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Kr. 260, HbonncmenfS'BcdlngUftgen: IldonnementS- Preis pränumerando: Werteljährl. 3£0 Sftt., monatL 1,10 Ml. wöchentlich 28 Psg. frei ins Hau). einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit Uufiricrter Sonntags- Betlage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungan» L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. 21. Jahrg. Ole Tnfcrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespallene Kolonel« geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. Kleine Hnreigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Jnicrate für die nächsle Nummer müssen biS 5 Uhr Nachmittag) in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Crfibelnt«glich außer lstontaa», Devlinev VolksblÄkk. relegramm- Adresse: ,.S«alaIileili»llni Berlin ". Zentralorgan der fozialdemohrati fchen parte! Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstraaac 69. Kernfprechcr:?lmt IV. Rr. 1983. Freitag, den 4. November 1904. 6xpcdition: SM. 68, Lindenetrasac 69. Fernsprecher: Nmt IV. Nr. 1981. Der Wahlkampf in Italien . Rom , 31. Oktober. lEig. Ber.) Der Waylkampf ist in ganz Italien im vollsten Gange. Nicht mehr eine Woche trennt uns von den Haupttvahlen, und die Häupter der ver- schiedenen Fraktionen unterbreiten in großen Reden ihr Wahl- Programm den Wählern und dem Lande. Vorgestern hat S 0 n n i n 0, der L e a d e r der konservativen Opposition, gesprochen, eine nichtssagende Rede, in der sehr viel von Freiheit und Volksrechten vorkam. von der Not der Armen, der die Regierung steuern müsse und so weiter. Das einzig Deutliche war der Teil, wo sich Sonnino gegen die Organisationen der Arbeiter wendet, die er einen Staat im Staate nennt und für deren Wirksamkeit er besondere gesetzliche Regelung fordert. Alles in allem eine kümmerliche Rede, ebenso schtvach wie das Programm Giolittis, mit dem Unterschiede jedoch, daß eben kritifiercn leichter ist als besser machen und daß es darum dem von der Regierung ausgeschlossenen Politiker viel leichter gewesen wäre, ein innerlich logisches, durchdachtes und verlockendes Programm vor- zulegen als Giolitti, der als Chef des Kabinetts sich den Luxus rein dekorativer Reformpläne nicht mehr leisten kann. Gestern kam die Reihe an S a c ch i, den Führer der nach ihm benannten Fraktion der Radikalen. Von allen war wohl seine Rede die am meisten erwartete. Die Hauptbesorgnis des Abgeordneten von Cremona ist, zu beweisen, daß die Spaltung der äußersten Linken nicht von einer Gesimnmgsänderung der Radikalen, sondern von einem Abschwenken der Sozialisten ins revolutionäre Lager bestimmt wurde. Hier liegt der Fehler in der Stellung des Problems. In der Tat ist weder der eine noch der andere abgeschwenkt, sondern Sozialisten und Radikale trennten sich eben, weil jeder seinen eigenen Weg weiterging, wie ihn die Logik seiner theoretischen Voraus- setzungen und die geschichtliche Entwickelung vorschrieben. Beide Parteien waren wie zwei Menschen, die im Heranwachsen einander fremd werden, um so fremder, je mehr ein jeder seine eingeborene Eigenheit entfaltet. Da ist kein Grund zum Streit und zum Hader, nur ist eben die Stunde zum Abschiednehmen gekommen. Des weiteren sprach Sacchi von dem, nach seiner Anficht neuem sozialistischen Prinzip, nach dem der Streik ein wirksames Mittel der politischen Pression wäre. ES handelt sich hier wohl weniger um ein neues Prinzip als um die nachträglich gemachte Konstatierung einer Tatsache, denn der Streik hat sich selbst als polittsch wirksam dokumenttert. Auch hier sieht man also, daß eS eben die Tatsachen und ihre Logik sind, die beide