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Nr. 224.

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Ericheint täglich außer Montags.

Vorwärts

Berliner Volksblaff.

23. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 50 Big., für bolitische und gewerkschaftliche Vereins­und Bersammlungs- Anzeigen 30 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett­gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf­stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet.

Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: 2mt IV. Nr. 1983.

Die ganze zivilisierte Welt­

ihren

abzwingt. Stoßkraft, der beispiellose Opfermut des deutschen Proletariats

sie sind sprichwörtlich bei Freund und Feind.

muß immer mehr und mehr Eingang finden bei denen, deren Interessen die Sozialdemokratie so tapfer vertritt. Soeben hat Genosse Gerisch auf dem Parteitage berichtet, daß unsere Presse in den letzten drei Jahren

264 888

Abonnenten gewann! Und daß wir augenblicklich in Deutschland über einen Abonnentenstand quittieren können, der durch die Zahl 837790

Mittwoch, den 26. September 1906.

Teuerung.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernivrecher: Amt IV. Mr. 1984.

Mietspreise während der letzten Jahre beträchtlich empor­geschnellt ist. Eine genaue Statistit dieser Mietssteigerung gibt es natürlich nicht; einen gewissen Anhalt gibt aber immer­Die Preise der Lebensmittel steigen immer höher. Mit bei deutschen Kommunalbehörden aufgenommene Statistik der hin die jüngst vom Tarifamt der Buchdrucker durch Umfrage der Aera besseren Geschäftsganges, die vor drei Jahren nach Mietspreisveränderung seit dem Jahre 1901. Nach dieser einer mehrjährigen Wirtschaftskrisis einsetzte, hat zugleich ein Zusammenstellung sind in den letzten 5 Jahren die Mieten für erneuter Aufstieg der Lebensmittelpreise begonnen, der die ge- fleine, aus Stube, Rammer und Küche bestehende Wohnungen ringen Lohnaufbesserungen, die während der letzten Jahre in 352 Drten gestiegen, in 238 Drten ziemlich unverändert geblieben Freund wie Feind folgt den Verhandlungen unseres Mannheimer einzelne Arbeiterschichten in schweren Stämpfen errungen haben, und in nur 11 Drteu gefallen, und zwar beträgt die Steigerung in Parteitages mit hochgespanntem Interesse. Warum? Weil die nicht nur völlig ausgleicht, sondern darüber hinaus die Lebens- Altona 30 Mart, Wilhelmshaven 45 Mart, Saarlouis 48 Mart, deutsche Sozialdemokratie, die deutsche Klassenbewußte Arbeiterschaft haltung der deutschen Arbeiterschaft unter das Niveau herab- Hörde, Iserlohn , Solingen , Offenbach , Bamberg und Pir­es verstanden hat, sich eine Machtstellung zu erkämpfen, die selbst zudrücken droht, das diese in der Aufschwungsperiode der Jahre masens 50 Mart, München 51 Mart, Riydorf 55 Mark, hämischsten Gegnern Anerkennung, Neid und Staunen 1896/1900 erreicht hatte. Aschaffenburg 72 Mart, Mez 80 Mart, Konstanz 96 Mark. Zu einem gewissen Teil ist es sicherlich der durch die Selbst in den Städten des wirtschaftlichen Ostens stiegen die Unsere organisatorischen Erfolge, unsere agitatorische Besserung der Geschäftslage geweckte und vermehrte Bedarf. Wohnungsmieten in den wenigen Jahren: in Forst um Unsere organisatorischen Erfolge, unsere agitatorische der zu den Preiserhöhungen beiträgt, doch ist die Bedarfs- 15 Mart, in Zabrze um 24 Mart, in Beuthen um 26 Mart, steigerung nur eines der in Betracht kommenden Momente. Noch in Bromberg und Danzig um 30 Mart usw. weniger läßt sich das Emporschnellen der Preise auf Miß­In einer Hinsicht aber könnte es bei uns doch weit beffer ernten und Mißwachs zurückführen, die in früheren Beiten Haushalts in den letzten Jahren etwas im Preise gefallen Dafür sind zwar einige andere Bedarfsartikel des kleinen bestellt sein: meist die Ursachen einer Lebensmittelteuerung waren. Deutsch 3. B. Zucker und Reis; aber dieser Rückgang kommt gegen­Unsere Presse land hat in den letzten Jahren verhältnismäßig gute Ernten über der starken Verteuerung der vorgenannten Lebensmittel gehabt. Zwar ist im Jahre 1904 die Kartoffel- und Futter- und der Steigerung der Mieten kaum in Betracht. Tatsache mittelernte unter dem Durchschnittsergebnis des vorauf bleibt, daß heute der verheiratete städtische gegangenen Jahrfünfts zurückgeblieben; dafür aber stellte sich Arbeiter für die nötigsten Lebensbedürfnisse der Roggenertrag höher als jemals vorher in Deutschland , eine um 15 bis 20 Proz. größere Geldsumme und der vorjährige Weizenertrag ist seit Jahrzehnten nur drei- ahlen muß, als noch vor wenigen Jahren. 