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Nr. 144.

Grscheint täglich außer Montags. Breis pränumerande: Stertels jährlich 3,30 Mart, monatlich

1,10 mt, wöchentlich 28 Bfg fret in's Haus. Einzelne Nummer 5 Blg. Sonntags- Nummer mit illufir. Sonntags- Betlage Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 8,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz band: Deutschland u. Defterreichs Ungarn a Mr., für das übrige Ausland 3 Mr.pr.Monat. Gingetr. In der Boft- Beitungs- Besitfte für 1892 unter Nr. 6652.

Vorwärts

9. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg Juferate für dte nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und gefttagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

gern spred- Anschluß: Amt I, Nr. 4 186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Moderne Menschenfresseret.

Donnerstag, den 23. Juni 1892.

Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

fach die Arbeiter selbst die Schuld tragen. So veröffentlicht der aller Rohlenstaub beseitigt und ein Grad der Sicherheit Rompaß", das Organ der Kna, pschafts. Berufsgenoffens gegen Exploftonen erreicht wird, bei dem wir sagen fönnen, fchaft, in feiner neuesten Nummer einen Auszug aus Bro- daß nach unserer heutigen Kenntniß von dem Wesen des tokollen über die legten Sigungen des Vorstandes der Kohlenstaubes eine große Ratastrophe unter gewöhnlichen Es stellt sich immer deutlicher heraus, daß das namen zweiten Settion( Bochum ), in welchem festgestellt wird, daß Verhältnissen ausgeschlossen erscheint." Aber wie steht es nach lofe Unglück, welches die Bergleute der staatlichen Silber- nach amtlichen Untersuchungen zwei Explosionen schlagender unserem Fachmanne mit der Durchführung dieser Sicherheits­grube bei Przibram in Böhmen betroffen, und das beinahe Wetter durch verbotswidriges Deffnen der Sicherheitslampen maßregel speziell in den preußischen Steinkohlengruben? 400 Arbeiter einem grauenvollen Untergang geweiht hat, seitens der Arbeiter und eine durch verbotene Abgabe eines Seine Antwort lautet:" Auf vielen Gruben glaubt man mindestens zu einem guten Theil durch den Mangel an Schusses, gleichfalls seitens eines Arbeiters, erfolgt find. ein Uebriges gethan zu haben, wenn man die Sohle Sicherheitsvorkehrungen verschuldet ist, der in dem staat- Durch die drei Explosionen sind insgesammt 12 Arbeiter an den Arbeitsstellen vor Abgabe eines Schusses benetzt... lichen Bergwert herrschte. Die Einzelheiten, mit denen dies verlegt worden. Hätten die an der Explosion schuldigen Es muß beklagt werden, daß die Betriebsbeamten im All­belegt werden kann, find an anderer Stelle unseres Blattes Arbeiter nicht leichtfertig gehandelt, so hätten sie nicht außer gemeinen dem Vorhandensein des Kohlenstaubes noch zu fortlaufend mitgetheilt und mit dem nöthigen Kommentar den eigenen noch neun andere Berlegungen herbeigeführt. wenig Beachtung schenken und oft an die Gefährlichkeit versehen worden. Der Kapitalismus mit seiner Profitwuth Die Leichtfertigkeit, mit welcher sich manche Arbeiter über desselben erst glauben, wenn sie durch eine Explosion er hat auch im staatlichen Betriebe seine Orgien ge- die Sicherheitsvorschriften hinwegsehen, ist überhaupt noch wiesen ist." Was meinen Ehren- Pindter und Eugen Richter feiert und seine Mission als Menschenfresser erfüllt. immer weit verbreitet. Die sozialdemokratische Presse würde zu dieser Aeußerung? Sie können überzeugt sein, die Die Bergleute müffen auf diese Weise auch in sich, meinen die Berl. Pol. Nachr.", viel eher, als durch Arbeiter wissen die Moral aus diesem fachmännischen ben zurückgebliebenen Gegenden Großczechiens merken, ihre nebelhaften Bersprechungen, dadurch ein Verdienst um Gutachten zu ziehen. Wissenschaft und Erfahrung lehren to der Hase im Pfeffer liegt, daß es ein System zu be die Gesammtheit der Arbeiter erwerben, wenn sie dieser den Unternehmer, daß