Nr. 54.
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23. Jahrg.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983.
Der alte Berliner Polizeifumpf.
Wieder einmal glänzt die Berliner Kriminalpolizei im Strahlenkranze ihres alten Weltrufes: die fähigste zu sein, wenn es gilt, Kapitalverbrecher nicht zu fassen; aber diesem Ruhmestranze hat sie einen neuen Stern jezt hinzugefügt: fie läßt Mörder, die ihr in die Hände gelaufen und die beim Transport wie Edelleute vom Schlage eines Hammerstein behandelt werden, wieder laufen.
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Dienstag, den 6. März 1906.
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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984.
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Burschen noch zu Schmerzensgeldern zu verhelfen! Erst der Erklärung, daß weiter nichts gelaufen sei" und vereinmüsse man wissen, ob man es mit einem gewöhnlichen Acht- barten eine Zusammenkunft auf Sonnabend im Wartegroschen- Lumpen zu tun habe oder ob ein Beamter der poli- saal erster Klasse des Bahnhofs Alexanderplatz , wohin F. tischen Polizei mit Wissen und im Auftrage seiner Vorgesetzten seinen Bericht über die Freitagsigung des Attionsausschusses folch fauberes Beginnen unternommen habe. Vernünftiger mitbringen soll, wofür ihm 150 M. schon in der ersten Zusei es, wieder einmal die Beweise zu erbringen, daß die Polizei fammenkunft versprochen worden waren. mit den alten Mitteln der Korruption arbeite. Daher solle er Am Sonnabend, den 3. März, pünktlich um 1 Uhr traf weiteren Prozeduren sich unterwerfen. Herr Neumann von der politischen Polizei ein; der So wurde denn von F. der Vorschlag, am Sonnabend ,,, Herr Kommissar" sei heute leider verhindert. Als 24. Februar, im„ Prälaten" mit dem Herrn Komob er eine Nase" für die Situation gehabt hätte, ließ er miffar sich zu treffen, angenommen. Vormittags 10 Uhr auch gleich mitteilen, daß er vorerst diesen Sigungen nicht marschierte F. zum„ Prälaten". Aber die wiederholten mehr beiwohnen werde. Umso kameradschaftlicher und Zwischen Kriminalpolizei und politischer Polizei besteht Reinfälle des Herrn v. Arnim und Dieners hatten die vertrauensseliger benahm sich Herr Neumann. Er hatte aber ein gewisser Gegensatz; obgleich aus gleichem Holze ge- Polizei vorsichtig gemacht. Herr X. nahm unseren Freund keine Ahnung, daß bereits bei der letzten Konferenz der sozialschnigt, macht die politische Polizei doch darauf Anspruch, über in eine Droschte, und der Weißlackierte" lenfte nach demokratische Ueberwachungsdienst in Gestalt eines eifrigen die fähigsten Köpfe und die fähigsten Beine zu verfügen. Wenn der Friedrichstraße; vor dem Bökow Ausschant" am Beitungslesers funktioniert hatte, heute aber ließ er alle VorTalente wie Tausch und in der Gewissenlosigkeit war er Friedrichstraßen- Bahnhof hielt man. Nach ein paar Minuten ficht so sehr außer acht, daß er in seinem eifrigen Gespräch gleich seinem Vorbilde, dem Meineid Stieber und gleich erschien der Herr Kommissar." Herablaffend und gar nicht bemerkt hatte, wie zwei Genossen, von denen namentfeinem letzten Herrn und Meister Krüger nahezu ein Genie freundlich tauschte er Gruß und Händedruck, nahm am Tische lich Genosse Ernst ihm persönlich gut bekannt war, ihn beim - auch nicht alle Tage wachsen, die Schöne und die v. Arnim Platz und gab seine Wünsche fund, während der Versucher mit Eintritt ins Lokal beinahe törperlich gestreift hatten; voll schäzen sich auch nicht gering ein; und