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Mr. 20.

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Criscint täglich außer Montags.

Vorwärts

Berliner Dolksblatt.

24. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 50 Big., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 80 fg. ., Kleine Anzeigen", das erste( fett­gedruckte) Bort 20 Bfg., jebes weitere Bort 10 Bfg. Stellengesuche und Saf stellen- Anzeigen das erste Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Bfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Rummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition t bis 7 Uhr abends geöffnet.

Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berita ".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983.

Donnerstag, den 24. Januar 1907.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984.

Die sozialdemokratischen Kandidaten für Berlin und die Nachbarkreise sind:

1. Wahlkreis:

Stadtverordneter Dr. Leo Arons , Berlin .

2. Wahlkreis:

Geschäftsführer Richard Fischer, Berlin .

3. Wahlkreis:

Rechtsanwalt Wolfgang Heine , Berlin .

4. Wahlkreis:

Stadtverordneter Paul Singer, Berlin .

5. Wahlkreis:

Arbeitersekretär Robert Schmidt, Berlin .

6. Wahlkreis:

Schriftsteller Georg Ledebour ,

Zehlendorf bei Berlin .

Für Nieder- Barnim: Stadtverordneter Artur Stadthagen, Berlin .

Für Teltow- Beeskow- Storkow- Charlottenburg: Stadtverordneter Fritz Zubeil , Berlin .

Der Kampf um die nationale Ehre! betertums und ihrer Bedrohung aller

Aber es

Heraufbeschwörung der verhängnisvollsten internationalen Ron- Das Volt der Arbeit steht an einer politischen Wende. flifte, mit ihrer Zusammenschweißung des ganzen fapitalistischen Es hat darüber zu entscheiden, ob es reif ist für eine ver­Ausbeutertums und ihrer Bedrohung aller freiheitlichen und nünftige Vertretung seiner Interessen. In seinen Händen fozialen Regungen! liegt die Entscheidung darüber, ob der Weg des Proletariates Während die von weltpolitischen Macht- und Bereicherungs- auch fernerhin ein Aufstieg zu politischer Freiheit, zu kultureller Der politische Kampf in Deutschland ist an einem Wende- gelüften entbrannte Bourgeoisie in fremden Ländern lockender Sebung sein soll, oder eine Sackgaffe, deren Ausgang die punkt angelangt. Die deutsche herrschende Klasse fühlt den Beuteoft freilich auch nur äffenden Phantomen- nach Kapitalistenklasse ein für allemal gesperrt hat! Zeitpunkt gekommen, um noch einmal mit aller Rücksichts- jagt, will das deutsche Proletariat, wie das fozialistische Nicht mit einem Schlage kann die Entscheidung fallen. losigkeit den Kampf für die brutalen, alles Jdealismus baren Proletariat a Iler Länder, im Heimatlande kulturelle Heimat Es gilt langen, schweren, opfermütigen Stampf. tapitalistischen Ausbeuterinteressen gegen die humanitären und politit treiben. Es will jener Masse des Volkes, die mit ihrer handelt sich darum, ob das Proletariat eine neue Schanze sozialen deale des Selbstbewußtsein erwachten Hände Arbeit alle Werte schafft, auf deren frongebeugten erftürmen oder aus seiner bisherigen Position zurückgeworfen Proletariates zu führen. Nach echter Flibustiersitte hat dabei Schultern die ganze Welt der kapitalistischen Herrlichkeit ruht, werden will! das tapitalistische Freibeutertum eine falsche Flagge gehißt: endlich faktisch jene Bürgerrechte erobern, die ihm das liberale die des Nationalismus. Bürgertum bereits seit einem Jahrhundert verheißen hat! Das Volk der Arbeit will sich selbst regieren, selbst seine Geschicke, d. h. die Geschicke der Nation regeln, sich nicht länger von einer dünnen Schichte Privilegierter vermittelst des Degens Bonapartes" beherrschen lassen!

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Darum hinein in die Wahlschlacht! Vorwärts für die wahre nationale Idee! Vorwärts für Volksfreiheit, für den großen Kulturkampf der Menschheit im Zeichen des Sozialismus!

Wahlkampf.