das Benegungsverfahren im inten tämpfen gilt und daß dieses System nur ausgerottet werden Leichtfertigkeit entgegentreten würde." Das Pindterblümchen, fivsten Maßstabe zur Sicherheit der Arbeiter in den Stein fann durch eine kräftige sozialistische Bewegung. Die Waisen sozialdemokratische Blätter hätten aus solchen Anlässen fohlen- Gruben eingeführt werden muß. Dennoch geschieht es ber 360 Opfer von Przibram find ein Heer neuer Rekruten behauptet, daß bei der sozialdemokratischen Wirthschafts- nicht. Weshalb? Weil es Geld toftet und Arbeiterleben für die mächtige, sozialdemokratische Armee. Ordnung solche Unfälle nicht vorkommen würden", wollen billig find. Ist das nicht moderne Menschenfresserei in Noch etwas Anderes gilt es aber angesichts der Rata wir uns nebenbei pflücken. Vorläufig dreht es sich um den Preußisch- Deutschland wie in Desterreich? Und der bürger­strophe in Böhmen zu betonen, und zwar speziell für uns in Nachweis, daß die kapitalistische Wirthschaftsordnung liche Klassenstaat, der die Unternehmer durch Gesez zur Deutschland . Unsere Bergwerksunternehmer sind auch keine die Unfälle geradezu provozirt, und um diese unangenehme Einführung der Sicherheitsmaßregel zwingen fönnte, schaut besseren Menschen, als diejenigen in Desterreich, und es ist Wahrheit möchten sich Pindter- Richter gern herumbrücken. mit verschränkten Armen ruhig dem frevlen Spiele zu. immer gut, dies bei Zeiten, namentlich unter dem Eindruck Es dreht sich um den Nachweis, daß die Gewiffenlosigkeit Es müßte ja tein Klassenstaat sein. Uebrigens dementirt solcher erschütternder Ereignisse, wie das letzte, festzustellen. und Gewinnsucht der Unternehmer die Hauptursache, die der Gelsenkirchener Bergmeister die Pindter, Richter und Dann ist doch die Verantwortlichkeit für jeden Fall rein- Borbedingung dafür sind, daß Unvorsichtigkeiten der Ar- Konsorten bis auf ihre Lampengeschichte herunter, lich gegeben und die Wahrheit der Bourgeoisie zum Trog beiter überhaupt folche grauenhafte Folgen haben tönnen. indem er sagt, daß Lampen ohne innere Zündvorrichtung aus ihren Hüllen herausgeschält. Machte doch die ganze Und da wirft denn nun ein fachmännisches Urtheil, das wir nicht mehr auf der Höhe der Zeit stehen. Man rechne noch Bourgeoispresse erst kürzlich wieder einmal so einen schönen mitten in einem Bechenbefizerorgan finden, die ganze Beweis- viel zu wenig mit der Bequemlichkeit der Arbeiter, Beit Berdunkelungsversuch. Eugen Richter Arm in Arm mit führung" Ehren Pindter's und Ehren- Richter's über den oder einen ihnen unbequemen Weg zu sparen". Ehren- Pindter, diese beiden Helden brachten in der Frei- Haufen. Im Essener Glückauf", dem Fachorgan der rheinisch- Als ob nicht jede halbe Stunde Versäumniß dem Berg finnigen" und in der Norddeutschen Algemeinen Zeitung" westfälischen Grubenbefizer, wird ein Vortrag des Berg- arbeiter einen Verlust am färglichen Verdienste brächte! eine jener gehäffigen Notizen, in deren Wiedergabe das meisters Meißner- Gelsenkirchen über Bergwertsunfälle wört Das beste Mittel dagegen ist, den Leuten eine Lampe in würdige Brüderpaar mit einander zu wetteifern pflegt. Da lich veröffentlicht, welcher der Wahrheit die Ehre giebt. bie Hand zu geben, die sie gefahrlos von innen entzünden hieß es: Man fann häufig in sozialdemokratischen Blättern Dieser Bergmeister hat zunächst die oberbergamtliche Vor- können." Was den Unternehmern natürlich gar nicht ein­der Behauptung begegnen, daß von den Unfällen, von schrift vorbereiten helfen, die für den Oberbergamts- Bezirk fällt es ist ja so bequem zu sparen und dann auf die welchen die Arbeiter leider in den einzelnen Berufszweigen Dortmund vorschreibt, daß Arbeiter, welche des Deutschen Nachlässigkeit der Arbeiter zu schimpfen oder schimpfen zu betroffen werden, die heutige Wirthschaftsordnung oder die nicht mächtig sind, unter Tage nicht beschäftigt werden lassen!

