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Nr. 246.

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Sine chaton20. Jahrg

Vorwärts

Berliner Volksblatt.

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Telegramm Noreffe: ,, Socialdemokrat Berlin".

Centralorgan der Socialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Mittwoch, den 21. Oktober 1903.

1878-1903.

Du da droben.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984.

Es war im Jahre 1881. Bei der Reichstagswahl hatte die vom Hofprediger Stöcker, Professor Adolf Wagner und andern ins Leben gerufene Berliner Bewegung" eine Rolle gespielt. Diese Leute glaubten die Partei mit socialen Reformen födern zu können. Von der damaligen Regierung wurden die darauf gerichteten An­strengungen gutgeheißen, wie aus dem Verhalten des Ministers v. Puttkamer und offiziösen Zeitungsartikeln hervorging.

Den Kämpfern des Socialistengesetzes! zerstampften Erde eine Heimat zu gestalten. Aber die Gözen Als man gewahr wurde, daß die Socialdemokratie nicht daran treten nicht willig ihre eifersüchtige, enge und grausame Herr- dachte, sich durch das Ausnahmegesetz in ihrer agitatorischen Dieser Tag gehört den Alten, denen, die mit schaft ab. Man muß sie zwingen, bewältigen. Im Socialisten Wirksamkeit beirren zu lassen, und die Wahlerfolge der Partei dabei waren, deren Meut, Bähigkeit, Klugheit den frechen, sinn- gesetz hatte die ältere Generation jenen prometheischen Trotz dies unwiderleglich bewiesen, versuchte man es statt mit der losen Versuch in zwölfjährigem Befreiungskampf überwand, gelernt, ohne den niemals eine große Sache zum Siege ge­Peitsche des Socialistengesetzes mit dem Zuckerbrot der Ver­ den Gedanken in Ketten zu schlagen und das ungestüme, un- führt ward. Daß diese Leidenschaft zum Großen und Höchsten sprechungen! zerstörbare Reifen der Zukunft mit plumpen Händen nie ermatte, sei das Gelöbnis, mit dem wir Jüngeren den zu würgen. Dieser Tag gehört den Alten! Es ziemt Dank an die abstatten, die sich opferten, damit ihr Werk Lebe: sich für die Jüngeren, für die neue Generation, still beiseite Wen Du nicht verlässest, Genius, zu treten und bescheiden zu hören, was unsre Führer der Nicht der Regen, nicht der Sturm Heroenzeit uns zu erzählen und zu lehren haben. Der Haucht ihm Schauer übers Herz. Wen Du nicht verlässest, Genius, Humor lächelnder Erinnerung umflimmert heute wohl die Be­Wird dem Regengewölk, richte von harter Pein, die einst so bitter empfunden ward, Wird dem Schlossensturm Als bei der Reichstagswahl im Ottober 1881 die Genossen Bebel die klaffende Wunde ist zu einem mahnenden, aber nicht mehr Entgegen fingen, und Hasenclever im IV. und VI. Berliner Wahlkreis mit Forts Wie die Lerche, schrittlern zur Stichwahl standen, knüpfte Stöcker mit den Berliner schmerzenden Mal vernarbt. Sie alle stehen heute hoch und Genossen Verhandlungen an, die den Zweck hatten, gegen bestimmte triumphierend über den Tagen, da sie gehegt und geächtet Zusicherungen unsrerseits die Konservativen bezw. Socialreformer und gequält wurden. Denn sie sind Sieger geblieben. Ihr zu veranlassen, in der Stichwahl für die socialdemokratischen Kandi Werk, unter dem sie begraben werden sollten, ist zu herrlicher daten zu stimmen. Später wollten die Konservativen dann auch Größe gediehen. Ihre Propheten- Zuversicht hat sie nicht ge­im Reichstage für die Aufhebung des Socialistengesetzes stimmen. täuscht. Niemals hatten sie, auch im tiefsten Elend nicht, nur Das Stöckersche Anerbieten führte zu einer Verhandlung, die einen Augenblick an dem Recht und der Wahrheit ihrer großen Fünfundzwanzig Jahre sind vergangen seit dem Tage, an dem in dem Redaktionslokal des Deutschen Tageblatts" in der Leipziger­Sache gezweifelt. Die Sache mußte sich durchringen, wenn das Socialistengeset erlassen wurde. Am 21. Oftober 1878 wurde straße stattfand. Das Liebesgirren der socialreformerischen Täuberiche fand bei auch die Kämpfer selbst auf dem wilden Wege hinsinken würden. Die schmachvolle Handlung des deutschen Reichstags Gesez, die in der Socialdemokratie politisch organisierte Arbeiterklasse Deutschlands den socialdemokratischen Teilnehmern an der Konferenz kein williges Dieser starke Glauben an die Sache, diese heilige Religion durch ein Ausnahmegesetz schimpflichster Art der brutalen Polizei- Gehör. Trotz aller Bemühungen der Herren Wagner, Stöcker, der Ueberzeugung hat den Kämpfern des Socialistengesetzes willfür auszuliefern. Was die Polizei durch sinnlose, blind- Diestellamp 2c. fand sich niemand bereit, die uns zugemutete Er das Glück geschaffen, daß sie heute am Gedenktag scheinbarer wütige Verbote von Zeitungen, Vereinen, Gewerkschaften und durch klärung abzugeben. Als alle Lockungen an dem socialdemokratischen Zerschmetterung ein Siegesfest feiern dürfen. Vernichtung nach Tausenden zählender Einzeleristenzen sowie durch Block zersplitterten und die Herren sahen, daß es mit dem Ab­das mit dem Socialistengefeß gezüchtete Spigeltum vorbereitete, schwören der Revolution" so etwa lautete das Schlagwort wurde später von der Justiz durch von Klassenhaß diftierte un- nichts sei, wurde der Vorschlag gemacht, den Parteiführern die glaublich harte Strafurteile vervollständigt. Angelegenheit zu unterbreiten und deren Meinung über die Sache zu hören. Dies geschah, und das jähe Ende des verflucht ge= scheidten Plänchens, die Socialdemokratie in das Stöcker- Wagnerfche Garn zu loden, zeigt sich in einer am 16. November 1881 ber öffentlichten Erklärung der Genossen Bebel und Liebknecht.