1900 und 1902. mal um ein Geringes übertroffen worden, in den Jahren 1899, Sind in gleichem Maße auch die Löhne ge­gute Weizen- und Roggenernte, wenn auch nicht eine so es infolge des besseren Geschäftsganges, wenn auch meist erst Auch das Jahr 1905 hatte eine relativ stiegen? Die Frage stellen, heißt sie verneinen. Wohl ist günstige, wie im voraufgegangenen Jahre; und die Kartoffel- durch schwere gewerkschaftliche Stämpfe, den meisten Arbeiter­und Heuernte lieferte einen Ertrag, wie ihn die deutsche Land- kategorien gelungen, den fast allgemeinen Rückgang der wirtschaft noch niemals gesehen. Der Ertrag an Kartoffeln Löhne in den beiden Krisenjahren 1901 und 1902 wieder aus­stellte sich auf mehr als 48,3 Millionen Tonnen, über zugleichen; einzelne Berufe haben auch den Durchschnitts­12 Millionen Tonnen mehr als im Jahre 1904, und die Heu lohn noch etwas über den Lohnstand der Jahre 1899/1900 ernte ergab 26,3 Millionen Tonnen, 4,8 Millionen Tonnen hinaus zu steigern vermocht; aber Lohnerhöhungen von Sine Million Abonnenten und eine halbe mehr als im voraufgegangenen Jahre. Und dieses Resultat 15 und 20 Proz. sind höchst seltene Ausnahmen. Rascher wurde nicht etwa durch eine starke Vergrößerung der Anbau- als die Löhne sind in den letzten Jahren die Preise Million Organisierter! fläche erzielt, sondern durch die Ertragssteigerung pro Heftar, der notwendigen Lebensunterhaltungsmittel gestiegen. die bei Kartoffeln von 110 auf 145 Doppelzentner, beim deutsche Arbeiterklasse sieht sich in ihrer Lebenshaltung Wiesenheu von 36 auf 44 Doppelzentner pro Hektar stieg. bedroht. Die Lohnerhöhungen, die sie während der letzten Auch die diesjährige, noch nicht abgeschlossene Ernte ver- Jahre in schweren wirtschaftlichen Kämpfen errungen hat, gehen spricht nach den Saatenstandsberichten einen beträchtlich ihr nicht nur durch die fortgesetzte Steigerung der Lebens­über den Durchschnitt des letzten Jahrfünfts stehenden Ertrag. mittel- und Mietspreise völlig wieder verloren, sondern die zu­also nicht die Rede sein. Was ist aber dann die Ur Lebenshaltung zurückzudrängen, die sie seit mehr als einem Von einer durch Mißernten verschuldeten Teuerung fann nehmende Teuerung droht sie sogar auf eine Stufe der fache der jetzigen teuren Zeit? In der Haupt- Jahrzehnt überholt zu haben schien. Die stetige Teuerung ist sache die dem Profitinteresse der ländlichen bereits zu einer ernsten Gefahr für die Voltsernährung, für Großgrundbesizer dienende offizielle 3oll das Eristenzniveau der Arbeiterschaft geworden; und diese und Wirtschaftspolitik. Deutschlands Bevölkerung Steigerung ist ist keineswegs eine natürliche, wie die steigt durchschnittlich in jedem Jahre um anderthalb Prozent, agrarische Presse behauptet, sondern in der Hauptsache und zugleich entwickelt sich das Deutsche Reich mehr und mehr die Folge einer Zoll- und Wirtschaftspolitik, die es als ihre zum Industriestaat. Die Folge ist eine steigende Nachfrage Aufgabe betrachtet, zugunsten des Profits der ländlichen Groß­nach gewissen landwirtschaftlichen Produkten nicht nur für grundbesitzer die Lebensmittelzufuhr aus dem Auslande mög­den unmittelbaren einheimischen Verbrauch, sondern auch zur in- lichst zu erschweren und einzuschränken. Damit die Junker­dustriellen Verarbeitung, z. B. zur Herstellung von Bier, Schnaps, taste, die sich gegen jede Verbesserung der Lebenslage der Likör, Konserven, Cafes, Delen usw. und deren Export nach dem Arbeiterklasse stemmt, die bei jedem Streit sich heßend auf die Auslande. Diesen Bedarf vermag die einheimische landwirt Seite der Unternehmer stellt, höhere Profite einzustreichen müssen wir endlich niederzwingen. Wir müssen es um so eher schaftliche Produktion nicht mehr zu decken, und da die Zufuhr vermag, deshalb wird durch zoll- und wirtschaftspolitische erreichen, als wir ja ganz abgesehen davon, daß für Arbeiter derartiger Bodenprodukte aus fremden Agrarstaaten durch Maßnahmen die Lebenshaltung der Arbeiterschaft fünstlich nnd Arbeiterinnen überhaupt kein anderes Blatt Groß- Berlins in Grenzsperren, Einfuhrbeschränkungen und hohe Zölle teils ver- heruntergedrückt. Das nennt man christliche Sozialpolitik! Betracht kommen dürfte auch im allgemeinen in bezug auf hindert, teils erschwert wird, so entsteht ganz naturgemäß Aktualität, Promptheit und Schnelligkeit des Nachrichten- und ein Mißverhältnis zwischen dem künstlich ver­Depeschendienstes es allmählich mit den größten und teuersten minderten Angebot und der steigenden Nach­bürgerlichen Preß- Organen aufnehmen können.

