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Nr. 170.

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Vorwärts

Berliner Volksblatt.

21. Jahrg.

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Zelegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin ".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Enttäuschungen.

Ein Radblid auf den Kongreß der christlichen

Gewerkschaften.

Freitag, den 22. Juli 1904.

Der Klerus steht

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mit vereinzelten Ausnahmen

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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984.

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Wollten die christlichen Gewerkschaften Arbeiterorganisationen eingegangen ist. Trotzdem wieder eine Merkwürdigkeit!- wenigstens genannt zu werden verdienen, dann mußten sie sich mit sollen Freitag die Plaidoyers gehalten werden, die bis zum Schluß Socialpolitik- wenn auch in der Klerikal verwässerten Form- be- der Beweisaufnahme nur als Eventual- Plaidoyers gelten können. schäftigen; fie mußten schon der Agitation wegen- praktische Man griff im Interesse der Zeitersparnis zu diesem Notbehelf, nach­Forderungen stellen, Lohnerhöhungen anstreben, sich an Ausständen dem sowohl Staatsanwaltschaft wie Verteidigung erklärt hatten, daß Der fünfte Kongreß der christlichen Gewerkschaften ist am Mitt- beteiligen, furz: alles das thun, was in den Augen jedes auf den die Auskunft Rußlands auf ihre Rechtsauffassung keinen Einfluß habe. woch zu Ende gegangen. An diesem Tage war die geschlossene Brofit bedachten Mannes als socialdemokratisch" gilt. Von der Zeit Die Staatsanwaltschaft will wirklich die Anklage in ihrem Generalversammlung des Gesamtverbandes. Die Wahrheit ist zwar ab war es aber auch aus mit dem Wohlwollen der früheren Gönner. ganzen Umfange aufrecht erhalten. Sie sieht die die höchste Tugend des christlichen Mannes, und sein Bekennermut ist über allem Zweifel erhaben, aber es giebt doch auch für denkt, als die Gesamtheit der in ihm vereinigten Intereffengruppen, feinem Strafantrage hinreichend verbürgt. Das Centrum, das als Partei schließlich auch nicht anders Gegenseitigkeit durch das Versprechen des russischen Botschafters in Christenleute eine Wahrheit, die das Licht nicht verträgt, die wünscht die christliche Gewerkschaftsbewegung gegenwärtig zu allen Nach Erledigung der Schriftenprüfung gelang es dem Ersten nur hinter verschlossenen Thüren verhandelt werden kann. In der Teufeln. Das wird bewiesen durch das Treiben der Berliner Rich- Staatsanwalt", Mar Lorenz, der einst in Königsberg als social­nicht öffentlichen Versammlung wird jedenfalls das Treiben der so tung, die der Zustimmung der Fraktion und des Episkopats sicher demokratischer Redakteur seine Carriere begann und jetzt als frei­genannten Berliner Richtung zur Sprache gekommen sein. Man begreift ist; das wird bewiesen durch das Verhalten der Centrumspreffe, williger Nebenstaatsanwalt jede Nummer seiner antisocialdemokratischen die Scheu der Chriftlichen, diese Dinge offen zu erörtern, wenn man über deren schofle Hinterhaltigkeit auf dem Essener Kongreß nur eine Korrespondenz" in holdem Demumziantenwahn dem fungierenden weiß, daß diese Richtung sich gedeckt weiß durch die hohe Geistlich- Stimme war; und es wird nicht widerlegt durch das Verhalten Staatsanwalt zustellt, noch einen Schlag zu thun, der so heftig keit und die Centrumsfraktion. Ebenso versteht man es, daß die Erörterung über das Verhalten der Presse den christlichen Gewerk- einiger Abgeordneten und Blätter des Centrums in den Großstädten zurückwirkte, daß der Schläger die erlittenen Schwellungen mit Blei­Erörterung über das Verhalten der Presse den christlichen Gewerk des Westens, die sich der christlichen Gewerkschaftsbewegung an wasser wird fühlen müssen. Ein staatsanwaltlicher Triumph sollte schaften gegenüber dem Tageslicht entzogen ward. Wenn in Essen nehmen, weil man von dieser Seite besorgt ist um die Reichstags- die Beweisaufnahme krönen und den tiefen nachhaltigen Ein­die Redner in ihren Klagen über die Gleichgültigkeit, ja Feindselig mandate