Parteien trennen. Schließlich erklärte Sacchi, daß das Problem Italiens nicht ein Problem der Verteilung, sondern eins der Produktion sei. Es fehle dem Lande der Reichtum und man müsse erst für den Erttag sorgen. ehe man sich um dessen Verteilung kümmere. Für einen Führer der radikalen Partei zeigt Sacchi also eine recht vorweltliche Auf- fassung des Sozialismus. Auch Turati hat bereits vier Wahlprogrammreden gehalten, die von einer neuen Wandlung seines gelenkigen Geistes zeugen. Es ist nicht zwei Jahre her, seit Turatt den in öffentlichen Diensten be- schäftigten Arbeitern daS Streikrecht absprach. Jetzt legt er sich sehr scharf für dieses Recht ins Zeug. Bekanntlich war eS seit langem ein Hauptsatz Turatis, daß die Partei die Funktton der bürgerlichen Radikalen übernehmen müsse, da diese in Italien keine Lebens- und Kampftüchtigkeit zeigten. Heute erklärt nun Turati, die Partei könne nun und nimmer die Funktion der bürgerlichen Demokratie stell- verttetend ausfüllen. In einer seiner jüngsten Reden ging Turati so weit, zu be- dauern, daß die Radikalen ihm keinen Kandidaten entgegenstellen. während früher er und die Seinen eS vielfach bedauerten, wenn ein sozialistischer Kandidat gegen einen Radikalen auftrat. Als vor zwei Jahren in Cremona eine Ersatzwahl stattfand, weigerte der damals reformistischeAvanti* dem Parteikandidaten, Romeo Soldi die Wahlnnterstützung, weil ihm der radikale Leader Sacchi gegen- überstand. So ist in den mannigfaltigen Verschlingungen seiner Gödankenentwicklung Turati wieder einmal auf einem Punkte angelangt, wo er als fremd und nicht zu ihm ge- hörig das hinter sich läßt, was er vor kurzer Zeit mit großem Eifer verteidigte. Von allen großen Städten steht Rom bis jetzt dem Wahlkampf am gleichgültigsten gegenüber. Gearbeitet wird schon, aber eigentlich nur in den WohlthätigkeitSinstitliten. die in diesen Tagen Zentrum der Wahlmache und Korruption sind. Von den fünf auf Rom fallenden Mandaten gehören bis jetzt drei Regierungskandidaten. zwei Radikalen. Es ist keine Aussicht, daß ein Sozialist durchkommt. deshalb hat der Kampf hier wenig Schärfe. Auch in Neapel , das. von zwölf Mandaten alle bis auf eins den konsiituttonellen' Parteien, das eine dem Genossen C i c c 0 t t i übertrug. ist Ivenig mehr als auf die Behauptung unseres kleinen Besitzstandes zu hoffen. Für Mailand sagten wir schon in früheren Berichten, daß Voraussagen schwer seien, doch wenig Gefahr für das Verlieren der sechs anttkonstiwtionellen Par- teien gehörenden Kreise an Regierungskandidaten bestehe. In Venedig (3 Kreise: 2 konservative und 1 radikaler) können wir hoffen, einen mattrosa Radikalen durch einen Parteigenossen ersetzt zu sehen. In G e n u a. das von zwei Konservativen und einen, Republikaner vertteten wurde, hofft man den Republikaner zu er- halten und den einen Wahlkreis der Partei zu gewinnen. In Turin (zwei Sozialisten, drei Konstttutionelle) hofft man einen Kreis zu erobern, ebenso in dem bis jetzt nur von den Konservativen behaupteten Bologna . In F l 0 r e n z sind Verschiebungen kaum zu crioarten: es dürste bei einem Sozialisten und drei Konservativen bleiben. Die wesentlichsten Fortschritte erhoffen wir in den kleinen Städten. Zur Erklärung der allgemeinen Lage und unserer Bezeichnung der Fraktionen wollen wir hinzufügen, daß zwar der reaktionäre Block, den man geplant hatte, nicht zustande kam, wohl aber eine Art reaktionärer Schutthaufen, in dem alle bisherigen Ordnungsparteien durcheinander liegen. Ein Block besteht nicht, denn es fehlt denstaatserhaltenden" Parteien Organisation und Disziplin, so daß der eine gegen den andern kandidiert, aber eine allgemeine