Herr Wachtmeister Späheraugen den Eingang überwachte, um bor , leberraschungen" Genugtuung erzählte er, wie dumm sich sein Kollege X- wir Diener verfügt heute noch über so eifrige Beine wie ehedem, gesichert zu sein. Nur genaue Nachrichten wünschte der Herr wollen seinen Namen mit dem Mantel christlicher Liebe betvenn es gilt zu spät au fommen. Kommissar", nicht aufdringlich folle F. fragen, sich nicht vor- decken in Moabit bei einer bestimmten GelegenLitt die Kriminalpolizei bei der Hennigjagd unter einem drängen, über die Vorstandssigungen und Beschlüsse des Ations- heit benommen hatte, so daß er, als unfähig für die Uebermaß von Mißerfolg und einem Mindestmaß von An- Ausschusses folle er umgehend und eingehend berichten, aber politische Polizei, zur Straße zurückverfekt wurde." Etwas erkennung, so wollte gerade jetzt die politische Polizei zeigen, er folle die Sigungen pünktlich besuchen und sich ja wieder- enttäuscht war er, als Freund F. ihm mitteilte, von der twie viel mehr sie kann. Die Moabiter Lorbeeren des Herrn wählen lassen. Und hundert Mark wurden ihm in die gestrigen Aktionsausschuß- Sigung fönne er ihm leider keinen Polizeirats v. Arnim schienen seinem Kollegen leicht zu er Hände gedrückt, die solle er nur nehmen, die seien ihm ge- Bericht geben, da er durch einen Brief des Genossen Liepreichen; und wenn man es nur ein bißchen flüger anfängt, fchentt; jeden Bericht, den er liefere, erhalte er bezahlt, auf mann an diesem Abend nach Schöneberg geschickt worden sei. wozu ihm wirklich nicht viel zu gehören schien, so konnte man 200 oder 250 m. pro Monat komme es nicht an. Und Run wollte Neumann für den Herrn Kommissar" wenigstens unmöglich so plump hereinfallen, wie es Herrn v. Arnim Furcht vor Entdeckung brauche er nicht zu haben. Die diesen Brief mitnehmen; mit Bedauern konnte F. ihm mit seinem getreuen Schildhalter Diener zweimal hinter Nachrichten in der Antisozialdemokratischen Korrespondenz" diesen Gefallen nicht erweisen, weil er leicht in eine falsche einander passiert war. Der amtliche Umgang mit ihren und in der" Post" stammten nicht von der Polizei, die sei Situation geraten tönnte, wenn Genosse Liepmann diesen Brief Nichtgentlemen" mag bei den Herren der politischen Polizei froh, wenn sie selber etwas erfahre, fie bringe nichts in die zurückforderte. Treuherzig stimmte Herr Neumann, dieser im die Menschenschätzung tief niedergedrückt und ihre Gabe, Ehr Presse. Ehrenhaft und charaktervoll hatte die Stüße des Gegensatz zu dem Moabiter Kollegen so gewiegte Beamte, gefühl und Charakterstärke zu beurteilen, stark vermindert haben, Herrn Kommissar" schon vorher wie mit dem Dreschflegel eine wahre Zierde der politischen Polizei, dieser Weigerung zu aber die Erfahrung, welche die Polizei erst jüngster Zeit mit auf die Redaktion des Vorwärts" als die Hintermänner der mit der Erklärung: Ja, ja, Sie haben recht, Herr Fischer, ihren Fangprämien gemacht hat, müßte fie doch nachdenken Boft" hingewiesen, als er vor dem Erscheinen des von ihm man muß in diesen Dingen immer vorsichtig sein!" Und gelehrt haben. Wenn selbst unter der verwahrlosesten Schicht als der Kommissar" bezeichneten Herrn beschwichtigend zu F. vorsichtig lehnte Herr Neumann daher unserem Freunde F. die des Berliner Verbrecherproletariats die 1500 m. keinen Verräter geäußert hatte: diese Nachrichten würden wohl von einem Aushändigung des Fragebogens ab, den er vom Polizeipräsidium züchten konnten, wenn selbst da die Solidarität stärker ist als der Redakteur