Wahlresultat- Telegramme

Im Namen der nationalen Ehre" führt man Ausrottungs­friege gegen Eingeborene, die eine strupellose Politik der Aus­plünderung in den Verzweiflungskrieg getrieben hat. Im Namen der nationalen Ehre" bergeudet man Milliarden für eine koloniale Gründer- und Spekulantenpolitit, die nur einer Das Proletariat will nicht länger Millionäre züchten und Handvoll von Reedern, Kaufleuten und Kolonialagrariern die den Nationalreichtum" mehren, auf daß er von ein paar­Laschen füllt. Im Namen der nationalen Ehre" treibt man mal hunderttausend Besitzenden usurpiert wird, sondern eine Politik des weltpolitischen Abenteurertums und der diesen Reichtum der Nation selbst, den 88 Proz. Befitlosen zu Provokationen, die über furz oder lang zur Katastrophe furcht- teil werden lassen! Das Proletariat heischt aber nicht nur ersuchen wir die Wahlkomitees der einzelnen Wahl­barster internationaler Zusammenstöße führen muß. bollen Anteil an allen materiellen Gütern, sondern auch freise am Freitagabend bis spätestens 11 Uhr abzusenden an Das persönliche Regiment hat auch dieser neuesten Phase als sein unveräußerliches Menschenrecht vollen Anteil an den die Adresse: des Kampfes feinen Stempel aufgedrückt. Aber der Abso- geistigen Schäßen unserer modernen Kultur! Dringend. Sozialdemokrat, Berlin . Tutismus vermag sich nur durchzusehen, weil die besitzende Das Proletariat will nicht länger Kulturdünger sein, sondern Teilresultate bitten wir nur dann zu senden, Klasse sich ihm willfährig untergeordnet hat. Wie bei der selbst Träger und Teilhaber der Stultur! Flottenpolitit hat sie sich jetzt auch bei der Kolo- Die Bourgeoisie sucht dem Proletariate vorzuschwaßen, wenn bis 11 Uhr das Gesamtresultat nicht zu erhalten ist. nialpolitik dem Absolutismus in die Arme geworfen. daß sich ja auch seine Lage bessere, erhöhe sich doch auch sein Spätere Telegramme finden in der Extraausgabe von Die Weltpolitik, der Flottenpolitik wie Kolonialpolitik dienen, Einkommen. Nun, noch immer befizen 65 Prozent des Volkes Sonnabend mittag Aufnahme. Sie müssen spätestens 7 Uhr ist das Objekt, wie die Form, die Kampfparole, um die und ein Einkommen von weniger als 900 Mart, und weitere unter der der Kampf gegen die demokratischen und sozia- 15 Prozent besigen ein Einkommen von kaum 1000 Mart morgens abgesandt werden. listischen Bestrebungen der Arbeiterklasse geführt wird. jährlich! Und soweit sich das Geldeinkommen der Arbeiter Der seichte und rücksichtslose Güüstling der Börse, vermehrt hat, ist diese Lohnerhöhung wieder reichlich aus­Exzellenz Dernburg , ist der eigentliche Führer im Kampfe geglichen worden durch die Verteuerung der Lebensmittelpreise. vative der vom kapitalistischen Bereicherungstaumel und Größenwahn Dagegen ist das Vermögen der Besitzenden, dieser paar Prozent befallenen Bourgeoisie gegenüber dem machtvollen Kultur- der Gesamtbevölkerung, in zwei Jahrzehnten in der Tat um ringen des Proletariates. Seine pomphaften Zahlenfinfonien 30 Milliarden gewachsen!

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und Gründerprospekte berauschen die ganze herrschende Klasse, Und wenn nun gar die Klopffechter der Bourgeoisie er­benebeln felbft die Vertreter der Intelligenz", die kapi- flären, eine fozialistische Organisation der Produktion, talistische Afterkunst und die offizielle Wissenschaft. Haben sich eine Vergesellschaftung der Produktionsmittel sei un­nicht goldene Segensströme über das deutsche Volt" ergossen, ausführbar, so beweist schon die ta pitalistische Gesellschaft hat sich nicht das Nationalvermögen" in zwanzig Jahren das Gegenteil. Sind nicht die größten Betriebe, die um mindestens 30 Milliarden vermehrt? Haben nicht die Eisenbahn, die Post, schon heute verstaatlicht? Und funktionieren Tippel und Bob 135 Prozent verdient? Was bedeuten dieser diese Betriebe nicht tadellos? Würden sie vielleicht schlechter Fülle kapitalistischen Segens gegenüber die paar Milliarden, funktionieren, wenn die Post- und Eisenbahnproletarier wüßten, die für die Kolonien und die Flotte verausgabt worden sind. daß aus den Riesenüberschüssen dieser Betriebe nicht Nur neue Milliarden ausgestreut, und die Ernte der deutschen Militarismus und Marinismus gemästet würden, sondern ihr Kapitalistenklasse wird eine noch viel üppigere sein! eigenes Einkommen aufgebessert werden würde?

