Mr. 208.
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Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".
Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferniprecher: Amt IV. Nr. 1983.
Wahlrechtsbewegung und Maffenstreik.
Freitag, den 7. September 1906.
Dache zu kommen." Es müsse die Stimmung zur Aktion geschaffen werden:„ Das kann nur dadurch geschehen, daß die Partei ihre Agitation fortsett und steigert, daß sie jeden Weg, der irgendwie zum Ziele führen kann, durch das Experiment auf seine Gangbarkeit prüft, kurz, daß sie nichts unversucht läßt, wodurch der Krieg vermieden werden kann, nie aber in ihrer Absicht schwankend wird, diesen Strieg, wenn es sein muß, mit dem Aufgebot aller Sträfte wirklich zu führen."
Die Frankfurter Volksstimme" brachte fürzlich einen Artikel, in dem, wie sie es selbst ausdrückte, der Versuch unternommen war, die Massenstreifdebatte auf praktische politische Ziele" hinzulenten. Dies praktische politische Der letzte Sag verrät, wenn wir den freilich sehr vielZiel sollte darin bestehen, daß die Beseitigung des preußischen deutigen Phrasen den richtigen Sinn unterlegen, daß wir es Dreitlassenwahlrechts als das nächste und wichtigste Objett zwar mit einer Art anarchosozialistischem Massenstreikeines tonzentrierten politischen Ranipfes anzusehen sei, der utopismus zu tun haben, aber mit einer solchen, die mit allerfich, falls alle anderen Mittel versagten, schließlich auch des hand revisionistischen Kompromißillusionen verquickt ist! Bressionsmittels des politischen Massenstreits zu bedienen habe. Der Artikel unseres Frankfurter Parteiblattes gipfelte in folgender Forderung:
2. sobald diese Mittel erschöpft sind, die Organisierung und Proklamierung des politischen Massenstreits zur unbedingten Notwendigkeit werden wird." Man sieht, an Bestimmtheit läßt dieser Vorschlag nichts zu wünschen übrig. Er legt die Tattit der Partei, sofern wenigstens Worte einen Sinn haben, ganz genau fest, er bestimmt sogar das Jahr des Beginns der Massenstreit attion, die sich dann, wenn nötig, bis zur Des organi sation des Staates" steigern soll!
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Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984.
Widerstand gefaßt sein. Denn die herrschenden Klassen Deutschlands vertragen infolge der Entwickelung der ökonomischen Verhältnisse keinen Sieg des Proletariats, und sei es in welcher Frage immer. Die einzelne Frage erscheint ihnen nebensächlich, und wichtig nur, daß die proletarische Machtorganisation aus eigener Kraft und in direkter Weise die bürgerliche Machtorganisation über wunden hat. Der Entscheidung der einen Frage der zugunsten des Proletariats wird, so müssen die Gegner fürchten, die Entscheidung der anderen Fragen nachfolge it. Hat das Proletariat hier gefiegt, so tann es auch dort siegen. Mag die Frage vom Proletariat gestellt sein wie immer, die herrschenden Klassen werden immer nur ihr Sein oder Nichtsein heraushören.
Deshalb ist der Massenstreit für Deutschland eine ents scheidende Phase, ein Kampf, der bis zum Ende ausgefochten werden muß, der nur mit dem Siege des Proletariats enden darf, foll er nicht für das Proletariat eine schwere Niederlage werden. Nicht weil das deutsche Proletariat im Massenstreit eine Entscheidungsschlacht schlagen wiII, sondern weil die Gegner in jedem Massenstreit, in jeder und sei es noch so friedlichen und legalen Auflehnung gegen ihre Herrschaft ihr nahendes Ende erblicken und ihm deshalb mit all' ihrer Macht entgegentreten werden, ist der Massenstreit für Deutschland nur ein legtes entscheidendes Mittel in dem Kampfe zwischen Bourgeoisie und Proletariat."
Die Massenstreit- Romantifer in der Partei werden mun
Die russische Revolution.
Der Zar als Banernfänger.