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"

" Gewinnsucht" der Arbeitgeber die Schuld trage. Nament- dürfen. Bekanntlich haben die Bechenbefizer die polnischen Noch manche andere Art moderner, tapitalistischer lich ist diese Anschauung zum Ausdruck gekommen, wenn es Arbeiter nach 1889 maffenhaft eingestellt, die Menschenfresserei kann vorläufig in dieser schönsten aller.

sich um die Verunglückung von Bergarbeitern durch einheimischen, die sich Bergarbeitern durch einheimischen, die sich am Streit betheiligt hatten, Welten" forteristiren trotz der Kultur des 19. Jahrhunderts. schlagende Wetter handelte. Dann konnte man in der ihre Nache fühlen zu lassen. Leben und Gesundheit der Aber sie wird auch noch ihren gerechten Richter auf dem fozialdemokratischen Presse spaltenlange Ausführungen lesen, übrigen Bergleute galt ihnen bei diesem Manöver gar Tribunale der Weltgeschichte finden. welche die Arbeiter glauben machen wollten, daß bei der Nichts, und der Bergmeister Meißner sagt ganz richtig:

fozialdemokratischen Wirthschaftsordnung solche Unfälle nicht vorkommen würden. Nun ist es ja sehr leicht, Versprechungen dieser Art zu machen, weil an die Möglichkeit ihrer Ein­Lösung nicht gedacht werden kann. Indessen zeigen doch die Thatsachen, daß an den durch schlagende Wetter hervor gerufenen Unglücksfällen nicht die heutige Wirthschaftsordnung, auch nicht die Gewinnsucht" der Arbeitgeber, sondern viel

Feuilleton.

Magbrua verboten.)

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Am Webstuhl der Zeit. Beitgenössischer Roman in 3 Büchern von A. Otto Walster .

" Das ist nun vorüber, damit habe ich auch nichts zu thun, es tommt nun auch überhaupt nicht mehr in Frage. Ich habe hierüber auch fein Urtheil."

Rönnen Sie nicht noch einen energischen Versuch machen?"

"

Eine derartige Beschäftigung widerspricht völlig dem Geiste der bergpolizeilichen Vorschriften. Denn wie will man eine Befolgung der legteren von Leuten erwarten, welche solche wegen mangelnder Sprachkenntniß gar nicht verstehen?"

Aber das ist nur ein Theil der Ausführungen des Fachmannes. In dem anderen wendet er sich zu dem Be­negungsverfahren, durch welches in den Steinfohlen- Gruben

Wie?" rief der Ministerpräsident, was meinen Sie? Se. Wajestät? Wohin sollen wir reisen?" Se. Majestät haben geruht, soeben in Ihre Residenz zurückzukehren", erklärte der Adjutant steif.

" In die in Aufruhr begriffene Stadt? Nun, das ist ja wunderbar. Kommen Sie, Exzellenz. Wir eilen, Herr Adjutant, Sr. Majestät unsere unterthänigste Aufwartung zu machen."

