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Nr. 197.

Erscheint täglich außer Montags. Prets pränumerando: Viertel­jährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 mt, wöchentlich 28 Pfg. frei in's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags: Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Bost- Abonnement: 3,30 Mt.pro Quartal. Unter Kreuz­ band : Deutschland u. Desterreich­Ungarn 2 Mt., für das übrige Ausland 3 Mt.pr.Monat. Eingetr. in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1892 unter Nr. 6652.

Vorwärts

9. Jahrg.

Insertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Naum 40 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg Inserate für die nächste Nummer müffen bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen­tagen bis 7 Uhr Abends, an Sonn­und Fefttagen bis 9 Uhr Vor­mittags geöffnet.

Earn fprech- Anschlug Amt I, Nr. 4186.

Berliner Bolksblatt.

Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2.

Roubaix.

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Mittwoch, den 24. August 1892. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.

Umfang angenommen, angenommen, daß Konstans schleunigst alles französischen Republik , die, nach unseren Zeitungen, so viel verfügbare Militär dorthin gesandt hatte; Carrette für das Unterrichtswesen gethan hat. Eine sozialistische Gemeindevertretung. wurde in Roubaix verhaftet, De lory in Lille , und doch Auch die Entkirchlichung wird man weiter durchführen, Unser französischer Korrespondent schreibt uns: war die Agitation kaum während einer Woche nach dem aber energischer und vor Allem sozialistischer, als es die Maifest lahmgelegt. Mit Marseille theilt heute Roubaix den ersten Platz Die Gewerkschaftskammer der Weber, welche vor autorisirten geistlichen Orden und Brüderschaften hinaus­Regierung der Frau Carnot thut, welche vorn die nicht unter den sozialistischen Gemeinden Frankreichs . Aber in wenigen Jahren ins Leben gerufen worden war, hatte wirft und hinten wieder hereinspazieren läßt. Endlich war diesen neuen Verhältnissen nimmt Roubaix selbst eine so neue und charakteristische Stellung ein, daß es wohl eine schnell eine große Bedeutung erlangt und war zum Mittel- eine weitere Maßregel die Besoldung der Mitglieder des besondere Betrachtung verdient. Vor ungefähr 30 bis punkt der ganzen Arbeiterbewegung geworden. Gemeinderathes. Man schlug vor, 36 000 Franks für den 40 Jahren war es noch kaum ein Dorf; heute ist es eine sozialistische Gemeinderaths- Lifte glatt durch, und am eiligst ab. Doch der Anstoß ist gegeben, und der Gemeinde­Endlich ging in diesem Jahr, am 1. Mai, die ganze Gemeinderath zu bewilligen, aber der Minister lehnte es der wichtigsten Industriestädte Frankreichs . Es ist ein plöt- 7. und 15. August wählte das Proletariat, als Antwort vertretung von Roubaix wird man eine Maßregel zu ver­liches Auftauchen, wie man es sonst nur bei amerikanischen auf das Geschrei der Regierungsblätter von Ueberrumpelung danken haben, die allein den Arbeitern ermöglicht, sich ver­Städten beobachtet. Die Industrie hat jene Stadt von u. s. w., sozialistische General- und Arrondissementsräthe treten zu lassen, die Besoldung der Mitglieder. Grund aus geschaffen und auf einen Schlag mit Allem ver- und zeigte so, daß es die Macht und Mehrheit in Händen sehen, mit Kapitalisten, mit Kapital und mit Proletariat. habe. Bei den nächsten Wahlen wird Roubaix einen wägung unterbreitet worden. Seit fünf oder sechs Jahren Ein vielleicht noch fühneres Projekt ist eben der Er­Jnnerhalb eines Jahrzehnts, inmitten von plötzlichen Krisen und sozialistischen Abgeordneten erhalten. unvermitteltem Wiederaufschwung hat sich eine Klasse von besteht ein Plan zur Aufbesserung der Gesundheitsverhält Emporkömmlingen, von Millionär gewordenen Arbeitern ge­Als die erste Bestürzung vorüber war, stellte sich die nisse von Roubaix , welchen die früheren Vertretungen, von bildet, denen ihre Spiznamen aus der Werkstatt in ihre Bourgeoisie, als verachte sie die sozialistischen Gemeinderäthe. den Kosten geschreckt, stets abgelehnt hatten, obgleich seine Boulevardhäuser gefolgt sind; natürlich sind diese Empor- Arbeiter im Gemeinderath, Bürgermeister ein Wirth, der Ausführung durchaus nöthig ist. Es handelt sich um die fömmlinge fofort die schlimmsten Feinde der Klasse, aus auch Zeitungen verkauft, eine schöne Farce! Bürgermeister Arbeiten für einen allgemeinen Abzugskanal. Sollten sich welcher sie selbst hervorgegangen, geworden. Sie haben sich und Gehilfen würden nie mit ihren Geschäften zu Rande die Unternehmer vor dem Wert scheuen, so wird die Ge­zu einer wunderlichen Aristokratie herausgebildet, die leb- kommen, denn man brauche Vorbildung, um Bürgermeister meindevertretung selbst den Unternehmer spielen, wie es der haft an jene Ehrfurcht erinnert, mit welcher die Bürger des einer Stadt wie Roubaix sein zu können. Man würde Londoner Grafschaftsrath ja schon gethan hat. freien Amerikas die Titel betrachten, die sie selbst in ihrer Fehler auf Fehler häufen. Soviel über die geleistete Arbeit. Alle Bewohner

