Nr. 245.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
20. Jahrg
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Telegramm- Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin".
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983.
Dienstag, den 20. Oftober 1903.
intensiver auszunuzen, so hat sich die von den Ruhrbergleuten stets geforderte„ von den Vätern ererbte Achtstundenschicht" heute that
Der preußische Staat als Arbeitgeber. fächlich zu einer 9-10- Stundenschicht ausgeweitet, ganz abgesehen
von dem Zwang zu zahlreichen Ueberschichten. Für besonders
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.
Politische Ueberficht.
I. Berlin , den 19. Oktober. Es ist eine bekannte Thatsache, daß die preußischen Staats- gesundheitsschädliche Arbeiten kann das Oberbergamt die Arbeitszeit Unser Landtagswahlaufruf betriebe, weit davon entfernt, Musterbetriebe zu sein, genau so wie beschränken, doch wird von dieser Bestimmung nur wenig Gebrauch gefällt unfren Gegnern sehr wenig, was uns sehr freut. Von den die Privatbetriebe einzig und allein von blinder Profitwut geleitet gemacht. Gefeßlich geregelt ist die Arbeitszeit im Bergbau nur Konservativen bis zu Eugen Richter reicht die Unzufriedenheit, und werden. Statt daß der Staat den privaten Arbeitgebern mit gutem für die jugendlichen Arbeiter und für die Arbeit an Sonn- und gemeinsam ist beiden, Konservativen und Nichter- Leuten, die empörte Beispiel vorangeht, ist er ängstlich darauf bedacht, daß Feiertagen. Klage, daß wir Socialdemokraten wieder einmal unser wahres Gesicht" verbergen. Da schreibt z. B. die„ Konservative Rorrespondenz":
die Privatindustrie nur ja keinen Schaden erleidet. Mit Und doch wurde es in den bekannten Februar- Erlassen vom Rücksicht auf das private Unternehmertum unterbleiben die Jahre 1890 ausdrücklich als eine der Aufgaben der Staatsgewalt twichtigsten Reformen auf dem Gebiete der Arbeiterschutz- Gesetzgebung, bezeichnet, die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so zu mit Rücksicht auf das private Unternehmertum werden teilweise regeln, daß die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittfogar die Löhne der Staatsarbeiter herabgesetzt. Vor einiger Zeit lichkeit, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter und ihr Anspruch hat Zimmermann seine bekannte Studie über die sociale Lage auf gefeßliche Gleichberechtigung gewahrt bleiben. Aber der preußische der Eisenbahner in Preußen*) veröffentlicht, eine Schrift, die den Landtag hat bisher nicht nur nichts gethan, um diese Erlasse in lückenlosen Beweis dafür liefert, daß die vom staatlichen Kapital die That zu übertragen, sondern sich sogar den berechtigten Der ausgebeuteten Arbeiter sich in der gleichen ökonomischen Abhängigkeit Forderungen Bergarbeiter gegenüber stets ablehnend
befinden, wie die vom privaten Kapital ausgebeuteten. Der einzige verhalten. Der von den Bergarbeitern wiederholt gulegt Unterschied ist der, daß bei den Staatsarbeitern zur ökonomischen in einer Denkschrift der beiden Verbände an Regierung und sich die politische Abhängigkeit, die völlige Rechtlosigkeit, gefellt. Die Landtag im Jahre 1901 als dringend notwendig bezeichnete Staatsarbeiter in Preußen sind heute in Wirklichkeit Staatsstaven. gesetzliche Achtstundentag einschließlich der Ein- und Ausfahrt wird Gewissermaßen ein Gegenstück zu der Zimmermannschen Schrift wohl so lange ein frommer Wunsch bleiben, bis die Arbeiterklasse bildet eine soeben, gerade zu rechter Zeit, um die Agitation für die mächtig genug ist, um die Regierung und die herrschenden Klassen Landtagswahlen zu beleben, erschienene Abhandlung von Lorenz zur Erfüllung dieser gewiß nicht unbescheidenen Forderung zu Pieper über die Lage der Bergarbeiter im Ruhr zwingen. Wir können uns in dieser Hinsicht nur den Worten der revier.**) Führt uns Zimmermann den Staat als direkten Arbeit- Denkschrift anschließen:„ Wir glauben, daß die Zukunft das, was geber vor Augen, so zeigt uns Pieper, wie der Staat da, wo er man heute als utopie bezeichnet, verwirklichen wird; wenn nicht auf zwar selbst nicht Arbeitgeber ist, aber auf das Arbeitsverhältnis dem Wege der Gesetzgebung, dann auf dem Wege gewerkschaftlicher einen bestimmenden Einfluß ausüben könnte, sich gleichfalls lediglich Machtentfaltung." von der Rücksicht auf das Interesse des Unternehmertums leiten läßt. Angesichts der bevorstehenden Neuwahlen verdient die Arbeit von Pieper ganz besondere Beachtung.
