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Ur. 68. RbonnementS'Bedlnsunsen: ÄBomienicnlä- Preis pränumerando! BierteljShrl. ZLV Mr, monoU. 1,10 SRI,, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. irinzelne Nummer S Pfg. Sonntags. »unimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post. Abonnement: 1.10 Wart pro Monat. Eingetragen in die Poft-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarti 2 Marl, für das übrige Ausland -z Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien , Dänemark , Holland . Italien , Luxemburg . Portugal . lltumänien, Schweden und die Schweiz . 23. Jahrg. kllcheinl lag»»»8er montags. Verlinev VolKsblcM. Zcntralorgan der rozialdcmokratifcbcn Partei Deutschlands . Die TnIfrlion$»Gebüi)f betrögt für die fechsgefpaltene Kolonel- zeilc oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschaslliche Vereins. tmd VersammIungs.Anzeigen ZV Pfg. Klelnt Hnzeigen". da» erste(fett. gedruckte) Wort all Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigen daS erst« Wort lv Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Wort« über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate silr die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Di« Expedition ist vi» 7 Uhr abend« geöffnet. »elegramm. Adresse: SnuiMMknt leriin" Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 6g, JvernfUrrrfier! Amt IV. Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenstraaec 69. Fernsprecher! Amt IV. Nr. 7984. Büitelei und Spitzelei. Wie wir bereits mehrfach feststellten, hat es diesmal die bürgerliche Presse mit einigen verschwindenden Ausnahmen für unnötig gehalten, von dem neuesten Spitzelreinfall der Verliner politischen Polizei Notiz zu nehmen. Namentlich die freisinnige Presse bewies wieder einmal ihre politische Gewissenhaftigkeit und Genialität durch völliges Totschweigen der skandalösen Affäre. Daß die reaktionäre Presse über den so kläglich mißlungenen Bespitzelungsversuch mög- lichst schnell zur Tagesordnung überzugehen suchte, ist ja be- greiflich. Ebenso wenig nehmen wir es Blättern vom Schlage derTäglichen Rundschau" und derBerliner Neueste Nachrichten" übel, wenn sie mit zynischer Gelassen- beit die Frage aufwerfen, was denn an dem Vorkommnis überhaupt Bemerkenswertes sei? Die betreffenden Beamten hätten zwar etwas pfiffiger zu Werke gehen sollen, allein die systematische Spitzelei der politischen Polizei sei ganz in der Ordnung gegenüber einer Partei, die den Umsturz des Staates erstrebe und selbst keinen Anstand nehme, ihr zuge» tragene Heimlichkeiten dieses Ordnungsstaates der Oeffent- lichkeit preiszugeben. FürOrdnungs"organe ist diese Auf- fassung der inneren Politik ja ganz in der Ordnung. Zu- mindest von der freisinnigen Presse hätte man freilich erwarten sollen, daß sie diesen Standpunkt nicht teile, viel- mehr nicht nur das Unmoralische, sondern vor allen Dingen auch das beispiellos Unsinnige einer solchen staat- lichen Spitzel, und Bütteltaktik zu begreifen imstande sei. Die Spitzeltaktik, die sich in dem täppischen Reinfall des letzten Polizeicoups offenbarte, ist ja keine Einzel- erschein» ng in unserem politischen Leben, sondern ebenso wie die Bütteltaktik der gewaltsamen Knebelung der modernen Arbeiterbewegung nur der Ausfluß des ganzen Systems. Die Arbeiterklasse kämpft um die Eroberung politischer Rechte, für eine Umgestaltung unserer ungesunden sozialen Verhältnisse und die herrschenden Ge- walten unseres Klassenstaates glauben dieser allgewaltigen. in dem breiten Strombett des modernen Klassenkampfes un- widerstehlich einherflutenden Bewegung durch die kleinlichsten und gehässigsten Polizeimittel einen Damm entgegensetzen