der Industrieſtädte. druck, den die Verteidiger sowie ihre Zeugen und Sach feit der Presse in Arbeiterfragen, insbesondere der christlichen den verständigen bewirkt hatten, im letzten Augenblick wieder zerstören. Gewerkschaftsbewegung gegenüber, es unterließen, eine es unterließen, eine be christlichen Gewerkschaften feindlich gegenüber, und var je höher Lange hatte der Staatsanwalt den Pfeil auf dem Bogen zurüd­stimmte Partei zu nennen, fo wußte und merkte doch hinauf, desto feindlicher. Wir im Münsterlande haben nicht unter behalten. Nun schoß er Yos er traf und den Boden bedeckten jeder, daß bie Centrumspresse gemeint war, von den Socialdemokraten, sondern unter den Geistlichen zu leiden, die uns die Leichen der Mag Lorenz und seiner Denunzianten der es nach der Ansicht des der Ansicht des Gewerkschaftssekretärs Steger schlimmer verfolgen als die Industriellen" sagte ein Redner in Effen. Der Triumph des Staatsanwalts wurde zu einem das Ende fiegreich wald nicht fünf Blätter giebt, die sich der Sache der Arbeiter in ihren wirtschaftlichen Intereffentämpfen an 8ünstler, was sollten sie, deren Ziel der Profit ist, den christlichen Und der christliche Unternehmer, der Fabrikant wie der tränzenden Erfolg der Verteidigung. Der Erste Staatsanwalt beantragte plöglich, nachdem das ganze nehmen. Diese und die andre Frage eingehend vor der Deffentlich Bruder Arbeiter anders behandeln, als den roten Umstürzler", Belastungsmaterial erschöpft war, die Verlesung jenes Jstra". feit zu verhandeln, ist eine figliche Sache; man hat vorläufig noch wenn er höheren Lohn, fürzere Arbeitszeit fordert, wenn er streift Citats, welches Lorenz und die" Post" vor einigen Tagen Grund auf beiden Seiten, einander zu schonen; sind die Beziehungen und hegt" wie dieser auch. Sie haben von den christlichen Gewert veröffentlicht haben, um zu beweisen, daß auch die social­zwischen Centrum und christlichen Gewerkschaften auch lange nicht schaften erwartet, daß sie den socialdemokratischen Streifvereinen" demokratische Arbeiterpartei Rußlands den Terrorismus fördere. mehr die besten, so hält man es beiderseits doch für zu gewagt, die entgegenarbeiten, statt mit ihnen gleiche Wege zu wandeln, daß sie Die Verteidigung erklärte, fie müßte über diesen Antrag erst be­feimenden Gegensäge zum offenen Bruch zu treiben Behandlung dieser Fragen, die ins Politische gehen, fernab von der feit zu verfallen und dazu anzureizen. Und nun kommt in Essen Enthüllung hinzu, er müsse ehrlicherweise bekennen, daß er von mit dem gebotenen Hungerlohne sich begnügen, statt in Begehrlich raten, und Haase fügte mit lächelnder Gleichmütigkeit die hübsche Deffentlichkeit. Leuten vor, daß die Christlichen mehr als die andern Organisationen denn er habe in seiner Stellung als Verteidiger erfahren, daß die gar einer von ihnen und rechnet mit einem gewissen Stolz seinen der neuen Information des Staatsantvalis bereits unterrichtet sei, an Streits und Lohnbewegungen beteiligt gewesen seien! politische Polizei Berlins den Staatsanwalt mit den" Post"- Daß unter solchen Umständen die Behörden ihre Haltung Artikeln versorgt habe. Der Erste Staatsanwalt wußte änderten, versteht sich von selber in einem Staate, wo der gute in Beamte seine Rolle als Schüßer der Ordnung und der Gesetze nicht Verteidigers der Verblüffung über diese diese gute Information des nur zu erwidern, daß er die" Post" lese. anders auffassen darf, als im Sinne und im Interesse der Aus- Der Aermste wird in der That überreichlich mit diesen Denunziationen beuter und Scharfmacher. Die Zeiten, wo Polizeikommisfare Ehren- belästigt. Er erhält sie gleich dreifach zugestellt: von Lorenz, der mitglieder von christlichen Gewerkschaften waren, find vorüber. Heute Redaktion der" Post" und der politischen Polizei, dieſem geheimen werden, wie das in Essen immer wieder erklärt wurde, die christ- Dreibund gegen die russisch- deutsche Freiheit. Die Verteidiger zogen lichen Arbeiter nicht anders behandelt als die Mitglieder der vater- fich zur Beratung zurück. Bald fehrten sie wieder, äußerst heiter landslosen Notte. und zufrieden, und beantragten, den ganzen Artikel der Jskra",