„ Die socialdemokratische Parteileitung erscheint zur Abwechse lung einmal in der Tracht der Wadelstrümpfler und präsentiert den preußischen Wählern einen Wahlaufruf, den, ohne ein Wort zu ändern, auch Naumann verfaßt haben könnte. Und Bebel, der Feind des Komödienspielens und Vertuschens, der ehrliche Fanatiker", der den republikanischen Charakter der Partei unverfälscht erhalten und so lange er lebt als Todfeind den monarchischen Staat untergraben will Bebel hat dieses
revisionistische" Schriftstück unterschrieben. Das ist das stärkste Stück, was in ihrer Unverfrorenheit die Socialdemokratie bis jetzt geleistet hat genau fünf Wochen nach dem Dresdener Parteifage, auf welchem Wesen und Taktik der socialdemokratischen Partei in voller Reinheit" wiederhergestellt worden sind.
Der socialdemokratische Aufruf zu den preußischen Landtagswahlen ruht von Anfang bis zum Ende auf liberaler Grundlage. Kein Wort darin deutet auf die politischen und socialen Ziele der Partei. Mit keiner Silbe wird der grundsätzlichen Gegnerschaft der Socialdemokratie zu unsrer monarchischen Staatsordnung ges dacht. Die socialdemokratische Partei giebt sich in dem vor liegenden Schriftstücke als eine solche, die bereit sei, durch ihre parlamentarische Thätigkeit die bestehende Drdnung zu verbessern. Hat aber Bebel nicht erst in Dresden erklärt, daß er, so lange er lebe, nicht aufhören werde, diese Staatsordnung zu untergraben und womöglich zu vernichten?
Neben der Arbeitszeit bedarf der Lohn der Bergarbeiter dringend einer Regelung. Die Hauptformen beim Ruhrbergbau sind der Schichtlohn und das Gedinge; ersterer ist der per Arbeitsschicht Zu welcher Heuchelei, zu welchen Schelmenstücken, zu welchem Das Ruhrkohlen- Revier nimmt nicht nur unter den deutschen , berechnete Lohnbetrag, letzteres besagt dasselbe wie Accordlohn. Es Komödienspiele aber wäre die Socialdemokratie nicht bereit, wenn fondern überhaupt den europäischen Kohlenbecken, die erste Stelle liegt in der Natur der Sache, daß bei der heutigen Art der Gedingees gilt, Stimmen zu fangen und ein paar Mandate zu er ein. Seit dem Jahre 1792 hat die Belegschaft sich um das 140fache stellung die Gedinge ungemein ungemein schwankend find. Häufig gattern! Der Erfolg, den die Genossen" bei den letzten vermehrt, die Förderung nach der Menge um das 288fache, nach müssen sogar erst Versuchsarbeiten vorhergehen, damit Reichstagswahlen durch ihre Heuchler- und Lügenpraktiken sich dem Werte um das 545fache, Aus dem Ruhrrevier stammt gegen überhaupt Anhaltspunkte für die Bemessung Bemessung des Gedinges erschlichen haben, hat jedenfalls auch für die Landtagswahlen anwärtig etwa die Hälfte der gesamten deutschen Steinkohlenproduktion; gewonnen werden. Dazu kommen noch persönliche Einflüsse; nur zu spornend gewirkt. Die" Revisionisten ", die in Dresden gezwungen an der Steinkohlenförderung aller Länder der Erde ist das Ruhr oft erhält derjenige Bergmann das beste Gedinge, der„ lieb Kind" worden sind, sich ihre republikanische