zu können! Das System der Schikanen, der Drangsalierung und der Bespitzelung, das der Arbeiterbewegung gegenüber kläglich versagte, als sie noch eine kleine Partei war. die nur einige hunderttausend Anhänger zählte, das unter dem Sozialistengesetz schmählichsten Schiffsbruch erlitt, soll heute noch gut und wirksam genug sein, um der D r e i m i l I i o- nen Partei Herr zu werden. Das ist eine so bodenlos unsinnigeTaktik, daß die Sozialdemokratie selbst da- für nur ein Hohnlächeln hat. Aber gerade den frei- sinnigen Parteien, denen es als Anbänger des bürger- lichen Staates und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung doch durchaus nicht gleichgültig sein kann, wenn dieser Staat sich blamiert und diskreditiert, hätte die neueste Spitzelaffärc alle Veranlassung geben müssen, gegenüber einer solch törichten und blamabeln Taktik den allerschärfstcn Protest zu erheben I Daß die Bureaukratie noch heute mit den kindischen Mittelchen aus sozialistengesetzlicher Zeit arbeitet, darf bei der Schwerfälligkeit dieser Bureaukratie nicht wunder nehmen. Sie zehrt noch an den glorreichen Traditionen der Zeit der Pcuckcrt, Tausch und Konsorten, jener Zeit, wo man anarchistische Wahnsinnstaten züchtete, um dem Spießertum einen Greuel vor dem Umsturz einzuflößen. Daß alle diese Lockspitzcleien nichts fruchteten, daß die Arbeiterklasse� im Gegenteil um so rascher die anarchistischen Kindereien über- wand, um sich in der sozialdemokratischen Partei eine macht- volle Waffe des Klassenkampfes zu schmieden, das braucht eine subalterne Bureaukratenintelligenz nicht stutzig zu machen. Und schließlich existiert ja die politische Polizei, damit sie sich auch in ihrer Art ein Tätigkeitsfeld sucht i nicht sie, die Erckutive des Klassenstaates, ist in letzter Instanz für die läppischen Methoden der Spitzelei verantwortlich, sondern ihre A u f t r a g g e b e r. der P o l i z e i st a a t. Und wenn die bürgerliche Presse ihr vorwirft, daß sie ihr Handwerk allzu plump betreibe, so sollte man bedenken, daß sie nicht verpflichtet ist, mehr Intelligenz zu be- sitzen, als ihr Arbeitgeber. Die Verantwortung für die Tölpeleien der untergeordneten ausführenden Or- gane fällt also zurück auf den eigentlichen Verant- wortlichen: den Oronungsstaat, der eine politische Polizei unterhält, damit sie die proletarische Klassenbewegung un- schädlich mache. Und zu den Verantwortlichen gehört auch das liberale Bürgertum, das eine so abgeschmackte und sinnlose Institution wie die politische Polizei duldet. das nicht einmal einen Versuch macht, dies Rudiment vor- märzlichen Polizeigeistes zu beseitigen, das krampfhaft beide Augen schließt, um ja nichts von der vorsint- flutlichen Polizciwirtschaft sehen zu müssen, die ein modernes Staatsgcbilde dem Fluche der Lächerlichkeit preisgibt. Schon der famose Fragebogen der politischen Polizei hätte der freisinnigen Presse die Augen über die unsäglich rückständigen Auffassungen dieses Institutes und seiner Ar- beitgeber öffnen müssen. Da wollte man erfahren, wann TemonstrationSversammlungen geplant seien: wie diesmal der Fricdhofsbcsuch am 18. März arrangiert werde: wann und zu welchem Zweck Parteivorstand und Berliner Stadt- verordnete mit dem Aktionsausschuß zusammenkämen: wie sich dieleitenden Kreise" zur Frage des politischen Massen- streiks stellten. Diese Fragen entsprangen doch sicher nicht müßiger Neugier, sondern der revolutionsromantisch oben- teuerlichen Vorstellung, daß die genannten Parteiinstanzen eine gefährliche Verschwörerbandc bilden, bei deren Zu- sammenkünften die furchtbarsten Attentate gegen den Staat und die heilige Ordnung angezettelt würden. Nachdem durch die rechtzeitigen