des Vorwärts" selber in die" Post" gebracht mitgebracht hatte und im einzelnen mit&. durchging. Aber Hunger nach Gold, welche Unfähigkeit in der Beurteilung von worden sein! Diese Herren, die so große Gehälter bezögen, a bichreiben sollte ihn F., und er gab ihm zu dem Zweck Menschen gehört dazu, anzunehmen, einen seit Jahren in der während die armen Genossen die Parteiarbeiten umsonst ver gleich einen Foliobogen mit dem Stempel der politischen Berliner Arbeiterbewegung tätigen und mit Vertrauensposten richten müßten, verdienten manchmal noch nebenbei durch Bolizei, trennte aber vorsichtig, wie nur ein so gewiegter betrauten Genossen mit ein paar lumpigen hundert Mart solche Berichte! Beamter der politischen Polizei sein kann- vorsichtigerweise den amtlichen Stempel aus dem Papier, so daß wir jekt mur
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faufen zu können zum schuftigen Verrat an seinen Genossen Eine solch nichtswürdige Verleumdung erscheint aus und seinen Jdealen! Stumpft der Polizeidienst wirklich so dem Munde eines Beamten geradezu ungeheuerlich; den Fragebogen ohne diesen Stempel haben. sehr ab? Diebe und Einbrecher, die unter Polizeiaufsicht da muß- so war unsere Meinung- ein Mißverständnis Als Herr Neumann die für Sonnabend so verlockend in stehen, kann man als Horcher und Lauscher und Provokanten seitens unseres Genossen F. vorliegen, der aber auf wieder- Aussicht gestellte Bezahlung vornahm, zeigte sich die ganze in die Wahlvereine schicken und vielleicht hat gerade diese holtes Vorhalten versicherte, nach bestem Wissen und Gewissen Noblesse der politischen Polizei: statt der versprochenen Verbindung mit der Polizei solche Elemente, wie die legten müsse er erklären, so habe die Aeußerung gelautet und er 150 Judas- Silberlinge brachte er nur 100 Mart heraus, für Wochen zeigten, zum Glauben gebracht, sie könnten sich jetzt tönne mit seinen fünf gesunden Sinnen sie nicht anders auf die der Kommissar sich ja schon vorher hatte die Quittung leichter wie früher nebenbei wieder ihrem alten Handwerk widmen! faffen! Von einem Mißverständnis fönne nach seiner Auffassung ausstellen lassen. Künftig follte F. auch nicht mehr mit dem Und wie armselig ist die Phantasie und Einbildungsgabe teine Rede sein. Sonnenringe zeichnen, sondern das Kreuz sollte er über den
unferer politischen Polizei, daß sie immer nach der alten Triumphierend und strahlend vor Vergnügen, daß ihnen Kreis schreiben. Schablone arbeitet! Da ist ein Genoffe, dem es gerade nicht dieser große Burf gelungen", schieden die Herren von der allzu rofig geht, der tapfer mit den Bidrigkeiten unserer politischen Polizei- denn als solche hatten sie sich unserem fozialen Verhältniffe fämpft, flugs tommt gleich dem Ver- Freunde entpuppt mit der Bitte, von der Montagsigung führer in der Bibel der Böse in Gestalt des politischen des Vorstandes des sechsten Wahlvereins einen kurzen Bericht Agenten und bietet ihm schnöden Judaslohn, wenn er bezu liefern. Seine Berichte solle er nicht mit seinem Namen, schimpft und verrät, was gestern ihm noch heilig war!
Die alten Mittel.
Geht da am 19. Februar aus einer Vorstandssitzung unser Genoffe Karl Fischer aus dem 6. Wahlkreise einsam in stiller Nacht seiner Wohnung zu. Vertraulich gefellt sich zu ihm eine dunkle Gestalt
und fängt
sondern mit dem Zeichen unterschreiben; mit dem gleichen Sonnenring mußte er die Quittung über die empfangenen 100 M. unterzeichnen.
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Der Reinfall.