Gesinnung ausdrücklich bes fohlen- Becken mit 7 Prozent beteiligt. Allein seit 1894 steigerte sich bei seinen Vorgesetzten ist. Bei der heutigen Proletarisierung der scheinigen zu lassen, werden sich darüber freuen, daß Bebel, der Wächter über die revolutionäre Theorie, sich mit der Geschicklichder Wert der Ruhrkohlenproduktion um 75 Proz., die Menge um Bergarbeiter, der Abhängigkeit der Steiger und ihrer Beteiligung an teit eines Taschenspielers zur„ revisionistischen" Bragis bekannt hat." 44,5 Proz., die Arbeiterzahl um 43,6 Proz. Neben der Kohlen- Betriebsersparnissen ist die Lohnart des Gedinges der Herd mancher Der Unsinn ist fast vergnüglich. Das offizielle Blatt der produktion kommt noch die Coaksproduktion in Betracht; sie ist Mißstimmung in Bergarbeiterkreisen. Eine Reform erblickt Pieper tonfervativen Partei ist wütend, daß wir so bescheiden ge 21% mal so groß als die des gesamten übrigen Deutschland , und in der Einführung von Arbeiterausschüssen, die worden sind und daß wir Forderungen aufstellen, als seien wir belief sich dem Werte nach im Jahre 1900 auf rund 160 Millionen nach Orientierung über den Arbeitsmarkt die Gebinge mit bereit, die bestehende Ordnung zu verbessern. Welch' erfreuliche Zuregeln. Auch die Auslöhnung am Lohntage selbst giebt geständnisse aus Wut, die unzurechnungsfähig macht! Gewiß ist
Mark.
In diesem ungeheuren Gebiet waren im Jahre 1898, dem letzten zu vielen Klagen und Beschwerden Anlaß. Es kommt vor, unser Wahlaufruf„ bescheiden", aber das liegt nicht an uns, Jahre, aus welchem eine genaue Zählung vorliegt, nicht weniger als daß die Arbeiter oft bis zu zwei Stunden mit leerem Magen sondern an der Unsäglichkeit der preußischen Zustände. Wo es sich 158 368 Arbeiter beschäftigt. Von diesen waren schon damals nur und nassen Kleidern, den Unbilden der Witterung ausgefeßt, im fragt, ob es überhaupt möglich ist, nur einige wenige echte Ver37,4 Proz. dem Berufe des Vaters als Bergarbeiter gefolgt, 14,8 Proz. Freien auf die Aushändigung des Lohnes warten müssen. treter der Volksinteressen in ein Barlament zu bringen, da wird man entstammten nichtdeutschen Sprachgebieten, der Rest rekrutierte sich Was die Höhe des Lohnes betrifft, so ist leider die amt sich zunächst genügen lassen müssen, eine Summe von Forderungen aus ehemaligen Land- oder Industrie- Arbeitern. Seit 1893 ist die liche Lohnstatistik recht unzuverlässig. Auch die Statistik der Knapp zu vertreten, durch deren Erfüllung erst die Voraussetzung für Abbrödelung des eingesessenen Bergmannsstammes und die Minderung schafts- Berufsgenossenschaft weist zahlreiche Mängel auf. Ein weit weitere Ziele gegeben werden kann. Es ist selbstverständlich, daß feines prozentualen Anteils an der Belegschaft gleichen Schritt ge befferes Mittel zur Erfassung des jeweiligen Lohnniveaus gewährt die Socialdemokratie bei jeder Gelegenheit alle ihre Ziele vertritt, gangen mit der anschwellenden, das Ruhrrevier überströmenden Flut nach Pieper ein Rückblick auf den