Enthüllungen derTäglichen Rundschau" und derPost" am 21. Januar Thron, Altar und Eigentum glücklich vor einer schrecklichen Gefahr bewahrt worden, gilt es jetzt, neuen Anschlägen rechtzeitig auf die Spur zu kommen, damit wiederum die nötigen Vorbereitungen getroffen wer- den können, um Putschversuche gleich im Keime zu ersticken. Wir übertreiben nicht: denn wenn nicht in maßgebenden Kreisen solche Wahnvorstellungen verbreitet waren, wozu hatte man dann an dem Wahlrechtssonntag in ganz Preußen solch beispiellose kriegerische Vorbereitungen getroffen, durch die man im Auslande, dem man doch sonst so zu imponieren sucht, den Anschein erwecken mußte, als stehe Deutschland am Vorabend einer Revolution? Oder wäre die Mobilmachung nur deshalb erfolgt, um der Arbeiterklasse eine Lektion über das Wesen des Klassenstaates und der Klassenregierung zu er- teilen, wie sie nachdrücklicher nicht erteilt werden konnte?! Sind aber in maßgebenden Kreisen solch revolutions- romantische Vorstellungen verbreitet und ist ein konflikts- lüsternes Scharfmachertum bemüht, diese Vorstellungen nach Kräften zu nähren, um russische Zustände gewalt- sam heraufzubeschwören, so wäre es die vor« nehm st e Pflicht des Liberalismus, diesen ver- hängnisvollen Auffassungen mit allem erdenklichen Nachdruck entgegenzutreten! Der Liberalismus weiß und muß wissen, daß die Sozialdemokratie die Putschtaktik verwirft, daß sie eine organische Umgestaltung der politischen und sozialen Ver- hältnissc erstrebt. Er weiß, daß die leitenden Instanzen der Partei keine Verschwörungskonventikel sind, sondern lediglich Exekutivorganc der Partei, deren prinzipielle und taktische Bestrebungen stets in aller O e f f e n t l i ch k e i t in der Presse, der Literatur und auf den Parteitagen diskutiert und festgelegt worden sind. Der Liberalismus weiß also, wie albern es ist, der Sozialdemokratie törichte Ueberrumpe- lungsabsichten zuzutrauen, wie kindisch es deshalb ist. sie be- spitzeln lassen zu wollen. Aber er weiß auch, er mutz es wissen, daß diese Bespitzelungstaktik nur das Symptom. der Gradmesser der Nervosität der herrschenden Kreise ist, und daß eS nichts Schädlicheres und Gefährlicheres für eine ge- sunde und normale EntWickelung der innerpolitischen Zu- stände geben kann, als eine solch krankhafte Nervosität und revolutionsromantische Gespenstersehcrei. Der L i b e r a l i s- m u s begeht also die s ch l i m m st e politische Pflicht- versäumniS, wenn er dieser Politik der Spitzelei und Büttelei nicht mit aller Energie entgegentritt! Von der Reaktion kann man nicht erwarten, daß sie ruhige Vernunft genug besitzt, um aus den Zeichen der Zeit zu lernen. Sic will ihren Besitzstand politisch und materiell uneingeschränkt behaupten. Da sie dem Volke keine Zugeständnisse machen will, so muß sie ihr Heil in Gewaltmitteln suchen. Ihr Fiasko während des Sozialisten- gesetzes hat ihr so wenig historisches Verständnis einzupauken vermocht, wie jetzt die russische Revolution, deren furchtbares Wiederaufflammen selbst von ehrlichen Reaktionären in sicherste Aussicht gestellt wird. Die Reaktion denkt nicht an ernsthafte soziale Reformen, an politische Konzessionen: ihr Alpha und Omega ist die Gewalt, der Appell an Polizei und Bajonette. Aber der Liberalismus behauptet doch, Rc- formen in Ausdehnung der politischen Rechte zu wollen. er steht doch selbst auf dem Standpunkt, daß die Gewalt schließlich der Gewalt unterliegen müsse. Um so rätselhafter ist es da. daß er nicht mit beiden Händen nach jeder Gelegenheit greift, der Reaktion das Unsinnige aller plumpen Polizeikniffe vorzuhalten und ihr die Not- wendigkeit einer gesunden und vernünftigen inneren Politik