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daher die

Es waltete in Effen eine im Vergleich zu den früheren Ta gungen der christlichen Gewerkschaften recht gedrückte Stimmung. Die Referate wurden ohne äußerlich bemerkbares Interesse entgegen­genommen; kaum erhob sich eine Hand zum Beifall, der früher so reichlich tönte; kaum hörte man ein Bravo oder sonst ein Zeichen besonderer Teilnahme. Inhaltlich boten die Referate allerdings weder etwas Neues noch Aufregendes, wenn auch anerkannt werden soll, daß die Referenten wie die Diskussionsredner gegen früher ein merklich höheres Maß von sachlicher wie rednerischer Schulung be­twiesen, wobei allerdings in Betracht zu ziehen ist, daß von den 60 Delegierten nur ein Teil und dazu meist Gewerkschafts­

beamte das Wort nahm.

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Post".

In der That, die Christlichen haben alles gethan, sich das Wohl- dem das Citat entnommen war, zu verlesen. Da wurde der Sind nun die Verhandlungen, Debatten und Beschlüsse des wollen der maßgebenden Stellen und Personen zu verscherzen, auf Erste Staatsanwalt ſtubig. Er beriet sich mit dem Sach christlichen Gewerkschaftskongresses nicht geeignet, besonderes Interesse das sie am Anfang so stolz waren. Noch zur Zeit der Zuchthaus - verständigen Dr. Rost und zog alsdann stotternd seinen Un­zu erwecken, so eröffnen sich im Hintergrunde der öffentlichen Vor- vorlage fündete in Köln der Arbeiterfekretär Giesberts: Die christe trag zurüd, nachdem er den Sachverständigen ersucht hatte, gänge Ausblicke auf desto beachtenswertere Erscheinungen. Es ist alles so lichen Arbeiter würden sich nicht an dem Protest gegen das Wert der die Bedeutung des russischen Wortes für" Blutvergießen" zu er ganz anders gekommen als die Chriftlichen sich den Verlauf der Regierung beteiligen; sie hätten die Hoffnung, daß es nicht so schlimm örtern. Der Staatsanwalt hat sich nämlich überzeugt, daß von Dinge gedacht haben. Die christlichen Gewerkschaften wurden ge- gemeint sei und sich alles zum besten wenden werde. Und heute dem Blute der Arbeiter, nicht des garen und der Zaren­gründet, um dem Vordringen der Socialdemokratie berwirft derselbe Herr Giesberts auf dem Kongreß in Essen die diener, die Rede sei. Warum mußte auch der Erste Staatsanwalt in katholischen Gegenden, namentlich im Westen, wo die Bewegung reichsgesetzliche Arbeitslosen- Versicherung, weil er in ihr den Tod der den Lorenz und Rubkopf auf den Leim gehen!

