Nr. 227.
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Vorwärts
9. Jahrg.
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Mittwoch, den 28. September 1892. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3.
Ratheder sozialisten immer nur im Tone ironischen Be- sie sich über die sozialen Verhältnisse der dauerns von ihnen sprachen, und entschloß sich endlich zu Arbeiterbevölkerung nach Möglichkeit einer Vermehrung des Beamtenpersonals derart, daß die unterrichten." Der Gewerbe Inspektor Jäger hat
Mit dem 1. Oktober eröffnen wir ein neues Abonnement einzelnen Beamten wenigstens nicht mehr ganze Pro- dem Kölner Arbeiterblatt also eigentlich weiter Nichts
auf den
„ Vorwärts"
Berliner Volksblaff ,, Neue Welt".
mit der illustrirten Sonntagsbeilage
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entgegen.( Eingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für 1892 Neu hinzutretenden Abonnenten wird der bisher erschienene Die Waffen nieder!"
Theil des Romans
vinzen unter ihrer Aufsicht" haben, wie vordem. Dieser mitgetheilt, als einen Auszug aus seiner Instruktion; Vermehrung verdankt der Gewerbe- Inspektor Jäger in er kann sich doch über die sozialen Verhältnisse der Köln seine Anstellung. Er kam am 1. Mai 1890 als Arbeiterbevölkerung" nur dann unterrichten", wenn ihm Assistent des Gewerberathes nach Köli, avancirte am die Arbeiter alle Beschwerden mittheilen, und wenn er ihnen 1. Juli 1891 zuin Gewerbe- Inspektor und wird im Bericht die Mittheilung nach Möglichkeit erleichtert. Hinzu kommt, für 1891, dein zuletzt erschienenen, als. Commissarischer" daß früher ein arger Schlendrian in der Fabrikaufsicht des Beamter, der noch nicht etatsmäßig angestellt ist, genannt. Bezirks geherrscht hatte, das belegen die oben angeführten Er war früher Regierungsbaumeister. Das erklärt vielleicht Stellen des neuesten Berichts. Es war also sehr viel nachdie Kühnheit der Kölner Kapitalisten mit. Sein Chef ist zuholen. Eigentlich hätte nun die Regierung selbst Alles ein Gewerberath Goebel in Köln , der von Schleswig thun müssen, um die Nachholung des Versäumten zu er dorthin versetzt wurde und in seinem früheren Bezirk herzlich leichtern. Die Regierung hätte den Unters wenig leistete; sein letter Bericht über Schleswig für 1890 nehmer und Arbeiterblättern des Bezirks enthält z. B. unter der Rubrik" Arbeiter im Allgemeinen" wiederholt als Bekanntmachung mittheilen ganze zwei Zeilen, deren pyramidalen Inhalt wir müssen, daß der neue Gewerbe Inspektor zu diesem nachfolgen lassen:" In den meisten Industriezweigen ließ Zwecke da sei, daß seine Sprechstunden für Unternehmer sich eine auf Steigerung der Löhne und Verkürzung der an dem, für Arbeiter an jenem Tage festgesetzt wären. Und Arbeitszeit gerichtete Tendenz deutlich erkennen." In seinem wenn mun erst die Anfrage eines Arbeiterblattes die beBericht für 1891 gesteht derselbe Gewerberath, daß ihm die treffenden Mittheilungen herausholen mußte, wenn der Ges wirthschaftlichen und sittlichen Verhältnisse in der Arbeiter- werbe- Juspektor Jäger auf diese Anfrage so erschöpfende bevölkerung" seines neuen Aufsichtsbezirks noch wenig be- Auskunft als nur möglich gab, so mußte er des taunt feien"; dabei war er zur Zeit dieser Niederschrift bewegen von der Regierung belobt werben. 3/4 Jahre im Bezirk„ thätig". So wäre der richtige Verlauf der Dinge gewesen, wenn Diese Umgebung, in welcher sich der Gewerbe- Juspektor sich die Sache nicht in Preußen zutrüge. Die preußischen Jäger befindet, mußte mit wenigen Strichen gezeichnet Unternehmer müßten aber nicht durch das Verhalten der Rewerden, damit das Nachfolgende verständlich wird. Neben- gierung bei der Gewerbeordnungs- und Berggesegnovelle zum bei war die Fabrikinspektion im Bezirk Köln von den früheren äußersten Uebermuth angeftachelt worden sein, wenn sie nicht Beamten so gut besorgt worden, daß es, an genügenden stati- auch sofort in Köln ihren Vortheil begriffen hätten. Sie stischen Aufnahmen der gewerblichen Anlagen, die der Aufsicht haben die Stirn, in einer Eingabe an die vorgesetzte Be unterziehen