Der Massenstreit soll binnen zwei oder drei Jahren inszeniert werden. Nur dann freilich, wenn alle friedlichen Mittel erschöpft sind. Welch e friedlichen Mittel man meint, Beweist der Versuch, der bis zu den nächsten Reichs wird leider nicht verraten. Vielleicht meint man nur eine mit tags- und Landtagswahlen fortgesetzt werden soll, vor Hochdruck betriebene Agitation durch Presse, Flugblätter und aller Deffentlichfeit flar und unwiderleglich, daß der offene oder Versammlungen nach Art der letzten Wahlrechtskampagne. Heimliche Widerstand der Parteien oder Regierungen jede MögVielleicht aber und die Wendungen alle brauchTichleit eines friedlichen Fortschreitens aus- Vielleicht aber schließt, so wird es die Pflicht aller Faktoren der Arbeiter- baren" Mittel, Benutzung je de 3 Wegs, der irgendwie bewegung sein, den politischen Massenstreit au zum Ziele führen kann", Erprobung der Gangbarkeit" organisieren und zu proklamieren. Die all- jedes folchen Weges, durch das Experiment" scheinen diese gemeine Arbeitseinstellung wird dann fo oft unserere Vermutung zu bestätigen denkt man auch nach den notwendigen Erholungspausen in möglichst an die von Maurenbrecher unlängst empfohlene poli- zwar wieder höhnen: Und trotzdem verlangt Ihr die Dissteigendem Umfange zu wiederholen sein, bis die tisch neutrale Wahlrechtsagitation oder jene von kutierung und Propagierung des Massenstreits!" herrschenden Schichten erkennen, daß sie den nächsten Forderungen anderer Seite vorgeschlagene Tattit, bei den nächsten Wahlen Allerdings, und zwar aus den schwerwiegendsten Gründen! eines entschlossen um seine Grundrente kämpfenden Volkes Erfüllung zu gewähren gezwungen sind, wenn sie nicht die unter Verzicht auf sozialdemokratische Wahl- Wir verlangen die Diskutierung des Massenstreifs, um Desorganisation des gesamten Staatswesens erfolge durch Unterstützung des Freisinns dem Ab- die gemeingefährlichen Illusionen der anarchosozialistischen und als Folge ihres unvernünftigen und volts- geordnetenhause eine andere Zusammensetzung zu geben! revisionistischen Massenstreit- Romantiker zu bekämpfen. Und feindlichen Verhaltens berschulden wollen. Das wäre also halb Revisionismus, halb Friedebergsche wir verlangen die Propagierung desselben, um die Diesen Grundfäßen entsprechend, von denen nur unter Massenstreitromantiť! proletarischen Massen, speziell auch die gewertschaftlich dem 8wange nicht vorherzusehender außer Bei dem gesunden politischen Sinn der Massen der Partei organisierten Massen, mit dem Bewußtsein zu erfüllen, daß ordentlicher Ereignisse abgegangen werden find revisionistische Experimente" allerdings völlig ausge- an ein friedlich- idyllisches Hineinwachsen in die sozialistische foll, ist es Pflicht aller Genossen, die Massen fortgesetzt darüber schlossen. Es bliebe also nur die Möglichkeit, durch sozial- Gesellschaft nicht zu denken ist, daß der Arbeiterklasse aufzuklären, daß 1. die sozialdemokratische Partei zum Zwecke der Einführung demokratische Propaganda die Reaktion zu Stonzessionen schwere, opferreiche Kämpfe bevorstehen, die nur dann des allgemeinen gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zu den zu zwingen. Und da stehen wir allerdings auf dent Stand- erfolgreich durchgefochten werden können, gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten alle Mittel einer punkte, daß trok dieser Propaganda auch in zwei Jahren die wenn die Massen vom Geiste des Klassenfriedlichen Bolitit zu erschöpfen bereit ist, daß aber Reaktion nicht zur Nachgiebigkeit geneigt sein dürfte. Die Partei tampfes und des Jdealismus durchdrungen hätte dann, sofern sie das Frankfurter Projekt akzeptierte und sind! Wann die Kämpfe beginnen werden, hängt zum ehrlich interpretierte, nach zwei oder drei Jahren den Massen- guten Teil von unseren Gegnern ab. Wann der Zeitpunkt streit zur Erfämpfung des preußischen Wahlrechts zu in- aber auch eintreten mag: er muß ein gerüstetes, kampfizenieren und diese Kraftprobe bis zum Erliegen begeistertes Geschlecht vorfinden! einer der beiden Parteien fortzusehen. Aber auch da sind wir der Ansicht, daß die gesunde politische Einsicht und die Klassenkampfschulung die Partei abhalten würde, sich