Mr. 80.
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Berliner Volksblatt.
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Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands.
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.
Bülow Details.
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II.
Donnerstag, den 5. April 1906.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984.
deutsche Regierung damit andeuten, daß sie auch ein Stück weiß ja, wie auch die Zuchthausvorlage aus solcheinem rafch aus dem großen Kuchen für sich erhalten wolle. Er ant- gesprochenen Worte entsprang.
wortet mit einer längeren Note( Gelbbuch Nr. 272), deren Es liegt aber in dieser Erklärung des Fürsten Bülow Schluß ist, daß eine direkte Verständigung besser sei noch mehr: nämlich das Eingeständnis, daß er für seine Delcaffés Bendung zu einer kriegerischen Politik seit dem als eine Konferenz, mindestens aber, daß sie die Person den Franzosen ihre marokkanische Politik gar nicht erMai 1905 war an sich durchaus verständlich. Aber die fran- Vorbedingung dazu sei. Die Erörterung endet demnach am schweren möchte. Jenes vielsagende Lächeln und die Verzösische Kammer, in erster Linie die Sozialisten, wollten den 21. Juni an derselben Stelle, wo sie am 10. Juni begann. heißung:„ Vielleicht in einem Jahre," dann die direkte AufStrieg nicht, auch wenn man ihm mit Fug und Recht den Das Rätsel der deutschen Politik ist immer noch nicht forderung: Wenn aus den internationalen Reformen nichts Charakter des Verteidigungskrieges hätte geben können. Der gelöst. wird, dann könnt ihr wieder machen, was ihr wollt!" Das Ministerpräsident Rouvier übernahm die auswärtige Politik Da erhebt sich der Leu- Fürst Bülow selbst tritt in find Zeichen dafür, daß er selbst so bald wie möglich aus der und damit den Versuch, trotz der deutschen Schroffheit zu einem höchsteigene Aktion( Gelbbuch Nr. 276). In einer langen unfeligen Konflittstellung hinauskommen möchte. erträglichen Zustand zu kommen. Was er dabei erlebte, Berhandlung mit dem französischen Gesandten in Berlin er Die folgenden Unterredungen sind voll von solchen Verschildern die Aftenstücke des Gelbbuchs mit ziemlicher Ausführ- flärt er rund heraus, ein Programm dessen, was auf der heißungen: noch am 25. Juni selbst heißt es: lichkeit. Das Weißbuch bietet darüber hinaus nur anderthalb Sonferenz verhandelt werden solle, könne er nicht geben. Das neue Aftenstücke, und doch ist gerade hier einer der merk- hieße in die Souveränität des Sultans eingreifen und seine würdigsten Charakterzüge der deutschen Diplomatie zutage Empfindlichkeit reizen!- Vokabelpolitik! Dann aber wird getreten. er mysteriös: man dürfe diese böse, sehr böse Frage nicht Zunächst betrachtete die deutsche Regierung den Sturz verschleppen, nicht allzu lange verweilen auf einem Wege, der Delcafsós als ihren Sieg und ihren Erfolg. Der Kaiser an Abhängen, ja an Abgründen vorbeiführt". Und dann machte den Grafen Bülow zum Fürsten und stellte damit wieder wird er verheißungsvoll lächelnd: Bülows Tat der Reichsgründung des alten Bismarck gleich! Damit aber waren lediglich Lorbeeren auf Vorschuß erteilt; denn nun kam es erst darauf an, ob Bülow es wirklich erreichen werde, daß Rouvier in die internationale Konferenz willigte.
„ Er segte mir auseinander, berichtet der französische Gesandte, wie nach seiner Ansicht die Konferenz zu diesem Ziele( Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich ) führen werde; ohne jemand tadeln oder angreifen zu wollen, hat er mir erklärt, daß Deutschland heute nicht tun könne, to a s es sicher vor einem Jahre noch gefonnt haben würde und fügte er lächelnd hinzu- was es vielleicht in einem Jahre wieder tun kann!"
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Am 10. Juni fand darüber die erste Unterredung zwischen Rouvier und dem deutschen Gesandten v. Radolin statt. Rouvier erklärte, seine Entscheidung noch in der Schwebe So orakelhaft das klingt, es ist doch zu verstehen:„ hätte halten zu wollen, aber er müsse doch sagen, daß ihm die Sonferenz unnötig scheine. Ohne eine vorherige Ver- Delcassé uns im Sommer 1904 gefragt, wir hätten ihm alles ständigung darüber, was auf der Konferenz eigentlich be- bewilligt!", Jezt können wir's nicht aber in einem Jahr, Der Minister fennt ja die Plöglichkeit der dabei lächeln, dem Gegner gegenüber an diese Plöglichkeit zu erinnern und ihn darauf vertrauen zu lassen.