erschien.

Das Schmachgesetz.

Wir fagen ausdrücklich erschien. Denn nachdem der erste Schrecken überwunden, richtete die Partei sich auf den durch das Schandgesetz geschaffenen Zustand ein und sehr bald fand mutige Entschloffenheit, getragen von einer Opferwilligkeit ohnegleichen, Mittel und Wege, die Agitation und Propaganda für die Partei in intensiverer Weise als je zuvor trotz Socialistengesetz zu betreiben.

Es ist ein finsterer, Hoffnungsloser Gedanke, daß der einzelne Mensch nach einem Leben voll Bedrängnis und Schmerz plößlich auf immer verschwindet. Der Tod erscheint, in der Zersplitterung des individuellen Einzeldaseins, wie ein Eine Flut von Erinnerungen aus jenen Tagen stürmt auf uns furchtbarer, blind rasender Zerstörer. Die religiösen Be- ein. Die Organisationen zerstört, die Staffen leer, die Genossen ein­schwichtiger solcher Seelennöte erfannen darum jene Erlösung geschüchtert, die Agitatoren ausgewiesen, die Partei- Organe ver­schwichtiger solcher Seelennöte erfannen darum jene Erlösung boten, jeder einigermaßen bekannte Genosse auf Schritt und Tritt im Jenseits, in dem alles sein wird von eitel Freude und strahlende, von Spigeln verfolgt- furz, es war eine Zeit, in der das Partei­ewige Reinheit. Der moderne Mensch, der moderne Gedanke, leben gelähmt und die Aktionsfähigkeit der Partei in Frage gestellt der in der proletarischen Klasse kulturbauend wirkt, kennt besseren Trost. In dem ewigen Leben und Wachsen der Arbeit der gesamten Menschheit, in dem Jenseits auf Erden, erkennt er die Unsterblichkeit des Geschlechts, an der auch der einzelne, sofern er ehrlich, wie immer ruhmlos, mitgearbeitet hat, seine Unsterblichkeit findet. Für den Menschen, der in dem gewaltigen Kulturprozeß der Entwicklung zur freien, all­Wir pfiffen auf das Gefeß, und haben die Bestrebungen der umfassenden Humanität sein Tagewerk redlich geleistet, für bürgerlichen Parteien und der Regierung, die Socialdemokratie durch den giebt es keinen Tod, kein Verschwinden. Mag man die Polizei und Justiz zu ersticken, gründlichst zerschlagen. Wie die Socialisten als Träumer und Narren verspotten, oder als herrschenden Klassen und ihre Polizei- und Justizorgane in der Verbrecher und Gemeinschädlinge verfolgen, daß sie an der socialistengesetzlichen Zeit gewirtschaftet haben, davon legen folgende Wahrheit und den Sieg ihrer Sache glauben, das macht sie Zahlen Zeugnis ab. underwundbar und führt sie zum Sieg. Das ist die religiöse sind nach oberflächlicher Berechnung Empfindung des nicht nur äußerlich sich nennenden, sondern 293 Personen innerlich erfüllten Socialdemokraten, daß er nicht leben möchte, ausgewiesen, von Haus und Hof vertrieben worden. Von Berlin , wenn er nicht durchbrungen wäre von der Idee, daß alle Hamburg- Altona , Leipzig , Frankfurt a. M., Offenbach , Stettin und die Mühsal seiner Arbeit nicht umsonst sei, daß einst die Spremberg find infolge Verhängung des kleinen Belagerungs­zustandes hellere Zeit kommen werde, für die er gekämpft. Von dem 893 Bersonen, Triumph der Zukunft nur erhält die schmerzende Gegenwart davon 304 verheiratet mit 973 Kindern, in die Verbannung gejagt Licht, Inhalt und bedeutungsvollen Sinn. Glaubt an den Sieg und ihr werdet siegen! Kaum Zeitungen und sonstige Druckschriften find ein geschichtliches Ereignis lehrt so eindringlich die Macht der Ueberzeugung, die auf dem Grunde wissenschaftlicher Er- verboten worden. Die erste in Berlin herausgegebene Verbotsliste tenntnis ruht, war das deutsche Socialistengesetz. Dieselben enthielt sehr bezeichnend für das Unterdrückungsgesetz- an der tapferen, unbeugfamen Männer, die ihrer Ueberzeugung einer Spige das Verbot der Gedichtsammlung von Leopold Jacoby Es werde Licht". übermächtigen Welt von Feinden zum Trok den Weg bahnten, haben es erlebt, wie aus der kleinen verfolgten Schar von Gewerkschaften, Unterstützungs-, Vergnügungs- und politische Vereine sind Kezern die stärkste Macht ward, auf deren Ueberwindung oder Zerrüttung im Ernst niemand mehr rechnet. aufgelöst worden.

So ward es erwiesen, daß der opfernde Kampf um die Zukunft des Volks, der Völker kein nuklos Thorenwesen ist. Auch die Tausende, die unter dem Joch des Socialistengesezes rangen, die Weitbekannten wie die Namenlosen, die das heutige Gedent fest nicht mehr mitfeiern können, sie leben dennoch in ihrem Wert; in der Größe und Gewalt der socialistischen Bewegung, so wie sie sich entwickelt hat, webt die Unsterblichkeit ihrer Arbeit und Opfer, sie bleiben an unsrer Seite, in der Schlacht der Geister unfre Mitkämpfer...

Nur allein in Berlin

worden.

Und nun

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die Ehrentafel der auf Grund des Socialisten gefeges verhängten Freiheitsstrafen. Auch hier können nur an­nähernde Zahlen gegeben werden, da es nicht möglich ist, alle Opfer der Prozeß- Epidemie, die durch das Schandgesetz zu jener Zeit über Deutschland hereingebrochen war, genau festzustellen. Die vorhandenen Ziffern zeigen, daß

611 Jahre 6 Monate 23 Tage Strafhaft und 119 Jahre 5 Monate 13 Tage Untersuchungshaft zu verzeichnen find. Zusammen also

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Wir glauben das Andenken an den 21. Oktober 1878 nicht beffer feiern zu können, als durch die Feststellung, daß die Socialdemo­fratie so wenig wie heut vor 25 Jahren gewillt war, den Boden des revolutionären Klassenkampfes zu verlassen.