Gang der wirtschaftlichen aber ebenso selbstverständlich ist es, daß bei einem aktuellen Wahlder fremden Arbeiter. Wie Pieper hervorhebt, bestimmt das zeitweise Entwicklung im Ruhrrevier. Die Gründerzeit schnellte die kampfe das Näherliegende in den Vordergrund gerückt wird. Aber, Sinken des Verdienstes, die zunehmende Proletarisierung der Berg- Arbeiterzahl und das Lohnniveau ganz rapide in die Höhe; da wir so bescheiden und revisionistisch" in unfren Forderungen sind, arbeiterschaft und das Schwinden des früheren Berufsansehens die dann 1875 so jäh hereinbrechende Geschäftsabflauung drückte es so ist wohl mit Sicherheit zu erwarten, daß selbst die Konservativen des manchen Bergmann , feine Kinder einem andren Beruf zuzuwenden. aber für eine lange Reihe von Jahren sehr tief herunter. Noch in preußischen Abgeordnetenhauses sich bereit erklären werden, diese kleinen Einen starken Prozentsaz der Belegschaft bilden die polnischen den achtziger Jahren streifte die Lage der Bergarbeiter mindestens Forderungen zu erfüllen, beispielsweise das gleiche Wahlrecht für Arbeiter, die infolge der schlechten wirtschaftlichen und socialen Lage, an die Grenze eines Notstandes. Vom Herbst 1880 bis zum Herbst Preußen, den Achtstundentag für die preußischen Staatsarbeiter, bie in der sie sich im Osten befinden, in Scharen auswandern. Nur 1881 wanderten aus dem Ruhrrevier allein 1700 sehr tüchtige Berg Berstaatlichung der Bergwerke und die Beseitigung aller agrarischen zum Teil verlassen sie aus eignem Antrieb ihre Heimat; teils werden leute über den Ocean. Erst der Riesenstreit 1889 trieb die Liebesgaben. Die Konservativen werden umsomehr zur Verwirk sie von Bekannten oder Verwandten nachgezogen, teils aber auch Löhne in die Höhe, aber nur für kurze Zeit; fie fielen wieder, lichung dieser winzigen Forderungen bereit sein, als ihr Organ durch Agenten der Ruhrzechen direkt angeworben. Diese Thatsache um dann mit der im Jahre 1896 einseßenden günstigen anerkennt, sie seien geeignet, die bestehende Ordnung zu verbessern. wirft ein bezeichnendes Licht auf die von gewiffer Seite betriebene Konjunktur bis in das legte Vierteljahr 1900 wieder hinaufzugehen- Auch wollen wir der„ Skonservativen Korrespondenz" verraten, daß die Polenpolitik. Dieselben Herren, die im Abgeordnetenhause nicht genug nicht zum wenigsten dank der immer kräftiger sich regenden Untergrabung der bestehenden Ordnung, von der Bebel in Dresden gegen die„ polnische Gefahr" zu wettern wissen, erblicken, sobald sie Bergarbeiter- Organisation. Die Ende 1900 hereinbrechende Krisis sprach, eben gerade auch durch die Beseitigung des ungeheuerlichen selbst einen Vorteil davon haben, in dem polnischen Arbeiter nicht blieb auch auf die Arbeiterverhältnisse nicht ohne Einfluß. Lohn- preußischen Unrechts vermittels der Forderungen des Wahlaufrufes zu mehr den Staatsfeind, sondern eine billige und deshalb willkommene reduktionen, Feierschichten und Arbeiterentlassungen waren die Folge. Wege gebracht wird.