Der Kanzler hat feierlichst erklärt, daß weder er noch der Kaiser, der befragt worden war, dem zustimmen würde, daß auch nur die geringste Demütigung Frankreich auf der Konferenz zu gefügt werde."
Am 1. Juli forderte Rouvier in einer Unterredung mit dem deutschen Gesandten in Paris ,
„ daß wir darauf rechnen, daß die deutsche Regierung unseren Absichten bezüglich des internationalen Mandates nicht widersprechen werde, das wir von der Konferenz fordern werden." Der deutsche Gesandte ließ dabei nicht die geringste Entgegnung merken.( Gelbbuch Nr. 284.)
Am 8. Juli werden die gemeinsamen Erklärungen beschlossen, in denen die französische Regierung die Einladung zur Konferenz annahm. Sie enthalten den Sat:„ daß die französische Regierung sich überzeugt habe, daß die deutsche auf der geplanten Konferenz feine Ziele verfolgen werde, die dte berechtigten Interessen Frankreichs in diesem Lande in Frage stellen" usw. Am selben Tage schließt Fürst Bülow in
schlossen werden solle, sei es doch unmöglich, die Einladung deutschen Entschlüsse; er entblödet sich nicht, er selbst muk Berlin die Besprechungen mit dem Sat:
Mort:
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Es sei ein Unterschied zwischen dem Widerstand, den er vor der Konferenz glaube unseren Wünschen entgegenseßen zu müssen, und der Leichtigkeit, mit der er unfere legitimen Ansprüche annehmen werde, wenn man seinem Worte Vertrauen schenke und wenn die Konferenz zusammentrete."( Gelbbuch Nr. 285.) Ci
anzunehmen. einer Deutschland und Frankreich sei die Konferenz überflüssig; denn dann könne man eben nach dem gemeinsam festgesetten Plan gemeinsam handeln. Und eine internationale Konferenz fi Ein leiser Verdacht regt sich hier: sollte gar der Reichsdoch immer ein etwas gefährliches Ding, bei dem man nie fanzler im innersten Herzen wünschen, er könne den Franzosen wiffen könne, was alles herausspringen fönne. Also noch entgegenkommen; nur im Augenblick gibt es noch andere mals der Antrag auf direkte Verständigung! Stimmungen, die mächtiger sind als er, und darum rät er Das also ist der große Sieg", den Bülow über Roubier Und wieder lehnte die deutsche Regierung ihn abi zu warten. Die Konferenz ist nötig, nicht um der auswärtigen erfocht, als er Frankreich , wie unsere Chauvinisten sagen,„ auf Der Gesandte schloß die Unterredung mit dem scharfen Stimmungen in der deutschen Zeitung selbst Zeit zu geben, franzöfifchen Wünschen entgegenzukommen, sobald sie ihm in Lage willen, sondern um gewissen Spannungen und die Konferenz zwang". Tatsächlich hat er versprochen, den " Wir halten auf die Konferenz. Wenn sie nicht zu stande sich zu legen? der Formfrage", nämlich in der Konferenz, nachgegeben Tommt, bleibt eben der status quo( der bestehende Zustand), und Ein Verdacht nur! Aber er würde den merkwürdigen hätten. Sie müssen wissen, daß wir hinter Marokko stehen." Widerspruch erklären, der in den Ausführungen der deutschen Erst nachdem diese Versprechungen wiederholt und einDiplomaten steckt: eine Formfrage, und doch Kriegsdrohung! dringlich abgegeben waren, hat die französische Regierung Jetzt nicht, aber wenn Ihr uns in der Konferenz den Willen ihren Widerspruch gegen die Konferenz fallen gelassen. Mit tut, dann vielleicht später! Ein Locken und Drohen, aus dem anderen Worten: Bülows Sieg", von dem Offiziöse und nicht flug zu werden ist. Freiwillig Offiziöse in schmetternden Tönen posaunten, war nur ein Vokabelfieg; die wirkliche, sachliche Regelung der marokkanischen Frage sollte doch nach französischen Wünschen geschehen.