darzutun. Statt dessen entwürdigt sich unser Liberalismus zum Hehler und Beschöniger der reaktionären Taktik! Und dieser Liberalismus, der feine elementarsten politi- schen Pflichten verabsäumt, der jede reaktionäre Torheit und Provokation mit schonendem Schweigen übergeht, wiegt sich noch in dem eitlen Wahne, die deutsche Arbeiterklasse der Sozialdemokratie abspenstig machen zu können! Die Revolution in Rntzlanv. Zur Charakteristik des Leutnants Schmidt. DieRuß " veröffentlicht folgende Aufzeichnungen, die de? jetzt zum Tode verurteilte Leutnant Schmidt während seiner Gefangen- schaft in den Kasematten der Festung Otschakow gemacht hat: Bon meinem IS. Jahr an beschäftigte ich mich mit dem Studium sozialer Wissenschaften. Da mir die nötige Anleitung fehlte, war all mein Wissen völlig systemlos, jedoch entwickelte sich bei mir eine Neigung zur sozialistischen Gesellschaftsordnung: ich begriff sie nur unklar, da ich, bei der damals schwachen EntWickelung der politischen Oekonomie. nur durch Lektüre der Utopisten der alten sozialistischen Schule so weit gekommen bin. Es war die Zeit der 80er Jahre, die Zeit schwerer Unterdrückung, al» die besten Leute, die ihr Wissen ins Bolls tragen wollten, verhaftet waren und dies unter den übrig Gebliebenen Erbitterung und Terror hervorrief. Meine noch unvollständige Weltanschauung in diesen jungen Jahren gab mir kein Recht, an der politischen Tätigkeit teil- zunehmen; gegen den Terror, der schon damals angewendet wurde. empfand ich Abscheu, auch gegen die Propaganda der Sozialisten- Revolutionäre, die bestrebt waren, den Bauern und Soldaten Feindseligkeit gegenüber dem Gutsbesitzer einzuflößen. Ich hätte mich gern einer rein kulturträgerischen Propaganda angeschlossen. welche dem Bolle die wahren Ursachen der traurigen russischen Zustände dargelegt»nd in dem Hinweis bestanden hätte, daß das Boll keinen Anteil an der Gesetzgebung und keine Kontrolle über die Administration hat. Als ich 17 Jahre alt war, machte ich die Bekanntschaft des Professors der politischen Oekonomie. Karischew. unter dessen Leitung ich mich eingehend mit diesen Fragen be- schäftigte. Meine neu erworbenen Kenntnisse brachten mich zu der wissenschaftlichen Ueberzeugung, daß der sozialistische Staat eine historische Notwendigkeit ist. und darauf beruhen meine politischen Ueberzeugungen. Wer aufmerksam die sozialen Wissenschaften studiert hat. kann nicht umhin, ein Sozialist zu sein; wer sich von der Unvermeidlichkeit der kommenden Weltwahrheit überzeugt hat. der wird seinen Blick von ihr nicht abwenden können, und wenn er für das Wohl anderer zu leiden fähig ist, so wird er sein Leben für die Beschleunigung des historischen Prozesses hingeben.... Den größten Teil meines Lebens bin ich auf offener See gewesen, und da ich in der Handelsflotte war, so war ich durch die Verhält- nisse vom russischen Leben entfernt. Meine Teilnahme am öffent- lichen Leben beschränkte sich auf den Wunsch der Verbesserung der ökonomischen Lage des Proletariates, das ich in der Handels­flotte um mich sah; ich sympathisierte offen mit den ökonomischen Streiks, die damals verboten waren, da ich in ihnen das einzige Mittel des Kampfes mit der Kapitalistenklasse sah. Gleich zu Anfang dcS Krieges wurde ich zum Dienst in der Marine berufen. Der Aufenthalt in Libau während der 8 Monate, die der Ab- fahrt der Flotte RoschdjestwenSkyS vorhergingen, offenbarten vor mir diejenigen eiternden Wunden des bureaukratijchcn Regimes. die ich in der Handelsflotte nicht zu Gesicht bekam. Ich sah. daß in diesem furchtbaren Mechanismus alles belohnt und gefördert wurde, nur die ehrliche Arbeit nicht. Ich sah, wozu die vom blutigen Schweiß deS