auf ein solch mehr als gewagtes Experiment einzulassen! Die anarchosozialistische Schieberkolonne" derer um bildet, daß man seinen Kampf nur auf ein bestimmtes lich das seit vielen Wochen verheißene Reform"- Brogramm Man wiegt sich in argen Illusionen, wenn man sich einNach langen schweren Leiden hat die Regierung nun endFriedeberg tönnte an diesem Vorschlag ihre helle Freude politisches Ziel, das an sich gar nichts Sozialistisches in die Welt gesetzt. Es hat lange gewährt und ist verteufelt haben! Denn während die Partei im politischen Massenstreit enthält, zu beschränken und zu konzentrieren brauche, um einen schlecht geworden. Der russische Regierungsberg hat ein nur ein äußerstes Mittel erblickt, das in einer außer Erfolg erringen zu können. hat in ordentlichen Situation zur Anwendung gelangen proletarische Klassenkampf bereits viel zu ausgeprägte Formen lächerlich winziges Mäuslein geboren. fann, empfiehlt der Vorschlag unferes Frankfurter und viel zu bedrohliche Dimensionen angenommen. Das gestern( Donnerstag) veröffentlichte amtliche ComBruderorgans den politischen Massenstreit gewissermaßen wenn die Partei noch fleiner, wenn die Massen weniger leid erregen: Es will den Revolutionären Furcht einflößen vor Ja, muniqué will- wie die antiken Tragödien- Furcht und Mitals das normale Rampfmittel zur Erringung poli sozialistisch erzogen wären, tönnte und würde die Reaktion den äußersten Maßregeln, mit denen der abwirtschaftende tischer Stonzessionen, von dessen Anwendung nur dann vielleicht den Versuch riskieren, durch eine Stonzessions Barismus droht, und es will Mitleid erwinseln bei denjenigen Abstand genommen werden soll, wenn nicht vorauszusehende politik den Klassenkampf einzudämmen und abzuftumpfen. russischen und nichtrussischen bürgerlichen Schichten, die so außerordentliche Ereignisse" eintreten! Und es soll sich ja Stonzessionen wären vielleicht auch dann noch zu erwarten, verblendet sind, daß sie den mit der Löwenhaut vermummten nicht um einen bloßen Demonstrationsstreit wenn, wie das Rerhäuser dieser Tage wieder in einer Esel handeln, sondern um einen nur durch die„ notwendigen Versammlung in Stiel empfahl, das Proletariat feinen feigen fel nicht für einen Eſel halten! Erholungspausen" unterbrochenen Entscheidungskampf, der schließ- Klassenkampfstandpunkt aufgäbe und die abschüssige Bahn russischen Revolutionäre so weit wir sie zu beurteilen berNun, der Appell an die Furcht wird in den Herzen der lich bis zur„ Desorganisation des ganzen Staatswesens" getrieben einer Stompromiß Politit beträte. Unter werden soll. Einen irgend wesentlichen Unterschied zwischen gegebenen politischen Verhältnissen aber wird die herrschende zweiten Nikolaus alle Mittel der Barbarei bereits derart erden stehen kein Echo finden, zumal da die Kreaturen des diesem Frankfurter Projekt und der Friedebergschen Massen- Klasse um so reaktionärer auftreten, streiftattik vermögen wir wirklich nicht zu entdecken. Denn die Sozialdemokratie äußerlich und innerlich erstarkt. Gewiß meinheiten von ihnen erfunden werden können. je mehr schöpft haben, daß kaum mehr viel neue Torturen und Gewas Friedeberg bewußt verlangt, die Umwandlung wird die Reaktion schließlich dennoch zur Nachgiebigkeit geunferer heutigen, in Kleinarbeit aufgehenden Gewerkschafts- zwungen werden, aber erst dann, wenn die Macht des Schergen mit ihrem Communiqué beinahe gelungen, wenn Aber das Mitleid zu erwecken, wäre den russischen organisationen in Träger der anarchosozialistischen Massen- deutschen Proletariats noch bedeutend größer geworden sie nicht selber durch ihre schändlichen Verbrechen dafür gestreittaftit, das würde sich bei der Brattizierung des ist als heute. Pflicht der Genossen ist es, durch energischen sorgt hätten, daß sie in die Kategorie derjenigen gelangten, Frankfurter Vorschlages aus der Logik der Tatsachen Ausbau der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen die benen gegenüber beim fühlenden Kulturmenschen jede Regung heraus ergeben! Man sieht also, daß die sei es machtsphäre des Proletariats nach Kräften zu erweitern. Es ist des Mitleids nachgerade versagen muß. Sonst allenfalls hätte immerhin unbewußte Hinneigung zu