sind, mangelt"( Worte des 1891 er Berichtes). hörde des Gewerbe- Inspektors wahrheitswidrig früheren Beamten kreuzfidel befunden hatten. Nun kommt zur Denunziation seines Arbeitgebers aufgefordert der neue Gewerbe- Inspektor Jäger. Auf die Anfrage und sogar zum Richter über die Betriebseinrichtungen" des Kölner Arbeiterblattes giebt er die Auskunft, daß er gemacht habe. Sie unterschlagen also die ausdrückliche bei Wünschen der Arbeiter in Bezug auf Abänderung von Aeußerung des Jnspektors, nach welcher dieser zwischen Das Kapitel über die Fabrikinspektion in Deutschland , Arbeitsordnungen, soweit solche Wünsche sich auf Arbeitern und Unternehmern vermitteln will" und Merkwürdigkeiten von jeher nicht arm war, ist gesetzlichem allgemein rechtlichem sich selbstverständlich das Richteramt über die Beum ein neues Standalosum bereichert. Wir meinen die Art Boden bewegen, jederzeit gern bereit sei, verschwerden vorbehält. Und statt diese Fabrikantenfrechheit und Weise, wie der Kölner Regierungs- Präsident Arm in mittelnd zwischen Arbeitern und Unternehmern zu gebührend zurückzuweisen, erklärt die Kölner Regierung, daß Arm mit dem Verein der dortigen Unternehmer gegen einen wirken. Auch ersuche er, ihm von gesundheitsgefährdenden fie das Verhalten des Kölner Gewerbe- Inspektors„ nicht Gewerbe Jnspektor Front gemacht hat, der weiter Nichts Einrichtungen in einzelnen Fabriken, wie auch von allen be- billige"-fie identifizirt sich also mit Unternehmern, die that, als seine Instruktion in gewissenhafterer Weise aus- rechtigten Klagen über Betriebs- und Arbeitsverhältnisse gegen einen Aufsichtsbeamten revoltiren und denun zuführen, als es allerdings die meisten seiner Kollegen Mittheilung zu machen, damit er im Stande sei, eingreifen zu ziren, der lediglich nach seiner Instruktion handelt!! thun. Die Sache ist an anderer Stelle dieses Blattes fo- tönnen." Das war genau nach der Instruktion ge- Das fehlte noch für unsere Agitation zur Kenn fort nach ihrem Bekanntwerden mit ein paar fräftigen handelt. Denn dieselbe schreibt den Aufsichtsbeamten in zeichnung einer Gewerbeaufsicht, der bereits durch einfache Worten der Kritik der Kritik begleitet worden; sie verdient ihrer neuesten Fassung ausdrücklich vor: die Beamten sollen Berordnung das ihr gesehmäßig zustehende polizeiliche Veraber eine ausführliche Besprechung, so bezeichnend ist sie für Wünsche und Beschwerden der Arbeiter fügungsrecht genommen ist und deren Beamte fast lediglich unsere gesammten Zustände. bereitwillig entgegennehmen, und wenn aus den Kreisen der bureaukratisch dressirten Regierungs
Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner , auf Verlangen gratis nachgeliefert, worauf wir noch besonders aufmerksam machen.
Die Redaktion und Expedition des
Vorwärts" Berliner Volksblatt. Man sieht, daß die Induſtriellen von Köln sich unter den davon zu sprechen, daß der Inspektor„ die Arbeiter geradezu
das an
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Preußische Sozialreform.
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und
In Preußen ist bekanntlich seit anderthalb Jahren sie sich von deren Berechtigung überzeugen, baumeister, Bergassessoren u. s. w. geholt werden! Was eine Reform" der Fabrikaufsicht im Gange. Man fonnte ihnen, so weit sie es nach ihrer amtlichen schrieb doch einft der zahme Kathedermann Alphons Thun? die erbärmlichen Ergebnisse der bisherigen ganz ungenügenden Stellung vermögen, Erfüllung und Ab=" Es ist eine der ersten Pflichten der Regierung, Aufsicht nicht länger mehr ignoriren, nachdem selbst bloße hilfe zu schaffen suchen. Schließlich sollen nach dieser Seite( Ausbildung der Fabrikinspektion) muth
Feuilleton.
Nachbruc verboten.)
Die Waffen nieder!
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ist, zu sterben, ihn dieses Loos ebensogut im Bett als im muths, kurz zur Charakterstählung sind Kriege das beste Krieg ereilt."
Mittel.
Also, wenn in einem Kriege hunderttausend Menschen 6. Die Menschen werden immer streiten, volle Ueber
zu Grunde gegangen sind, so wären dieselben auch im Frieden verunglückt?"