Volkes getränkten Millionen verwendet werden, und es widerte mich an. an diesem System teilzunehmen. Aus Port- Said kehrte ich krankheitshalber nach Sewastopol zurück; es war im Januar, kurz nach den blutigen Ereignissen des 23. Meine ganze freie Zeit widmete ich Gesprächen mit den Flottenoffizieren; ich versuchte sie zu überzeugen, daß ihr Schwur, ihr Eid. von dein sie so viel sprechen, ihnen die Pflicht auserlege, dem Zaren die Wahrheit zu sagen.... Aber bald verlor ich jede Hoffnung, in ihnen daö moralische Pflichtgefühl wachzurufen. Der Fall Potemkin", der bald darauf die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zog. kam für mich ganz unerwartet; ich war der Meinung, daß Aufstand und Demonstrationen nicht die richtigen Mittel seien, um Rußland zu retten. Mit politischer Propaganda unter den Matrosen beschäftigte ich mich nicht, da ich sie für unmoralisch hielt. Die darauf folgend« Zeit war ich krank und ich verbrachte meine Zeit mit der Lektüre meiner geliebten Bücher und in der aufmerksamen Beobachtung der Ereignisse. Meine Gesundheit wurde wieder hergestellt kurz vor dem Oktoberstrcik. mit dem ich außerordentlich sympathisierte, da der Streik ein mächtiges Kampf- mittel ist. Ich verstand, daß alles, was durch Petitionen zu er-' reichen war. in Rußland bereits geschehen sei und nur der Streik. als einziges Mittel, in Betracht komme. Nach der Verkündung deö Bulyginschen DumagcsetzeS sah ich erst, wie tief die Bureaukratie das Flehen des russischen Volkes verachtet. Das Manifest vom 30. Oktober, das die Freiheit zwar verkündet, aber nicht verwirklicht hatte, brachte das Ende des Streiks. Nach diesem Manifest bewies die Verhängung des Kriegs- zustandeS über IS Gouvernements, daß die Bureaukratie auch hier den Willen des Zaren nicht durchzuführen gewillt fei. Da» ein- zige Mittel zur Rettung des immer mehr mit Bauernblut über- strömten Vaterlandes war die Einberufung der konstituieren- den Versammlung; aber ich glaubte, daß eS nicht ein bloßes Bersprechcn sein müsse, daS man nachher wieder verleugnen kann, sondern ein Ereignis, welche» die Bureaukratie unwider- ruflich unter die Kontrolle deS Volkes stellen müßte; ich tvar des- halb der Ansicht, daß das Voll einen nach seiner Kraft noch nie dagewesenen Masscndruck auf die Bureaukratie auL- üben müßte, um sie zu dieser Einberufung zu zwingen, in der ick, daö einzige Mittel der Erlösung Rußlands sah. Meine Dienst- cntlassung, die plötzliche Popularität, die ich nach meinen Reden auf dem Kirchhof erworben habe, die zahlreichen Sympathie- bczeugungcn, die mir von verschiedenen Städten und Instituten zukamen, endlich das Bewußtsein, daß ich zum Volle sprechen könne, bewiesen mir die Notwendigkeit, in die großen Industrie- zcntren zu fahren und die breiten Massen endgültig davon zu über- zeugen, daß die Zeit der ökonomischen Streiks vorüber sei, daß man einen allgemeinen politischen Streik erklären und die For» derung einer konstituierenden Versammlung aufstellen müsse. Um dieselbe Zeit begann der Streik der Matrosen in Sewastopol und verschlimmerte sich mit jedem Tage; ich ging zum Stadthauptmann und sagte ih»>, daß ich die Leute beruhigen könnte, wenn man verspreche, die Anführer nicht zu bestrafen. Mein Vor- schlag wurde aber nicht angenommen.... Am LS. November kamen zwei von dem Geschwader abgeordnete Matrosen zu mir. Ich sagte ihnen, daß meiner Meinung nach die Pflicht jedes Russen sei, die Einberufung der konstituierenden Versammlung zu fordern. Um 3 Uhr sprach ich in einer Versammlung aus dem Boulevard. wo ich die Geschichte der russischen freiheitlichen Bewegung skizzierte, die Unfruchtbarkeit der Ausstände und Demonstrationen und die