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Verfassung haben fallen lassen. Um diese plötzliche Er- Bürgermeister und Gemeinderath beantworteten diese von Roubaix , die nach dem Temps" nur noch mit dem höhung auch für die Zukunft zu sichern, fuechteten sie Schimpfereien mit Thaten. Zunächst zeigte man dem un- scharf geladenen Revolver in der Tasche auszugehen wagen, die Schöpfer ihrer gestohlenen Reichthümer und traten sie fähigen Präfetten des Departements Du Nord, Beil- fehen die Arbeiter ruhig und zielbewußt ihre Pflicht im Durand, einem der Mörder von Fourmies, daß die Ge- Gemeinderath thun, wie sie sie in der Fabrik zu thun ge­

mit Füßen.

Das Proletariat befand sich in Roubaix lange Zeit in meindevertretung von Roubair im Stande sei, ihre Ge- wohnt sind. Alle, die auf die klassische Revolution der einer elenden Lage, ohne Kenntniß seines Klassencharakters. schäfte allein zu besorgen, und daß sie keinen Eingriff des Arbeiter warteten, die man so bequem mit der bewaffneten Es war den Zufällen des industriellen Lebens, das von der Präfekten zu dulden gewillt sei. Da die Polizei in der Hand des Macht hätte zerschmettern können, müssen sich jetzt gestehen, wahnsinnigsten Ueberproduktion unvermittelt zu völliger Un- Bräfetten ist und unter seinem Befehle steht, so kann die daß sich die Revolution vor ihnen und unter ihren Augen thätigkeit übergeht, zu sehr ausgesetzt, um die Zeit zur Gemeindevertretung auf keine andere Weise einen Druck auf vollzieht, und daß diese Art der Revolution gefährlicher Organisation zu finden. Außerdem befanden sich die Arbeiter dieselbe ausüben, als durch den Geldbeutel. Unsere Freund und intensive: ist, als jene andere. Bernard.

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massen in beständiger Bewegung von einem Ort zum von Roubaix sind eben dabei, den Polizisten, welche den andern, und eine Generation jagte die andere. Der Be- Gehorsam verweigern, das Gehalt zu entziehen, das Gleiche ginn des Klassenkampfes datirt von der Gründung unserer geschieht mit all den Beamten, welche jim Geist der alten Arbeiterpartei auf dem Marseiller Kongreß im Jahre 1879. Gemeindevertretung noch thätig sind. Wenige Jahre später ließ sich unser Freund Guesde als Vertreter des kollektivistischen Programms als Kandidat auf stellen; er fiel durch, aber der Feldzug, welchen er geführt hatte, die Propaganda, welche er begonnen hatte, sollten ihre Früchte tragen.