Das für die Partei und für die Geschichte des Socialistengesetzes wichtige Aktenstück lautet:

Die Mitteilungen des Reichsboten" in Bezug auf die Unter­handlungen, welche anläßlich der Stichwahlen im vierten und sechsten Berliner Wahlkreis zwischen den Führern der Konservativen und Socialreformern( den Herren Prof. Wagner, Hofprediger Stöcker, Diestelkamp 2c.) einerseits und Angehörigen der socialdemokratischen Partei andrerseits stattgefunden haben, veranlassen uns zu folgender Darlegung:

Donnerstagmittag, den 10. November, erschienen hier in Dresden zwei unfrer Berliner Parteigenossen und teilten uns mit, daß zwischen ihnen und den Führern der Konservativen und Social­reformern Unterhandlungen wegen der bevorstehenden engeren Wahlen in Berlin stattgefunden und zu folgendem Resultat geführt hätten: Wir die Unterzeichneten nebst Hasenclever sollten folgende Er­flärung unterschreiben: ,, Wir erklären:

1. Daß wir die arbeiterfreundliche Absicht der deutschen Reichsregierung in ihrer Reform­politit anerkennen;

2. daß wir ernstlich gewillt sind, gemeinsam mit den focial reformerischen Parteien in Frieden an der Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu arbeiten;

3. daß wir hoffen, nach dem Worte eines unsrer Reichstags­Abgeordneten(?), durch energische sociale Reformen die Revolution zu überwinden." geboten:

Ms Preis für die Unterzeichnung dieser drei Punkte wurde uns

1. Die oben erwähnten Führer der Konservativen und Social­reformer wollten dafür eintreten, daß ihre Parteigenossen im vierten und sechsten Berliner Wahlkreis bei der Stichwahl am 12. November für uns stimmten;

2. erboten sie sich alsdann, folgende Gegenerklärung zu unter­zeichnen:

" Dagegen erklären wir, daß, wenn die deutschen Socialisten auf gesetzlichem Wege innerhalb der bestehenden Staats­ordnung die Reform erstreben, wir für die Aufhebung des Socialistengefeges im gegebenen Falle stimmen

werden."

Weiter wurde uns mündlich mitgeteilt: Weigerten wir uns, auf diesen Vertrag einzugehen, so würden die erwähnten Führer die Losung ausgeben: Stimmenthaltung, und dann sei unsre Niederlage in Berlin gewiß.

Wir haben darauf entschieden und bestimmt mündlich erklärt:

Der Tag gehört den Alten. Sie sollen uns schlicht be­731 Jahre und 6 Tage richten, wie es war und ward. Die Jugend aber, die morgen Gefängnis mußten die Arbeiter Deutschlands erleiden, damit die das Alter sein wird, mag sorgen und wachen, daß sie dereinst Bourgeoisie ihre Rachegelüfte an der machtvoll vorwärtsdringenden auch aus reinen Händen das übernommene Pfand über- Arbeiterklasse befriedigen konnte. Jedoch nicht nur dieser, den brutalen Mißbrauch ihrer Macht antworte. Zum zweitenmal raubt prometheischer Trok bezeugenden Thaten unsrer Feinde denken wir heute, sondern wir 1. Daß wir jeden Schacher und Stimmenkauf von uns wiesen; den Gößen das ängstlich gehütete Feuer: wärmendes erinnern uns auch der selbstverständlich erfolglosen Anstrengungen daß wir lieber breitausend ehrlich gewonnene Herdfeuer a II en Menschen bringen, das will der Socialismus. der Reaktion, die Arbeiter durch Lockungen aller Art der social- Stimmen als 30000 erkaufte haben wollen; daß Die Menschheit kämpft, um aus der in Greueln und Flüchen demokratischen Partei zu entfremden. wir nicht in der Lage seien, die mit Erlaß des