Gleichfarbigkeit des reaktionären Programms ist erzielt worden. Deshalb unterscheiden wir in unseren Berichten Sozialisten, Republikaner und Radikale und stellen diesen die konservativen Kandidaten entgegen. Da klerikale Kandidaten mit Aussicht auf Erfolg nicht kandidieren �Klerikale sind überhaupt nur in Mailand und Neapel aufgestellt), so genügt das. In Konservative und Liberale zu scheiden, wäre unmöglich: fast überall laufen die Farben ineinander; Rechte, Zentrum und Linke sind längst mein- andergerührt und sind auch so ziemlich wesensgleich, wie der Umstand beweist, daß die vorige Kammer mit einer Ueberzahl rechtsstehender Abgeordneter begann und ohne Personalwechsel mit einer Mehrheit der Linken endete. Man könnte die Kandidaten der Ordnungsparteien in Ministerielle und Oppositionelle scheiden, nur weiß man das nie vorher, denn jetzt spielen sie alle die Ministeriellen. Bleibt nur die Unterscheidung zwischen von der Regierung unterstützten oder von dieser bekämpften Kandidaten. Hier ist die Unterscheidung klar und deullich zur Schande: der Wahlgepflogenheiten GiolittiS sei es gesagt auch sie hat aber keinerlei programmatischen Wert, sondern gibt höchstens einen Wertmesser des von dem Gegner zu besiegenden Widerstandes. Wir nennen also konservativ jene große graue, strukturlose Masse, die sich den organisierten Parteien der Sozialisten, Republikaner und Radikalen entgegenstellt. Wer von dieser Masse ministeriell, wer oppositionell ist, das muß die erste politische Abstinunung im neuen Parlament zeigen. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Mulden, 2. November. (Meldung der Russischen Telegraphen- Agentur.) Zwei Divisionen der vor Port Arthur stehenden japa- nischen Armee sind zur Verstärkung der Armee Oyamas abgegangen. Zwei neue Divisionen sind in Nagasaki eingeschifft worden, um nach Kwantung befördert zu werden. Das Eintreffen des Großfürsten Boris Wladimirowitsch wird in den nächsten Tagen hier erwartet. Petersburg, 3. November. Im Laufe des Monats wird Kuropatsin über folgende Truppen verfügen: 385 Bataillone Infanterie, 261 Schwadronen Kavallerie, 26 Regimenter Artillerie, öl Pionier- und Telegraphen-Kompagnien, hierzu kommen noch 1406 Geschütze. Im ganzen wird Kuropatkin über 536 AH) Mann verfügen.(??) Tokio , 3. November. Der allgemeine Angriff aus Port Arthur beginnt sehr wahrscheinlich heute, am Geburtstage des Mikados. Der als hervorragende Autorität im Belageruiuisivesen bekannte G e n e r a l l e u t n a u t S 0 m c j i m a ist ain 12. Ottober dorthin abgereist. Die offizielle Verlustliste in der Schlacht am Schaho spricht von 15 879 Manu. » London , 3. November. DieMorning Po st" schreibt, es seien Maßnahmen getroffen worden, die Baltische Flotte während ihrer Fahrt nach dem fernen Osten zu überwachen. Dieses Wächteramt werde nacheinander durch die Kanalflotte, durch das Mittelmeer - und das Osttndische Geschwader ausgeübt werden. Wenn nötig, werde das Indische Geschwader zu diesem Zwecke Schiffe nach den westlich von seinen Stationen ge- legenen Punkten abgehen lassen, damit die Ucberwachung keine Unterbrechung erleide. Bei Erteilung der Jnstrultionen au die englische Flotte sei angenommen worden, daß die russischen Schiffe ihren Weg durch den Suez-Kanal nehmen werden. Aber selbst, wenn sie um daS Kap fahren sollten, werden sie umklammert werden. Petersburg, 3. November. DieBirschewija Wjedomosti" sind ermächtigt mitzuteilen, das in der ausländischen Presse verbreitete Gerücht, Admiral R 0 s ch d j e st w e n s k v habe während des Vor- falles in der Nordsee auf eigene russische Torpedoboote gefeuert, welche angeblich hinter dem Geschwader zurückgeblieben seien und dasselbe zu erreichen suchten, sei die reinste Er- findung. Ebenso erfunden sei, daß dabei ein Torpedoboot in den Grund gebohrt und ein zweites beschädigt sei. potttilcke(leberfickt. Berlin , den 3. November. Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhans hatte am Donnerstag eine um- fangreiche Tagesordnung zu erledigen. Zunächst überwies das Haus nach kurzer Debatte den bereits vom Herrenhause verabschiedeten Entwurf einer Wege-Ordnungfürdie Provinz We st Preußen an eine Kommission. Eine längere Erörterung knüpfte sich an den Antrag des Abg. F r i t s ch(natl.) und Genossen, der die Aufhebung der Acre st st rasen für Unterbeamte bezweckt. Im Reich, in Elsaß-Lothringen und selbst in Sachsen kennt man diese Strafe nicht, im' Militärstaat Preußen dagegen, wo das Be- amtenhcer militärisch organisiert sein soll, besteht dies eigen- arttgeErziehungsmittel" noch, und wenn es nach dem Willen der Regierung geht, dann wird auch in Zukunft über Unterbeamte Arrest verhängt werden dürfen. Bedeutet doch, wie der Vertreter des Ministers Freiherrn v. Hammcrstein, Unterstaatssekretär Bischofshansell meinte, die Beibehaltung der Arreststrafe eine Wohltat für die Beamten, die durch eine Geldstrafe weit empfindlicher getroffen würden. Die demoralisierende Wirkung der Arreststrafe ist dem Regierungsvertreter offenbar gleichgültig. Das Haus nahm, abgesehen von dem konservativen Abg. S t r 0 s s e r und einigen wenigen seiner engeren Freunde, einen ver- nünftigeren Standpunkt ein als die Regierung und erteilte dem Antrage die Zustimmung. Eine im Sinne des Antrages gehaltene Petition, die über 11 000 Unterschriften von Beamten trägt, wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. In früheren Jahren ging das Haus über ähnliche Petitionen regelmäßig zur Tagesordnung über. Der Antrag der Abgg. Ernst(fts. Bg.) und Genossen betreffend Förderung des hauswirtschaftlichen Unterrichts in den Mädchen-Volksschulen wurde nach kurzer Debatte» in der sich alle Redner sympathisch dazu äußerten, der Unterrichtskommission über- wiesen. Gleichfalls an eine Kommission ging der Antrag Schmedding(Z.) u. Gen., der die Regierung auffordert, schleunigst im gesetzlichen Wege die Fürsorge für die- jenigen mittellosen geisteskranken und schwach- sinnigen Personen zu regeln, welche nur behufs des Schutzes anderer Personen gegen ihre Ausschreitungen der Unterbringung in Anstalten bedürfen. Heute entstehen mangels gesetzlicher Bestimmungen gewöhnlich Differenzen wegen der Kostenfrage; es gibt sogar Gemeinden, die, weil sie über die Zahlung der Aufenthaltskosten keine Einigung mit den Pro- vinzial- oder staatlichen Behörden erzielen können, Geistes- kranke frei umherlaufen lassen. Die Kommission soll nicht nur die finanzielle Seite eines Gesetzes beraten, sondern auch auf eine Trennung Geisteskranker und irrer Verbrecher hinzuarbeiten suchen. Den Rest der Tagesordnung bildeten einige weitere belanglose Anträge und Petitionen ohne allgemeines Interesse. Am Freitag steht neben kleineren Vorlagen der freisinnige Antrag betreffend die Scherlsche Sparlotterie zur Debatte. DaS sozialdemokratische Offizierkorps. Die deutsche Militärpreffe entrüstet sich eifervoll über die Bor« kommniffe im französischen Kriegsministerium, über geheime Brand- martting der klerikalen und monarchisttschen Offiziere und über ihre Zurücksetzung im Avancement. DieKreuz-Zeitung " beispielsweise läßt sich aus Paris eine Korrespondenz senden, in welcher JaurdS der Tartüfferie bezichtigt wird, weil er erklärt, daß es Pflicht eines republikanischen Ministers war, Mitteilungen entgegenzunehmen darüber, ob Offiziere