Nachdem man Alles, was der frühere Gemeinder ath Politische Ueberlicht.

bei seinem Ausscheiden unerledigt gelassen hatte, und das war nicht wenig, genau bestimmt hatte, machte man sich ans Werk, um das Gemeindeprogramm, welches der Berlin , den 23. August. Das alte Molochspiel. Nachdem die Erklärung des Kongreß von Lyon aufgestellt hatte, in die Praxis um- Kaisers, betreffend die zweijährige Dienstzeit, in den weitesten Die Gemeindevertretung war damals opportunistisch; zusetzen. die zweite Schicht der Bourgeoisie, die reinen, unverfälschten Kreisen einen sehr schlimmen Eindruck gemacht, kommen nun Die erste Reform geschah durch die Einrichtung die üblichen Beschwichtigungs- und Vertuschungs- Versuche. Bourgeois, tamen an's Ruder und gaben das Signal zur von Schultantinen, die wir schon früher in diesem und höchst sonderbarer, wenn auch nicht gerade überraschender Vergrößerung von Roubaix , zu seiner Hausmannisation" Blatt besprochen haben. Auf den Vorschlag von Weise ist es diesmal die bürgerlich demokratische" Frank­und häuften dadurch Lasten auf die Stadt, welche wieder Lepers wurden 140 000 Franks bewilligt, um den furter Zeitung", welche als offiziöses Organ benügt worden

die Arbeiter zu tragen hatten. Indeffen hatte das Prole- armen Schülern von Roubaix gesunde Nahrung zu liefern. ist. Sie bringt in ihrer geftrigen Abendnummer( Nr. 235 tariat von Roubaix seinerseits abwechselnd Carrette und Sollte diese Summe nicht genügen, und das ist wahrschein vom 22. d.) in Fettdruck nachstehende telegraphische Depesche Lepers in den Gemeinderath gesandt. lich, so wird man sie verdoppeln. So begannen diese Ber - aus Berlin : Kund- störer, diese Kommunarden ihre Verwaltung mit einer Maß­solchen regel, welche vergessen und verbummelt war von jener

Zur Zeit des 1. Mai 1890 hatten hatten die gebungen der Arbeiter in Roubair einen

Feuilletont.

Nachdruck verboten.)

Die Waffen nieder!

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ihr Geliebter war Soldat. Mir war's, als müßte ich die Unglücksschwester an mein Herz drücken.

Es ist nichts, mein Kind," sagte ich weich." Die fortziehen, kommen ja wieder zurück

Ach, gräfliche Gnaden, nicht Alle," antwortete sie, von Neuem in Thränen ausbrechend.

Jetzt trat meine Tante bei mir ein und Betti ent­fernte fich. Ich bin gekommen, Dir Trost zu sprechen, Martha," sagte die alte Frau, mich umarmend, und Dir in dieser Prüfung Ergebung zu predigen." Also weißt Du?"

"

Die Ansprache des Kaisers an die höheren Offiziere nach der letzten Parade wird jetzt authentisch bekannt, und es ergiebt

änderlichem Rathschluß vorher bestimmt ist. Die Sterbe­stunde eines Jeden, die steht schon von der Stunde seiner Geburt an geschrieben. Und wir wollen für unsere lieben Krieger so viel und inbrünstig beten-"