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entstand, Einhalt zu thun; man wollte die katholischen Arbeiter Arbeiterbewegung sieht, indem eine reaktionäre Regierung Durch den staatsanwaltlichen Verzicht auf die Verlesung des fernhalten von der Berührung mit den andersgesinnten Klassen die ihr dadurch gegebene Macht auf die Vermittelung der Arbeit zur Citats ist nun die Deffentlichkeit leider auch um die Kenntnis des brüdern; auch in wirtschaftlichen Dingen sollten sie, wie auf Bernichtung der Arbeiterorganisationen benußen werde!" Jskra"- Artikels gekommen, eines schönen Dantartikels für die politischem und religiösem Gebiete, wider einander stehen. Und da Wie haben ehedem die Christlichen über die Höhe der Beiträge deutsche Socialdemokratie aus Anlaß der Ruffendebatten im Reichs­das Centrum mit Recht erkannt hatte, wie die wirtschaftliche und die zahlreichen Beamten bei den freien Gewerkschaften gezetert, tage. Es wird darin der Sieg der russischen Revolution angekündigt Annäherung und Einigung auch bald zur politischen führt, schuf es über die Arbeitergroschen und die Ausnutzung der Armen und und verheißen, daß, wenn die Freiheit Rußlands erkämpft sein die chriftlichen Gewerkschaften. Die Rechnung war schlau, aber das Wermsten und heute heißt es in Effen: höhere Beiträge, werde, diese Freiheit auch nach Westeuropa hinüberströmen werde Ergebnis stimmte dennoch nicht! mehr Beamte für die christlichen Gewerkschaften! als Dank für die von Westeuropa den russischen Kämpfern er Wie haben die Christlichen gewigelt über die Partei- wiesenen Dienste. weiber", die in der Agitation für die Gewerkschaftsbewegung Aber ein andres wurde heute ins Licht der gerichtlichen Deffent­thätig waren- und heute saß in Essen ein halbes Dutzend weiblichkeit gerüdt. Wenn auch die terroristischen Schriften unter der licher Delegierte, von denen sich vier an der Debatte be- Maffe der focialdemokratischen Litteratur verschwinden, wenn sie teiligten, und zwar ganz wacker und geschickt! auch sofern es sich nicht bloß um einzelne Drientierungs­Wie haben die Christlichen im Bewußtsein ihrer Treue zu Thron exemplare handelt offenbar von unlauteren Elementen unter die und Altar gehöhnt über die Internationalität der Social- rein socialdemokratischen Schriften zur höheren Ehre dieses Prozesses bemokratie und heute ergeht von Essen der Ruf: Christliche eingeschmuggelt sind, wenn auch die ruffische Socialdemokratie, arbeiter aller Länder, vereinigt Euch! wie die deutsche, den Terrorismus berwirft, so galt es doch,

