinem einspännigen Wagen auf den Weg nach dem Hamburger Bahnhof , um Milch zu holen. In der Nähe des Tier­gartens trat ihm um 1/4 Uhr ein Infanterie- Lieutenant entgegen, zog feinen Degen und herrschte den Ueberraschten an: Wen haben Sie ge­wählt?" Der Milchhändler bog erschrocken aus und wollte schleunigst vorbeifahren, aber der Lieutenant fiel dem Pferde in die Zügel und brachte