Was sollen wir über die Tragikomödie noch weiter schreiben! Als die Sigung aufgehoben wurde, Half Herr Neumann höflich, wie nur Schußleute sein können, seinem Freunde" F. in den Ueberzieher, blieb aber, plöglich mit ausgestrecktem Arme im Aermel feines Ueberziehers sprachlos eine Weile stehen, als er jählings Genossen Ernst vor sich stehen fah. Es war ein Bild für Götter diese Verblüffung! Ein
Was die Polizei verspricht und was fie hält. Am Dienstag, den 27. Februar, dem patriotischen Fest mit ihm zu philosophieren an über die Misere der tage der Silberhochzeit, sollte abermals eine Besprechung im paar Augenblicke kämpfte er mit sich selber einen Kampf, ob jezigen Verhältnisse, um damit zu schließen, daß für einen Bözow- Ausschant in der Friedrichstraße stattfinden. Nach ge- er im Ueberzieher mit dem Kopfe verschwinden oder verlegen intelligenten Mann es immer Mittel und Wege gebe, feine wohnter Tattit ging man aber von dort ins„ Café New York " lächeln solle. Endlich zog er letteres vor. Und als höflicher Verhältnisse aufzubessern und für Weib und Kind mehr heim- in der Dorotheenstraße, wo eine freundliche Hebe den fühlen Mann zog er grüßend den Hut, als er schnellen Schrittes zubringen. Harmlos geberdet er sich und stellt die Sache leicht hin: Trant spendete, sich aber dann gleich zu einem erschienenen an Ernst vorbei zur Tür eilte, so daß er gar keine wer so viel wisse und erfahre, wie unser Freund F., der könne alten liebenswürdigen Bekannten gefellte, so daß die Unter- Antwort auf die wohlwollende Frage des Begleiters von solche Nachrichten immer verwerten: andere tun das auch und haltung ungestört beginnen konnte. Der von den beteiligten Ernst, Genossen N. Fischer, hatte: Heute haben Sie man verlange ja nichts zu wissen, was man später nicht doch Genossen angefertigte Bericht" entsprach anscheinend wohl kein gutes Geschäft gemacht? Vielleicht geht's nächste erfahre. Und als unser Freund sagt, damit gebe er sich nicht nicht den Erwartungen der Herren von der politischen Polizei. Mal beffer." Er stürmte davon. Born am Hallenausgang ab, er wolle tein Reporter werden, verabschiedet er sich an Ein leiser Ton des Vorwurfs flang daraus, daß der Bericht" tam ihm plötzlich ein Gedanke: schnurstrads machte er kehrt, der Türe mit der Bitte, F. möge darüber nachdenken, er werde Dinge, wie die mit den Gewerkschaften vereinbarte Regelung eilte zum Bartesaal zurück, hörte auf die wohlwollenden gelegentlich wiederkommen. der Versammlungstage, bringe, die bereits heute im Worte:" Bleiben Sie ruhig da, jetzt ist's zu allem Am vierten Tage darauf kam er wieder. Aber unser Ge- Vorwärts" ständen. Auch daß beim Stiftungsfest bie ge- zu spät!" gar nicht hin, sondern bat Genosse&. ihm nosse F. hatte gleich am anderen Morgen mit ein paar wohnte Kontrolle stattfände, erschien so wenig wichtig, wie wenigstens den Fragebogen und die zwecks Berichterstattung Freunden Rücksprache genommen, die freilich feinem Vor- die Mitteilung, daß in allen Wahlkreifen einheitliche Formulare übergebenen Kuverts mit Adresse zurückzugeben." Aber selbst schlage: dem sauberen Burschen die Verräterabsichten mit für den Beitritt zum Wahlverein zur Einführung gelangen dief: fleine Bitte konnte ihm F. nicht erfüllen, und so zog Proletarierfäusten ein für allemal und so gründlich aus dem sollen und daß ein Herr Vorträge mit Lichtbildern abzuhalten denn gleich einem betrübten Lohgerber Herr Neumann langsam Leibe zu treiben, daß er die Lust an solcher Arbeit auf die sich erboten habe. Großmütig gingen aber die Herren über nach dem Polizeipräsidiums Gebäude zu, dort die freudige Dauer verlieren solle, nicht zustimmten. Zu was denn dem diese Mängel der„ Lehrlingsarbeit" hinweg, trösteten sich mit Botschaft zu künden.
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