gegen die Republik konspirieren. Der Korre« spondent fügt hinzu: Das gibt in der Tat interessante Aufschlüsse über den Geist. der im Offizierkorps der sozialdemokratffchcu ZukunftSarmer herrschen wird." Wir haben keinen Anlaß, näher über die Vorgänge im fran- zösischen Kriegsministerium zu sprechen, nichts aber kann größere Heiterkeit erwecken als diese Entrüstung der deutschen Militärpresse und als der Versuch derKreuz-Zeitung ", ein zukünfttges sozial- demokrattsches KriegSministerium bereits heute auf Verrat denunzieren zu wollen. Alles, was im französischen Kriegsministerium geschehen ist, mag auch Tadelnswertes geschehen sein, ist natürlich von lächer- sicher Geringfügigkeit gegenüber den dauernd mit äußerster Gewalt« samkeit durchgeführten Methoden der deutschen Militärbehörden. In Frankreich handelt es sich darum, die früher im Avancement rechts- widrig zurückgesetzten republikanischen Offiziere endlich einigermaßen in ihr Recht einzusetzen. In Deutschland aber gilt eS für selbstver- ständlich, daß die politrsche Gesinnung den Ausschlag dafür gibt, ob jemand in Offizierstellen einrücken darf. Die deutsche Militärpresse klagt, daß in Frankreich republikanische Offiziere bevorzugt werden, in Deutschland selbst aber werden s y st e m a t i sch nur Perionen, welche die den Herrschenden beliebende Gesinnung haben, in Offizierstellen zugelassen. Noch niemals ist gehört worden, daß ein Sozialdemokrat, und sei er der trefflichste Soldat, Offizier werden könnte. Nicht einmal zu den Iluteroffizierchargen wird bei uns jemand zugelassen, der sozial­demokratischer Gesinnungverdächttg" ist. Mehr noch, man weiß, daß die Militärbehörde im Bunde mit den Polizeibehörden ständige Kontrolle über alle zum Mitttärdienst eingezogenen jungen Leute daraufhin führt, ob sie in ihrem Vorleben irgendwelche Beziehungen zur Sozialdemokratie oder auch nur zur gewerkschaftlichen Bewegung gehabt haben. Diese jungen Leute sind von vornherein in der mili- tärischen Stammrolle gekennzeichnet, unterliegen der sorgfälttasten Ansnahmebeobachtung und werden von dem Aufrücken in vorgesetzte Stellungen ausgeschlossen. Und nicht nur gegen Sozialdemokraten wird dieses Verfahren geübt, auch Liberale gelten im allgemeinen für ungeeignet, Offiziere zu werden. In rücksichtsloserer und gewalt- tätigerer Weise als in Deutschland kann die politische Gesinnungs - riccherei in der Armee nicht betrieben werden. Es ist erheiternd, daß die deutschen Militaristen, die diese Methoden betreiben, sich erregen, wenn in Frankreich im schlimmsten Falle zehnfach milderes geschehen ist. Wir können dieKreuz-Zeitung " beruhigen über den Geist, welcher dereinst im Offizierkorps der sozialdemokratischen Zukunft«- armee herrschen wird. Soldaten, welche befähigt sind, werden in der sozialdemokratischen Milizarmee keineswegs darum Zurücksetzung erfahren, daß sie der geistigen Anormalität verfallen sind, Anhänger derKreuz-Zeitung " und ihrer monarchischen Gesmnungen zu sein. Taktvolle Aufklärung. Die Debatte deS Abgeordnetenhauses über die saarabischen Wahlbeeinflussungen veranlaßt dieDeutsche Tageszeitung" zu einigengrundsätzlichen Bemerkungen". Sie erklärt sichgegen die Ausübung jeden Zwanges bei der Wahl", aberin gewissem Sinne" müsse als die Pflicht des Arbeitgebers aufgefaßt werden, taktvollc und unbefangene Aufklärung der Ar- beiter über die politischen Fragen und ihre eigenen wahren Interessen" zu üben. DaS solle ein Gegengewicht seingegen die sogenannte Aufklärungsarbeit, zu der sich heutzutage jeder her- gelaufene Bursche berufen glaube". Warum, fragt dieDeutsche Tageszeitung", sollte solche Arbeit nicht gerade von denen getan