Also nochmals die Kriegsdrohung, und zwar nunmehr in aller diplomatischen Form. So wichtig ist der deutschen Regierung die Konferenz, daß sie um ihretwillen jede maroffa nische Sonderpolitik Frankreichs hindern wird, wenn's sein muß, selbst mit dem Schwert. Was will denn die deutsche Regierung mit dieser Konferenz? Glaubt sie denn wirklich, wenn zehn oder zwanzig Diplomaten zusammenfißen, dann tönnen sie mehr erreichen als unter vier Augen mit Frank reich allein? Hält sie dies für möglich, trotzdem daß Frank reich andauernd sie zu vertraulichen Verhandlungen einlädt? Es bleibt das Rätsel!
Ja, es verdichtet sich gar. In derselben Unterredung sagt der deutsche Gesandte den anderen scharfen Sazz:
Ihnen tommt es zu zu überlegen, ob es nötig ist, um einer Formfrage willen die Besserung der Beziehungen zwischen Deutsch land und Frankreich zu hindern."
Also eine Formfrage! Und darum die Kriegsdrohung?
Das verstehe, wer kann!
Herr Rouvier hat es auch nicht verstanden. Er faßte schließlich seinen Standpunkt in den etwas nervösen Satz zufammen:
" Es scheint nach Ihren Erklärungen, daß Sie beabsichtigen, alle unsere Vorschläge zu bereiteln, welcher Art sie auch sein mögen. Wir können es aber unmöglich auf uns nehmen, uns zu einer Konferenz zu begeben, wo alle unsere Vorschläge von Ihnen bekämpft werden sollen. Daher, ehe wir die Unterhaltung weiter führen, ist es nötig zu wissen, wie Deutschland sich zu den Reformen stellt."( Gelbbuch Nr. 269).
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„ Kurz, der Ton des Kanzlers war sehr entschieden. Er hat mir sehr deutlich zu verstehen gegeben, daß, wenn Deutschland nicht den Zusammentritt einer Konferenz erreiche, es feine eigene Politik bei dem Sultan verfolgen werde und daraus vielleicht Vorteile ziehen könnte. Die Eindringlichkeit, mit der Fürst Bülow Es ist ein Kapitel für sich, zu untersuchen, ob die deutsche eine rasche Lösung empfahl, hat mich lebhaft berührt; sie ist von Diplomatie die Versprechungen gehalten hat, die sie im Sommer der Art, daß fie große Unruhe einflößen tönnte, und scheint mir 1905 hatte machen müssen. Und dies Kapitel würde vielleicht die Entscheidungen Eurer Exzellenz start beeinflussen zu müssen. nicht sehr viel von deutscher Treue zu erzählen haben. Aber Auf der anderen Seite hat der Kanzler mir versichert, daß, wenn gleichviel, das praktische Ergebnis der Konferenz, das heute wir die Konferenz annähmen, die kaiserliche Diplomatie in den offen zu Tage liegt, ist doch dasselbe, das man im Sommer späteren Berhandlungen eine Haltung annehmen würde, mit der 1905 schon erwarten konnte! Frankreich hat die Polizei in wir sehr zufrieden sein würden." allen Häfen und die Mehrheit in der marokkanischen Staatsbant. Es ist wiederum nur ein Vokabelfieg, wenn der„ internationale" Generalinspektor der Polizei, der eben gerade Berichte schreiben, aber gar nichts befehlen darf, und die„ internationalen" Bensoren der Bank als deutsche Siege gefeiert werden. Alle Macht bleibt tatsächlich bei Frankreich .
Dies die Worte, mit denen der französische Gesandte feinen Bericht von dieser denkwürdigen Unterredung schließt. Man sieht ihnen an, daß er vollständig verwirrt ist und in diesem Chaos von Liebe und Drohung sich noch nicht zurechtfinden
fann.
Dann aber kam die Erleuchtung, als der Gesandte zwei Tage später wieder mit dem Reichskanzler sprach: nun er flärte ihm Bülow die böse Situation".