Allein das deutsche Proletariat läßt sich durch diese Dem Proletariat glaubt man einreden zu können, daß Sirenentöne des weltpolitischen Börsenritters nicht locken. Es die Interessen der Gesamtheit Schaden erleiden würden, weiß, daß von den 30 Milliarden des Zuwachses des natio- wenn die Kontrolle über die Betriebe der Gesamtheit selbst nalen" Vermögens nichts in seine Tasche geflossen ist. Es hat übergeben würde. Von der besitzenden Klasse jedoch, die doch es am eigenen Leibe zu deutlich gefühlt, daß das agrarisch- aus demselben Stoffe getnetet ist, wie die Masse des Volkes, industriell- börseanische Kartell nur dadurch zustande gekommen soll das Volk glauben, daß sie nicht nur ihre eigenen ist, daß sich alle Schichten des Ausbeutertums in gleicher Weise Betriebe zu verwalten befähigt sei, sondern obendrein auch auf seine Kosten bereichern! Es weiß, daß es die Lasten für noch die des unmündigen Volkes!

die Flotten- und Kolonialpolitik zu tragen hat, während die In dem Kampf um die Weltpolitik fulminiert der Kampf Bourgeoisie sich in die Beute teilt! um die Aufrechterhaltung der kapitalistischen Herrschaft über Aber das deutsche Proletariat bekämpft nicht allein aus die Masse des Voltes! diesen Gründen die Weltpolitik. Es weiß, daß es tein Das Volt soll auch fünftig entrechtet bleiben. Ja, ihm schlimmeres Hemmnis der wahren nationalen Kulturpolitik sollen zur größeren Sicherheit neue Retten aufgelegt werden! gibt als diese Weltpolitik mit ihrer Heranzüchtung eines über- Schon ist der Ueberzahl der Herrschenden selbst das Reichstags­mächtigen Militarismus und Marinismus, mit ihrer Ab- wahlrecht ein Dorn im Ange! Schon will man auch, wie das Stumpfung aller humanitären Regungen, mit ihrer Entfesselung Antigewerkschaftsgesetz bewies, dem gewerkschaftlich koalierten der strupellosesten tapitalistischen Raubbegierden, mit ihrer Proletariate Knebel anlegen!

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Wahlrechtsfeinde find fie alle!

Die bürgerlichen Parteien nämlich. Das konfer­Chemnißer Tageblatt" schrieb dieser Tage:

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Wie die Nationalliberalen im innersten Herzen über das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht denken, geht aus einem foeben erst veröffentlichten Leitartikel der( Chemniter) Allgemeinen Zeitung " hervor. Da heißt es hinsichtlich des bon Zentrum eingebrachten Antrages, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht auch für den preußischen Landtag ein­zuführen, wörtlich:

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,, Daß der Antrag, in Preußen das Reichstagswahlrecht einzuführen, ein Schlag gegen die ruhige, stete Entwidelung des Staates ist, weiß das Zentrum sehr wohl, für die Konservativen aber ist ein solcher Antrag Gift."

Abgesehen davon, daß dieser Antrag für die National­liberalen und Freisinnigen in gleicher Weise Gift ist, wie für die Konservativen, muß man hier die Erkenntnis hervorheben, daß das Neichstagswahlrecht ein Schlag gegen die ruhige, stete Entwidelung des preußischen Staates ist. Ist dem Deutschen Reiche eine ruhige, stete Entwickelung nicht ebenso gu gönnen, wie dem preußischen Staate?!

Nur aus Rücksicht für die politisch unreifsten Elemente der Wählerschaft machen viele Liberale aus ihrem Herzen eine Mördergrube und preifen öffentlich das Reichstagswahlrecht, während sie in Wabcheit für die Schattenfeiten desselben keines­wegs blind find. Auch vielen Freifinnigen ist es innerlich nicht recht wohl dabei, wenn sie mit schwankender Stimme programmgemäß ihren hymnus auf das Reichs­tagswahlrecht anftimmen müssen. Wie tommt es denn, daß diese Partei in den Städten, wo sie eine große und sehr radikale Mehrheit in der Stadtverwaltung hat, wie z. B. in Berlin , ein durchaus plutokratisches Klaffenwahlrecht dem Reichstagswahlrecht wohlweislich vorzieht?"

Ganz recht! Feinde des Reichstagswahlrechts sind sie alle. Arbeiter und Kleinbürger, denkt daran, wenn Ihr morgen zur Wahlurne schreitet!