reden:
Arbeitskraft, und sie lassen es sich etwas kosten, die Polen an die Im Mai 1902 waren die Durchschnittslöhne der Gesteins- und Die" Post" sucht ihren Verdruß über die Wirkungskraft des Aufneue Scholle zu fesseln. Denen, die auf den Zechen aushalten, wird Kohlenhauer pro Schicht um 50 Pfennig bis 1 Mark niedriger als rufes durch ähnliche Verlegenheitskünfte zu verbergen. Sie entnach Verlauf eines Jahres eine verhältnismäßig hohe Prämie ge- im Mai 1901, die der Schlepper, Bremser und Abnehmer um 50 bis rüstet sich, daß wir von dem Kampfe gegen die Monarchie nicht zahlt. Ja, selbst wenn eine Krisis droht und Arbeiterentlassungen 75 Pfennig, die der Tagesarbeiter um 50 Pfennig. Der durchbevorstehen, scheuen die Schlotjunker sich nicht, immer neue Scharen schnittliche Rettolohn pro Mann und Schicht war gegen ausländischer Arbeiter anzuwerben, in der Erwartung, daß sie im Mai 1901 je nach Zeche und Revier um zwölf bis gegebenen Moment die Rolle der Lohnbrücker spielen werden. zwanzig Prozent herabgegangen. Diese Lohnminderungen Betrachten wir nun die Arbeitsverhältnisse im einzelnen, so ist resultierten teils aus dem eigentlichen Abreißen der Ge zunächst das Fehlen jeder gesetzlichen Bestimmung über die Länge dinge bezw. Schichtlöhne, teils aus den zahlreich eingelegten der Arbeitszeit hervorzuheben. Das Gesetz beschränkt sich auf Feierschichten, deren Zahl so groß war, daß während einiger die Vorschrift, daß über Anfang und Ende der regelmäßigen täglichen Monate auf vielen Zechen nur bis zu 16 Tagen gearbeitet Arbeitszeit, über Zahl und Dauer der Pausen usw. in der Arbeits - wurde. Noch schlimmer waren die Arbeiterentlassungen. ordnung genaue Angaben gemacht werden müssen, bestimmt aber Manche Bergleute wurden entweder direkt aufs Pflaster gesetzt gar nichts über die Länge der Arbeitszeit. Während früher als oder es wurde ihnen freigestellt, falls sie mit dem herabNormal- Arbeitszeit für den Bergbau die achtstündige Schicht genau gefeßten Lohne nicht zufrieden seien, freiwillig abzukehren. festgesetzt war, ist es heute in das Ermessen der Becheninhaber ge- Alles in allem hat sich seit 1895 der Arbeitslohn im besten Fall, stellt, was in der Regel als Schichtzeit auf den einzelnen unter Mitrechnung der lleberschichten und bei dem Fehler der ungenauen Betrieben zu gelten hat. Da einmal die Ein- und Aus Schichtenberechnung um 32 Proz. gehoben; dagegen weist der Unter fahrt nicht in die Achtstundenschicht eingerechnet wird und da nehmergewinn eine Steigerung bis um 1000 Pro3. auf. man zweitens zu einer allmählichen Ausdehnung der Arbeitszeit Manche Werke zahlten an 50 Proz. Dividenden. Man darf dabei übergegangen ist, um das im Betriebe steckende Kapital immer aber nicht vergessen, daß die thatsächliche Steigerung der Löhne in ihrem Effekt für die Arbeiter sehr zweifelhaft ist, denn mindestens in demselben Grade wie die Löhne sich steigerten, ist auch die Lebenshaltung teurer geworden.
*) Schriften des Vereins für Socialpolitik. 99. Band. Leipzig , Dunder u. Humblot .
**) Münchener Volkswirtschaftliche Studien. 58. Stüd. Stutt gart , J. G. Cotta.
Wir finden in dem socialdemokratischen Wahlaufruf wohl Heftige Angriffe gegen das Dreiklassen- Wahlsystem und noch heftigere gegen das Herrenhaus. Aber die gegen die Monarchie gerichteten Bestrebungen der Socialdemokratie werden darin gänzlich totgeschwiegen. Es liegt in dieser Taktik die Anerkennung der Stärke der königstreuen Gesinnung im preußischen Volke, dem man im Interesse der Partei in dem Wahlaufruf das offene Bekenntnis zum Republikanismus und zur Feindschaft gegen das Königtum der Hohenzollern nicht zu bieten wagt... Männer von wirklich fönigstreuer Gesinnung werden sich natürlich nicht so durch die Maske, welche die Socialdemokratie sich in ihrem Wahlaufruf vornimmt, täuschen lassen, sondern werden daran festhalten, daß die republikanische Tendenz und die Gegnerschaft gegen die Monarchie die Hohenzollern Grundzüge Socialdemokratie sind und demzufolge auch bei ben bevor stehenden Landtagswahlen in den Vordergrund gerückt werden müssen. Man wird nach dem socialdemokratischen Wahlaufruf den antimonarchischen Charakter der Socialdemokratie vielmehr um se kräftiger und um so nachdrücklicher schon aus dem Grunde hervors heben müssen, weil die Angst der Socialdemokratie, sich vor ihren Wählern offen zu dieser ihrer Gesinnung zu bekennen, den sichersten Beweis dafür liefert, daß sie am wirksamsten unter dem Banner der Hohenzollern - Monarchie bekämpft werden kann."
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