ausgedrückt wird! Unser Parteikassierer schloß seine Ausführungen mit der programmatischen Forderung, daß wir es bis 1908, bis zu den nächsten Reichstagswahlen, bringen müssen auf:

Eine Million Abonnenten!

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Ein halbes Dutzend bürger Iicher Breßorgane Deutschlands kann mit einer Million Abon nenten aufwarten. Und wir sollten unser halbes Hundert Parteizeitungen nicht bald so weit wenigstens bringen? Parteigenofien Groß- Berlins ! Der Vorwärts", das Zentral­organ unserer Partei, muß mit dem besten Beispiele vorangehen, erste Million

wenn wir bis 1908 die

"

Abonnenten auf unsere Parteipresse voll haben sollen. Er muß vorangehen, und er wird vorangehen, wenn Ihr den festen Vorsatz faßt und mit gewohnter Energie ausführt: Zu den unserer Partei presse an der ersten Million noch fehlenden 162 210 Abonnenten nicht den geringsten Teil heranzuschaffen. Die indifferente Presse in und um Berlin , die Presse der Lauen, der Halben, der Gleichgültigen, der

Arbeiterfeinde

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Wir haben uns Mühe gegeben, dem Gange der großen russischen Revolution auf Schritt und Tritt zu folgen, vor den Augen unserer Leser ein Bild zu entrollen von diesem gewaltigen Stück Zeit­geschichte, das mitzuerleben uns vergönnt ist. Wir werden uns bemühen, diesen Teil unseres Blattes immer sorgfältiger auszu bauen, damit unsere Leser noch besser informiert werden über die Leiden, die Rußlands Bolt jetzt zu erdulden hat, über die heroischen Kämpfe, die unsere heldenhaften Genossen und Freunde im Osten gegen den verruchten, verbrecherischen Zarismus führen.

Unter nicht geringen Opfern haben wir Upton Sinclairs schnell berühmt gewordenen Roman

The Jungle ( Der Sumpf")

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frage, das zu einer allgemeinen Preissteigerung der be­treffenden Erzeugnisse auf den einheimischen Märkten führt.

Wie hoch bereits die Preise für die wichtigsten Lebens­mittel, Brot- Getreide, Kartoffeln, Fleisch, Butter gestiegen sind, zeigt folgender Vergleich. Es betrug in Berlin der Groß­handelspreis für: Im Durchschnitt d. Jabre 1900/04 139 M.