In diesem Zusammenhang aber tommt es noch auf etwas anderes an: in jenen Bülowschen Beschwichtigungen und Versprechungen tritt deutlich zutage, daß ein Unterschied „ Nachdem der Kaiser sich einmal dem Sultan gegenüber ver- best and zwischen dem Kaiser und dem pflichtet hat, fann er ihn nicht im Stich lassen. Aber die Zukunft Kanzler. Der Kaiser führte persönlich die Offensive, der gehört dem, der warten kann. Man muß die Unabhängigkeit des Sultans proflamieren und eine Organisation durch die Intervention Kanzler suchte den kaiserlichen Wunsch formell zu erfüllen, der Mächte versuchen. Wenn der Versuch mißlingt, dann fann um materiell dann doch der französischen Regierung sehr So wird die deutsche Regierung gezwungen, einen Schritt Frankreich die Rolle wieder aufnehmen, die es wünscht." Auf diesen erhebliche Zugeständnisse zu machen. Er hoffte wohl darauf, Punkt hat der Fürst besonderen Nachdruck gelegt. ,, in einem Jahre" werde der Elan seines Herrn verraucht nachzugeben. Sie tut es in echt Bülowscher Weise: sie tritt nicht in Verhandlungen ein, sie nennt ihre Pläne nicht und Das ist die Lösung des Rätsels! Die Kaiserworte, die sein und dann werde er die Hände frei haben, seine eigene macht keine Vorschläge. Das würde ja ihrem eben ein- bei der Reise nach Zanger gesprochen wurden, haben die Politik der Konzessionen und der Verständigung fortVielleicht, daß der ganze Konferenzgedanke genommenen Standpunkt widersprechen. Aber sie läßt ihren deutsche Regierung festgelegt. Nun kann sie nicht anders, als zusetzen. Gesandten objettive Debuftionen" entwickeln, Folgerungen etwas tun, da den Anschein hat, als solle es dem Sultan überhaupt dieser Zügelungspolitik des Kanzlers entsprang. aus der Natur der Sache, die aber beileibe nicht als Ver- helfen. Geling es nicht, so find wir unserer Pflichten ledig, Jene Internationale Arbeiterschutzkonferenz von 1890, dic um den jugendlichen handlungen" betrachtet werden sollen. Also Vokabelpolitit so fann Frankreich machen, was es will. Also darum Räuber Bismard ausdrücklich einschob, auch in der Diplomatie, wie wir sie aus unendlich vielen und Mörder? Darum die Konferenz mit all ihren Gefahren, Elan feines Herrn zu zügeln", tönnte hier ihre etwas geReden des Kanzlers schon kennen! darum der leidenschaftliche Drang, die Konferenz zu stande fährlichere Parallele gefunden haben. Vielleicht! Doch das ist heute noch nicht zu beweisen und As folche„ objektive Deduktion" entwickelt der Gesandte tommen zu sehen, darum die Bedeutung dieser Formfrage", ( Weißbuch Nr. 18) drei Forderungen: internationale Feststellung die uns bis beinahe zum Striege brachte. darum die Unmög- mag daher dahingestellt bleiben. Was urkundlich zu beweisen ist, ist das, daß irgend welche, nicht näher bekannte, der Reformen auf dem Gebiet der Polizei und Finanz und Grundsak lichkeit, private Abmachungen mit Frankreich zu treffen? der, offenen Tür" für die wirtschaftliche Erschließung Maroffos. Man weiß, daß Wilhelm II. in seiner ganzen Politit Verpflichtung zum Schuße des Sultans, die der Kaiser in Rouvier fragt zurück, was unter dieser internationalen" darauf ausging, sich höchst persönlich als den Freund und Langer auf sich nahm, als sein Kanzler nicht um ihn war, Organisation der Polizei zu verstehen sei, ob man daran Schüßer der muselmännischen Bevölkerung hinzustellen. Die für die deutsche Politik und das deutsche Volf ein Jahr denke, daß die Mächte einer Nation( gemeint ist natürlich Türfenpolitik, die Jerusalemreise, das große Wort in ernster Gefahren und dauernder Isolierung zur Folge Frankreich ) ein Mandat erteilen würden.( Weißbuch Nr. 19. Damastus, daß er der Freund der dreihundert Millionen gehabt hat. Ob Bülow darüber im Reichstag nähere Auskunft gibt?
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Das bejaht die deutsche Regierung und fügt hinzu: in den Muhamedaner sei, und dann die Reise nach Tanger : Das
an Algier grenzenden Distrikten solle dies Mandat an Frant- liegt alles auf derselben Linie: die muselmännische Bevölkerung Im Weißbuch hat er keine der hierher gehörigen Reden reich erteilt werden; in den anderen Teilen aber, namentlich soll deutschfreundlich werden. Aus diefer Stimmung heraus auch nur erwähnt!
am Atlantischen Ozean, sollten andere Mächte" das Mandat hat der Staiser offenbar in den Stunden in Tanger etwas erhalten. Roubier versteht diesen Satz, wie ihn jeder halb gesagt, was ihn nun zwang, wirklich etwas für den Sultan weo vernünftige Mensch verstehen muß, als wolle diel zu tun, wollte er nicht auf seinen Zwed verzichten. Man!