In der That war der Monarch auf erhaltene Runde von den bevorstehenden ernsten Konflitten in seine Residenz zurückgekehrt, ohne in irgend einer Weise von den Insurgenten behelligt worden zu sein. Nur kurz vor den Thoren wurde der Wagen angehalten und an den Landkommandanten davon Nachricht gebracht. Reinisch ritt sofort nach dem Punkte und rief schon von Weitem:

Laßt die Wagen frei; wir führen keinen Krieg mit Wenn es gewünscht wird, muß ich's thun. Ich müßte dem König, sondern nur mit seinen schuftigen Ministern." meine Truppen zusammenziehen und durch Bombenwerfen Berwirrung in die Reihen der Arbeiter zu bringen ver Der Monarch hatte sich hierauf aus dem Wagen ge­suchen. Aber großen Schaden verursacht's und viel Blut beugt, den Kommandanten zu sich bitten lassen, und ihn, foster's, das muß ich vorbemerken, damit mir später tem der mit dem Hute in der Hand erschien, gefragt:

Borwurf daraus entsteht."

Und den beregten Rückzug würden Sie dann immer noch ausführen können?"

Ich würde ihn auf jeden Fall im Auge zu behalten haben."

Nun, dann in Gottes Namen, noch einmal mit aller Entschiedenheit; es wird schon gehen. Und wenn die Stadt in Trümmern gehen sollte, der Staat muß unter allen Um­ständen gerettet werden."

" Wer sind Sie?"

" Joseph Reinisch ist mein Name."

Was find Sie"

" Bauer und Müller zu Bleichungen, Ew. Majestät." " Und gegenwärtig?"

Mitglied der revolutionären Regierung und Ober­Kommandant über die Mannschaften in der Umgebung der Stadt."

Wollen Sie mich in die Stadt begleiten?" " Bu Diensten, Majestät; ich will nur den Stellver­Und Reinisch war im Gefolge des Königs in die Stadt

Raum war diese Erklärung abgegeben, als ein Flügel­adjutant eintrat und die beiden Exzellenzen ersuchte, sofort bei treter beauftragen." feiner Majestät zu erscheinen.

Politische Uebersicht.

Berlin , den 22. Juni.

Die Junischlacht. Der 23. Juni ist ein Gedenktag, mit blutrothen, blutigen Lettern eingeschrieben in die Ges

gekommen, war mit ins fönigliche Schloß geritten, wo er abstieg und eingeladen wurde, einzutreten.

Kurze Zeit darauf erschienen infolge der erwähnten Bestellung der Minister und der General. Letzteren forderte man zuerst auf, einzutreten, um dem Könige ausführlichen Rapport zu erstatten. Nach Anhörung desselben runzelte der König die Stirn und sagte:

Also beinahe geschlagen? Das ist das Allerschlimmste bei der Sache. Gehen Sie, Herr General, und suchen Sie sogleich einen längeren Waffenstillstand zu Stande zu bringen. Sprechen Sie mit Herrn Reinisch, der im Schlosse anwesend ist, und eilen Sie, ich bitte."

Darauf wurde Dr. Raffmaus gerufen, der mit ziemlich verlegener Miene eintrat.

Der König ging rasch auf ihn zu und rief: Ach, Herr Minister, in welchem Zustande muß ich meine Hesidenz wiederfinden; es hat mich sehr betrübt." Mich gewiß nicht minder, Ew. Majestät können ver sichert sein."

Und für mich so unvermuthet, da mir darauf vor bereitende Nachrichten in feiner Weise zugegangen."

" Die Besorgniß, Ew. Majestät in vielleicht gänzlich unbegründete Unruhe zu versehen, und später das Unter brechen der Telegraphen- und Eisenbahnlinien sind die Ur­sache." " Befanden Sie sich, Herr Minister, und befinden Sie sich noch bei Ihrem Vorgehen in Uebereinstimmung mit den Herren Kollegen?"

Jm Anfang waren wir etwas getheilter Meinung, die sich indessen mit der Zeit ausglich, und so darf ich sagen, daß ich mich, nachdem der Handelsminister, Herr Dr. Luz, sein Portefeuille definitiv niederzulegen sich trot der Abwesenheit von Ew. Majestät nicht abhalten ließ, mit