Pro Tonne

Roggen, guter Weizen, guter Speisekartoffeln, mittel

zur Zeit: 1905 157. 152 M. 135 175 53 53

163

"

11

44

17

11

Butter, II. Qual. pr. Doppelztr. 240 227 Pro Doppelzentner Schlachtgewicht

212

17

"

IP

Dchsen, II. Qualität

Kälber, II. Qualität

164 M. 137 M. 168

147

132

" 1

19

"

Hammel, I. Qualität

173

139

121

4

11

71

17

Schweine, II. Qualität

139

128

105

"

17

D

Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara.

123 M.

-

=

" 1

Die russische Revolution.

Diktator Stolypin .

Die

Sibirskijftrjelok" besuchte Minister Stolypin den Zaren in Auf dem ihm zur Verfügung gestellten Minenkreuzer Sen finnländischen Schären und hatte dort Gelegenheit, mit dem Zaren, vertraulich" zu konferieren. Selbst der Hofmeister, Baron Frederiks, suchte einen Vorwand, um der etwa anderthalb Stunden dauernden Besprechung zwischen dem Zaren und dem Minister Stolypin nicht beizuwohnen! Das Ergebnis der Reife Stolypins ist in mancher Be­ziehung von großer Bedeutung. So hat der Zar unter anderem die bisherigen Vollmachten Stolypins dahin erweitert, daß alle wichtigen Verfügungen nur unmittelbar von diesem zu erteilen sind. Auch werden von jetzt ab alle Minister, aus­genommen der Kriegs-, der Marine- und der Hofminister, ihre Verfügungen unmittelbar von Stolypin erhalten und auch diesem Rede und Antwort stehen müssen.

Regierungs- Banditen.

Demnach stehen zurzeit die Großhandelspreise in Berlin erworben, mit dessen Abdruck wir im Oktober beginnen werden. und die Kleinhandelspreise richten sich nach diesen- für Brot­Nach allen Richtungen hin denken wir das Zentralorgan der getreide um ungefähr 10 Proz., für Kartoffeln um 20 Proz., In der Presse liest man tagtäglich von Raubanfällen, Morden, deutschen Sozialdemokratie so auszubauen, daß unsere Genossen die für Butter um 10 Proz. und für Schlachtvieh um 30-43 Proz. Diebstählen, die als Begleiterscheinungen der russischen Revolution Propaganda für ihren Vorwärts" mit immer größerem Stolze auf- höher als im Durchschnitt der Jahre 1900/04. Und diese registriert und den Revolutionären zugeschrieben werden. nehmen dürfen. Preissteigerung beschränkt sich keineswegs auf die vorgenannten Wir haben diesen Nachrichten stets sehr skeptisch gegenüber­Der September geht zu Ende. Der 1. Oktober, das neue notwendigsten Lebensmittel; die Preise einer Reihe anderer, gestanden; denn es versteht sich von selbst, daß Rußlands Regierungs­Quartal, steht vor der Tür. Es ist höchste Zeit zu werben, zu ebenfalls im fleinen Haushalt ständig gebrauchter Bedarfs- fippe ihren Informationsapparat so spielen läßt, daß all' jene Vor­sammeln, zu agitieren. artifel als z. B. Kaffee, Heringe, Schmalz, Eier usw. befinden kommnisse- wenn sie nicht überhaupt erlogen sind so dargestellt fich ebenfalls in der Aufwärtsbewegung. Daraus ergibt sich, werden, daß ein ungünstiges Licht auf die Revolutionäre fallen soll. daß heute der Arbeiter wenigstens gilt das für Erst fürzlich brachten wir eine offizielle Erklärung ruffischer Sozial­den Berliner Arbeiter einen u m 15 bis demokraten, aus der hervorging, daß diese von allem unnüßen 20 Prozent höheren Geldbetrag für die Blutvergießen sowie von den sogenannten Konfistationen" privaten Anschaffung der nötigen Lebensmittel auf Eigentums dringend abraten. wenden muß, als im Jahr fünft 1900/1904. Dazu Eine Privatmeldung, die dem B. T." zugeht, beweist, daß man tommt, daß durchweg in allen Groß- und Industriestädten die in der Registrierung, vor allem aber in der Beurteilung

Vorwärts"!

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