Jch hielt mich nicht dabei auf, den Widerspruch, der in diesen beiden Annahmen liegt: daß der Tod zugleich be= stimmt und durch Gebete abzuwenden sein könne, näher zu erörtern. Ich war mir selbst nicht klar darüber und Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner. hatte von meiner ganzen Erziehung her das vage Bewußt­sein, daß man an so heilige Dinge nicht mit Vernunftfragen Ich raffte mich auf. Seine letzten Worte klangen mir herantreten dürfe. Hätte ich gar der Tante gegenüber solche noch im Dhre nach. Ja offenbar: meine Pflicht war nun Strupel laut werden lassen, so würde sie das arg verlegt die, seinen Muth und seine Thatenluft nicht nur nicht Die ganze Stadt weiß es... Es herrscht großer Jubel, haben. Nichts konnte sie mehr beleidigen, als wenn man zu dämpfen, sondern nach Möglichkeit zu heben. Das ist ja dieser Krieg ist sehr populär." über gewisse Dinge rationelle Zweifel anstellte." Nicht darüber die einzige Art, wie wir Frauen unseren Patriotismus be- Jubel, Tante Marie?" nachdenken" ist allen Mysterien gegenüber Anstands­thätigen können, wie wir des Ruhmes theilhaftig werden Nun ja, bei solchen, die kein geliebtes Familienglied gebot. Wie es die Hoffitte verbietet, an einen König Fragen dürfen, den unsere Männer auf den Schlachtfeldern sich mitziehen sehen. Daß Du traurig sein wirst, konnte ich mir zu richten, so ist es auch eine Art lästerlichen Etiquetten­holen Schlachtfelder" sonderbar, wie dieses denken, und darum bin ich hierher geeilt. Dein Papa wird bruchs, wenn man an einem Dogma herum forschen und Wort jetzt plötzlich in zwei grundverschiedenen Bedeutungen auch gleich kommen; aber nicht um zu trösten, sondern zu prüfen will. Nicht darüber nachdenken" ist übrigens ein den Sinn trat. Halb in der altgewohnten, gratuliren: er ist ganz außer sich vor Freude, daß es los sehr leicht erfüllbares Gebot, und bei diesem Anlaß fügte historischen, pathetischen, höchste Bewunderung erregenden geht, und betrachtet es als eine herrliche Chance für Arno, ich mich bereitwillig darein; ich fing daher mit der Tante Bedeutung, halb in dem Ekelschauer der blutigen, brutalen daß er mitthun kann. Im Grunde hat er ja auch recht... feinen Streit an, sondern klammerte mich im Gegentheil an Silbe Schlacht". Ja geschlachtet würden sie für einen Soldaten giebt's auch nichts Besseres, als den den Trost, der in dem Hinweis auf das Beten lag. Ja- auf dem Felde daliegen, die armen hinausgetriebenen Krieg. So mußt auch Du die Sache betrachten, liebes während der ganzen Abwesenheit meines Gatten wollte ich Menschen mit offenen, rothen Wunden- und unter ihnen Kind- Berufserfüllung geht doch Allem voran. Was so inbrünstig um des Himmels Schuß flehen, daß dieser vielleicht ... Mit einem laut ausgestoßenen Schrei dachte sein muß-" alle Kugeln im Fluge von Arno abwenden werde... Ab­ich diesen Gedanken aus. wenden? Wohin? Auf die Brust eines Andern, für den doch wahrscheinlich auch gebetet wird?... Und was war mir im physikalischen Lehrkursus demonstrirt worden, von den genau zu berechnenden, unfehlbaren Wirkungen der Stoffe und ihrer Bewegung?... Wieder ein Zweifel? Fort damit.

mir vor

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"

Um Gotteswillen, Frau Gräfin , was ist geschehen?" kräftigend ein. fragte sie zitternd.

" Ja, Du hast recht, Tante, was sein muß- das Meine Jungfer, Betti, kam erschrocken hereingerannt. Unabänderliche" Sie hatte mich schreien gehört. Das von Gott gewollte"- schaltete Tante Marie be­Muß man mit Fassung und Ergebung ertragen." Jch blickte das Mädchen an: auch sie hatte rothgeweinte Brav Martha, es kommt ja doch Alles so, wie Augen. Ich errieth- sie wußte schon die Nachricht, und es von der weisen und allgütigen Vorsehung in unab­

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"

" Ja, Tante", sagte ich laut, um diese in meinem Geist