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Die Socialdemokratie ist riesenhaft gewachsen und hat auch in Centrumsgegenden bedeutende Fortschritte gemacht trotz der christ Tichen, richtiger: ultramontanen Gewerkschaftsbewegung. Die freien Gewerkschaften sind zu einer Höhe gediehen, an die man vor einigen Jahren noch nicht dachte, während die christlichen Gewerkschaften, die sich bermaßen, um ihre Fahne alles zu sammeln, was nicht social­demokratisch, was gläubig und gutgesinnt war, sie stehen auf 100 000 Mitglieder und haben dadurch, daß sie in einem Jahre der leb haftesten politischen und wirtschaftlichen Bewegung ganze 8000 Mann zugenommen haben, aufs deutlichste bewiesen, daß sie auf dem toten So giebt es Wandlungen, Mauferungen und Enttäuschungen auf selbst diese Verzweiflungsthaten, diese persönlichen Notwehrakte gegen Bunft angelangt find. Und was diese Hunderttausend von Mit allen Wegen: beim Centrum, beim Klerus, beim Unternehmertum unmittelbare ruffische Brutalitäten menschlich begreifen au gliedern bedeutet, erkennt man daran, daß davon 60 000 auf und nicht zum wenigsten bei den christlichen Gewerkschaften. Mit lehren. In der nüchternen Sachlichkeit einer Dokumentensammlung, die Ruhrbergleute und die Textilarbeiter fommen, so daß also tausend Masten schifften sie hinaus und still, auf einem von der ohne ein Wort der Kritik und gerade durch diese bloße Aneinander­40 000 christlich organisierte Arbeiter sich auf die sämtlichen Socialdemokratie entliehenen Boot, fehren sie heim. Die eine Auf- reihung gewaltig erschütternd, gab Buch hola unter seinem Zeugen­übrigen Berufe verteilen; daß weiter 80 Proz. der christlich organi- gabe: die Socialdemokratie zu überwinden und der tlassenbewußten eide die Motive für die einzelnen russischen Attentate an: von der fierten Arbeiter in Rheinland Westfalen fizen. Man begreift die Gewerkschaftsbewegung Einhalt zu thun, haben sie ebensowenig zu er- Ermordung Alexanders II. bis zum Attentat Hirsch Leckerts auf den Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit der christlichen Gewerkschafts- füllen vermocht, wie die andre: die gläubige Arbeiterschaft in mächtiger Beitschenhelden Wahl. Schließlich tauchten auch die Rischinewer bewegung und man begreift die trübe Stimmung, die sich in Essen Masse unter der christlichen Fahne zu sammeln. Sie haben im Gegenteil Blutgreuel, Entsezen verbreitend, empor. bemerkbar machte. -sieht man von einigen Agitationsphrasen ab fich der von ihnen Jm Gerichtssaal war es lautlos still geworden. Die Mensch­Anfänglich genossen die christlichen Gewerkschaften das ergiebigste als socialdemokratisch bezeichneten Prayis anpassen müssen, aus lichkeit breitete ihre Flügel aus. Auch am Richtertische blieb man Wohlwollen des Centrums, des Klerus, der Behörden und der Unter Selbsterhaltungstrieb. Was sie geleistet haben und was sie nicht nicht unbewegt. Nun verstand man alles, auch die wildesten Worte nehmer. Schon der manchmal verleugnete, manchmal zugestandene, geleistet haben es ist in gleicher Weise eine Anerkennung der heißblütiger Empörer, die nicht gelernt haben, politisch zu denken... immer aber erkennbare 8wed der christlichen Gewerkschaften, der flassenbewußten Arbeiterbewegung, wie sie durch die Socialdemokratie Mögen fie urteilen, wie sie wollen- der russische Ab­Socialdemokratie und den als socialdemokratisch geltenden Gewerk- vertreten ist. schaften entgegenzuarbeiten, machte sie wert der Unterstützung aller Gutgesinnten. Aber das ist anders geworden. Als sich zeigte, daß fie die Socialdemokratie nicht zum Stillstand bringen fonnten, da wandelte sich die anfängliche Gunst in Gleichgültigkeit, die fich in offene oder versteckte Feindschaft verwandelte, als gar die christlichen Gewerkschaften, mitgezogen und getrieben von der übrigen Arbeiter­Der Prozeß des Zaren. bewegung , auf socialdemokratische" Wege gerieten, denn Social- Königsberg, 21. Juli. ( Privatdepesche des Borwärts".) demokrat ist in den Augen gewisser Leute jeder Arbeiter, der fünf Die Beweisaufnahme wurde heute zwar zu Ende geführt, konnte Pfennig mehr Lohn den Tag beansprucht" sagte in Essen ein aber nicht geschlossen werden, weil die Auskunft der russischen chriftlicher Arbeiter. Regierung über das Gegenseitigkeits- Gesetz immer noch nicht nommen hat.

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Politifche Ueberlicht.

Berlin , den 21. Jult.

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folutismus bleibt der Verurteilte und mit ihm im Karren sigen seine Helfershelfer und Förderer in Deutschland . Tua res agitur" um deine Sache handelt es sich so schloß der preußische Justizminister Schönstedt seine Rede in der Muffendebatte des Reichstages. Nein, wir weisen den Schimpf zurück, daß es unsre Sache sei, das System von Kischinew und Wilna , der Pobjedonoszew, Wahl und Ssipjagin zu verteidigen. Welche furchtbare Selbst­bezichtigung, wenn der preußische Justizminister russische Barbarei und den Kampf gegen ihre Befreier als seine Sache auf sich nimmt, in deren Dienst er diesen Prozeß unter seine Protettion ge­