Tante Marie war um eine Antwort nicht verlegen. ,, Diese Hunderttausend waren dann eben bestimmt, im Krieg zu sterben."
Wenn aber die Menschen so gescheit wären, keinen solchen mehr zu beginnen?" warf ich ein.
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einstimmung in allen Ansprüchen ist unmöglich schiedene Interessen müssen stets aneinanderstoßen, folglich ewiger Friede ein Widersinn.
Keiner dieser Säße, namentlich keins der darin enthaltenen folglich" läßt sich stichhaltig behaupten, wenn man ihm zu Leibe rückt. Aber jeder dient dem Vertheidiger als Berschanzung, wenn er die anderen fallen lassen mußte. Und während die neue Verschanzung fällt, hat sich die alte wieder aufgerichtet.
Eine Lebensgeschichte von Bertha von Suttner . Vermuthlich lag's im Blute. Der Sproß einer langen Das ist aber eine Unmöglichkeit," rief mein Vater, Reihe von Kriegern muß naturgemäß friegerische Anlagen zur und damit war das Gespräch wieder auf eine KontroWelt bringen. In den naturwissenschaftlichen Werken, verse gebracht, welche er und ich des öfteren- und zwar Zum Beispiel wenn der Kriegskämpe, in die Enge gederen Studium wir jetzt eifriger denn je betrieben, hatte stets in denselben Geleisen zu führen pflegten. Auf der trieben, nicht mehr im Stande ist, Nr. 4 aufrecht zu er ich von der Macht der Vererbung gelernt, von dem einen Seite die gleichen Behauptungen und Gründe, auf der halten und zugeben muß, daß der Friedenszustand menschenWesen der sogenannten angeborenen Anlagen", welche anderen die gleichen Gegenbehauptungen und Gegengründe. würdiger, beglückender, kulturfördernder sei als der Krieg, weiter nichts find, als der Drang, die von den Ahnen an- Es giebt nichts, worauf die Fabel der Hydra so gut paßt, so sagt er: genommenen Gewohnheiten zu bethätigen. wie auf das Ungethüm: stehende Meinung. Kaum hat man Nun ja, ein Uebel ist der Krieg schon, aber unvermeidihm so einen Argumentenkopf abgeschlagen und macht sich lich, denn: Nr. 1 und 2. daran, den zweiten folgen zu lassen, so ist der erste schon Beigt man nun, daß er vermieden werden könnte, wieder nachgewachsen. durch Staatenbund, Schiedsgerichte u. s. w., so heißt es: Nun ja, man könnte wohl, aber soll nicht, denn: Nr. 5.
Zu des Kleinen Geburtstag brachte ihm sein Großvater diesmal richtig wieder einen Säbel.
" Du weißt doch, Vater," sagte ich ärgerlich, daß mein Rudolf durchaus nicht Soldat werden soll; ich muß Dich schon ernstlich bitten"
Also ein Muttersöhnchen willst Du aus ihm machen? Das wird Dir hoffentlich nicht gelingen. Gutes Soldatenblut lügt nicht. Ist der Bursch einmal erwachsen, so wird er seinen Beruf sich selber wählen und einen schöneren giebt es nicht, als den, welchen Du ihm verbieten willst."
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Gunsten des Krieges, die nicht umzubringen waren. Da hatte mein Vater so ein paar Lieblingsbeweise zu
1. Kriege sind von Gott dem Herrn der Heerschaaren-selber eingesetzt, siehe die heilige Schrift. 2. Es hat immer welche gegeben, folglich wird es auch immer welche geben..
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3. Die Menschheit würde sich ohne diese gelegentliche Dezimirung zu start vermehren. 4. Der dauernde Friede erschlafft, verweichlicht, hat Martha fürchtet sich, den einzigen Sohn der Gefahr wie stehendes Sumpfwasser Fäulniß, nämlich den Verauszusetzen," bemerkte Tante Marie, welche diesem Gespräche fall der Sitten zur Folge. beiwohnte; fie vergißt aber, daß, wenn es einem bestimmt 5. Zur Bethätigung der Selbstaufopferung, des Helden
Jetzt wirst der Friedensanwalt diesen Einwand um und beweist, daß im Gegentheile, der Krieg den Menschen verroht und entmenschlicht
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Nun ja, das schon, aber Nr. 3.
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Dieses Argument, wenn von den Verherrlichern des Krieges angeführt, ist schon das allerunaufrichtigste. Cher dient es Jenen, die den Krieg verabscheuen und die für die grausige Erscheinung doch einen Grund, ein die Natur sozusagen entschuldigendes Moment auffinden wollen; aber wer im Innern den Krica liebt und ihn erhalten hilft, der