anarchosozialistischen allerdings nicht unmöglich, daß die deutsche Arbeiter man in der Tat Mitleid empfinden können mit der zaristischen Utopistereien nicht bei den Radikalen, sondern ganz im Gegen lasse schon vorher durch einen Gewaltstreich der Reaktion Sippe, die sich jetzt, da alle ihre Mittelchen nicht berfangen teil bei ihrem Gegenpole in der Partei zu suchen ist! zum äußersten Widerstande gezwungen wird. Aber ein haben, auf die Bauernfängerei verlegt und inmitten ihrer Die Thesen der Frankfurter Voltsstimme" haben denn anderes ist es, einen aufgezwungenen Stampf auf Drohungen durch allerlei unbestimmte Verheißungen sogar auch selbst in dem Teil der Parteipresse, der über die Frucht zunehmen, als selbst in ungünstiger Situation zum Anbei Juben und Bauern vor allem bei den Bauern- um Iosigteit einer bloßen Wassenstreit debatte flagte, bei griff überzugehen! Im ersteren Falle wäre auch gutes Wetter bittet. der doch für absehbare Zeit kein praktisches politisches eine Niederlage nur die Schrittmacherin künftiger Siege, im Ergebnis herausspringe, nur wenig Gegenliebe gefunden. Tegteren Falle dagegen würde das Proletariat die schweren Man bekundete eine nur zu begründete Besorgnis, sich so aus Nachwehen eines gescheiterten Massenstreits nur schwer und dem Handgelenk heraus auf ein so ungeheuer verantwortungs- langsam verwinden! volles Projekt festzulegen. Und das Hallesche„ Volts- Diese Situation hat am 16. September 1905 Genosse Es werden aufgezählt die bewaffneten Erhebungen und blatt" z. B. glaubte denn doch betonen zu müssen, daß die Silferding bereits außerordentlich flar beleuchtet, als er Auffassung zu bekämpfen sei, als ob das freie Wahlrecht das damals in der Neuen Zeit" schrieb: einzige Mittel sei, das uns zum Ziele führen könne".
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Die Replik der Frankfurter Volksstimme" auf diese sehr vernünftigen Einwendungen aber bewegte sich in sehr allgemeinen Rebensarten. So wurde erklärt, wenn irgend eine Veränderung der Verhältnisse eintrete, die die Proflamierung des Massenstreits im ersten Jahre nach den nächsten Landtagswahlen als unpraktisch erscheinen lasse, so werde man ja eine Verschiebung des Zeitpunktes" eintreten lassen können.„ Es handelt sich nur darum, die Reihenfolge der zu unternehmenden Aktionen taktisch richtig zu ordnen, und den Hausbau von unten anzufangen mit der festen Absicht, auch bis zum
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" In Deutschland und in Desterreich steht der politische Massenstreit auf der Tagesordnung der Parteitage.
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Und doch handelt es sich in den beiden Ländern um politisch ganz verschiedene Dinge. Der politische Massenstreit, angewandt von der weitaus stärksten Partei Deutschlands gegen die stärkste Regierung und geschlossenste Herr schafts Organisation der Welt, ist ein ganz anderes Ding als der politische Massenstreit in Desterreich, angewandt von einer kleineren Partei, der eine schwache Regierung und ein Haufe stets miteinander hadernder bürgerlicher Parteien gegenüberstehen. In Deutschland muß der Massenstreit, mag er entstehen wie er wolle, auf den allerschärfsten!
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Das amtliche Machwerk beginnt mit einer Winselei über das Anwachsen der revolutionären Bewegung seit zwei Jahren:
Meutereien von Sewastopol , Sveaborg, Reval , Kronstadt . Es werden aufgezählt die Attentate auf Tschufnin( den Kommandanten der Schwarzmeerflotte), Block( den Gouverneur von Samara ), Voljarljarsky( den Generalgouverneur von Warschau ), General Margkrafsky, General Minn.
„ Diese Verbrechen zeigen deutlich, daß die revolutionären Drganisationen darauf hinarbeiten, das ruhige(!!) Wert der Negierung zu hindern, durch Gewalttaten Verwirrung in die Reihen Ser Regierung zu bringen und der Möglichkeit eines schöpferischen Staatslebens ein Ende zu machen. Die Regierung hält es
für nötig, zu erklären, daß die Revolutionäre schon vor der Auflösung der Duma einerseits eine bewaffnete, von dem Heer und der Flotte unterstützte Erhebung, andererseits eine allgemeine Agrarbewegung vorbereiteten, die das ganze Land mit sich fort